Umweltnachrichten 22.03.2020

Corona hat uns im Griff, dazu später mehr.

Auf dem Friedhof Eggenstein werden die Gräber, bei denen die Ruhefrist beendet ist und die abgeräumt sind, mit Rasen eingesät. Zusätzlich erhielten sie eine Zwiebelblumenbepflanzung. Das ist uns aufgefallen. Sieht schön aus und nützt den bedrohten Insekten. Dabei ist es nicht so eintönig narzissengelb wie im Ostring oder der Leopoldstrasse, sondern es wurden Krokusse in Sorten, Tulpen und andere verwendet. Buntes, welches zeitversetzt blüht. Danke für diese Aufmerksamkeit. Schrittsteine in die richtige Richtung.

Wenig Aufwand, tolle Idee. Da lacht das Gärtnerherz!

Die Corona Krise spitzt sich weiter zu. Kann ich morgen noch zur Arbeit? Fahren die Bahnen noch? Auf eine weitere Monatskarte habe ich verzichtet, und mir stattdessen ein „Fastenticket“ für 7 Tage gekauft. Das läuft am Sonntag ab und Montag fahre ich mit dem Auto zur Arbeit. Fasten habe ich mir eigentlich anders vorgestellt. Haben wir eigentlich genug Klopapier?

Wer in seinem Leben Bescheidenheit erlebt hat, kommt mit Krisen klar.

Im Bürgerpark wurden die Weiden geschnitten. Fachlich richtig. Nur zum falschen Zeitpunkt. Weiden sind Frühblüher und die erste Nahrung für die aus der Überwinterung gekommenen Insekten – Bienenweide eben. Jetzt ist diese Nahrungsquelle dahin. Der richtige Zeitpunkt wäre nach der Blüte gewesen, ca. Mitte April. Da diese Weidenart kleinwüchsig ist und an einem stark frequentierten Ort steht, brüten darin keine Vögel. Falls sich jemand auf das Schnittverbot wegen Vogelschutz beruft.

Die Weiden im Bürgerpark wurden geschnitten.
Bild vom 26.10.2014. An den Trieben sind die Blüten fürs Frühjahr bereits angelegt. Bitte vergesst in der aktuellen Krise die Ökologie nicht.

„Meine Friedhofsgärtner“ ordern Bodendecker für die Bepflanzung der Gräber. Noch ist das möglich. Beim Kommissionieren kullern Kindel vom Dachwurz auf den Boden. Gezielt sammle ich diese auf und mit einer Hand voll Sedumsprossen steige ich zuhause in die Pflanzenvermehrung ein. Als Zusatzprojekt für den ausgefallenen Umwelttag für die Lindenschule. Klaus wollte eigentlich den prämierten Vorgarten als Ersatzmaßnahme mit Schülern pflegen, schneiden, usw. Das hat er jetzt im Schnelldurchgang alleine gemacht. Den Rest werden wir nachholen.

Links sind die Rosetten vom Dachwurz (Sempervivum Hybriden), sogenannte Kindel, rechts Sprossen der Fetten Henne (Sedum album `Coral Carpet´). Die legt man auf mageres Substrat, drückt leicht an, wartet und beobachtet.
Blumenerde mit Sand gemischt, es geht auch Gartenerde. Wässern nicht vergessen, aber nicht zuviel, da diese Pflanzen Trockenheit ertragen. Die Pflanzen wissen, was zu tun ist und nach 14 Tagen haben sich die Würzelchen gebildet. Kann man gut mit KIndern machen.

Corona bestimmt immer mehr unser Leben. Um mich zu informieren gehe ich auf die Seite der Gemeinde – www.egg-leo.de – . Dort gibt es umfassende Hinweise. Und täglich wird aktualisiert. Beim Lesen dieser ernsten Botschaften spüre ich, dass im Rathaus alles unternommen wird, um das gemeindliche Leben aufrecht zu erhalten. Uns Bürgerinnen und Bürger mit Informationen zu versorgen und Hilfestellungen anzubieten. Deshalb ist es an der Zeit dem kompletten Rathausteam „Danke“ zu sagen, für ihren Einsatz für unser aller Wohl. Dasselbe gilt unseren Gemeinderätinnen und Räten. Die öffentlichen Sitzungen besuche ich derzeit nicht mehr. Infos bekomme ich auch aus anderen Quellen und Unterstützung kann ich aktuell durch bewusste Abwesenheit besser leisten.

Gemeinsam meistern wir Corona. Hören wir auf die Botschaften von Gemeinde, Land und Bund. Hungern wir das Virus aus und bleiben daheim!
Foto vom 04.07.2017 – Gruppenfoto der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen.
Danke für Euren derzeit schwierigen Einsatz und bleibt gesund!
Foto vom 02.07.2019 – unser neuer Gemeinderat. Es fehlt nur der Arnold, aber das hat nichts mit dem Kreisel zu tun.
Danke auch Euch für Eure Arbeit, bleibt gesund, wir denken an Euch!
Wohlfühlen in Vielfalt geht jetzt am besten, wenn alle das machen „Was gsagt wird“!

Im Kreisel beim Ostring, dort wo das „Heckert-Schild“ steht, gibt es eine kleine Kolonie Frühlingsseidenbienen. Die Männchen schwärmen seit einer Woche, die Weibchen sind gerade dabei neue Nistgänge im Boden anzulegen. Am Freitagnachmittag bei noch schönem Wetter konnte ich das Treiben beobachten. Sollten dort Pflanzarbeiten erfolgen würde man das Zerstören der Erdnester in Kauf nehmen. Wie verfahren wird, wird mit dem Kreisökologen besprochen.

Sieht nicht wirklich schön aus, aber dort gibt es eine Kolonie Frühlingsseidenbienen (Colletes cunicularius).
Loch an Loch reihen sich die Eingänge der Erdnester. Auch in der mit Gras bewachsenen Fläche. Die Weibchen sind gerade dabei dort neue Nester für den Nachwuchs 2021 anzulegen. Worauf legen wir mehr Wert? Optik oder Insektenschutz?
Erdhöhle vom Weibchen gegraben. Im Bild oben sind die Löcher der geschlüpften Bienen.

Beim Dachsbau geht das Leben weiter. Die vorbeiziehenden Rehböcke haben ihr Gehörn noch im Bast. Der Fuchs kam diese Woche nicht vorbei, aber der Dachs scheint einen neuen Bau graben zu wollen. Angefangen hat er. Auch der alte Fasanengockel erscheint vor der Kamera und zeigt seine Revierrufe, während er dabei flattert. Das waren vorerst meine letzten Freilandexkursionen, denn seit Samstag herrscht das Betretungsverbot.

Der Dachs beim begonnenen Bau. Auf den Videos ist es besser zu erkennen. Die Akkus halten 10 Tage. Wir werden sehen …
Der Fasanen Gockel streift in seinem Revier umher.

Ralf Schreck – Umweltaktivist

Umweltnachrichten 15.03.2020

Am Sonntag Pflanzschale mit Jungpflanzen vorbereitet, für die Umwelttag Aktion Lindenschule. Zusatzprojekt Pflanzenvermehrung.

Am Montag kommt aus dem Rathaus die Meldung, dass wegen Corona der Umwelttag abgesagt wird.

Am Dienstag Vortrag im Naturkundemuseum beim Naturwissenschaftlichen Verein. Tanja Busse spricht zum Thema, „Das Sterben der anderen“, wie wir die Artenvielfalt noch retten können. Das war das Highlight der Woche. Tanja Busse spricht schnell. Sie ist kompetent und bestens informiert. Es ist Mucksmäuschen still, damit man ihren Worten folgen kann. Sie nennt die Fakten, appelliert und mahnt. Zeigt Verständnis und nennt Lösungen. Sie vermittelt knallharte Fakten und motiviert. Man verlässt den Vortrag mit dem Gefühl, dass jeder in der Lage ist zur Lösung der Problematik beizutragen. Das macht Mut. Ich habe ihr Buch gelesen und mich dafür mit einem Glas Quittengelee aus unserem Garten bedankt. Gila, Vicky und Flo waren ebenfalls anwesend.

Die Corona Krise spitzt sich weiter zu. Rat- und Hilflosigkeit wechseln sich ab mit Hände waschen.
In der Leopoldstraße blüht der von Bodendeckern befreite und neu als Rasen angelegte Pflanzstreifen mit Hunderten von Narzissen. Sieht gut aus, sollte aber bunter sein und auch zeitversetzt blühen. Nach der Anlage dieser Pflanzflächen entlang des Ostringes, die derzeit ebenfalls gelb blühen, sollte es in der Leopoldstraße anders werden. Der ehemalige Gemeinderat Bahr (mit „H“) hatte das seinerzeit in der Gemeinderatsitzung angesprochen. Es wurde diskutiert und empfohlen diese bunte Mischung zu verwenden. An diesem Abend war ich nicht der einzige Zeuge.
Die Sträucher beim Narrenbrunnen in Leo wurden geschnitten. Die Ausführung ist fachlich falsch. Es sind verschiedene Straucharten, die einen individuellen Habitus haben und zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Durch den Einheitsschnitt hat man ihnen diese Eigenschaften, die für die Biodiversität von Bedeutung sind, genommen. Niemand möchte einen solchen Schnitt an Sträuchern in seinem Garten.
Dieser Schnitt dient nicht der Biodiversität
Die Forsythien Krüppel beim Kleingartenverein Allmend, ebenfalls falsch geschnitten. Zudem wertlos für Insekten, da sie sterile Hybriden sind. Doppelt schade.
Der Strauchschnitt an den Gehölzen zwischen Spielplatz und Uebelhörhalle wurde fachlich richtig ausgeführt. Einzelne Sträucher wurden auf den Stock gesetzt, andere nicht beschnitten. Die „zurück geklotzten“ blühen dieses Jahr zwar nicht, bauen sich aber wieder auf. Die unbeschnittenen erfüllen ihren Zweck. In einem Jahr keinen Schnitt zu machen wäre ebenfalls vertretbar.
Auf der Obstwiese beim Rheinniederungskanal wurden ausgewählte abgängige Obstbäume als Biotopbäume erhalten. Dieses Baumprojekt, sowie die Wiesenpflege sind Bestandteil des landesweiten Wettbewerbes „Baden-Württemberg blüht“.
Das Fundament des Schwalbenhauses beim alten Rathaus Leopoldshafen
Die AG Ortsgeschichte baut am Schwalbenhaus. Das Fundament beim alten Rathaus ist bereits erstellt. Karl-Heinz und Wilfried bauen gerade am Haus. Den beiden zuzuschauen ist die wahre Freude. Ein eingespieltes Team. Obwohl unser Umwelttag abgesagt ist, wird das Schwalbenhaus aufgestellt. Die anderen Projekte werden an einem sichereren Zeitpunkt verwirklicht.
Eventuell wird die SoLaWi den Steinriegel und die Totholzecke aufschichten. Die zu verwendenden Reisighaufen kann man von der Straßenbahn aus liegen sehen. Auch dies ist ein Projekt des Wettbewerbes. Da sich die Corona Lage täglich ändert, sind Angaben von Zeitpunkten nicht möglich.
Seit Samstag schwärmen die Männchen der Frühlingsseidenbienen. An einzelnen Pflanzflächen, sowie an blühenden Sträuchern kann man sie sehen. Beim KIT Nord steht im Eingangsbereich eine blühende Kornelkirsche. Frank, der diese Woche dort war, hat ihn bestimmt gesehen.
Blütenkirsche beim Friedhof Leopoldshafen. Der Friedhof ist ein echter „Hope Spot“ im Ort. Auch die Staudenbeete dort sind sehens- und Insektenwert.
Honigbienen und Blütenkirsche
Männchen der Frühlingsseidenbiene an Blütenkirsche
Frühlingsseidenbiene an Arabis caucasica – Friedhof Leo
Krokus Mischung à la Robert
Mit dem Erscheinen der ersten Wildbienen im Jahr müssen Blütenpflanzen vorhanden sein.
Die Rehe verlieren jetzt das Winterfell

Die Wildkamera zeichnet die Üblichen auf. Es gibt viel verwackeltes, deshalb sind die beiden Rehe von letzter Woche.
Mit Holger das Orchideengebiet begangen. Die bereits ausgeführten Arbeiten zeigen Wirkung. Zahlreiche Pflanzen, Bäume, Sträucher und Stauden treiben. Der Aufenthalt dort wird von den ersten Zecken begleitet.
Im Garten ist die Erste Zauneidechse – Reptil des Jahres 2020 – aus der Überwinterung gekommen. Hier ein großes Weibchen.
Auch unser Waghäusel ist frühlingshaft herausgeputzt.

Ralf Schreck – Umweltaktivist

Blüht Baden Württemberg? – Teil 1

Landeswettbewerb BW blüht

BaWü blüht – Teil 1

  1. Projekt-/Maßnahmenbezeichnung

Schutz und Förderung von Wildbienen und Insekten in den öffentlichen Hangflächen im Bereich der Fußgängerunterführung Leopoldstraße in Leopoldshafen

 

  1. Beteiligte Organisationen

Agenda Gruppe Umwelt Egg-Leo, BUND Ortsgruppe Hardt

 

  1. Projektbeschreibung, Maßnahmen des Konzepts

Erkennen des Standortes als wertvollen Lebensraum für heimische Wildbienen innerhalb des Ortes. Wertschätzung dieses „Ödlandes“ als Chance zur Förderung der Artenvielfalt.

 

  1. Ausgangssituation und Ziele

Beim Bau der Unterführung 1974 entstanden Hangflächen aus aufgeschüttetem Material, welche im Laufe der Jahre von verschiedenen Wildbienen besiedelt wurden. Die Vegetation dort ist spärlich, teilweise gibt es offene Bodenflächen. Es sind trockene Standorte. An Wildbienen wurden folgende Arten beobachtet. Frühlings-Seidenbiene (März-April), Blattschneider Biene (Mai), Sandbienen verschiedener Arten (Juni-Juli), sowie parasitäre Arten, wie diverse Blutbienen (März-Juli) und andere. Seit Anfang Juli beobachten wir an einer Fläche Gruppen von Sandwespen. Die trockenheitsangepasste Vegetation bietet zahlreichen Insekten Nahrung. Zielsetzung sollte sein, dass solche allgemeinen öffentlichen Grünflächen als Chance zur Erhaltung der Artenvielfalt gewürdigt werden. Eine Umsetzung an diesem Ort wäre kurzfristig möglich.

 

  1. Maßnahmenbeschreibung

Beobachten des Standortes, sowie Erfassung der dort vorkommenden Pflanzen und Tiere. Um diese Vielfalt an Wildbienen zu erhalten sollten erforderliche Pflegemaßnahmen an die Bedürfnisse der Bienen angepasst werden. So sollte die erste Mahd im Jahr nicht in der Hauptflugzeit der Frühlingsseiden Bienen stattfinden. Und dann am besten am frühen Vormittag, denn dann sind die Weibchen noch im Boden. Es sollten die umliegenden und ebenen Flächen zeitversetzt gemäht werden, damit es in unmittelbarer Nähe erreichbare Nahrungsquellen gibt. Die AG Umwelt und die BUND Ortsgruppe Hardt berichten regelmäßig im lokalen Amtsblatt über das Thema. Auch bieten wir Führungen und Vorträge an. Mit der Gemeindeverwaltung Eggenstein-Leopoldshafen stehen wir in engem Kontakt.

 

  1. Ausblick

Beim Projekt „Insektenschutz in den Hangflächen der Unterführung Leopoldshafen“ fallen keine zusätzlichen Kosten an. Lediglich ein Umdenken in eine ökologisch ausgerichtete Pflege wäre erforderlich, um einen solch spannenden Standort langfristig für Artenschutz und für Menschen erlebbar zu erhalten.

Ralf Schreck – Naturfreund

 

Weitere Projekte für diesen Wettbewerb sind in Vorbereitung, auch stehen wir in Kontakt mit anderen Gruppen sich daran zu beteiligen.

 

 

 

 

 

Neues von der Zaunrüben Sandbiene

Neues von der Zaunrüben Sandbiene – Natur im Dorf

Der Bereich bei der Haltestelle Leopoldstraße mit den Hangflächen bei der Fußgängerunterführung ist ein kleiner Hotspot für Wildbienen. Bei fast 600 verschiedenen Wildbienenarten ist es sehr schwierig im Freiland die Arten eindeutig zu bestimmen. Es sei denn, es sind Arten, die eine streng oligolektische Lebensweise führen. Das bedeutet, es sind Arten, die auf spezielle Futterpflanzen angewiesen sind. Dann kann man sie an diesen Pflanzen ansprechen. So ist es bei Andrena florea, der Zaunrüben Sandbiene, die man derzeit in der Mannheimer Straße beobachten kann.

Dort wächst eine Bryonia dioica, eine Rote Zaunrübe, die seit April einen Strauch berankt. Es ist eine männliche Pflanze, die Nektar und den wichtigen Pollen für deren Larvenaufzucht liefert. Weibliche Pflanzen liefern nur Nektar, bilden nach Bestäubung und Befruchtung die roten Beeren. Das Exemplar in der Mannheimer Straße blüht unermüdlich und wird stark von den Bienen beflogen. Auch Honigbienen, andere Wildbienen, Wanzen und den ebenfalls auf die Bryonia spezialisierten Zaunrüben Marienkäfer, den Henosepilachna argus, kann man dort sehen. Er ist ein Vegetarier, der sich vom Laub der Rübe ernährt.

Ende April, als sich die ersten Blüten öffneten waren die Männchen da. Als es Anfang Mai einen Temperatursturz gab, konnte man einzelne Männchen in den Blüten ausharren sehen. Tage später, mit steigenden Temperaturen waren dann die Weibchen da. Fleißig beflogen sie die Blüten und versorgten ihre Erdnester mit Proviant. Andrena florea bevorzugt feste Untergründe, so wie der Trampelpfad, der seitlich oberhalb der Unterführung verläuft. Sind Nahrungs- und Nistraum der Wildbienen in erreichbarer Nähe, dann können sie dort existieren.

Schützen können wir diese Spezialistin, indem wir zulassen, dass die Zaunrübe über den Strauch ranken kann. Der Strauch nimmt dadurch keinen Schaden. Der ständige radikale Rückschnitt setzt ihm mehr zu, als die Bedeckung durch die Rübe. In der Pflanzfläche Kinzigstraße gab es ebenfalls eine Bryonia, die wurde jedoch mittlerweile gejätet. Die ebenfalls „wild“ aufgegangenen Hartriegel, die in dieser Cotoneasterfläche die größeren Probleme bereiten, hat man belassen. Wir sollten eine Balance finden zwischen retten und rotten, denn unser Tun hat immer Konsequenzen. In die eine oder in die andere Richtung. Ein ganzheitlicher Mittelweg wäre erstrebenswert.

Ralf Schreck – Wildbienen Freund

 

Die Blaue Holzbiene

Die Blaue Holzbiene

Xylocapa violacea ist unsere größte heimische Wildbiene und eine eindrucksvolle Erscheinung. Bereits am 17. Februar konnten wir sie an den blühenden Christrosen im Friedhof Leopoldshafen beobachten. Auch beim Spaziergang durch die Blumenstrasse, die für Pflanzenfreunde immer sehr erbaulich ist, kann man diese Solitärbienen entdecken. Am 17. März fanden wir sie an der Wohlriechenden Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima), am 19. Mai wiederum im Friedhof an den gelben Asphodeline lutea, den Junkerlilien. An den blühenden Blauregen Ende April sehen wir sie auch, jedoch lassen sie sich dort nur schwer fotografieren, weil sie wie wild umherfliegen.

Beide Geschlechter überwintern und verpaaren sich im Frühling. Sie leben solitär, bilden keinen Staat wie unsere Honigbienen. Als Nistplatz benötigen sie Totholz, welches nicht morsch sein, sondern noch eine gewisse Härte haben muss. Darin nagen die Weibchen Gänge, in die sie ihre Eier legen, mit einem Nahrungsvorrat aus Nektar und Pollen. Holzbienen sind Kropf- und Beinsammler. Wer sich in seinem Garten eine kleine sonnen beschienene Totholzecke einrichtet kann sich glücklich schätzen, wenn es zu einer Besiedlung kommt. Als ideales Besiedlungsholz hat sich das Treibholz am Alten Hafen Leo erwiesen, welches im Januar und später im März dort angeschwemmt wurde. Unsere Gemeinde hat dankenswerter Weise den schönen Platz wieder aufgeräumt und in harter Arbeit das Holz zerkleinert und entfernt. Eine einigermaßen tragbare Holzscheibe haben wir für den Naturschutz „entwendet“ und in den Garten meiner Eltern gelegt. Am 1. Juni entdeckten wir dann die Besiedelung. Die Vorderseite hat einen Eingang, auf der Rückseite sind es bereits drei Niströhren. Es ist schon erstaunlich, wie ein kleines Insekt es schafft Gänge in hartes Holz zu nagen.

Im Spätsommer schlüpfen schließlich die jungen Bienen, die man an den blühenden Sommer- und Herbstblumen beobachten kann. Diese junge Generation wird überwintern und sucht sich dafür geeignete Hohlräume im Holz, Spalten oder auch in Erdröhren. Die Gründungsgeneration stirbt. Der Kreislauf beginnt im kommenden Jahr erneut, an den ersten warmen Tagen im Februar oder März finden sich die blauschwarzen Brummer wieder ein. Wildbienen benötigen die für sie geeigneten Blumen und ihren spezifischen Nistraum in erreichbarer Nähe. Bieten wir beides schützen wir nicht nur die Blauen Holzbienen.

Beim Hochwasserdamm, beginnend beim Absturzbauwerk gegenüber des Blauen Hauses, finden wir derzeit vormittags am blühenden Mohn diese großen Bienen. Vormittags deshalb, weil beim Mohn die Darbietung des Pollens einer Tagesrhythmik unterliegt. Zwischen 5.30 Uhr und 10.00 Uhr gibt es beim Papaver rhoeas, unserem Klatschmohn Frühstück. Eine einzelne Blüte liefert dabei bis zu 2,6 Millionen Pollenkörner. Wem das zu früh ist und vergeblich nach den Bienen schaut, der kann sich immerhin noch an den schönen Blumen erfreuen.

Ralf Schreck – der mit dem Mohn tanzt

 

Pflanzentaufe in Eggenstein

Pflanzentaufe in Eggenstein

Prominenter Besuch im Gartencenter Heckert in Eggenstein am 26.04.2019. Volker Kugel, unter Gartenfreunden wohl bekannt aus Rundfunk und Fernsehen, gab sich die Ehre zusammen mit Betriebsinhaber Georg Heckert eine neue Sommerblume zu taufen. Nicht irgendeine, sondern ein getesteter Dauerblüher, der sowohl fürs Auge als auch für unsere Insektenwelt von Bedeutung ist. Der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen e.V. mit seiner Fachgruppe Zierpflanzen hat bereits 2017 diese Bidens oder Zweizahn „Funny Honey“ getestet und als würdig befunden, diese sommerliche Saisonblume zu bewerben und in den Handel zu geben. Mit seinen orange-gelben Blüten ist „Funny Honey“ ein echter Hingucker für Mensch und Biene.

Vertreter des Gartenbauverbandes, Kreisgärtnermeister, Pflanzenschutzamt, Regierungspräsidium, unser Bürgermeister, sowie Vertreter unserer Agenda Gruppe Umwelt waren zugegen, um dieser spannenden Pflanzentaufe beizuwohnen. Volker Kugel, in der Öffentlichkeit bekannt als Direktor des Blühenden Barock Ludwigsburg ist ein anerkannter Fachmann im Bereich Gartenbau. Ihn zu erleben ist eine Freude für jeden Garten- und Naturfreund. In seinen Worten, seiner Authentizität, kommt der heimische Gartenbau voll zu seiner Geltung. Die Pflanzentaufe selbst war schön, aber eigentlich nur Nebensache.

Insektensterben ist im Gartenbau ein Thema, das wurde bei dieser Veranstaltung deutlich. Und unser Gartenbau setzt sich mit der Einführung neuer Zierpflanzen, die tatsächlich Nahrungsquellen für Biene und Co. sind, dafür ein. Es muss nicht alles heimisch sein aber die Blüten sollten für Insekten verwertbaren Pollen und Nektar bieten. Offene Blüten bieten diesen Service, stark gefüllte nicht. Dort sind die Pollen bildenden Staubgefäße zu Blütenblättern umgewandelt. Wenn jetzt aber Lieschen Müller gerne ihre Rosa centifolia, die stark gefüllte Bollerblüten hat, haben möchte, weil sie die von ihrem Karle immer zum Hochzeitstag bekommen hat, dann soll sie diese auch haben dürfen. Sie kann ja dann daneben immer noch ein „Funny Honey“ setzen. Die Mischung macht es. Eins für mich, eins für die Biene. Dann sind doch alle glücklich.

Sehr aufschlussreich an diesem Tag waren auch die Ausführungen des Betriebsinhabers Herrn Heckert zur Pflanzenproduktion und zum Pflanzenschutz, der dort im heimischen Gartencenter mit Nützlingen stattfindet. Ein Thema, welches im Produktionsgartenbau seit vielen Jahren praktiziert wird, dem Laien jedoch oft nicht bekannt ist. Schlupfwespen und Raubmilben gegen Weiße Fliege, Raubwanzen gegen Thripse, Nematoden gegen Trauermücken, usw. Spieler und Gegenspieler halten sich die Waage. Auf Chemie wird verzichtet. Schon Schiller sagte „der intelligente Mensch macht sich die Natur zu seinem Freund“.

Das Thema Insektensterben wird in unserer Gemeinde wahrgenommen. Das zeigt die Anwesenheit unseres Bürgermeisters und das ist sehr wichtig. Für den Umwelt- und Naturschutz war es eine spannende und wichtige Veranstaltung. Auch können wir Wert schätzen, dass die Eggensteiner Gartenbautradition durch unser Gartencenter, welches die letzte Insektentankstelle vor dem Hardtwald ist, so vorbildlich geführt wird. Handwerk mit Tradition, regional und nachvollziehbar.

Ralf Schreck – der bereits zwei „Funny Honey“ in einen Blumenkasten gepflanzt hat

 

Eine Wiese ist eine Wiese, ist eine Wiese

Neues von der Wiese beim alten Rathaus Leopoldshafen

Jetzt im April ist die Hauptfarbe gelb. Unzählige Blüten des Frühlingsfingerkrautes locken kleine und große Wildbienen. Ebenso die viel größeren Blumen des Löwenzahnes. Dazwischen entdeckt man die kleinen blauweißen Blüten des flachen Ehrenpreises und die rosa farbenen des Storchschnabels. Am Hahnenfuß sitzt ein zottiger Bienenkäfer. Wo man ihn sieht, sind auch Wildbienen in der Nähe, denn er parasitiert diese. Und tatsächlich, am Rande der Wiese, beim Übergang zur Gehölzgruppe entdeckt man die Röhren der Frühlingsseidenbienen. Im Freiland lassen sich nur sehr wenige Wildbienenarten eindeutig bestimmen. Bei fast 600 verschiedenen in Deutschland vorkommenden Wildbienen ist das auch nicht verwunderlich. Aber man findet in dieser Wiese zahlreiche und verschiedene Bienen. Kleine, große, dicke, dünne, pelzige, mehrfarbige. Eine Wespenkönigin patrouilliert unstet über die Blüten, bis sich auf eine kleine Raupe stürzt und diese in ihr Nest trägt. Plötzlich erscheint ein Schwalbenschwanz und beginnt mit der Eiablage an einer wilden Möhre. Nachdem wir wieder am Rand der Wiese stehen fliegt eine Elster ein und fängt sich eine Wildbiene, um diese zu verspeisen. Auch die kleine Bachstelze geht dort erfolgreich auf Beutefang. Bestimmt hat sie bereits Küken im Nest, die jetzt eiweißreiche Nahrung benötigen.

Das waren kurze Beobachtungen an drei Tagen im April. Man kann erkennen, dass es eine „funktionierende“ Wiese ist. Blüten bieten Nahrung für verschiedene Insekten und deren Entwicklungsstadien wie Eier und Raupen entwickeln sich am Blattwerk. Die Raupen wiederum oder wenigstens ein Teil davon dient der Aufzucht unserer Gartenvögel. Lebensraum Wiese mitten im Dorf. Es ist ein ausgeglichenes Beziehungsgeflecht. Es ist ein Geben und Nehmen.

Um eine solche Wiese zu erhalten bedarf es einer Mahd im Spätsommer mit anschließendem Abräumen des Mähgutes. Dadurch verhindert man einen Nährstoffeintrag, denn die Artenvielfalt ist umso höher, je magerer der Untergrund ist. Einen Umbruch der bestehenden Wiese, um dort eine Blühmischung anzulegen, würde das bereits bestehende Gefüge nachhaltig zerstören.

Insektenschutz im Dorf. Nutzen wir bestehende Strukturen. Kostenneutral zudem. Und natürlich bedarf es entsprechender Öffentlichkeitsarbeit.

Ralf Schreck – Insektenfreund

Frühling 2019

Das faszinierendste am Frühling ist, dass man das Erwachen der Natur hautnah erleben kann. Täglich blühen neue Stauden, Sträucher und Bäume auf. Der Spitzahorn an der Grundschule Leo lockt mit seinen grünlichen Blüten die Frühlingsseiden Bienen, die gerade in der benachbarten Bodendecker Fläche aus dem Erdquartier entsteigen. Im Friedhof Eggenstein erblühen die großblumigen Magnolien und es sieht so aus, als ob sie dieses Jahr nicht vom Frost dahingerafft werden. Und im Friedhof Leo leuchten die kleinen Krokusbeete um die Wette. Und am seitlichen Eingang des Friedhofs gibt es ein neues buntes Kiesbeet. Natürlich mit dem obligatorischen Vlies darunter.

Besonders schön sind die Kinderzeichnungen an der Straße oberhalb des historischen Waschplatzes, welcher sich ebenfalls frühlingshaft zeigt. Noch kennen unsere Kinder Käfer, Eule und Blume. Die Trauerweiden am Rande des Kleingartengeländes Leo leuchten um die Wette. Alles sieht so frisch und erneuert aus. Unter der Bank beim Spielplatz in der Max-Planck-Straße lugt ein Löwenzahn aus der steinernen Ritze. Eine kleine wilde Schönheit innerhalb unseres Leitbildes Grünpflege.

Im Rahmen dieses Leitbildes wird gerade an den Pflanzflächen im Bereich der Haltestelle Viermorgen (wer aussteigen will, muss Bedarf anmelden) die bodenbedeckende Bepflanzung entfernt und gegen Rasen ausgetauscht. Wer diese Flächen beobachtet bemerkt, dass just zu diesem Zeitpunkt zigtausende Frühlingsseidenbienen dort schwärmen und ihren Nistraum verlieren, bzw. dieser gravierend gestört wird. Laut Bundesnaturschutzgesetz stehen Wildbienen unter besonderem Schutz und dürfen nicht behelligt werden.

Zeitgleich stellen die Ehrenamtlichen der Agenda Gruppe Umwelt ein symbolisches Bienenwohnhäuschen in der Blumenwiese im Bürgerpark auf. Wie passt das zusammen? Es fehlt an Informationen und dem Willen einem Grünpflegekonzept den nötigen ökologischen Kick zu geben. In meiner Freizeit besuche ich mit meinen Insektenbildern die öffentlichen Sitzungen unserer Fraktionen und muss feststellen, dass es ein grundsätzliches Interesse gibt aber keine eigenen Konzepte gegen das Insektensterben. Ausgenommen davon ist unsere Umweltpartei, die als einzige in ihrer Haushaltsrede (veröffentlicht im letzten Amtsblatt) ausführlich auf Umweltthemen einging.

Der Wunsch einer anderen Fraktion nach einem Waldkindergarten geht in die richtige Richtung, denn diese Kinder erleben Natur von Anbeginn und werden später an ihren Eigenheimen mit Sicherheit keine Steinwüsten in ihren Gärten haben. Stimmt es uns nicht nachdenklich, dass freitags unsere Schüler für Klimaschutz demonstrieren? Wann reagieren wir Erwachsenen endlich? Wir brauchen Entscheider, die Straßenbahn und Rad fahren. Nicht im Urlaub, sondern tagtäglich für die Fahrt ins Büro und zum Einkauf. Wer diese Mühen und Strapazen erlebt, kennt die Problematik. Wer mit vollgepackten Satteltaschen bei Regen die Einkäufe erledigt und auf zugeparkten oder fehlenden Radwegen fährt oder an der Haltestelle vergeblich auf die Bahn wartet, weil es nur krankes Personal gibt, der sieht die Welt mit anderen Augen.

Was ist eigentlich ein Leitbild? Laut Wörterbuch ist es ein dem Menschen in seinem Empfinden und Handeln als Vorbild dienendes Ideal. Wenn das Leitbild Grünpflege nur darin besteht Arbeitsaufwand und Kosten zu sparen, dann ist das Thema verfehlt. Es gibt in unserer Gemeinde genügend Flächen, die aus botanischer und faunistischer Sicht hoch interessant sind. Jedoch finden diese Flächen noch viel zu wenig Beachtung.

Unsere Agenda Gruppe Umwelt und die seit kurzem neuformierte Ortsgruppe des BUND Hardt stehen parat und sind willig sich mit Ideen einzubringen. Die wollen aber auch Gehör finden. Das Rüstzeug ist da, wo ist der Acker?

Nachtrag: Unter anderem wurde auch unser Landschaftsgärtner Thomas über die Situation der Wildbienen bei der Haltestelle Viermorgen informiert. Das Schwärmen hatte er bereits bemerkt und bewusst einen seiner umsichtigsten Mitarbeiter dort eingesetzt. Wenn die Arbeiten bald erledigt sind, ist vielleicht doch noch nichts verloren.

Ralf Schreck – der an Viermorgen Bedarf zum Aussteigen anmeldet.

Frühling im Friedhof

Frühling im Friedhof

Zwanzig Grad Wärme Ende Februar ist schon außergewöhnlich. Die Natur erwacht mit einem Paukenschlag. Ja, jetzt ist es schön draußen zu sein. Um die ersten Frühlingsinsekten zu beobachten gehe ich gerne auf unsere Friedhöfe. Fündig wird man an den sogenannten Vorfrühlingsblühern wie Heidekraut, Christrosen, Krokussen, Hyazinthen, Narzissen, Primeln, sofern sie es denn noch gibt. Die Verwüstung unserer Vorgärten hat längst die Friedhofsmauern überschwemmt. Dieser Umstand kann als große Schande bewertet werden.

Aus beruflichen Gründen begehe ich seit über zwanzig Jahren zahlreiche Friedhöfe in unserer Region und muss zur Kenntnis nehmen, dass in vielen Orten diese Verwüstung immer weiter voranschreitet. Dies ist auch ein Versagen von Städten und Gemeinden, die ihren Pflichten gegenüber dem Artenschutz und der Biodiversität nicht nachkommen.  Jede Kommune erstellt für ihre Friedhöfe eine Satzung. Diese ist ein Regelwerk im Sinne des Allgemeinwohls. Dass man solche Ausartungen auf den Friedhöfen zulässt, ist nicht akzeptabel. Friedhöfe sind nicht nur Orte der Erinnerung und Begegnung, sie sind auch unsere grünen Lungen. Oftmals mit wertvollen Strauch-, Hecken- und Baumbeständen.

Dieser Umstand kann als große Chance im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes gesehen werden, wenn man das erkennen, verstehen und dann nutzen möchte. Es braucht Kümmerer und Befürworter von verantwortlicher Seite, nicht nur von außen, von Einzelinitiativen.  Auch wenn es auf unseren beiden heimischen Friedhöfen noch „pflanzlich“ zugeht, sind auch bei uns erste Tendenzen festzustellen.

Zurück zu den Insekten. Diverse Hummelköniginnen sind aus ihrem Überwinterungsquartier gekommen und laben sich am Erika, dem echten Heidekraut. An jedem dieser Zwergsträucher kann man Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und auch die ersten Falter beobachten. Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, C-Falter, sogar ein erstes Taubenschwänzchen, ein tagaktiver Nachtfalter, labt sich am süßen Nektar. Es finden sich äußerst interessante Sträucher in unseren Friedhöfen, die durch ihre frühe Blüte einen wertvollen Nahrungsquell darstellen. Selbst nicht heimische Exoten wie Zaubernuss (Hamamelis mollis), Scheinhasel (Corylopsis pauciflora), Wohlriechende Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima) und Duftschneeball (Vibrnum fragrans) sind wertvolle Insektenpflanzen. Durch ihre frühe Blüte und reiche Verfügbarkeit an Pollen und Nektar sind sie Magneten für Blaue Holzbiene, Rote Mauerbiene und viele mehr.

Das schönste Erlebnis in dieser Woche war jedoch ein Trupp Kraniche am Himmel über Wöschbach, die mit ihrem unverkennbaren Rufen den Frühling einleiteten. Erlebbare Natur in unserer Heimat für alle. Kann man haben, wenn man will. Einfach mal raus gehen, beobachten, alles auf sich wirken und sich mitreißen lassen.

Ralf Schreck – Naturfreund

Öffentliches Grün und Insektenschutz

Öffentliches Grün und Insektenschutz

Wer kennt die Wildbienen Kolonie in der Pflanzfläche bei der Unterführung Nordring und Leopoldstraße? Es ist eine unscheinbare Rasenfläche mit Ahornbäumen, die wir eigentlich bewusst gar nicht wahrnehmen. Elf Monate im Jahr wohnen dort im sandigen Untergrund die solitär lebenden Frühlingsseidenbienen, Colletes cunicularius. Im März, bei den ersten wärmeren Temperaturen erscheinen die Bienen Männer und schwärmen in diesem Bereich knapp über der Bodenoberfläche. Das sieht dann aus wie ein großer Bienenschwarm. Sie warten auf die Weibchen, die dann einige Tage später erscheinen. Nach der Paarung werden die Drohnen überflüssig und die Weibchen beginnen mit dem Brutgeschäft. Es werden selbst gegrabene Liniennester angelegt, auch die alten Röhren werden wiederhergerichtet. Die Nestwände werden von verschiedenen Sekreten gebildet, die zu einer Cellophan artigen/seidigen Schicht aushärten. Jede Biene erledigt das alleine, deshalb nennt man das solitäre Lebensweise. Blütenstaub und Nektar werden eingetragen. Sobald eine Zelle bevorratet ist, wird ein Ei gelegt, die Zelle verschlossen und eine weitere angelegt, bis die sandige Röhre belegt ist. Aus dem Ei schlüpft die Larve, die sich vom Pollenvorrat ernährt. Es folgt die Verpuppung, aus der die fertige Biene entsteht, die dann zehn Monate im Boden ruht und im nächsten März ausfliegt. Eine unscheinbare Wiese im öffentlichen Grün entpuppt sich als wertvoller Lebensraum für eine bedrohte Wildbienenart.  Einen solchen Standort sollten wir beachten. Schützen können wir diese Bienen, wenn wir diese Fläche nach der Schwärmzeit mähen und dafür sorgen, dass Futterpflanzen der Frühlingsseidenbienen nicht verschwinden. Das sind heimische Weidenarten, die es in der Umgebung noch gibt. Insektenschutz im öffentlichen Grün, wenn wir diese Standorte mit den Augen der Bienen betrachten. Eigentlich ist das ein vorbildlicher Lebensraum im öffentlichen Grün und macht Natur für uns erlebbar. Könnte man nachahmen, denn diese Bienen besiedeln auch unsere Gärten, wenn wir das zulassen.

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Umwelt

 

Colletes cunicularius ist eine der wenigen Wildbienenarten, die wir im Freiland zuverlässig bestimmen können. Sie ist relativ groß und eine der ersten Wildbienen, die im Frühling erscheinen. Damit Wildbienen existieren können bedarf es ein Umfeld, in welchem sie siedeln und in dem sie in ausreichender Entfernung auch ihre Nahrungsquellen finden. Unsere Frühlingsseidenbienen benötigen zum Nisten sandigen Untergrund. Zur Nahrungsgewinnung werden sechs Pflanzenfamilien beflogen, mit einer Bevorzugung von Weiden. Nistplatz und Nahrungsraum, wie Weichholzauen, Weidengebüsche, Ahornalleen und Obstwiesen, können räumlich weit auseinander liegen. All dies gibt es bei uns. Denken wir an die Streuobstbäume am Hammenweg und das dahinter gelegene Weidengebüsch. Fördern können wir diese unter besonderem Schutz stehende Wildbienenart, indem wir deren Nistplätze achten und unseren Streuobstbäumen wenigstens eine Minimalpflege gönnen. Die Unterführung wurde 1974 gebaut zur sicheren Unterquerung der Landstraße. Das Foto stammt von Karl Ueberle. Beiläufig entstand ein Siedlungsraum für die Wildbienen, den wir schätzen sollten.