Indian Summer

Die Friedhofskultur in Deutschland ist Immaterielles Kulturerbe. Auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommisssion hat im März 2020 die Kultusministerkonferenz die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes beschlossen.

Menschen nach innen bewegen, Gesellschaft nach außen prägen.

„Dieses immaterielle Erbe umfasst nicht die Friedhöfe an sich, sondern die „lebendigen Ausdrucksformen, die von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden“, wie es die deutsche UNESCO-Kommission formuliert. In Bezug auf die Friedhofskultur betrifft dies zwei große Themenfelder: Zum einen geht es darum, was wir auf dem Friedhof tun: trauern, erinnern und gedenken sowie gestalten, pflegen und bewahren. Zum anderen würdigt die Ernennung zum Erbe den vielfältigen Wert der Friedhofskultur für unsere Gesellschaft: kulturell, sozial oder historisch, aber auch in Bezug auf Klima- und Naturschutz, gesellschaftliche Integration oder nationale Identität.“ Dies und noch viel mehr liest man auf der Seite von kulturerbe-friedhof.de

Um den Indian Summer zu erleben müssen wir nicht in die USA reisen. Im Kleinen erleben wir die farbenprächtigen Lichtspiele auf unseren Friedhöfen. Am frühen Vormittag, sobald die Wolkendecke aufreißt und die Nebelschwaden entschwinden, die wie weiße Tücher auf der Szenerie liegen, beginnt das Leuchten. Und mit dem Strahlen fluten wohlige Gefühle Geist, Seele und Körper. Eigentlich gehen mich diese Gräber gar nichts an. Eigentlich. Mein Grab ist woanders. Es ist die Gesamtheit der Anlage, das Konglomerat aus Geschichte, Zeit, Denkmalen, Kitsch, Nippes. Den alten ehrwürdigen Bäumen aus aller Welt, die jetzt um die Wette leuchten. Es ist die Symbolik, die sich an vielen Details erkennen lässt, die mich an Schmerz, Trauer, aber auch an Erneuerung, Wertschätzung und Dankbarkeit erinnern.

Auf der Schattenseite einer kleinen Treppenmauer wächst der Rotstielige Streifernfarn. Ja, er führt ein Schattendasein. Aber ohne diesen Lebensraum kann er nicht existieren. Und wir laufen daran vorbei, ohne ihn zu beachten. Unten angekommen blicken wir auf das triste Gräbefeld der Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Wir sind auf dem Hauptfriedhof in Baden-Baden. Die Ortsangabe ist überflüssig. Kriegsgräber haben wir auf allen unseren Friedhöfen. Mahnende Denkmale, um unsere Gegenwart besser zu gestalten? Im Hintergrund wird ein einzelnes Bäumchen vom Sonnenlicht erstrahlt. Gerade so als will es sagen „Macht es besser“! Eine bedrückende Szenerie. Doch das leuchtende Bäumchen vermittelt Hoffnung.

Auf dem Friedhof

von Joachim Ringelnatz

Dort ruhen sie unter bunten Hügeln.
Unsere Augen sehen sie nimmer erwachen.
Auf der Mauer hockt mit gebrochenen Flügeln
Das Lachen.

Fern in den Wolken verhallt die Klage.
Bittere Tränen trocknet der Wind,
Und aus Kränzen stiehlt sich die zitternde Frage:
Wohin sie gegangen sind.

Herbst

von Christian Morgenstern

Zu Golde ward die Welt;
zu lange traf
der Sonne süßer Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig
dich, Welt, hinab

Bald sinkt’s von droben dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu –
und bringt dir Ruh,
o Welt,
o dir, zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.

Die Auswahl der Bäume verleiht diesem Ort eine besondere Würde. Die gelben schlanken sind säulenförmig wachsende Tulpenbäume. Die orange farbenen sind Amberbäume. Liriodendron und Liquidambar sind in den USA beheimatet. Sie gedeihen auch bei uns. Aus Versteinerungen wissen wir, dass beide vor der letzten Eiszeit bei uns ebenfalls heimisch waren. Das war vor 10.000 Jahren. Nach der Eiszeit war eine natürliche Wiederansiedlung nicht gegeben, da unsere von Ost nach West verlaufenden Gebirge dies unmöglich machten. In den USA sind die Gebirge einwanderungsfreundlicher, da sie von Nord nach Süd verlaufen. Deshalb sind wir froh, dass wir schlaue Gärtner haben, die solche Baumschätze wieder ansiedeln. Im dritten Bild blicken wir auf das Gärtner betreute Grabfeld der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner. Auch sie bemüht sich um die Erhaltung der Friedhofskultur. Es ist der Friedhof in Sinzheim.

Die Fliegenpilze sind im Friedhof Varnhalt. Die anderen Momentaufnahmen stammen aus Steinbach bei Baden-Baden. Wir sehen, kein Kirchhof gleicht dem anderen. An jedem Ort entdecken wir eine Vielfalt interessanter Themen. Die Verleihung des Prädikats Immaterielles Kulturerbe geschah zurecht. Diese Würdigung trägt zum Erhalt dieser Orte bei. Nachhaltigkeit war noch nie ein Fehler.

Herbst in der Heimat. Von wegen langweilige Friedhöfe.

Ralf Schreck – der sich aber auch wieder auf den Mai freut.

Herbst in der Heimat

Die Gelegenheit nutzen und vom geplanten Weg abweichen. Der Blick in den Himmel verspricht schöne Ansichten. Gewagt, getan, belohnt. Nach zwanzig Minuten war die besondere Lichtstimmung vorbei und graue Wolken erinnerten an den bevorstehenden trüben November. Als das Licht am schönsten war kam Uwe vorbei. Wir treffen uns oft an der Gemeinschaftsschule und wechseln jedes Mal freundliche Worte. Er hat den Schulhund dabei, dem es gar nicht gut geht. Er ist betagt und hat ein Rückenleiden. Doch Uwe kümmert sich um ihn.

Herbst
von Theodor Fontane

O du wunderschöner Herbst,
Wie du die Blätter golden färbst,
Deiner reinen Luft so klar und still,
Noch einmal ich mich freuen will.

Ich geh den Wald, den Weiher entlang;
Es schweigt das Leben, es schweigt Gesang,
Ich hemme den Schritt, ich hemme den Lauf
Erinnerungen ziehen herauf.

Erinnerungen sehen mich an,
Haben es wohl auch sonst getan.
Nur eins hält nicht mehr damit Schritt.
Lachende Zukunft geht nicht mehr mit.

Vergangenheit hält mich in ihrem Bann,
Vergangenheit hat mir’s angetan;
Den Blick in den Herbst, den hab ich frei,
Den Blick in den Herbst. Aber der Mai?

 

Eine gewisse Melancholie kann ich nicht leugnen. Doch die Lichtspielereien dieser goldenen Momente lassen mich die Verzagtheit vergessen. Auch in Leopoldshafen ist der goldene Herbst angekommen.

O trübe diese Tage nicht
von Theodor Fontane

O trübe diese Tage nicht
Sie sind der letzte Sonnenschein;
Wie lange, und es lischt das Licht,
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süsser Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz –
O sorge, dass uns keine fehlt,
Und gönn uns jede Stunde ganz.“

Ralf Schreck – der öfter mal den Weg verlässt und dabei Neues entdeckt in der Herbst Heimat

An die Natur

oder neulich „Im Stadtgarten“

Ja, ich war wieder einmal im Stadtgarten und Zoo Karlsruhe. Eigentlich wollte ich die „Schwarzen Hornissen“ dort finden, weil es eine Meldung hierfür gab. Mittels Telemetrie sollte das Nest geortet werden, um es danach zu vernichten. Aber das ist eine andere Gesichichte.

Der Anlass war gegeben und ich ließ mich auf ein kleines Abenteuer ein. Es war ein sehr schöner und sonniger Herbstsommertag. Anreise mit der Straba, Ticket zuvor online gebucht, am Eingang 3G vorgezeigt und schon ging es los. Sobald ich am ersten Prachtbeet stand, holte mich die Vergangenheit ein. 1982 bis 1984, während der Zeit meiner Baumschulgärtnerlehre, hatte ich Jahreskarten für den Stadtgarten. Die nutzte ich nach dem Berufsschulunterricht, um in den großzügigen Anlagen dort meine dendrologischen Kenntnisse zu vertiefen. Der Schulunterricht war am Mittag zu Ende und im Anschluss schlenderte ich ins städtische Grün.

Das Prachtbeet beim Eingang Hauptbahnhof

Beim Lustwandeln durch die großzügigen Anlagen ist mir so manches Gedicht in den Sinn gekommen.

Die Allee – Christian Morgenstern

Ich liebe die graden Alleen
mit ihrer stolzen Flucht.
Ich meine sie münden zu sehen
in blauer Himmelsbucht.

Ich bin sie im Flug zu Ende
und land‘ in der Ewigkeit.
Wie eine leise Legende
verklingt in mir die Zeit.

Mein Flügel atmet Weiten,
die Menschenkraft nicht kennt:
Groß aus Unendlichkeiten
flammt furchtbar das Firmament.

 

Natürlich gehen die Menschen in den Zoo, um Tiere zu sehen. Exotische Tiere. Das kann man natürlich, muss man aber nicht. Schon als Kind ist mir aufgefallen, dass es nicht gut sein kann, wenn man Löwen und Tiger in vergitterten und verglasten Betonkäfigen zur Schau stellt. Gewiss, heute hat sich einiges geändert und der Artenschutz ist auch in den Zoo gekommen. Es gibt Programme, um vom Aussterben bedrohte Arten im Zoo zu erhalten, zu züchten und irgendwann wieder auszuwildern. Eigentlich paradox. Oder?

 

Blätter – Rainer Maria Rilke

Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Wasser spielt eine große Rolle im Stadtgarten. Das Wasserspiel am Rande des Gartens ist zeitlos. Es ist so antiquirt, dass es schon wieder cool ist. Die altbackenen steinernen Wassersäulen betonen das Sprudeln und Fließen des Wassers. Der Lebensquell, der scheinbar immerzu fließt, symbolisiert das Werden und Vergehen. Über fünf Säulen sprudelt das Wasser aus der dunklen Tiefe empor und ergießt sich über Kaskaden in zwei Bassin. Wenige Momente genügen, um sich von dieser Situation fesseln zu lassen. Die Musik des herab stürzenden Wassers beruhigt die angespannte Seele. Das fließende Wasser setzt plötzlich neue Gedanken frei.  Durch diese gewonnene Unbefangenheit entdecke ich das bunte Laub im Bassin, welches durch die stete Unterströmung gefangen bleibt. Die vielen Tropfen auf den schwimmenden Blättern sind die Tränen des Sommers, der uns allmählich verlässt. Auch die Tage der Blätter sind gezählt. Bald werden die Stadtgärtner kommen, um die Bassins zu säubern. Dann lebt diese Illusion nur noch in meiner Phantasie.

Je weiter ich wandere, umso mehr freut sich mein Gärtner Herz. Ich gelange durch unterschiedliche Kompartimente, die bunt oder nüchtern sind. Jedes hat seine eigene Ausstrahlung. Die Blütenfülle der Herbstanemonen sucht Ihresgelichen! Ein Traum in Weiß! Im Wechselspiel des frühen Lichts werden einzelne Blütenköpfe besonders bestrahlt. So als wollten sie sagen „hierher, schaut mich als erstes an!“ Die Morgensonne bringt die altehrwürdige Platanenallee zum Leuchten.

 

An die Natur

von Friedrich Leopold zu Stolber-Stolberg 1750-1819

Süße, heilige Natur,
Laß mich geh’n auf deiner Spur,
Leite mich an deiner Hand
Wie ein Kind am Gängelband!

Wenn ich dann ermüdet bin,
Sink‘ ich dir am Busen hin,
Atme süße Himmelslust
Hangend an der Mutterbrust.

Ach! wie wohl ist mir bei dir!
Will dich lieben für und für;
Laß mich geh’n auf deiner Spur,
Süße, heilige Natur!

Der Garten bietet für jede Stimmung einen eigenen Raum. Eben noch überschäumende Blütenfülle, jetzt ein grünes Ruhezimmer. Zu bestimmten Zeiten scheint just auf „meine Bank“ die Sonne und lädt ein zum Verweilen. Langweiliges Grün? Lebendiges Grün hat unendlich viele Nuancen. Und jede einzelne davon trifft auf den entsprechenden Nerv. Das spricht mich an. Vorne die streng in Form gepressten Hainbuchen, dahinter die frei wachsenden Platanen in ihrer wilden Schönheit. Eine solche Widersprüchlichkeit gestalterisch für uns Menschen darzustellen, das ist die hohe Gartenkunst. Auch ohne Worte geht jeder Mensch, der ein bißchen Herz hat beruhigt weiter, nach solch einem Anblick.

Offenbarung

von Hermann Rollet 1819 -1914

Natur spricht laut in Wort und Schrift
Du mußt nur Windeswehen
Und Duft und Klang und Wald und Trift
Und Fels und Meer verstehen!

Ein jeder Baum, der braust in Wettern,
Und jede Blume auf der Flur,
Und jeder Zweig ist voll von Blättern
Der Offenbarung der Natur.

Auf jedem Blatt steht licht und offen:
„O glaub‘ an helle Frühlingsluft!“
Auf jedem Blatt steht grünes Hoffen,
Still flüsternd um die Blumenbrust.

Auf jedem Blatt steht groß geschrieben:
„Der Geist der Lieb‘ durchweht die Flur!“
Auf jedem Blatt steht: „Lieben! lieben!“
Als Offenbarung der Natur.

 

(1819 – 1904)

 

Wer stets mit der Natur gelebt

von Alois Wohlmut 1880-1919

Wer stets mit der Natur gelebt,
Von ihr beglückt, mit ihr verwebt,
Das erste Grünen, erste Sprossen
Als tiefersehntes Glück genossen;
Am ersten Glöckchen sich entzückte,
Das grüßend aus der Erde blickte,
Dann an den Veilchen, wilden Rosen,
Bis zu den letzten Herbstzeitlosen: –
Ist, wenn er Achtzig hat vollbracht,
Zum Leben achtzig Mal erwacht.

Die Herbst Krokusse findet man auf einer Wiese am Ufer des Stadtgartensees, die nur von den Vögeln und den Stadtgärtnern betreten werden darf. Heimische Natur darf sich mittlerweile auch im Stadtgrün ausbreiten, bzw. wird gezielt gefördert.

Der Stadtgartensee teilt den Garten. Vom Bahnhof kommend befindet sich der Zoo rechter Hand, links erstreckt sich der Stadtgarten. Die Übergänge verlaufen jedoch auch fließend. Tiere und Pflanzen gibt es hüben wie drüben. Fließend sind auch die Wasserspiele. Sie folgen dem Klang der Musik.

Die Tiere im Zoo und Stadtgarten. Wir sehen eingesperrte und frei lebende. Hinzugezogene sozusagen. Die Eingesperrten kenne ich. Mein Interesse liegt an den Tieren, die ohne Käfig ihr Leben führen dürfen. Auch wenn sich die Philosophie der Tierhaltung in Zoos in den vergangenen Jahren verändert hat, so sehe ich dies kritisch. Aktuell (Oktober 2021) haben die Luchse ihr neues Gehege bezogen, welches 10 Mal größer ist, als das alte. Von 110 Quadratmetern auf 1.100 ist schon eine Verbesserung. Die Biologie und das Wesen der Luchse erfordern jedoch noch viel größere Flächen. Auch das Zusammenhalten der beiden Jungtiere mit den Erwachsenen ist nicht richtig, weil es einfach nicht artgerecht ist. Luchse sind Einzelgänger und treffen nur in der Paarungszeit aufeinander. Jungtiere verlassen nach der Jugendzeit ihr Geburtsrevier, bzw. werden vertrieben. Ein Auswilderungsprojekt ist löblich, dann sollte es auch richtig vonstatten gehen. Alles andere ist nicht gerecht, nicht artgerecht. 

Tiere im Zoo können auch frei leben.

Die Bremer Stadtgarten Musikanten. Dieses Quartett ist einigermaßen versteckt am Pfeiler einer Brücke angebracht. Hat es das verdient? Immerhin hat der Künstler durch seine Arbeit diesen Tieren ein bißchen zu Unsterblichkeit verholfen. Was er sich bei diesem Mosaik wohl gedacht hat? In vielen Stunden ist es entstanden. Wie groß war wohl seine, bzw. ihre Vorfreude auf die Fertigstellung?

Die „Schwarzen Hornissen“ habe ich übrigends nicht gefunden. Natur hat eben ihren eigenen Lauf.

Ralf Schreck – Stadtgarten Freund

Ferienspass mit der Agenda Gruppe Umwelt

Für Wilfried

Der Alte Hafen in Leopoldshafen könnte ein Teil des Paradieses sein, in einer Landschaft umgeben von sattem Grün, von Buschwerk, hohen alten Bäumen, herrlich überhängenden Trauerweiden. Unter den Letzteren am Uferrand schlafen derzeit noch eine Menge Boote und Kähne.

Und vor uns die große alte ehrwürdige Motorfähre, bereits besetzt vom Kapitän und seinen Mannen, von Gästen und natürlich von den Kindern. Und Angst vor Piraten müssen die Kinder nicht haben. Denn diese Seeräuber haben beschlossen keine Kinder zu rauben und bleiben heute brav in ihren Uferhöhlen. Sie sagten: Diesen Kindern darf nichts geschehen, nicht ein Gramm Freude werden wir ihnen stehlen. Und auch ihr Boss Klaus Störtebeker, tat es ihnen nicht befehlen, ja auch er stellte heute nicht den Wecker! Der Hut mit dem Totenkopf blieb heute außen vor vom Leopoldshafener „Alten Hafen bis weit hinters Schröcker Tor“!

Und das Wasser im Alten Hafen blieb sauber gefahrlos und ruhig. Und die Sonne lachte heute in diese Idylle hinein. Drei Schwäne als weiße Farbtupfer gründeln in der Nähe des gegenüberliegenden Ufers. Ein Graureiher segelt dort entlang, ein Kormoran hält auf dem höchsten Ast eines abgestorbenen hohen Baumes wohl Ausschau auf Nahrung. Oder er äugt nichts Gutes erwartend zu uns herüber. Seine Art ist bei den Anglern nicht gut angeschrieben, denn er tut wie sie die zarten Fischlein lieben. Linksoben ist in einer größeren Entfernung ein kleines Inselche zu erkennen, mit Grün bewachsen ist es. Gleichfalls eine farbenfrohe Abwechslung im grünfarbenen Wasser.

Ein paar Boote bringen leichten Wellengang. Darunter ein erster Angler mit bereits ausgeworfener Rute. Libellen schwirren hin und her. Einige landen wie Hubschrauber kurz auf der Fähre, schwirren aber wohl Gefahr drohend sofort wieder ab. So viel Umtrieb macht sie heute scheu. Noch herrscht Ruhe um diese Mittagsstunde. Ein Schmetterling fliegt neugierig vorbei. Wohl erstattet er seinen Kumpeln am Ufer Bericht.

Die Kinder, bestückt mit ihren kleinen selbst gebastelten Fähren haben diese bereits zu Wasser gelassen und schubsen sie, über die Reeling gebeugt, hin und her. Dann wird diese Ruhe unterbrochen als der Kapitän den Motor seiner großen Fähre anwirft. Da brummt es ganz ordentlich laut. Die Fähre setzt sich gemächlich in Bewegung ins freie Wasser hinaus. Nach erreichter Geschwindigkeit „von knapp einem Knoten“ schaltet er den Motor wieder ab. Dafür aber werden die Kinder nun laut, da sich die Leinen ihrer Fahrzeuge straffen und auch langsam auch Fahrt aufnehmen. Der Ferienspaß hat nun endlich begonnen!

In Vorbereitung mußten die kleinen Fähren von den Kindern selbst gebastelt werden. Und das geschah natürlich voller Arbeitswut. Ralf hatte dazu im Hardtwald die aus Lindenholz bestehenden Rundhölzer geschnitten, in gleich lange Teile zerlegt und diese mit entsprechend großen Löchern versehen. Eine diffizile Arbeit sei es gewesen, meinte er, für die Kinder aber hätte er sie gerne gemacht. Unter Anleitung wurden die Einzelteile von den Kindern zusammengebunden und schließlich ein Segel befestigt. Fleißige Frauenhände hatten diese in Feinarbeit geschnitten. Auf den Segeln segelten die Möven. Und wer genau hinhörte konnte sogar in Leopoldshafen ihre typischen Schreie vernehmen!

Und der Kinder Übermut passte störungsfrei so genau in diese paradiesische Landschaft. …“Lasset die Kleinen zu mir kommen…, wehret ihnen nicht!“ Außerdem sollte es ja ein extra Kinder-Ferien-Spaßtag sein voller Lust und Übermut. Und er war tatsächlich auch des schönen Wetters wegen gelungen. Und das passte doch so richtig auch in die beschriebene paradiesische Landschaft, in der die große Fähre gemächlich hindümpelte, gefolgt von der Kleinen Geschwader. Dann aber übertönte ein lauter Hilfeschrei plötzlich das Rumoren tatsächlich noch! Was war geschehen? Mann über Bord!? – Nein! Von einer der kleinen Fähren hatte sich die Leine gelöst und diese drohte abzudriften. Da schaltete der Kapitän sofort indem er das Beiboot ins Wasser setzte und einen weiteren Matrosen dazu, für alle Fälle. Und gekonnt holten sie den Ausbrecher ein und brachten ihn seinem Kleinmatrosen zurück. Beifall rauschte auf ob dieser gekonnten Rettungsaktion. Das Beiboot machte wieder fest und das Spiel konnte mit seinen Manövern weitergehen. Auch das Wasser beruhigte sich wieder. So verging für die Kinder diese glückliche Stunde. Und alle Matrosen gingen von Bord, nachdem die große Fähre auch wieder angelegt hatte.

Der Rettungseinsatz

Und kurz nach dem Ufergang gaukelte ein Schmetterling an mir vorbei. Er hat mich angelacht. „Na Alter fragte er, hat es auch dir Spaß gemacht?“ „Danke“, sagte ich, ich fühle sogar glücklich mich. Ja, ich war mal wieder sorgenfrei. Und Kinder waren die Sorgenbrecher, meine, und all die anderen auch. Und die Natur im weiten Rund!

Und dann verließen wir insgesamt den anderen den „Alten Hafen“ und ließen die Fähre zurück zum späteren Weiterschlafen. Ich vernahm im Nachhinein noch ihre Sehnsucht einmal noch auf den Rhein auszulaufen bis Worms zum Beispiel. Um dort als Plattform zu dienen bei der Bergung des Nibelungenschatzes der, oder auch nur Teile davon, einst von Siegfrieds Kämpen versenkt worden sein soll. Und die altehrwürdige Fähre hatte auch von den vielen Beratungen gehört und über die Versuche der Bergung einer vor über einhundert Jahren im Rhein versunkenen Dampflokomotive. Und wie und wann man sie bei einem weiteren Bergungsversuch einsetzen könne. Auch über einen solchen Einsatz freue sie sich heute schon. Für solche Einsätze fühle sie sich nicht zu alt. Aber auch eine schöne Abwechslung für sie sei schon wieder einmal eine Fahrt über den Rhein an das andere Ufer hin, denn das Flussübersetzen sei ja stets ihre frühere Tätigkeit gewesen.

Und den Ruf von damals „Fährmann hol über“ habe sie heute noch im Ohr … Ja, diese Fähre ist ein echtes Schmuckstück für unsere Doppelgemeinde und in Verbindung mit den beiden Museen ein echtes Kulturgut.

Das sind die Worte meines Vaters Philipp, so hat er diesen Tag erlebt. Und ich habe das genauso empfunden. Nachdem er mir diese Aufzeichnung gab, konnte ich sie mit meinen Bildern des Tages ergänzen.

Der Film zum Ferienspass Tag

Diesen Beitrag widme ich Wilfried. Sein Engagement für Heimat, Fähre und Ortsgeschichte sucht seinesgleichen. Es sind Menschen wie er, die unserer Dorfgemeinschaft das gewisse „Etwas“ verleihen. Das Lebens- und Liebenswürdige. Eben das, was Heimat ausmacht. Und er ist weiterhin fleißig. Hat er doch in der Zwischenzeit einen Film zur Geschichte des Hafens gedreht und auch das Buch zum Film, als weitere Vertiefung zum Thema.

Das war am 10. Oktober 2017. Bürgermeister Bernd Stober überreicht Wilfried Jahraus die Entlassungsurkunde für seine langjährige Tätigkeit als Gemeinderat für Eggenstein-Leopoldshafen.

Ralf Schreck – für die AG Umwelt und AG Ortsgeschichte

Angewandter Naturschutz

Dieses Jahr ist kein Wespenjahr. Der April, im welchem die verschiedenen Wespen Königinnen aus der Überwinterung kommen, war zu kalt. Dies hemmt die Entwicklung der Wespenbrut einerseits, sowie die Brut der potentiellen Beute, andererseits. Aus diesem Grund gibt es dieses Jahr sehr viel weniger Nester und diese in geringen Volkstärken.

Was macht eigentlich ein Hornissenberater?

Hornissen stehen unter besonderem Schutz. Sowohl die Tiere, als auch das Nest selbst dürfen nicht ohne vernünftigen Grund beeinträchtigt werden. Durch ihre Größe und auffällige Zeichnung haben wir Menschen Respekt vor ihnen. Werden Hornissen entdeckt, dann erschrecken sich die meisten und sind zunächst ratlos. Dann folgt der Griff zum Telefon und Feuerwehr und Rathaus, bzw. das Landratsamt werden informiert und die vermitteln dann den Kontakt zu einem Hornissen und Wespenberater. Die meisten machen das im Ehrenamt, so wie ich. Um ein solches Amt auszufüllen bedarf es eines Lehrgangs und in Baden-Württemberg eine Bestellung zum Hornissenberater. Im Seminar lernt man die grundsätzlichen Dinge zu Wespen und Hornissen, im realen Leben als Naturfreund, den wichtigen und notwendigen Rest. Auch lernt man, dass alle Betroffenen unter einer schweren Allergie leiden und Kinder und Enkel in der Nähe sind. Über die Fruchtbarkeit der Betroffenen wage ich nicht zu urteilen. Aber die allermeisten Allergien sind vorgeschoben, denn in meiner langjährigen Tätigkeit hatte ich nur einen einzigen Fall, in welchem es eine bestätigte Allergie gab. Das hierfür erforderliche Notfallset wurde mir gezeigt.

Hornissen sind die „Gentlemen“ unter den Wespen. Absolut berechenbar in ihrem eindrucksvollen Verhalten.

Dann kam der Anruf eines Betroffenen. Beim Versuch einen maroden Ast eines Flieders abzusägen, wurde er mehrfach von Hornissen gestochen. Diese hatten sich im April in einem Schwegler Vogelkasten, der im Flieder hing, angesiedelt. Jetzt war es August und das Nest wurde erst jetzt entdeckt. Das Einflugloch ging nach hinten zum Nachbargrundstück und war deshalb nicht einsehbar. Die Nestgründung erfolgte alleine durch eine Königin, die im April aus der Überwinterung kam. Die ersten Wochen arbeitet sie alleine, bis genügend Arbeiterinnen geschlüpft sind. Jetzt drohte der Vogelkasten abzustürzen.

Hornissen gehören zu den sozialen Faltenwespen.

Die Vorgehensweise vor Ort ist eine Sache der Abwägung. Menschen- und Hornissenschutz sind unter einen Hut zu bringen. Häufig bieten sich Umlenkungs- und Absperrmaßnahmen an. Sind diese nicht möglich, plant man eine Umsiedlung von Nest samt Volk. In diesem Falle war eine Umhängung des Kastens vor Ort nicht möglich, da es keinen Baum mit Stammanbringung gab. Wir entschlossen uns den Kasten umzusiedeln. Zunächst folgt eine Bilderserie der Aktion, danach ein kurzes Video.

Das wichtigste ist ein ruhiges und besonnenes Vorgehen, sowie die Einhaltung der Eigensicherung. Die Hornissen werden mithilfe der Saugleistung eines Staubsaugers in eine spezielle Abfangbox befördert. Sie landen weich, denn der Innenraum ist gepolstert. Wir vermerkten keine Todesfälle. Es gelang uns die meisten der Flugtiere einzusaugen. Die Königin blieb dabei im Nest, auch einige Arbeiterinnen und die komplette Brut. Kasten und Box verbrachten wir in unseren Garten in einen zuvor vorbereiten großen Hornissenkasten. Das neue Domizil wurde angenommen, das Nest konnte gesichert werden.

Diese Umsiedlungsaktion beim Flieder dauerte etwa eine Stunde.

Angewandter Naturschutz

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Das Volk wird sich weiter entwickeln. Seine Bestimmung ist die Erhaltung der Art. Jetzt Ende August werden Großzellen angelegt, in welchen die Geschlechtstiere, die Jungköniginnen und Drohnen heranreifen. Ab sofort werden auch keine Umsiedlungen gemacht, weil sich solche Eingriffe jetzt nachteilig für den Fortbestand auswirken.

Der Erhalt dieses Volkes hat weitreichende Folgen. Hornissen sind ein wesentlicher Bestandteil des Netzes der Natur. Ein System, welches sich ohne die Menschen am besten trägt. Allzu oft vergessen wir, dass wir eigentlich auch dazu gehören. Der Biodiversitätsverlust ist Menschen gemacht. Das wissen wir, aber ich gehöre nicht zu denen, die das nur zur Kenntnis nehmen. Als Naturschützer erlebt man viele Enttäuschungen und es bedarf einer großen Frustrationstoleranz, um nicht aufzugeben. Zwischendurch erlebe ich sehr aufbauende Zustimmung. So hat mich Barbara mit Johanna Romberg zusammen gebracht. Das heißt, sie hat mir ihr Buch „Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht“ geschenkt. Darin beschreibt sie verschiedene Projekte von Naturschützern. All die Leidenschaften, Erfolge und Mißerfolge der beteiligten Menschen beschreibt sie in einer sehr schönen Art und Weise. Darin finde ich mich wieder. Aufgeben ist keine Option, schreibt sie. Es kommt auf die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns an, unabhängig des zu erwartenden Erfolges. Ebenfalls ein „Muss“ für alle, denen unsere Umwelt nicht egal ist, ist das Buch „Das Sterben der anderen“ von Tanja Busse. Ich durfte sie in einem Vortrag im Naturkundemuseum Karlsruhe erleben. Es war der letzte öffentliche, dann kam Corona. Tanja Busse beschreibt wie wir die Biodiversität noch retten können und vermittelt trotz der geschilderten Problematik immer noch Hoffnung.

Betrachten wir die folgenden Aufnahmen. Am Hornissen Kasten sitzt eine Hornissenschwebfliege. Sie wartet darauf ins Innere zu gelangen und im Nest ihre Eier abzulegen. Deren Larven ernähren sich von toten Individuen, bzw. von organischer Masse, die dort reichlich anfällt. Eine Art Abfallbeseitigung. Die Wissenschaft bezeichnet das als kommensale Lebensweise. Es ist eine Art Interaktion verschiedener Arten. Für die eine ist es positiv, für die andere neutral. Wer Hornissen schützt, schützt eben auch diese Schwebfliege.

Natur gibt es nicht einzeln. Natur gibt es immer als Ganzes. Vieles hängt voneinander ab. Je vielfältiger, desto größer die Widerstandskraft gegenüber schädlichen Einflüssen. Ein Auto kann ich ohne Türen noch fahren, aber nicht mehr ohne Räder.

Als Hornissen Berater ist man in erster Linie aufklärerisch unterwegs. Informieren und Ängste nehmen, das ist die erste Miete. Alles andere ergibt sich von selbst. In den allermeisten Fällen gibt es eine Entscheidung für das Leben. Wobei die Älteren oft mehr Verständnis zeigen, als Jüngere. Das hat mit den lila Kühen zu tun. Uns ist das grundsätzliche Wissen über das Leben und deren Zusammenhänge verloren gegangen. Wer kennt unsere Wiesenblumen, die heimischen Bäume, Sträucher, Vögel, usw.?

Dieses Jahr gibt es wenige Wespen und Hornissen. Ja, genau, wir haben das Insektensterben. Dafür haben wir dieses Jahr mehr Schnaken. Eine wertvolle Biomasse für unsere Vögel und Fledermäuse. Und in der Presse lesen wir ein Entschuldigungsschreiben der KABS (Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage eV), weil sie dieses Jahr mit der Bekämpfung nicht nach kommen. Ich gehöre zu der Generation, die noch die Zeiten vor der KABS erlebt hat. Da gab es mehr Schnaken, aber wir haben uns damit arrangiert. Wir sind früher heim und haben es uns zuhause mit Schnakengittern vor den Fenstern gemütlich gemacht. Früher gab es hier auch noch Rebhühner und Kiebitze. „Die Lebensqualität im Speckgürtel von Karlsruhe geht ohne KABS verloren“, sagt man. Es ist immer auch eine Frage des Standpunktes. Wie steht es um die Lebensqualität unserer heimischen Tierwelt? Es ist an der Zeit viele Dinge anders anzugehen. Lebensfreundlicher. Ganzheitlicher. Ist Anspruchsdenken noch zeitgemäß? Benötigen wir Verbote, wenn vieles auch mit Achtsamkeit und Bescheidenheit ginge?

Im August 2004 waren wir zu Besuch im Bauernhofmuseum Wolfegg in Bayern. Dort fand ich diese Lebensweisheit einer Bäuerin, die zusammen mit Mann und Schwester einen Hof bewirtschafteten. Sie ist für mich ein Vorbild. Genauso wie Barbara, Johanna und Tanja. Starke Frauen, die die Welt bewegen. Ebenso stark wie Doris, die alle meine Projekte unterstützt.

Ein starkes Team

Ralf Schreck – dem irgenwas grünes lieber ist, als ein verschotterter Vorgarten

Update am 29.08.2021 – Am neuen Domizil herrscht reger Flugverkehr. Wir beobachten einfliegende Arbeiterinnen mit Nahrung für die Larven. Andere bringen neues Material für den Nestbau. Ja, das Nest wird vergrößert. Der Platz im Schwegler Hornissen Kasten wurde zu klein, der Neubau findet jetzt an der Decke im großen Kasten statt. Das Volk ist in den vergangenen 14 Tagen gut angewachsen. Die Umsiedlung war erfolgreich. Wie es weiter geht wird hier berichtet.

Leben

Was ist das Leben? Besinnliche Geschichten aus der Heimat. Erlebtes und erfahrenes unterlegt mit Bildern.

Jakob Loewenberg – 1856-1929 hat es so beschrieben.

Leben

Ein Tropfen gleitet am Baum herab,
erst langsam, zitternd, sachte, sacht.
dann immer tiefer, schneller, schnell
bis in der Erde dunkle Nacht.

Wo war er nur? Was blieb von ihm?
Ein Hauch, der spurlos sich verliert.
Ob nicht der Baum im tiefsten Mark
Den kleinen Tropfen doch gespürt?

Noch sind die Tropfen im Spinnennetz gefangen. Gelangen sie noch ins Mark, oder steigen sie mit der Sonne, die hinter den Wolken steht wieder in den Himmel? Schicksal, wie ist deine Bestimmung?

Ferdinand Raimund -1790-1836 sieht das Leben so.

Das Hobellied

Da streiten sich die Leut herum
Oft um den Wert des Glücks;
Der eine heißt den andern dumm,
Am End’ weiß keiner nix.
Da ist der allerärmste Mann
Dem Andern viel zu reich,
Das Schicksal setzt den Hobel an
Und hobelt’s beide gleich.

Die Jugend will halt stets mit G’walt
In allem glücklich sein;
Doch wird man nur ein bissel alt,
Dann gibt man sich schon drein.
Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nicht in Wut,
Da klopf ich meinen Hobel aus
Und denk du brummst mir gut.

Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
Und zupft mich: Brüderl, kumm,
Da stell ich mich in Anfang taub
Und schau mich gar nicht um.
Doch sagt er: Lieber Valentin,
Mach keine Umständ’, geh!,
Da leg ich meinen Hobel hin
Und sag der Welt Ade.

Das blühende Leben und der Tod. Die Mamas/Omas sind voraus gegangen. Vergessen sind sie nicht.

In meinen Augen hat Rainer Maria Rilke zum Leben die schönsten Worte gefunden. Den Gewittersturm beobachten wir beim Ausblick auf die Heidelberger Straße. Auch die ziehenden Wolken in allen Farben und Schattierungen sehen wir vom Wohnungsfenster. Den Falken sehen wir in fast jedem Kirchturm. Den großen Gesang verdanken wir Lisa Heger und ihrer einzigartigen feinen Stimme. Dieses Lied habe ich in der evangelischen Kirche Leopoldshafen aufgenommen, anläßlich der Aufzeichnung eines Gottesdienstes während der Corona Pandemie. Das sind Geschichten, die das Leben schreibt.

Leben ist überall. Dabei haben Kirchen eine besondere Bedeutung. Viele Menschen werden darin getauft, begehen das Fest der Ehe und werden mit dem Tod darin verabschiedet. Und es gibt noch das „drum herum“. Der Kirchplatz der evangelischen Kirche in Eggenstein gehört dazu. Unzählige Feste und Feiern wurden dort begangen. Dieser Platz gehört zu unseren schönsten Begegnungsstätten. In einer lauen Sommernacht 2018 hatten wir dort eine Begegnung der besonderen Art. Es gelang uns den ersten Ausflug der Schleiereulen zu beobachten.

Das Titelbild des Videos zeigt den Kirchplatz mit dem Handwerker und Gewerbebaum. In den einzelnen Wappen spiegelt sich die Vielfalt des dörflichen Lebens wider. Die alten Bäume umrahmen diesen schönen Platz. Die aufgestellten Bänke laden ein zum Verweilen.

Die Katholische Kirche in Leopoldshafen und die anliegenden Flächen laden ebenfalls zum Verweilen. Auf dem Foto von Karl Ueberle aus dem Jahre 1974 sehen wir „nur“ die Kirche und einen funktionalen Platz. Heute, 2021 sehen wir, wie unsere Gemeinschaft größer geworden ist. Sie ist gewachsen, so wie diese Kastanie größer geworden ist. Wir sind mündiger geworden, wir möchten mitreden. Wir haben Probleme erkannt, die wir lösen möchten. Wir haben dank unseres Seniorenbeirats eine Mitfahrbank, einen öffentlichen Bücherschrank und dank unserer Agenda Gruppe Umwelt eine ebenfalls öffentlich nutzbare Kräuterspirale.

Drei Themen an einem Platz. Haben wir ein Luxus Problem? Nein, haben wir nicht. Das sind genau die Dinge, die unser Leben schöner machen. Sie fördern unsere Gemeinschaft. Es ist eine kleine Vielfalt. Und wer hatte die Ideen dazu? Genau, wir. Menschen wie du und ich. Menschen, die sich in kleinen Gemeinschaften zusammen finden und versuchen ihre Ideen mit ihrer Gemeinde zu verwirklichen. In diesem Fall sind auch die Kirche und die Sponsoren beteiligt. Sind alle von deren Argumenten überzeugt, bringt jeder seinen Teil ein und es entsteht ein Ganzes. Und das steht allen von uns zur Verfügung. Ist das nicht ein Grund dankbar zu sein? Nehmen wir nicht alles als selbstverständlich an, sondern zeigen auch die angemessene Wertschätzung gegenüber allen Beteiligten.

Die Antwort hierfür finden wir im Bücherschrank.

Teilnahme am Leben und die Möglichkeiten zu haben seine Ideen und Gestaltungsvorschläge umsetzen zu können ist eine großartige Sache. Das ist sinnhaft, bringt Freude und schafft neue Vorbilder, auf die wir hinauf sehen können.

Eine Gesellschaft wird auch daran bewertet, wie sie mit ihren Toten umgeht. Die Kriegsgräber auf unseren Friedhöfen erzählen mahnende Geschichten vom Leben und Sterben zu Kriegszeiten. Legen wir für unsere Nachfahren eine bessere Saat, damit eine gute Frucht daraus wird?

Der Wunsch nach Teilhabe am Leben hört auch im Alter nicht auf. Oft sind es die kleinen und vertrauten Dinge, die den Seelenschmerz vertreiben. Ich bin dankbar, dass wir einen solch schönen Bürgerpark vor unserer Haustüre haben. Es ist ein echter Generationenpark. Hier tummeln sich Alt und Jung. Jede und jeder kommt dort auf ihre und seine Kosten! Nicht nur Menschen, deren Lebensradius eingeschränkt ist, können dort den Wandel durch die Jahreszeiten hautnah erleben.

Sieht aus wie ein Urwaldfluß, ist aber „nur“ der Pfinzkanal bei Eggenstein am Hardtwald. Im letzten Bild sieht man den schlammigen Zustand nach einem Monsunregen. Mit Phantasie natürlich. Die habt ihr doch? Oder?

Die Lindenallee. Sie hat sich prächtig entwickelt und steht sozusagen „gut im Futter“. Umstritten und beliebt. Je nach Standpunkt. Förster und Landschaftsplaner haben eines gemeinsam. Sie können in die Zukunft sehen. Das heißt sie haben eine konkrete Vorstellung davon, wie eine Planung im fertigen Zustand aussieht. Es sind Menschen mit Visionen, die allzu oft überhört werden, weil Kurzsichtigkeit bei manchen Zeitgenossen eine höhere Priorität haben.

Lindenallee die Zweite. Jetzt zur Vollblüte, am 20. Juni. Welch ein Duft. Welch ein Gesumme von tausenden von Bienen. Dabei musste ich an Bernhard denken und wollte ihm ein Dankesbild senden. Jetzt ist mir der Bericht im aktuellen Amtsblatt zuvor gekommen. Auch gut. Wohin wird uns dieser Alleenweg führen? Ins Glück? Oder ins Ungewisse? Die Antwort überlasse ich euch.

Ralf Schreck – der gerne einen Sinn im Leben sieht.

Ein Kessel Buntes

Wer Lust auf „Bunt“ hat, der spaziert beim Andi Bräu ins Tiefgestade hinunter. Zunächst blicken wir beim Absturzbauwerk hinab in die Landschaft, dann erkennen wir sofort, was uns erwartet. Das aktuelle Wetter zaubert herrliche Wolkenspielereien. Mal kommt die Sonne durch, mal nicht. Licht und Schatten bilden ein Katz und Maus Spiel. Da der April zu kalt war ist unser Frühling anders, als in den vergangenen Jahren. Es blüht überall länger und scheinbar bunter.

Diesen Weg und diese Strecke sind wir schon oft geradelt. Das spannende dabei ist, dass es jedes Jahr anders ist. Künstlerin Natur eben.

Ist das nicht wie eine Offenbarung?

Offenbarung

Natur spricht laut in Wort und Schrift
Du mußt nur Windeswehen
Und Duft und Klang und Wald und Trift
Und Fels und Meer verstehen!

Ein jeder Baum, der braust in Wettern,
Und jede Blume auf der Flur,
Und jeder Zweig ist voll von Blättern
Der Offenbarung der Natur.

Auf jedem Blatt steht licht und offen:
„O glaub‘ an helle Frühlingsluft!“
Auf jedem Blatt steht grünes Hoffen,
Still flüsternd um die Blumenbrust.

Auf jedem Blatt steht groß geschrieben:
„Der Geist der Lieb‘ durchweht die Flur!“
Auf jedem Blatt steht: „Lieben! lieben!“
Als Offenbarung der Natur.

Hermann Rollett – (1819 – 1904), österreichischer Dichter

Der Regen war wichtig. Die Vegetation hat hat es mit den vielen Blüten gedankt. Unsere Dämme sind bunter denn je. Oder sehen wir es deshalb nur so, weil unsere Sehnsucht nach Normalität so hoch ist? Wer beim Anblick dieser Blumenmeere nicht ins Träumen kommt, der hat das Leben nicht verstanden. Jetzt sollte man heiraten, eine schönere Kulisse finden wir nicht. Dürfte ich mir einen Platz zum Sterben wünschen, dann wäre es im Mai, dort unten bei den Blumen, den bunten.

Ralf Schreck – Naturfreund

Frühling in der Heimat

Wenn der Frühling ins Land zieht, wäre es eine Beleidigung der Natur, nicht einzustimmen in ihr Jauchzen. – John Milton

Blick auf Eggenstein vom Pfinzkanal beim Absturzbauwerk.

Winters Flucht – August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Dem Winter wird der Tag zu lang, ihn schreckt der Vögel Lustgesang; Er horcht, und hört’s mit Gram und Neid, Und was er sieht, das tut ihm leid; Er flieht der Sonne milden Schein, sein eigner Schatten macht ihm Pein; Er wandelt über grüne Saat und Gras und Keime früh und spat: Wo ist mein silberweißes Kleid? Mein Hut, mit Demantstaub beschneit? Er schämt sich wie ein Bettelmann, und läuft, was er nur laufen kann. Und hinterdrein scherzt Jung und Alt in Luft und Wasser, Feld und Wald; Der Kiebitz schreit, die Biene summt, der Kuckuck ruft, der Käfer brummt; Doch weil’s noch fehlt an Spott und Hohn, so quakt der Frosch vor Ostern schon.

Mein Garten von Matthias Claudius

Jeden Morgen in meinem Garten öffnen neue Blüten sich dem Tag. Überall ein heimliches Erwarten, das nun länger nicht mehr zögern mag. Die Lenzgestalt der Natur ist doch wunderschön, wenn der Dornbusch blüht und die Erde mit Gras und Blumen prangert.

Die schönste Zeit von Annette von Droste Hülshoff

Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein? Da grünt und blüht es weit und breit im goldenen Sonnenschein. Am Berghang schmilzt der letzte Schnee, das Bächlein rauscht zu Tal. Es grünt die Saat, es blinkt der See im Frühlingssonnenstrahl. Die Lerchen singen überall, die Amsel schlägt im Wald! Nun kommt die liebe Nachtigall und auch der Kuckuck bald. Nun jauchzet alles weit und breit, da stimmen froh wir ein: Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein?

Winter Ade! August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

So hört doch, was die Lerche singt! Hört, wie sie frohe Botschaft bringt! Es kommt auf goldnem Sonnenstrahl Der Frühling heim in unser Tal, Er streuet bunte Blumen aus und bringet Freud‘ in jedes Haus.         Winter, ade!         Frühling, juchhe! Was uns die liebe Lerche singt, in unsern Herzen wiederklingt. Der Winter sagt: ade! ade! Und hin ist Kälte, Reif und Schnee Und Nebel hin und Dunkelheit – Willkommen, süße Frühlingszeit!         Winter, ade!         Frühling, juchhe!

Im Herbst sammelte ich alle meine Sorgen und vergrub sie in meinem Garten. Als der Frühling wiederkehrte – im April – um die Erde zu heiraten da wuchsen in meinem Garten schöne Blumen.    Khalil Gibran

Ich werde nie zum Frühling sagen: Verzeihen Sie, Sie haben dort ein welkes Blatt! Oder zum Herbst: Nehmen Sie es ja nicht übel aber dieser Apfel ist nur zur Hälfte rot.    Friedrich Hebbel

Wolkenleuchten am Abend. Sonnig der Tag, kühl die Nacht. Haben wir heute alles vollbracht? Wie ist es wohl morgen? Wieder voll Sorgen? Sieh die Wolken, die immerzu ziehn, denen ist es egal, wohin wir fliehn. Betrachtest du das Licht, erkennst du dahinter die Zuversicht.

Annette von Droste Hülshoff beschreibt den Gsang der Lerche und für von Fallersleben ist das quiekende Schreien der Kibitze ein Frühlinszeichen. Wer kennt diese Gesänge heute noch? Wann haben wir diese Vogelarten bei uns zum letzten Male gehört oder gar gesehen? Ist es nicht beschämend für uns, dass man den Kiebitz nur noch in vor Menschen abgezäunten Gebieten, wie dem Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag bei Spöck, erleben kann?

Heimatliebe Kitsch und Gefühlsduselei? Heimat ist der Ort, an welchem wir leben und uns wohlfühlen, wo wir lieben und streiten. Wo wir Familie, Freunde und unseren Auslauf haben. Wo wir uns verwirklichen und einbringen können. Im folgenden Bild möchte ich euch beschreiben, was Heimat für mich bedeutet.

Bildbeschreibung. Als Schüler hatte ich im Deutschunterricht etliche Bildbeschreibungen anzufertigen und wusste eigentlich so gar nicht, was ich schreiben sollte. Das ist heute anders und deshalb bin ich froh, dass der gute Herr Glutsch nicht locker ließ. Was sehen wir? Wir sind in Leopoldshafen, beim Platz der katholischen Kirche. Die Felsenbirnen bei der Kirche blühen und verströmen den Duft von Frühling. Bienen fliegen emsig in den Kronen und sammeln Pollen und Nektar. Die Kirche als Herberge für die Gläubigen lädt ein zum Gottesdienst. Bald kommen die ersten Besucher, es ist Sonntag. Es findet sich eine Gemeinschaft. Spuren einer anderen Gemeinschaft entdecken wir am linken Bildrand in der Mitte. Es ist eine vom Seniorenbeirat initiierte Haltestelle mit einer Mitfahrbank. Das sind Menschen, die sich kümmern, sich für andere einsetzen. Im Vordergrund sehen wir die von der AG Umwelt errichtete Kräuterspirale, die jedermann beernten kann. Jedes Mal, wenn ich davor stehe, denke ich an Barbara, die in der Nähe wohnt und sich um die Pflege kümmert. Wir sehen das Hinweisschild zur Spirale, welches die Gemeinde Egg-Leo finanziert und gestellt hat. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs sind involviert und schauen nach, ob bewässert werden muss. Obwohl der Himmel grau ist und ein kühler Wind weht, friert mich nicht. Es ist ein Ort mit Zeichen und Symbolen von Menschen, die sich für andere einsetzen. Es ist ein Ort für Menschen. Wir haben viele solcher Plätze in unseren Orten. Das ist für mich Heimat. Und das gibt es überall. Heimat bedeutet angekommen zu sein und aufgenommen zu werden.

Ralf Schreck – Frühlingsfreund

Nachtrag

Diese Heimatgeschichte ist noch nicht zu Ende. Schaut mal, was mir Florian als Kommentar zu meinem Blogbeitrag geschickt hat. Ist das nicht ein sehr schönes Bekenntnis zum Thema? Das macht Mut. Eben komme ich vom Gottesdienst aus der evangelischen Kirche zurück. Gerhard und ich haben wieder einmal die Zeremonie filmisch festgehalten. Er ist jetzt gerade dabei mit den Schneidearbeiten und ab 15.00 Uhr wird es auf dem youtube Kanal der Kirche freigeschaltet. Jeder Gottesdienst ist besonders. Heute wurde der Opfer der Corona Pandemie gedacht. Pfarrer Boch findet jedes Mal dir richtigen Worte. Voller Trost, Zuspruch und Hoffnung. Und den Gerhard habe ich gestern bei meinem 5. Corona Test getroffen. Ich habe ihn kaum erkannt, so vermummt war er. Er hatte sich als freiwilliger Helfer beim Testen gemeldet. Auf meine Frage, wie er zu diesem Job gekommen sei, meinte er nur, Regine von der Gemeinde hätte gefragt wer helfen könnte. Ja, Regine vom Rathaus hat dort das größte Herz. Genau, das sind wir. Wir können nicht nur gut feiern, wir stehen auch parat, wenn es darauf ankommt. Wir haben viele solcher Menschen. Matthias, Florian, Gerhard, Regine, Mario und viele, viele andere, die aus demselben Holz geschnitzt sind. Und wir haben einen Wolfgang, aber das ist eine andere Geschichte.

Erst ein Vogel seiner klänge,
dann ein Rauschen der brandenden See.
Leichte Röte „sieh“ dort vorne,
am Horizonte sich erhebt.

Auch das Grüne in der Ferne
sich ins süße Lichte reckt.
Wo sich noch vor kurzer Weile
die Dunkelheit erstreckt.

Vorbei die dumpfe Kälte
denn der Goldmond wird nun wach.
Mit ihm Farbe spriesen, treiben
in jener weiten Pracht.

Frühjahrs Horizont
Florian Böhm

Pflanzen für Menschen und Insekten

Lust auf ein Umwelt Projekt? Dann seid ihr hier richtig.

Nachstehend möchte ich euch einige Pflanzen vorstellen, die sowohl Menschen, als auch Insekten erfreuen.

Lavendel

Der Lavendel – Lavandula angustifolia war in der Zeit meiner Baumschulgärtner Lehre eine Modepflanze. Eine Symbolpflanze für den Mittelmeerraum. Erinnerte er uns doch an die Urlaube in Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland. Sobald man ein kleines Blättchen von ihm zerrieb stieg einem der typische Lavendel Duft in die Nase und die Erinnerung an die schönsten Tage im Jahr waren wieder präsent. Setzen wir Pflanzen für die Sinne, freuen sich nicht nur die Wildbienen. Die schmal lanzettlichen Blätter sind grau filzig behaart. Dadurch sind sie an trocken heiße Standorte angepasst, weil die Verdunstungsrate reduziert ist. Die lila Blüten erscheinen im Juni bis Juli in endständigen Büscheln. Wer im Thai Restaurant beim Sportplatz des FC Alemannia im Juni im Biergarten saß, konnte einen Hummelschwarm beim Lavendel tanken beobachten. Lavendel können wir mit einem fachgerechten Schnitt für viele Jahre auf eine Höhe von 50 Zentimeter erziehen, bei einem Durchmesser von etwa einem Meter. Ohne Schnitt verholzt er, schiebt sich in die Höhe und fällt wegen Kopflastigkeit irgendwann um. Man findet dann recht skurrile Gestalten, die dadurch ihre Daseinsberichtigung begründen. Schmetterlinge, Schwebfliegen und zahlreiche Wildbienen treffen sich am Lavendel.

Katzenpfötchen

Das Rote Katzenpfötchen – Antennaria dioica `Rubra´ ist eine Polsterstaude, die ca. 10 cm hoch wird. Die rötlichen Blütenköpfchen erscheinen im Mai in katzenpfotenartigen Trugdolden, daher der Name. Diese mehrjährige Staude gedeiht am besten an sonnigen, trockenen und nährstoffarmen Standorten. Sandige Gartenerde oder ein extensives Dachgartensubstrat sind ideal. Dieses Antennaria ist eine gärtnerische Auslese der Wildart, die von Europa bis Asien vorkommt. Gartenpflanzen, die züchterisch noch wenig bearbeitet sind, werden von vielen heimischen Insekten als Nahrungsquelle für Nektar und Pollen geschätzt. Honig- und Wildbienen lassen sich dort sehr gut beobachten. Katzenpfötchen sind typische Steingartenpflanzen, die an solchen Standorten konkurrenzstark und deshalb sehr pflegeleicht sind.

Dachwurz

Die Hauswurz – Sempervivum ist eine sehr alte und beliebte Gartenpflanze. Die derben und immergrünen Rosetten sind eine wahre Augenweide. Es sind Hungerkünstler für trockene und heiße Standorte. Fugen, Schotter und Geröllflächen sind ihre Lieblingsplätze. Deshalb fühlen sie sich in Trögen, Schalen und Steingärten sehr wohl. Die Blüten erscheinen im Juni an ca. 10 cm hohen Stängeln, wo sie u.a. auch von Wildbienen besucht wird. Wer die filigranen Blüten betrachtet entdeckt, dass sich dort Wildbienen einfinden, die kaum einen halben Zentimeter groß sind. Mit der Dach- oder Hauswurz schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Die makellosen Rosetten schmeicheln unserem Auge und die Blüten sind eine wertvolle Labung für unsere heimischen Wildbienen.

Die beschrieben Pflanzen sind schön. Damit können wir eine kleine Fläche an einem heißen und trockenen Standort gestalten. Das ist wichtig, denn ein schattiger und feuchter Ort sagt ihnen nicht zu, das ist nicht das, wofür sie geschaffen sind. Das würde ihre Lebensdauer arg verkürzen. Für solche Standorte gibt es andere schöne Pflanzen, die ich später vorstellen möchte.

Wir nehmen die Leitpflanze (Lavendel) und gruppieren die Polsterstauden um ihn herum. In unserem Falle nehmen wir zwei Polsterstauden in je zwei Arten. Das Ergebnis ist eine kleine und feine Pflanzengemeinschaft, die aus fünf Pflanzen besteht. Das ist der Plan. Und weil das ein sehr schöner Plan ist, wollen wir ihn mit euch teilen. Die Idee hierzu ist zwei Sortimente mit je fünf Stauden zusammenzustellen, die interessant für Mensch und Wildbiene sind. Das eine Sortiment habe ich bereits vorgestellt, das andere ist in Vorbereitung. Es soll eine Aktion werden, bei der die beiden Sortimente an Interessenten verkauft werden. In der Öffentlichkeit wird diese Aktion beworben, wer Interesse hat, meldet sich verbindlich und an einem Aktionstag, wie z.B. dem Bauernmarkt oder an einem Umwelttag, erfolgt die Ausgabe. Vorausgesetzt Corona lässt das zu. Zur ersten Aktion stehen je 48 Sortimente zur Verfügung, also 96 Interessenten könnten zu Wildbienen Freunden werden. Sollte diese Aktion erfolgreich sein, könnte man weitere ins Leben rufen.

Niemand kauft „die Katze im Sack“, denn die vorgeschlagenen Pflanzen sind auf „Insektentauglichkeit“ getestet. Das zeigen auch meine Bilder.

Na, Lust bekommen etwas für die Biodiversität zu tun? Sollte diese Aktion zustande kommen, wird im Amtsblatt darüber berichtet.

Ralf Schreck – Aktivist für sinnvolle Umweltprojekte

Rückblick – oder was ich alles vermisse

Der Vorteil sich mit dem Dorfgeschehen zu befassen liegt darin, dass man sich auskennt. Hierzu reisen wir ins letzte Jahrhundert und schauen uns einmal an, was an öffentlichem Leben alles geboten wurde. Nehmen wir das Jahr 2018 und lustwandeln durch die Monate. Gewiss, es ist eine subjektive Bildgeschichte aus meiner ganz persönlichen Sicht und beschreibt nur einen kleinen Teil unseres öffentlichen Lebens. Manches hat Wiedererkennungswert und zeigt wie unser Leben früher einmal war. Heimatkunde eben.

Januar

Spontan fiel der Entschluss zur Feuerwehr Leo zu spazieren, um dort gemeinsam das Neue Jahr zu begrüßen. Feuerwerk und Sekt: perfekt! Die Ortsgschichte Gruppe traf sich regelmäßig, um Aktivitäten wie Vorträge, Aufführungen, Film Nachmittage, Feste, und anderes zu besprechen und zu organisieren. Die Sternsinger waren unterwegs, die Christbaumsammlung war schon traditionell. Wolfgang Knobloch eröffnete die Sonderausstellung im Heimat Museum. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde gab man sich zwanglos, freute sich mit über die Geehrten und lauschte der Rede des Bürgermeisters über Vergangenes und Zukünftiges. Die Hinweistafeln an unseren Ortseingängen waren über Monate hinweg ausgebucht. In der Rheinhalle lockte die Ortsgeschichte zur Veranstaltung „200 Jahre Tulla“.

Februar

Der Februar war der Faschingsmonat. Die Masken waren gewollt, viele mit Liebe und Freude selbst gebastelt. Die Alde Bumbl luden die Kinder der Kita Märchenwald zum Umzug Richtung Rathaus. Welch eine Freude für die Beteiligten und die Zuschauer! Ja, wir erlebten Freude, die vielen Menschen ins Gesicht geschrieben stand. Auch einen „großen“ Faschingsumzug durften wir erleben. Ein „Muss“ nicht nur für Ortsgeschichtler. Unser Ortsgeschehen wird dort in den zahlreichen Motivgruppen und Wagen sehr schön dargestellt, auf die Schippe genommen und man feiert ausgelassen.

März

Im März gab es die nächste Zusammenkunft der Ortsgeschichte im Heimatmuseum, später das Netzwerktreffen zu den geplanten Ferienspassaktionen im Sommer. In lockerer Runde, mit netten Menschen plaudern, Erfahrungen austauschen, Pläne schmieden. Unbeschwert und unbefangen. – Genauso sind wir dann für eine Woche in den Urlaub gefahren. Zum Kaiserstuhl. Erholen, wandern, Pflanzen schauen. Später, im Sommer, sind wir dann noch einmal in Urlaub gefahren. Ein bißchen Wehmut befällt mich schon, wenn ich mir diese Bilder betrachte. „Wie eng die da zusammen sitzen, wo haben die ihre Masken?“

April

Kaum war die Rheinhalle geräumt, lud der Kulturverein zum Kulturmarkt ein. Willi Nees als Bürgermeister Stellvertreter sprach die Eröffnung. Ein Könner seines Fachs, hat er doch einen Charme, der seinesgleichen sucht. Heimische Künstler stellten aus, Kinder wurden betreut, man traf sich ungezwungen. Musik Frühstück draußen im Freien, einfach herrlich. Eigentlich wollte ich mir dieses Jahr eine hölzerne Kuckuckspfeife dort kaufen, die wirklich „echt“ nach Kuckuck klingt. Jetzt wurde der Markt zum zweiten Male abgesagt. Eine gewisse Affinität zur Feuerwehr kann ich nicht leugnen. So wurden wir Ende des Monats zum feierlichen Maibaum stellen geladen. Wir konnten nicht eng genug beieinander sitzen. Ja, wo kein Platz mehr war, sind wir einfach aufgerückt. Das zeigt wie beliebt unsere Feuerwehren sind. Jung und Alt vereint, gemeinsam beim Essen, beim Plausch. Dann draußen eröffnet Biancas Spielmannszug die Aktion. Musik! Draußen! Die starken Männer besprachen sich kurz, dann ging es zur Sache. Mit vereinten Kräften wurde das „Problem“ gelöst und der Baum stand wie eine Eins.

Mai

Am 1. Mai begab sich unser Spielmannszug Musik spielend zum Heimatmuseum und erfreute die Anwohner mit fröhlichen Klängen. Eine Woche später führte ich die Kameraden zu unentdeckten Plätzen in Ort und Natur. Wie unbeschwert alles war. Wie klein unsere Sorgen damals waren. Nicht nur Brücken verbinden. Am Pamina Tag gab es im Bürgerpark den Brückengottesdienst, wo ich die Radtour beginnen ließ. Nach Erhalt des Segens ging es los in Ort und Flur. Viel wurde geboten an diesem Tag. Wer nicht teilnahm, der hatte was verpasst! Für Jung und Alt wurde wieder allerhand geboten. Es ist schon erstaunlich, was eine Handvoll Menschen bei uns auf die Beine stellen können! Einschränkungen gab es praktisch nur durch ein bißchen Wasser. Aber was ist schon Regen? Mitte des Monats gab es die Fotoaktion für die Lyra. Gefragt, getan. Wie selbstverständlich alles war. Die fröhlichen Menschen, die schönen Kleider. Ja, es fehlt mir. Heimische Musik, das unmittelbare, die Gänsehaut beim Hörgenuß.

Juni

Es wurde sommerlich. Wir freuten uns bereits auf den bevorstehenden Urlaub. Weg vom Alltag, erholen, „nix“ machen, essen gehen. Sorgen freie Zeit genießen. Zuvor gab es im Bürgerpark den Bauernmarkt. Ein Markt, bei dem etwas besonderes feil geboten wurde. Bei schönstem Wetter kam man zusammen, traf sich, informierte sich, kaufte ein, und setzte sich nieder zum Essen. Wer wollte ging danach ins Andi Bräu zur Brotzeit mit Bier. Lockdown und Homeoffice waren Fremdworte. An Essen abholen beim Andi dachte kein Mensch. In die Armbeuge niesen? Hallo? Aprilscherz? Geh mir fort!

Juli

Alles war bestens vorbereitet zum Jubi 400 Jahre Heimathaus. Ein solches Fest ist der Lohn für all die Mühen. Der restaurierte Esserbrunnen wurde eingeweiht. Ein rundum gelungener Tag. In seinen öffentlichen Reden stellt Bürgermeister Stober jedes Mal die Bedeutung des Ehrenamtes für das Dorfleben in den Vordergrund. Zurecht. Die grundsätzliche Versorgung und Instandhaltung unserer Gemeinde nehmen viele als Slebstverständlichkeit hin. Schulen, Kitas, Straßen und andere Infrastruktur und vieles andere wird von den „Rathäuslern“ von vielen oft unbeachtet erledigt. Jetzt in der Pandemie müssen „die“ ganze andere Aufgaben lösen und meistern. Und es wird gemeistert. Die Prioritätenliste wird geändert und das wichtigste angegangen. Diese Flexibilität konnte man auch 2015 bei der Bewältigung der vielen gestrandeten Flüchtlinge erkennen. Eine solche Leistung wird wahrgenommen und verdient mehr als ein „Danke“. Während dieser Pandemie lernen wir uns neu kennen. Wie gehen wir damit um? Maulen und jammern und ignorieren? Und dann kam das Schröcker Dorffeschd! Es ging in die Geschichte ein. Hatten wir je ein schöner verregnetes Dorffeschd? Was da alles geboten wurde! Für jedermann war was dabei. Ich bin für mehr Demut und Bescheidenheit. Rücksicht mit Überlegung. Die Menschen auf meinen Bildern sind voller Begeisterung und Energie. Das fehlt uns jetzt. Dann sind wir zum zeiten Mal in diesem Jahr in Urlaub gefahren! Nochmal zum Kaiserstuhl, weil es dort so schön war. Die Gottesanbeterin wollten wir finden. Und weil ich „der_mit_der_Natur_spricht“ bin, haben wir sie auch gefunden.

August

Oft stehe ich am Rand und beobachte das Geschehen. Dann plötzlich wird ein Blick erwidert. Es fallen keine Worte, die Augen sprechen und man versteht sich sofort. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Diese Spontanität fehlt mir. Nicht nur die direkte Nähe, auch die Nähe aus der Ferne. Der Augenblick eben. Das Kinderfest war der Höhepunkt im August. Unsere Sorge galt der Hitze und nicht der Ansteckung. Spielen, toben, freuen war angesagt. Am Ende des Monats waren wir beim Ferienspass der Kleingärtner. Für die Kinder gab es Bastelarbeiten und sie bepflanzetn die Kräuterspirale.

September

Der September war voll mit Veranstaltungen. Die Ferienspassaktionen fanden ihren Abschluss beim Grillplatz. Es wuselte nur so vor Kindern. Die Ortsgeschichte stellte zum Tag des offenen Denkmals wieder ein umfangreiches Programm zusammen. Die Museen waren offen, alles durfte erkundet werden. In der Rheinhalle gab es die Ausstellung Licht und Farbe. „Die Grünen“ feierten ihren 20. Geburtstag mit einem fast echten Elvis. Ja, es wurde viel an Kultur geboten. Michael Martin lud zur Filmvorführung über den heimischen Kiesabbau, die viele Menschen besuchten. Ein weiterer Höhepunkt war die Vernissage der Kunstausstellung in unserem Rathaus, die Angela Wörner seit vielen Jahren begleitet. Ja, wir haben ein offenes Rathaus, auch wenn es derzeit nur mit Einschränkungen zu betreten ist.

Oktober

Aktivitäten draußen waren überall möglich und üblich. Hier bauen die AG Umweltler mit Hilfe ihrer Sponsoren die Kräuterspirale für jedermann. Ja, anpacken können wir. Erleben konnte man das auch bei der jährlichen Gemeindeputzete, die ihren Abschluss bei der Feuerwehr Egg mit einem Essen feierte. Was waren das für schöne und inspirierende Veranstaltungen. Das Motto hieß, je mehr kommen, desto größer der Erfolg. Dann freute man sich auf den verkaufsoffenen Sonntag mit Begleitprogramm und auf die Kerwe. Die Schröcker Feuerwehr lockte ihre Fans mit dem traditionellen Kerwe Essen. Da war die Bude wieder krachend voll!

November

Die Kita Kindern huldigten St. Martin mit einem kleinen Umzug. Die Feuerwehr sorgte mit einem Lagerfeuer für die schöne Stimmung. Von wegen kalter November. Wir rückten zusammen und genossen die Wärme. Beim Volkstrauertag waren viele Menschen zugegen, um der Toten zu gedenken. Die Tage wurden kürzer, allmählich wurde es schon weihnachtlich. Die Vorbereitungen für diese Veranstaltungen im Dezember waren voll im Gange.

Dezember

Der Dezember gab sich mit Veranstaltungen die Klinke in die Hand. Für unsere Senioren ist die Weihnachtsfeier eine begehrte Veranstaltung. Wo sonst trifft man seinesgleichen am selben Ort? „Dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen“. „Ich bin doch froh, dass ich mich angemeldet habe, der Nachmittag war wieder so schön.“ Beim Adventssingen in der evangelischen Kirche Eggenstein war eine Darbietung schöner als die andere. Eine Stimmung, die schöner nicht sein konnte. Auch der Nikolaustag am und im Heimatmuseum Leopoldshafen war wieder einmal unvergesslich. Das sind Termine, die man einfach im Kalender fest eintragen muss! Auch die Aktionen zum Lebendigen Adventskalender waren schön. Ein letztes Konzert gab es in der evangelischen Kirche Leo mit 4Cant. Und zum Schluss wurden wir von den Jägern zur Drückjagd in den heimischen Forsten geladen.

Das Jahr ging zu Ende. Eigentlich ein ganz „normales“ Jahr, denn früher war das so bei uns. Dabei habe ich nur das beschrieben, wo ich persönlich dabei war. Wir haben ja noch viel mehr zu bieten., aber überall kann ich nicht sein. Das ist das Leben in Eggenstein-Leopoldshafen. Das ist die Verwirklichung des Mottos „Wohlfühlen in Vielfalt“. Und das ist das, was „so nebenbei“ durch das Ehrenamt verwirklicht wird. Das ist das, was eine Dorfgemeinschaft ausmacht, das ist der rote Faden, der von den vielen Freiwilligen gestrickt und weiter gereicht wird. Seit einem Jahr sind wir im Stillstand, warten auf Test- und Impftermine. Das Virus ist heimlich und heimtückisch. Die Fäden werden aktuell im Hintergrund gezogen. Viele Aktivitäten sind neu entstanden, die Art und Weise sich zu kümmern hat sich verändert. Was wird noch alles kommen? Wir wissen es nicht.

Manchmal sieht man zwei Regenbogen. Hinten wird es schon wieder hell.

Meine Lieben,

wenn euch die Geschichten, die ich heute vorgestellt habe gefallen haben, dann erkennt ihr auch die Zuversicht und Hoffnung, die uns inne wohnt, um dort wieder anzuknüpfen, wo es hat aufhören müssen. Vieles liegt in unserer Hand. Viele Hände können viel gestalten. Ostern steht für Erneuerung und Aufbruch. Irgendwann ist auch die letzte Fastenzeit zu Ende. Und wenn es los geht bin ich wieder dabei. Ihr auch?

Es ist mir vergönnt bei den Filmaufnahmen der Gottedienste der evangelischen Kirche Leopoldshafen mit zu helfen. Vorgestern entstanden die Aufnahmen für den Gottesdienst am Oster Sonntag. Pfarrer Matthias Boch hat passende Worte gefunden. Es lohnt sich am Sonntag dem youtube Link der evangelischen Kirche zu folgen. Hier einige seiner treffenden Worte.

Feiert mit mir das Fest aller Feste, schmückt trauernde Häuser,

kehrt Schmutz von den Straßen, lasst leere Tische sich biegen,

schlagt verschlossene Fässer auf, freut euch mit mir am Wunder aller Wunder.

Kommt aus den Kellern der Angst, öffnet verriegelte Türen,

reißt dumpfe Fenster auf …

Frohe Ostern wünscht Ralf Schreck