Neues vom Dachsbau

2019 gab es am Dachsbau interessante Beobachtungen. Etwas abseits vom Dauerbeobachtungsplatz entdeckte ich einen befahrenen Dachsbau. Dort wurde die Wildkamera montiert. In der folgenden Zusammenstellung erfahren wir einiges über das Leben der Dachse. Die Kamera erfasst einen Zeitraum vom 14. – 26. April. Danach war das Pärchen für die Kamera nicht mehr sichtbar. Die Geschichte geht jedoch weiter. Wie, das sehen wir im zweiten Video.

Aus dem Leben der Dachse.

Am 29. Mai tauchte ein junger Fuchs am Bau auf. Wie sich später herausstellte war es ein Wurf von vier Jungen. Offensichtlich hatten sie die weiter entfernt liegende Wurfhöhle verlassen und tummelten sich nun am aktuellen Beobachtungsplatz. In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai filmte die Kamera ein dramatisches Ereignis. Von Neugier getrieben erkundete ein Jungtier den Bau und wurde möglicherweise von einem Dachs angegriffen. Später kam die Fähe hinzu und zerrte ihren toten Schützling wieder ins Freie. Die Dachse wurden von der Kamera nicht mehr eingefangen. Allerdings sind die Bauanlagen in diesem Bereich sehr weitläufig und in diesem Labyrinth mit zahlreichen Ein- und Ausgängen versehen.

Was den meisten Menschen verschlossen bleibt, filmt die Kamera und das meist in der Nacht. Einzelne Fotos dokumentieren nur die Anwesenheit der dort lebenden Tiere. Erst die Zusammenstellung der Videos zeigt Ausschnitte des wahren Lebens der Schröcker Fauna.

Die Versorgungen der Füchse mit Nahrung erfolgte an anderer Stelle. Hier war nur ein temporärer Aufenthaltsort.

Am 30. Juni, frühs um 6.30 Uhr beobachtete ich die Fähe mit einem Jungtier auf der Streuobstwiese am Rheinniederungskanal. In ihrem Blick konnte ich sehen, dass sie mich erkannte.

Die Beobachtungen durch die stationäre Kamera sind eines. Das andere sind die Erlebnisse draußen in Echtzeit. Das Unerwartete, das Finden ohne zu suchen. Dieses Erleben eines Glücksgefühles hat Herbert Grönemeyer treffend beschrieben.

Der Tag ist alles außer gewöhnlich
Und leider gibt’s auch kein Problem
Ich sehe mir heute verdammt ähnlich
Und irgendwie finde ich das auch schön

Es hat genau die richtige Kühle
Aus einem Guss und bewundernswert
Es ist die Stille der Gefühle
Ein lauer Sommer, der durch mich fährt
Ein lauer Sommer, der durch mich fährt

Und du denkst, dein Herz schwappt dir über
Fühlst dich vom Sentiment überschwemmt
Es sind die einzigartigen tausendstel Momente
Das ist, was man Sekundenglück nennt …

Brennende Himmel, aufsteigende Nebel, stürzende Wolkengipfel, glühendes Morgenrot, explodierende Megawolken. Ist das die Reise in die Ewigkeit?

Das „sich hingezogen fühlen“ an bestimmte Orte führt zur Erkenntnis, wie verletzlich und angreifbar alles ist, wenn wir nur ausbeuten und zuwenig zurück geben. Mit der Schönheit unserer Landschaften können wir Menschen Natur nahe bringen. Natur Erlebnisse sind allgegenwärtig. Zu allen Jahreszeiten. Alleine das ist es wert, dass wir uns um unsere Natur kümmern.

Ralf Schreck – Natur Freund

Belle – die Schöne

Fritz Köhler, einer von uns. Wer seine (unsere) Geschichte kennt erhält einen Bezug zur Heimat. Fritz würde sich freuen wenn er wüßte, wie schön es heute noch an der Belle ist.

Friedrich Köhler im Alter von 75 Jahren. Gestorben ist er am 1. Januar 1949 im Alter von 79 Jahren.
In seinem Gesicht kann man lesen, dass sein Leben kein einfaches war. Er lebte in Eggenstein und war ein allseits beliebter Landwirt und Dorfpoet. Während seines an Arbeit reichen Lebens hat er sich von den steten Sorgen und Nöten nie bezwingen lassen und sich in jeder Lage mit seinen Gedichten im Gleichgewicht gehalten. Eines seiner bekanntesten und schönsten Gedichte ist „Die Belle am Rhein“. Im unten eingefügten Video habe ich es in einer verkürzten Version eingebaut. Den Originaltext kann man in der Chronik von „Eggenstein im Wandel der Zeit“ von 1965 auf Seite 188 lesen.
Den Platz an der Belle finden wir heute noch. Und den Geist vom Fritz Köhler können wir dort nachempfinden. „Belle“ ist die Bezeichnung für Pappel. Und die von ihm beschriebene Schwarzpappel – Populus nigra – war ein bemerkenswerter Baum, 30 Meter hoch und mit einem Stammumfang von 576 cm. Beschrieben ist dieser „Recke“ im Buch „Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden“ aus dem Jahre 1907.
Große und alte Bäume haben uns Menschen schon immer fasziniert.
… hat der Baum eine ganze Anzahl starker Äste verloren. Bei einem späteren Sturm ist er schließlich gefallen.
Auch wenn diese Belle längst Geschichte ist, so ist der Platz dort unten am Rhein immer noch ein beliebter Ausflugsort.
Der schönste Ort am Rhein ist an der Belle bei Eggenstein
Und was sagt die Feuerwehr? Damals war der Zugang zur Belle nicht möglich, weil die Belle Brücke saniert wurde. Beim Feuerspektakel waren wir ringsum vom Wasser umgeben. Und die einzigen Zuschauer waren Glühwürmchen.
Lebenselixier Wasser. Hingehen, rasten und sich fließen lassen. Wasser im Strom, ein ewiger Kreislauf. So wie unser Blut im Körper ewig fließt, so fließt der Rhein den Strom hinab, bis Zuflüsse und Regen das ewige Nass wieder bringen. Beim Schließen der Augen fließe ich mit. Blut und Wasser werden eins. Hier unten an der Belle wird Ewigkeit erlebbar. Fritz Köhler hat dies bestimmt genauso empfunden.
Manchmal ist das Wasser auch gefangen. Aber dort unten spielt Zeit keine Rolle.

Ralf Schreck – Belle Freund

Neulich im Vogelpark

für Angela

„Es ist nicht die Aufgabe der Kunst die Natur zu kopieren, sondern sie auszudrücken!“ Honoré de Balsac
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
„Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativität einen Künstler ausmacht, folgt: nur wer Künstler ist, ist Mensch. Jeder Mensch ist ein Künstler.“
Joseph Beuys
Natur und Kunstwerke lernt man nicht kennen, wenn sie fertig sind. Man muss sie im Entstehen aufhaschen, um sie einigermaßen zu begreifen.
Johann Wolfgang von Goethe
„Kunst ist die rechte Hand der Natur. Diese hat nur Geschöpfe, jene hat Menschen gemacht.“ Friedrich von Schiller
„Des Künstlers Gefühl ist sein Gesetz.“
Caspar David Friedrich
„Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens – des Künstlers Beruf!“
Robert Schumann
„Das Geheimnis der Kunst liegt nicht darin, dass man sucht, sondern dass man findet.“
Pablo Picasso
„Bewahre deine Liebe zur Natur, denn das ist der richtige Weg zu immer besserem Kunstverständnis“.
Vincent van Gogh
Unser Vogelpark ist ein Kleinod im schönen Schröck. Die vielfältige Vogelwelt, der alte Baumbestand und das gesamte Ambiente ist ein Ergebnis der aktiven Vogelfreunde. Eine beliebte Gemeinschaft, die sich seit 50 Jahren um den Erhalt kümmert. Ein schöner Park, den man nur verstehen kann, wenn man ihn besucht. Dann ist er auch eine Quelle der Inspiration. Wer dieser Tage „ums Haus rum geht“, kann Angela entdecken, wie sie an ihrer aktuellen Skulptur arbeitet.

Ralf Schreck – Vogelpark Freund

Umwelt Nachrichten 05.05.2020

Maispaziergang in Leopoldshafen

Das Wandgemälde in der Pforzheimer Straße ist komplett. Die Lesende ist jetzt grün gebettet. Sie liest im Buch der Natur.
Wenn die Kastanien blühen hat der phänologische Sommer begonnen. Im Friedhof Leopoldshafen ist es schon soweit. Das Buch der Natur hat unendlich viele Seiten.
Pulsatilla vulgaris. Die Küchenschelle ist bereits verblüht und ziert mit filigranen Fruchtständen. Ihren deutschen Namen hat sie bekommen, weil die glockenartigen Blüten an die Schellen einer Kuh erinnern. „Küh-chen Schelle“ ist gemeint. Und nicht Küche.
Unterhalb des Friedhofs fallen die versponnenen Sträucher auf. Christo hätte es nicht besser gekonnt. Es ist das Werk von Yponomeuta plumbella, der Pfaffenhütchen Gespinstmotte. Ein unscheinbarer Nachtschmetterling, dessen Raupen ein umso auffälligeres Werk hinterlassen.
Die Raupen produzieren in dem gemeinschaftlich gesponnenen Netz Kahlfrass an den Blättern, ja der komplette Strauch kann blattlos gefressen werden und das übrige Zweiggerippe ist wie mit einem Leichentuch überzogen.
Danach seilen sich die Burschen ab, wandern zum nächsten Strauch, spinnen ein neues Seidennetz, fressen weiter, bis sie sich verpuppen und zum Schmetterling wandeln. Die Zweige rechts im Bild sind von einem Liguster, der von diesen Raupen nicht behelligt wird.

Da diese Raupen zahlreiche Fressfeinde, wie Insekten und Vögel haben, ist das Gespinst von Vorteil.
Nachdem die Fressorgien beendet sind, treiben am Euonymus europaeus aus „schlafenden Augen“ (Knospen) neue Blätter. Aus den befruchteten Blüten entstehen im Herbst die pinkfarbenen Früchte, die aufgrund ihrer Form als Pfaffenhütchen bezeichnet werden. In der Natur ist alles ein Geben und Nehmen und niemals ein Zerstören oder Vernichten.

Vorbei geht es am flächenhaften Naturdenkmal, der Sanddüne an der Landstraße beim Pfinzkanal. Die Vegetation an diesem Trockenstandort ist so einzigartig, dass dieses Naturdenkmal am 22. März 1938 als erstes im Landkreis Karlsruhe unter Schutz gestellt wurde.
Am Hochgestade angekommen erblicken wir die jugendliche Kastanie – Es ist ein Projekt des (ausgefallenen) Umwelttages 2020 – und erkennen, dass es eine rotblühende Kastanie ist.
In der näheren Umgebung, auch am Bürgerpark, gibt es weitere rotleuchtende Aesculus x carnea `Brioti´.
Sie ist eine Hybride aus Gewöhnlicher Rosskastanie und der nordamerikanischen Roten Kastanie
Im Bürgerpark stören eigentlich nur die Kabel der Stromleitungen das Bild. An diesem 1. Mai gab es schöne Licht und Wolkenstimmungen.
Stimmungsvolles Grün.
Die Lindenallee hat eine Vorgeschichte. Für die Fortführung sollte ein großes Heckenbiotop gerodet werden. Der Beschluß wurde nicht vollzogen.
2012 war noch nicht zu erahnen, wie schön sich die viel diskutierte Allee entwickelt.
Die ökologische Vielfalt ist im Heckenbiotop um ein mehrfaches höher, als in einer Allee. Allerdings sollte diese „Brennpunkthecke“ einer Pflege unterzogen werden.
Beim Rückweg kommen wir am Kreisel Leopoldstraße vorbei. Auch dieser liefert genügend Diskussionsstoff.
Die Kreisfläche soll in eine optisch (für den Menschen) ansprechende und Insekten freundliche Bepflanzung umgewandelt werden. Das heißt, dass eine bereits vorhandene und funktionierende Insekten freundliche Bepflanzung, wegen mangelnder Ästhetik (für den Menschen), gegen eine andere, mitsamt dem darin enthaltenen Leben geopfert wird. Das wurde so beschlossen. Verstehen muss ich das nicht. Würden mehr Menschen im Buch der Natur lesen, gäbe es solche Entscheidungen nicht. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in den vergangenen Wochen habe ich auf unser Leben eine intensivere Blickrichtung entwickelt und Sorgen und Nöte gesehen. Das Geld für diese „Luxusbaustelle“ hätte ich hier im Ort an Notwendiges gegeben.
Mir persönlich hat die ursprüngliche Kreiselvariante am Besten gefallen. Der Planer hat in diesem hervorragenden Projekt lokale Geschichte und heimische Natur durch die Gestaltung sehr schön vereint. Darüber werde ich gesondert berichten.
Zum Schluss noch ein letzter Herbstgruß. Die Lampionblumen leuchten immer noch um die Wette. Als Trockenstrauß halten sie Monate lang. Sind zwar nicht heimisch, aber gut fürs Herz und Seele. Mit einem Wort, sie sind System relevant.
Als Zugabe noch einen Blick auf den Dachsbau. Es hat sich ein Pärchen eingefunden. Auf den Videos ist zu sehen, dass trockenes Laub in den Bau geschafft wird. Wohl geruht kann ich da nur sagen.

Ralf Schreck – der im Buch der Natur liest

Spaziergänge in der Natur

Heute nehme ich euch mit und zeige die Lieblingsplätze, die mich finden, wenn ich draußen bin. Ab 5.00 Uhr in der Frühe erwarten mich die schönsten Vogelkonzerte. Seit heute hören wir auch den Pirol. Er singt jetzt zusammen mit dem Kuckuck, der seit etwa 10 Tagen hier ist.

In der Frühe ist es frisch, der Himmel ist wolkenlos und die Sonnenaufgänge sind deshalb nicht so dramatisch.
Mit dem passenden Vordergrund erzielt man jedoch eine schöne Träumerei. Wir sind am Baggersee Leopoldshafen.
Die Wasserbirke erinnert mich an eine Szene im Algonquin National Park in Kanada. Es fehlen nur die Prachttaucher und die Biber.
Die Insel im See ist den Wasservögeln vorbehalten. Im Hintergrund sehen wir den Turm der evangelischen Kirche.
Treibholz oder Phantasieholz? Wo beginnt die Träumerei?
Blättervorhang im Gegenlicht
Schöne Grüße von der Linde!
Silber- oder Goldrute?
Beim Rheinniederungskanal blühen die Bäume.
Blick von der Roten Brücke in die Morgenstimmung.
Friedlich schlummert das Schmugglermeer.
Die Idylle wird durch die Hinterlassenschaften der Zivilisation nachhaltig gestört. Nach mir die Sintflut? Im selben kanadischen Nationalpark fand ich einst ein Schild mit der Inschrift „Take nothing but pictures, leave nothing but footprints“.
Beim atmenden Fluss ist Natur unter sich. Graureiher zanken sich um die besten Jagdgründe.
Wer nur ein bißchen Sinn für Natur empfindet, der ist in diesen stillen Momenten einfach nur sprachlos und vergisst alle Sorgen und Bedenken. Wie lange werden wir von Corona noch in ein Korsett gezwängt? Jetzt haben wir eingesehen, dass wir mit dem Verändern unseres Verhaltens einen Einklang mit der Natur erreichen. Vergessen wir das, wenn wir wieder eine Art von Normalität erreicht haben? Hatten wir nicht noch andere Probleme?
Nur der Wechsel ist im Auenwald beständig.
Familie Graugans übt sich im Flöhe hüten. Wieviele von den zehn Küken werden wohl überleben?
Fernsehen im Live Modus. Heute im Programm: „Fauna und Flora der Kiesbrennen“.
Die Kastanie ist gut vernetzt.
Ein Weibchen der Frühen Heidelibelle sonnt sich auf einem Zweig.
Das Weibchen des Blaupfeiles tut es ihr gleich.
Unscheinbares Blattwerk auf dem Boden wird nur vom Fachmann als botanisches Juwel erkannt. Eine Rote Liste Art im heimischen Wald. Wer hätte das gedacht? Dazu ist es auch noch ein Farngewächs.
Die Gewöhnliche Natternzunge lebt mykotroph, das bedeutet, dass sie in Symbiose mit Pilzen lebt.
Das Purpurknabenkraut wird vom Wollschweber besucht. Er selbst ernährt sich von Nektar, seine Larven parasitieren Erdbienen. Wer den Wollschweber entdeckt, weiß, dass es in der Nähe Wildbienen gibt.
Die Schönheit des Purpur Knabenkrautes zeigt sich im Detail.
Wie kleine Püppchen mit Haube sehen die Einzelblüten aus. So schön, dass die Standorte geheim gehalten werden. Filigrane und zerbrechliche Natur.
Die Rotbuche lässt sich Zeit mit dem Laubaustrieb. Sobald die Blätter ganz entfaltet sind kommen Raupen, Läuse und die Maikäfer. Doch noch haben wir April …
Natur kennt kein Gut oder Böse, Natur kennt Spieler und Gegenspieler.
Am Boden huscht der Feld Sandlaufkäfer hin und her. Er ist auf der Suche nach Beute. Die hellen Beißwerkzeuge sehen auch sehr wirksam aus.
Schont taucht die nächste Orchidee auf. Ein Helm Knabenkraut.
Die eigentliche Schönheit offenbahrt sich auch hier im Detail. Im verschwommenen Hintergrund erkennt man eine Ameise, die von den Ausscheidungen der Blüte profitiert. Betrachten wir die „Blumen“ nicht nur als „Blumen“, sondern als einen Bestandteil eines Ganzen. Die Gesamtheit aller Bestandteile, Pflanzen, Tiere, Natternzunge, Purpur Knabenkraut, Blaupfeil und alle anderen, als Geschöpfe mit Funktionen, die im Zusammenspiel miteinander ein Gleichgewicht schaffen, welches die Natur am Leben erhält. Vergessen wir dabei nicht, dass auch wir darin einen Bestandteil bilden.
Die Zecken gehören ebenfalls in dieses System, auch wenn es uns nicht gefällt. Wie lange leben wir schon mit Zecken? Beherzigen wir die Empfehlungen mit deren Umgang, dann ist dieses „Problem“ keines mehr, bzw. beherrschbar. Wir lernen gerade, wie wir mit Corona umgehen können. danach lernen wir, wie wir mit der Klimakrise und dem Biodiversitätsverlust umgehen.
Wir sind schon fast am Ende unserer Tour und es geht allmählich nach Hause. Das Morgenlicht erstrahlt den Hammenweg.
Auf einer der Wörth Wiesen treffe ich alte Bekannte wieder.
In der Pforzheimerstraße entdecke ich die „Lesende“. Das ist mein Bild des Tages. Es ist noch nicht vollendet, der Künstler ist aktuell mit den Details noch zugange. Die Botschaft spricht mich an. In der Ruhe liegt die Kraft. Betrachten wir die Dinge wie sie sind und mit Abstand. Dieses Bild wurde durch die Schmierereien des Sprayes erst ermöglicht. Müssen wir ihm deshalb dankbar sein? Das Leben ist oft widersprüchlich.

Ralf Schreck – Naturfreund

Schönes Leopoldshafen

Manchmal benötigt man nicht viele Worte, um einen Spaziergang zu beschreiben. Die schönsten Erlebnisse ergeben sich oft in der Stille und wenn wir ohne Erwartungen hinaus gehen. Wer allerdings das Wetter interpretieren kann, weiß, dass man an bestimmten Tagen schöne Sonnenaufgänge erleben kann. Die Himmelsschauspiele gibt es dann in einer Zeitspanne von zehn bis fünfzehn Minuten. Dann sind außergewöhnliche Lichtstimmungen erlebbar. Oft im Zusammenspiel zwischen Nebel und Sonne. Das ist, was man Sekundenglück nennt.

Lass doch die Sonne der Ewigkeit
strahlen über die Dinge der Zeit.
Ach, wie würden alsdann so geringe
dir erscheinen die irdischen Dinge,
und wie stille würdest du werden
mitten in Leid und Sorge der Erden,
wenn du die große Ewigkeit
ließest durchleuchten die kleine Zeit.

Quelle: unbekannt

Ralf Schreck – Naturfreund

Der frühe Vogel

Der frühe Vogel

Beim Sichten meines Fotoarchivs ist mir ein Augustspaziergang wieder in die Hände gefallen.

Wenn ich am Wochenende auf Tour bin, muss ich daran denken, was Barbara einmal gesagt hat. Dass es bei uns so schön sei und im Prinzip alles vorhanden ist, was man für ein erfülltes Leben braucht. Die Ausgewogenheit zwischen nötiger gemeindlicher Infrastruktur, die nahe Erreichbarkeit von Einkaufsmärkten, Kitas und Schulen, usw. Im Hochgestade den Hardtwald, den Bürgerpark und unten im Tiefgestade unsere Auenwälder mit dem Alten Hafen.

Das sind nur einige wenige gut sichtbare Orte. Wir haben noch viel mehr. Und es gibt immer neues zu entdecken. Man muss sich nur darauf einlassen, immer neugierig sein und auch mal was Neues ausprobieren. Richtig spannend wird es jedoch erst, wenn man an die „richtigen“ Menschen gerät. Davon haben wir einige und die machen Dinge im Ort einfach „so“, weil sie darin eine Notwendigkeit erkennen, die für viele von Vorteil ist. Und richtig lebenswert wird es, wenn man entdeckt, dass man sich persönlich für Themen und Aufgaben fürs „Allgemeinwohl“ einbringen kann. Das ist eine ungemein befriedigende Erfahrung.

Wir haben wahre Schätze in unserer Heimat, aber es sind die Menschen darin, die diese so wertvoll machen. Denn manche Schätze müssen erst einmal gehoben werden. Vieles geht für immer verloren, falls wir unsere Neugierde und unseren Entdeckerdrang verlieren. Dann merken wir noch nicht einmal den Verlust. Und das dürfen wir nicht zulassen.

Ralf Schreck – Naturfreund

Dezembergrau

Im Nebel des Lebens

Im Nebel sieht man oft mehr, als man zu erkennen glaubt. Noch war es hell, doch ich ahnte, dass sich bald die richtige Atmosphäre einstellen würde. Zu erwarten war es nicht, denn von der Eiszeit dröhnte Discomusik und der besorgte Mann am Mikro erinnerte ständig daran, dass die ausgeliehenen Eisbären nach 90 Minuten abzugeben sind. Die größere Hektik spielte sich auf der Kaiserstraße ab und im benachbarten Weihnachtsmarkt. Dem Gedränge der Menschen, dem Duft von Bratwurst, Pommes und Co. blieb ich fern und begab mich zum Schlossplatz.

Sobald ich den fast menschenleeren Platz betrat zogen mich die kahlen Bäume in ihren Bann. Das trübselige Dezembergrau verwandelte sich mit zunehmender Dämmerung in eine Zauberlandschaft. Mit fortschreitender Dunkelheit erstrahlte ein warmes Licht die graue Nebellandschaft. Die illuminierten Linden verliehen diesem Anbild eine feierliche Note. Urplötzlich begann die Last des Alltags, die erlebten Enttäuschungen, die nicht bewältigten Erlebnisse und Sorgen, der vergangenen Wochen und Monate von mir abzufallen. Die Bedrücktheit und Sorgen, die wie Ketten schnüren, waren für kurze Zeit vergessen. Dabei fiel mir das Gedicht des deutschen Lyrikers Cäsar Fleischlen ein.

Graue Tage

Es ist mitunter,
als wären alle Fäden abgeschnitten…
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum,

und du dir selbst ein fremder Traum…

…als käme nie die Sonne wieder,
als klänge nie ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf…

und plötzlich flimmert’s durch die Wolken
und plötzlich trifft ein Klang ans Ohr
und leise fliegt auf goldenem Flügel
ein Schmetterling am Weg empor!

Den Schmetterling hatte ich am Nachmittag tatsächlich gesehen. Es war ein Admiral, der vom milden Wetter aus seiner bereits begonnenen Winterruhe hervorkam.

Allen meinen Freunden, Lesern, Followern, Kritikern, ob Frau oder Mann, wünsche ich Frohe Weihnachten und alles Gute fürs Neue Jahr 2020. Mit zunehmendem Alter rückt Gesundheit in den Vordergrund, deshalb wünsche ich euch das auch. Mit Kraft, Freude und Leidenschaft lassen sich die meisten Projekte angehen. Es bleibt auch die Erkenntnis, dass es nicht für alles eine Lösung gibt und unser Leben endlich ist.

Aufgeben ist keine Option, es gibt aber auch einen Zeitpunkt, an dem man loslassen muss …

Ralf Schreck – Freund der Vielfalt

Im Wörth 2

Im Wörth 2

Meine Touren an den Wochenenden sind auch geprägt von Gegensätzen. Es ist nicht nur das Erleben und Entdecken der Natur, es ist auch das Entdecken des Lebens mit all seinen Facetten.

Da stehe ich sprachlos am alten Obstbaum, der in der Nacht zuvor die Hälfte seiner Krone verloren hat. Das Geäst ist wie ein Flussdelta, wie ein Adernnetz, welches bald versiegen wird. Darunter sehe ich aus wie ein kleines Würstchen. Selbst der sterbende Baum fasziniert, weil er eine gewisse Würde ausstrahlt.

Hundert Meter weiter bleibe ich erneut stehen, als ich die Container Anlage „Im Wörth 2“ erreiche. Auch hier spüre ich eine Ausstrahlung, die mich einige Zeit verweilen lässt.

Ja, unsere Gemeinde kümmert sich. Kümmert sich, damit niemand obdachlos sein muss.

Auf der Homepage unserer Gemeinde ist folgendes zu lesen: „Obdachlos gewordene Personen haben das Recht sich bei der Gemeinde obdachlos zu melden und eine Unterbringung zu beantragen. Nicht immer steht der Gemeinde sofort geeigneter Wohnraum zur Verfügung, der auf Dauer überlassen werden kann. So kann es notwendig werden obdachlos gewordene Personen in eine Obdachlosenunterkunft einzuweisen.

Bei der Obdachlosenunterbringung handelt es sich um eine zeitlich begrenzte Notunterbringung. In diesem Zeitraum hat die obdachlos gewordene Person die Verpflichtung sich eine neue Wohnung zu suchen.

Da es sich bei der Obdachlosenunterbringung nicht um eine Wohnraumüberlassung im eigentlichen Sinne handelt, also kein Mietvertrag zustande kommt, tritt kein Mietrecht ein. Die Kosten der Unterbringung werden von der untergebrachten Person als Nutzungsentschädigung erhoben.“

Nein, dort ist es nicht wie Camping.

Ja, dort wird gewohnt. Ja, dort gibt es auch Spielsachen.

Dort unten im Wörth herrscht eine eigenartige Ordnung. Die Wohncontainer stehen akkurat nebeneinander, genauso wie die landwirtschaftlichen Anhänger, die Altglasbehälter oder die Touristenbusse. Die Bewohner müssen ihre eigene Ordnung finden, damit ihr Aufenthalt dort unten ein temporärer ist. In der Ferne fällt der Blick auf die Hochhäuser der Mannheimer Straße. Dort oben, wie hier unten leben Menschen. Menschen mit persönlichen Schicksalen. Mit unterschiedlichen Schicksalen. Und doch gehören alle zu uns.

Ja, die Gemeinde kümmert sich. Eine von zahlreichen Aufgaben, der sich unsere Gemeinde widmet. Wichtige Aufgaben, deren Erfüllung unseren Respekt verdienen.

Ralf Schreck – der auch in einer Unordnung eine Ordnung sieht

 

Osterspaziergang

Natur im und am Rande des Dorfes

Man weiß nie was man erleben wird, also zog ich recht früh los und begab mich auf Entdeckungstour. Stille Erwartungen hatte ich schon, denn ich kenne mein Revier und weiß wer wo zu finden ist. Die beiden braunen Steine auf dem Gründungfeld hinter der Hecke bei der ehemaligen Bahnlinie waren natürlich Feldhasen. Vermutet hatte ich sie auf Linkenheimer Gemarkung. Und es war auch noch ein Dritter dabei. Zwei Fasanengockel in respektvoller Entfernung zueinander hatten jeweils ein paar Hennen im Schlepptau. Ein kleiner Trupp Stare fiel ein und mischte sich dazwischen. Kurz nach sechs Uhr waren auch schon zwei Jogger unterwegs, die heimische Tierwelt ließ sich dadurch jedoch nicht stören. Beim vermeintlichen Hasenfeld in Linkenheim querte plötzlich ein Rehbock meinen Weg. Die Tautropfen glitzerten festlich in der Morgensonne, auch ein Löwenzahn präsentierte sich im frühen Gegenlicht.

Beim Bienen Vater Denkmal überquerte ich die Landstrasse und radelte ins Linkenheimer Tiefgestade. Auch dort unten im Erlenbruchwald ist jetzt der Frühling eingezogen. Man wird von einem überwältigenden Vogelkonzert empfangen. Buchfinken, Rotkehlchen, Grasmücken, auch die kleinen Zaunkönige zwitschern um die Wette. Von der Ferne hört man den Kuckuck. Unser Umland im Rheinwald ist ein kleines Paradies. Auch beim alten Dachsbau schaut für einen kurzen Moment der erste Jungdachs aus dem Bau, um dann wieder in der dunklen Höhle zu verschwinden. Am benachbarten Getreidefeld watschelt eine Gruppe Graugänse. Der nasse schwere Lehm haftet an den Schwimmfüßen und einige Gänse haben Mühe die Lehmbrocken wieder loszuwerden. Auf den Wörth Wiesen kann man in der Frühe äsendes Rehwild beobachten. Es war ein erlebnisreicher Morgen an einem schönen Ostersonntag. Die Auferstehung, die Wiedergeburt, die Erneuerung lassen sich sehr schön auch in der Natur erleben.

Beim Rückweg in den Ort erfreue ich mich am Schattenspiel der Gehölze bei der Grundschule Leopoldshafen. Auch die alten ehrwürdigen Bäume im dortigen Umfeld lassen im Frühlingslicht die Blätter schön erstrahlen. Bei der Unterführung zur Haltestelle Leopoldstrasse erwacht die Kolonie Frühlingsseidenbienen in der Hangfläche. Die ersten Frühaufsteherinnen sind noch klamm von der Nachtkälte und lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen, bis sie schließlich ihr Tageswerk beginnen.

Zweieinhalb Stunden Erlebnistour in die nähere Umgebung. Ein Morgen voller Überraschungen und Erkenntnisse. Erlebbare Vielfalt, die wir unbedingt zeigen und achten müssen. Allen meinen Lesern und Followern wünsche ich Frohe Ostern und ebenfalls erkenntnisreiche Erlebnisse in unserer Heimat.

Ralf Schreck – Frühlingsfreund