Hoffnung

Ein kleiner besinnlicher Spaziergang an einem kalten November Sonntag in der Frühe. Die übliche Tour. Und doch ist es jedes Mal besonders.

Als ich diese Blumen entdeckte, musste ich spontan an Angela denken und grüße sie damit.

Beurteile einen Tag nicht nach den Früchten, die du geerntet hast, sondern an den Samen, die du gesät hast.
(Robert Louis Stevenson)

Einer meiner Traumplätze.

“Das Bewusstsein eines erfüllten Lebens und die Erinnerung an viele gute Stunden sind das größte Glück auf Erden.“
(Cicero)

Die blaue Stunde ist für Fotografen sehr begehrt.

Wer einmal sich selbst gefunden, kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.
(Stefan Zweig)

“Der Tod ist das Tor zum Licht
Am Ende eines mühsam gewordenen Weges.“
(Franz von Assisi)

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Grenzgänger zwischen Leopoldshafen und Linkenheim.

Das, worauf es im Leben ankommt, können wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Am Baggersee Leopoldshafen.

“Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser, Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Die geheimnisvolle Insel im Baggersee.

“Die Erinnerung ist das einzige Paradies,
Aus dem wir nicht vertrieben werden können.“
(Jean Paul)

Der Morgen war kalt. Die Empfindungen waren es nicht.

Alles, was ich über das Leben gelernt habe, kann ich in drei Worten zusammenfassen: Es geht weiter.
(Robert Frost)

Zauberhafte Wasserwelten

Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.
(Mahatma Gandhi)

Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern sie alle siegreich und glorreich zu überwinden.
(Carl Hilty)

Hinterm Schilf geht es weiter

“Verstehen kann man das Leben nur rückwärts,
Leben muss man es vorwärts.“
(Sören Kierkegaard)

Sieht aus wie in Kanada, ist aber in Schröck

Leben: Das ist das, was passiert, während du fleißig andere Pläne machst.
(Allen Saunders)

Herrliche Herbststimmung

“Den Tod fürchten die am wenigsten,
Deren Leben den meisten Wert hat“
(Immanuel Kant)

Heimat

“Der Tod ist gewissermaßen eine Unmöglichkeit,
Die plötzlich zur Wirklichkeit wird.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Der Titel dieses Bildes heißt Hoffnung und Zuversicht. Durch die kalte Laubdecke sprießt neues Grün. Mehr muss man dazu nicht sagen.

“Sie ist nun frei
Und unsere Tränen
Wünschen ihr Glück.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Meine Art der Trauerbewältigung.

Blühe dort wo du wurzeln hast

Für die aufrichtigen und sehr berührenden Worte zum Tode von Gertrud sind wir sehr dankbar. Was ich mir bei meinen öffentlichen Auftritten und Äußerungen an Gemeinschaft immer wünsche, ja auch ersehne, das wird nun unserer Familie zuteil. Die uns und vor allem Gertrud entgegen gebrachte Würdigung und Wertschätzung ist für uns alle ein wichtiger Trost und hilft uns den Schmerz in diesen Tagen erträglicher zu machen.

Es sind schöne Karten.

Es sind die schönen Handschriften.

Es sind besonders schöne Worte.

Es sind die einfachen und ehrlichen Gesten.

Es sind die mitfühlenden Blicke.

Am Ende des Weges.

Wir waren früher oft spazieren im Hardtwald. Der erste Weg, den wir sehen ist der „Romantische Weg“. Damals war es ein einfacher Waldweg ohne Beschilderung. Aber romantisch war er zu dieser Zeit schon. Wir alle wußten das und mussten nicht darauf hingewiesen werden. Der letzte Weg mit dem Radler ist ein Teilstück der Grabener Allee, ebenfalls im Hardtwald bei Eggenstein. Dazwischen hören wir die Glocken der Kirche von Dittigheim, dem Geburtsort von Gertrud. Es sind schöne Klänge, es sind schöne Waldwege.

Brücken bauen für die Erinnerung

Vom Romantischen Weg zur Grabener Allee überqueren wir die Brücke über den Pfinzentlastungskanal beim Absturzbauwerk, wo wir früher so oft waren. Die Glocken von Dittigheim klingen genauso schön wie die von Eggenstein. Wie schnell haben wir da die Verbindung zur Erinnerung und zu unseren Liebsten gefunden?

Blühe dort, wo du Wurzeln hast.

Wenn dir das gelingt findest du überall eine Heimat mit Familie, Freunden und Gemeinschaften.

Gedicht von Theodor Storm.

In „Diddiche“ (Dittigheim) einen Überblick zu bekommen ist einfacher als in Eggenstein. „Eggschdoi“ ist eben, der Unterschied zwischen Hoch- und Tiefgestade ist nur gering, um eine schöne Übersicht zu bekommen. Aber wie es so oft im Leben ist, das Schöne liegt oft im Hintergrund, im Verborgenen. In Dittigheim wandert man einfach auf den Höhberg und hat von dort einen schönen Blick.

Bis dass der Tod uns scheidet.

Hier wohnt jetzt Philipp. Im Heim am Hardtwald.

Heute – 08.11.2020 – habe ich ihn besucht und habe ihm die Kondolenzbriefe und Karten vorgelesen. Ein Taschentuch hat nicht gereicht. Und doch war es für uns beide wichtig das zu tun. Es war wie ein Lebenslauf, ein Abriss der Lebensgeschichte von Gertrud und Philipp. Am Ende hatten wir rot verweinte Augen. Und, obwohl wir es nicht aussprachen, fühlten wir Dankbarkeit und Respekt vor den Anteilnahmen.

Danke

… an die Nachbarn und Schulfreunde in Dittigheim …

… an die Nachbarn und Freunde in Eggenstein …

… an die Wanderfreunde …

… an die Reisebegleiter …

… an die Schwimmbadfreunde …

… an die Weggefährten …

… an Bernd Stober und seine Gemeindeverwaltung …

… an unsere Lieben und Verwandten …

Tränen, die von Herzen kommen.

Philipp ist durch seinen Sturz nicht in der Lage sein Leben eigenständig zu führen. Deshalb schreibe ich für ihn. Am 13. November wurde er 88 Jahre alt und wünschte sich, dass wir Gertud heim bringen, auch wenn er selbst nicht dabei sein kann. Das wollen wir respektieren.

Die Urnentrauerfeier mit Bestattung wird am Freitag, 27. November 2020 um 14.00 Uhr auf dem Friedhof in Leopoldshafen sein. Das Grab haben wir bereits vorbereitet und mit schönen Blumen geschmückt. Wir betten sie zu Martha, der Mama von Doris. Die beiden verstanden sich. Alle drei verstanden sich.

Heute – 19.11.2020 hat uns Philipp zum ersten Mal angerufen und Wünsche geäußert. Das klingt banal, ist es aber nicht. Es ist für ihn eine enorme Kraftanstrengung. Und durch die Beschränkungen, die uns durch die Corona Pandemie auferlegt wurden, ist es noch schwieriger geworden. Nein, es sind nicht das Maske tragen, oder Abstand halten. Es sind die Besuchsverbote und Besuchsbeschränkungen. Es ist die erzwungene Isolation. Die Ungewissheit über Befindlichkeiten. Die Alten und Gebrechlichen bleiben dabei auf der Strecke. Ohne Smartphone oder Tablet ist man abgehängt. Damit muss man erst einmal klar kommen. Wer Wünsche äußert hat Ziele. Stimmt das nicht hoffnungsfroh?

Ralf Schreck – der Geschichten über das Leben schreibt.

Am Ende des Weges

für Gertrud

Das ist die Heimat von Gertrud, Dittigheim im Taubertal. Hier wurde sie am 30. Dezember 1930 geboren.

Das ist ihre Familie. Familie Wöppel. Ottilie und Franz ihre Eltern und die Geschwister Elfriede, Gertud und Maria.

Sind das nicht drei fesche Mädels? Gertrud, Maria und Elfriede.

Gertrud als Blumenkind und Ziegen Hirte.

Gertrud und Philipp, ein Paar fürs Leben. Die eiserne Hochzeit stand kurz bevor.

Ein unzertrennliches Paar.

Die neue Heimat. Seit 1956 in Eggenstein, zunächst in der Luisenstrasse, später in der Moltkestrasse 49 und mehr als ein halbes Jahrhundert in der Moltkestrasse 26.

Mama mit Christiane, Thomas und mir.

Ihr letzter Lebensabschnitt war geprägt von Dunkelheit, aber nicht von Kälte. Was sie in ihrem langen Leben an Güte und Herzlichkeit ihren Lieben gab, wurde nun ihr zuteil. Sie haderte, weil die Blindheit sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkte. Sie war immerzu emsig, eine wahre Schafferin und konnte am Ende nicht mehr wahrhaben, dass sie zur Tatenlosigkeit verdammt war. In fürsorglichen Gesprächen brachten wir sie wieder auf gute Gedanken und einmal sagte ich ihr, dass sie so viele Jahre für andere da war und es jetzt an der Zeit sei, dass sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen könne. Da schwieg sie einen Moment, lächelte milde und meinte, da hast du Recht, so könnte man das auch sehen.

In der Dunkelheit war sie nicht alleine.

Erschöpft lege ich mich aufs Sofa zum Schlafen und kann doch nicht. Ich möchte ihr Rufen nicht verpassen, wenn sie Hilfe braucht. Dann nicke ich ein und erschrecke, weil ich das Klopfen höre. Ich richte sie auf und sie nimmt meine Unterstützung selbstverständlich und dankbar an. Wir beide fühlen keine Scham, es ist vielmehr eine innige Vertrautheit. Bald lege ich mich wieder zur Ruhe. Zwei Mal noch verlangt sie nach Hilfe. Thomas hat dasselbe erlebt, als er die erste Schicht übernahm. Lukas hat die letzte Tagschicht übernommen und sie aus der Wohnung verabschiedet.

Philipp übernahm die größte Verantwortung und opferte sich regelrecht auf. Dann ist er gestürzt und alles brach auf uns ein. Philipp kam in die Klinik und Gertrud in die Pflege, nachdem der Corona Test negativ ausfiel. Nach einer Woche Quarantäne und dem zweiten negativen Corona Test durften wir sie endlich besuchen. Wir ließen alles stehen und liegen und eilten zu ihr. Der Raum war warm. Wir berührten sie. Wir redeten mit ihr. Sie nahm uns wahr und nickte zustimmend, als wir die Namen von allen Familienmitgliedern nannten. Sie war konzentriert und hörte aufmerksam zu. Bei jedem Namen richtete sich ihr Kopf kurz auf und nickte. Das hat sie verstanden, sie fühlte die letzte Wärme. Am nächsten Abend ist sie eingeschlafen, so wie sie es sich wünschte.

Am Ende ihres Weges war sie nicht alleine.

Gütige Hände, ein Leben lang.

Nach dem Schmerz bleibt die Trauer. Nach der Trauer bleibt die Erinnerung.

So werden wir sie in Erinnerung behalten.

Jetzt gilt unsere gesamte Aufmerksamkeit Philipp, damit er wieder gesund wird.

Ich danke Doris, meinem Bruder Thomas, meinen Söhnen David und Lukas sowie Becci für ihre Wärme und Liebe in diesen schweren Tagen. Abschied nehmen zu dürfen ist eine Gnade.

Was ist im Leben wichtiger als Familie?

30. Dezember 1930 – 16. Oktober 2020

Anonym – oder das Mädchen aus der Fremde

Anonym oder das Mädchen aus der Fremde

Neues aus der Heimat. Für Jan.

Die großen blauen Zedern leiden unter der enormen Hitze. 35 Grad und mehr zeigen ihre Wirkung. Das Nadelkleid wird schütter. Hoffentlich gibt es bald Regen. Im Eingangsbereich leuchtet unerwartet ein roter Kübel mit Sommerstaudenbepflanzung. Der hatte seinen großen Einsatz beim Straßenfest und begrüßt nun die Friedhofsgänger. Eine schöne Geste der Gemeinde. Im Schaukasten liest man den Namen eines Verstorbenen. Jedoch, er soll anonymisiert werden. Im Feld der Namenlosen ist bereits die Urnenstelle ausgehoben.

Es ist in diesem anonymen Feld auch möglich eine Sargbestattung zu wählen. Dabei ist dieses Feld so klein, dass es dort eine absolute Anonymität nicht geben kann. Das ist vielleicht auch besser so, denn ganz vergessen will wohl auch niemand werden. Man kann das auch an den abgestellten Gaben erkennen. Also, das anonyme Feld ist bei der steinernen Figur. Die mit der kaputten Nase. Von der Ferne sieht es aus, als würde sie weinen. Es ist ein schöner Ort und ich bin gerne dort. Beim Betrachten der Figur denke ich an das Gedicht „Das Mädchen aus der Fremde“ von Friedrich Schiller. Sie hält eine Rose in der Hand, welche sie gleich verschenken wird … Beim nächsten Besuch komme ich mit Doris.

In einem Tal bei armen Hirten

Erschien mit jedem jungen Jahr,

Sobald die ersten Lerchen schwirrten,

Ein Mädchen, schön und wunderbar.

Sie war nicht in dem Tal geboren,

Man wußte nicht, woher sie kam,

Doch schnell war ihre Spur verloren,

Sobald das Mädchen Abschied nahm.

Beseligend war ihre Nähe

Und alle Herzen wurden weit;

Doch eine Würde, eine Höhe

Entfernte die Vertraulichkeit.

Sie brachte Blumen mit und Früchte,

Gereift auf einer andern Flur,

In einem andern Sonnenlichte,

In einer glücklichern Natur,

Und teilte jedem eine Gabe,

Dem Früchte, jenem Blumen aus;

Der Jüngling und der Greis am Stabe,

Ein jeder ging beschenkt nach Haus.

Willkommen waren alle Gäste,

Doch nahte sich ein liebend Paar,

Dem reichte sie der Gaben beste,

Der Blumen allerschönste dar.

 

 

Ralf Schreck – der nicht namenlos enden möchte

Der kleine Zaunkönig

Der kleine Zaunkönig

Bevor die Fahrt begann, besuchte ich noch einmal unseren Kleingarten in Eggenstein, um Kraft zu tanken. Für zehn Minuten das Gartengrün und die Andersartigkeit des kleinen Paradiesgärtleins dort unten zu erleben. Fasziniert hielt ich inne, als plötzlich die jungen Zaunkönige aufflogen. Ein Küken landete verdutzt auf meinem Arm, um sich nach wenigen Momenten auf Nachbars Kirschenbaum in Sicherheit zu bringen. Junges Leben wurde in die Welt entlassen.

Es war eine lange Fahrt und wir redeten nicht viel. Es war eine bedrückende Stille. Innerlich angespannt, weil wir nicht wussten was uns erwartete. Nach einigen Stunden erreichten wir Ostfriesland und unser erstes Ziel war Martha. Als ich die Kirche betrat und sie von der Ferne sah, fiel eine Last von mir. Sie sah aus als würde sie schlafen. Ihr Gesicht entspannt und wie sie so da lag strahlte sie eine würdevolle Ruhe aus. Wir sahen, sie hatte es gut. Unsere Ängste waren unbegründet. Martha ist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Wir konnten Abschied nehmen und uns unserer Trauer hingeben. Ein altes Leben hat die Welt verlassen.

Es gab zwei Trauerfeiern für Martha. Eine in Ostfriesland und die Bestattungsfeier in Leopoldshafen, die Dr. Kendel begleitete. Daran nahmen auch unsere Söhne teil. Beide Feiern waren stimmig und wichtig für den Abschied. Abschied nehmen können ist eine Gnade. Und jedes Mal, wenn ich einen Zaunkönig sehe, denke ich an Martha.

Ralf Schreck

 

Abschied

Abschied


Im Kasten am Eingang kündet es an,

bald geht jemand den letzten Gang.

Ein kleines Blatt geht ihm voran,

zeigt seine Lebensadern.

Der Fluss, der Weg, sie enden hier.

Es fällt uns schwer, auch wenn wir hadern.

Ein letztes glimmendes Leuchten,

dann ist es vollbracht,

es beginnt die ewige Nacht.

Scheint dieser Gang für uns als Bürde,

so ist dies ein Ort voll Andacht und Würde.

Die alten Bäume sahen schon viele gehen,

sahen viele in Trauer vor den Gräbern stehen.

Lasst euren Tränen freien Lauf,

dann werden sie euch mit ihren Zweigen berühren.

Geht zur steinernen Wächterin der Stille,

sie wird euch ins Land der Erinnerung entführen.

 

 

Was wären wir ohne Bäume? Wir wären in unseren Seelen ärmer. Ein Grund mehr unseren Friedhof in Eggenstein zu besuchen. Jetzt im Herbst ist es besonders schön beim Spaziergang einen Umweg über den Friedhof zu machen. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns bei meiner Freundin, der Wächterin der Stille?

Ralf Schreck – hoffnungsfroher Friedhofsfreund