Blutweiderich-Langhornbiene

Eucera salicariae

Wildbienen im Freiland zu bestimmen ist ein schwieriges Unterfangen. Eine zuverlässige Ansprache ist nur bei solchen Arten möglich, die auf eine Pflanzenart spezialisiert sind. Eine solche Lebensweise nennt man oligolektisch. Wenn dann die Bienen auch noch einigermaßen auffällig sind wie die lang gefühlerten Männchen der Blutweiderich-Langhornbienen, können auch Ungeübte diese Spezialisten erkennenn.
Die Männchen patroullieren an den Lythrum salicaria, laben sich am Nektar und warten dort auch auf die Weibchen.
23.07.2020
01.09.2009 – Frühaufsteher entdecken Schlafgesellschaften der Männchen an den Blüten.
Sobald die Temperaturen am Morgen wieder ansteigen, werden die Männer aktiv und fliegen umher. Die Weibchen verbringen die Nächte in den selbst gegrabenen Niströhren im Boden, in denen auch die Neue Brut angelegt wird.
20.08.2008 – In unserem Garten haben sich die Weideriche von alleine angesiedelt und sind dankbare Stauden der Hochstaudenflur. Sie sind anspruchslos, werden ca. 150 cm hoch, sind standfest und bestechen durch ihre lange Blütezeit. Einzelne „angeflogene“ Goldruten wurden belassen und ergeben ein buntes Gartenbild, sowie Nektar für Insekten.
20.07.2020 – Die fortgeschrittene Sukzession wird gezähmt, der Teich aktuell saniert. Die Weideriche blühen um die Wette und laden zu interessanten Beobachtungen ein.
Die Weibchen flitzen von Büte zu Blüte, sammeln Pollen und Nektar und tragen dieses Gemisch als Proviant in die Erdnester für die Larven ein. Diese Blütenbesuche (auch die der Männchen) sind so rasant, dass man große Mühe hat mit dem Fotografieren.
Ein Weibchen bei der Nektarernte.
Und hier bei der Körperpflege auf einem Blatt.
Den Blutweiderich treffen wir häufig an Uferböschungen, Gräben und Dämmen.
Auch beim Alten Hafen in Schröck ist er zu finden. Die zahlreichen Blüten, sowie die lange Blühdauer macht sie so wichtig für zahlreiche andere Insekten.
Die Blaue Holzbiene findet sich ein,
auch Hummel und Assel kommen auf ihre Kosten.
Hier ist es eine Garten Wollbiene.
24.06.2008 – Oft sehen wir nur die Blüten unserer Pflanzen. Mindestens genauso wichtig ist allerdings die Funktion als Futterpflanze für die Raupen vieler Schmetterlinge. Hier sehen wir einen Faulbaum Bläuling bei der Eiablage an einem Blutweiderich.
19.07.2009 – Sobald die Blütezeit der Weideriche beginnt, beobachten wir auch die Faulbaum Bläulinge im Garten.
01.08.2020 – Diese Bläulinge sind zuverlässige Gäste in unserem Garten. Das beweisen auch die Aufzeichnungen, die wir im Rahmen des Tagfalter Monitorings erstellen.
In solchen Pseudogärten verlieren sich keine Wildbienen. Diese Flächen sind allenfalls Beispiele zum persönlichen Erfahren der Klimaerwärmung. Vergangene Woche hatten wir 37 Grad im Schatten. Dort wurden 58 Grad gemessen! Solche Schandflecken wurden verboten und die Vorgarten Polizei wird sich um die Umsetzung kümmern. Mit Artenvielfalt haben diese Gärten des Grauens nichts zu tun. Sagt die Wildbiene.

Ralf Schreck – Wildbienen Freund

Auen-Schenkelbiene

Macropis europaea – die Wildbiene des Jahres 2020

Naturbeobachtungen im Garten

Die Wildbiene Macropis befliegt Öl absondernde Pflanzen wie Lysimachia vulgaris (Gilbfelberich) und kann dort auch beobachtet werden. Hier sehen wir ein Weibchen bei der Öl und Pollenernte. Mit dem Öl werden die unterirdischen Nistgänge ausgekleidet und das Gemisch aus Öl und Pollen dient als Proviant für die Larvenentwicklung.
Die Weibchen der Schenkelbienen besitzen am ersten Fußglied (Metatarsen) der Hinterbeine ein samtartiges Polster aus sehr kurzen und dichten Haaren, mit der das von ihrer Futterpflanze abgesonderte Öl aufgenommen wird. Bei der Anlage einer neuen Brutröhre werden bei den ersten Sammelflügen nur Öl eingetragen, später ein Gemisch aus Öl und Pollen.
Die Männchen warten oft in Nähe oder auf den Blüten von Lysimachia. Erkennbar sind sie an der gelben Gesichtszeichnung. Entdeckt auf einer Pflanze beim Rheinniederungskanal Leopoldshafen.
Nach erfolgreicher Paarung beginnen die Weibchen mit dem Brutgeschäft.
Während das Weibchen bereits an der Blüte sitzend arbeitet, erscheint ein paarungswilliges Männchen von links angeflogen. Hier hat es jedoch keine Chance, da das Brutgeschäft bereits im Gange ist.
Der reich blühende gewöhnliche Gilbfelberich lockt die Auen-Schenkelbiene an. Lysimachia vulgaris hat sich in unserem Garten von alleine angesiedelt und ist dort ohne große Pflege sehr langlebig. Wie sagte schon Schiller, „Der intelligente Mensch macht sich die Natur zu seinem Freund.“
Landeanflug. Da die Lysimachia Arten keinen Nektar liefern, müssen innerhalb des Aktionsradius der Schenkelbienen zusätzlich Nektarquellen wachsen. Häufig beflogen werden Blutweiderich, Sumpf-Storchschnabel und Acker-Kratzdistel. Macropis ist anspruchsvoll. Bei mir im Garten findet sie die entsprechenden Nahrungspflanzen und Nistmöglichkeiten gibt es am Ufer des Bachkanals.
Schwer beladen wird die nächste Blüte beflogen.
Bestandteil unserer Artenvielfalt. Wer sich Lysimachia vulgaris (Gewöhnlicher Gilbfelberich), Lysimachia punctata (Goldfelberich) oder Lysimachia nummularia (Pfennigkraut) auf Balkon oder in seinen Garten pflanzt, kann diese Wildbiene fördern. Da es in unseren Auen ausreichend Nistplätze gibt, wird sie den Weg zu uns finden.
Kleiner Bestand von Gewöhnlichem Gilbfelberich am Rheinniederungskanal im Wörth bei Leopoldshafen. Rechts daneben, weiß blühend, das Echte Mädesüß – Filipendula ulmaria. Ein Rosengewächs.
25.06.2020 – Goldfelberich (aufrecht) und Pfennigkraut (hängend) im Kasten auf dem Balkon.
30.07.2020 – die Blüten öffnen sich, die Schenkel-Bienen werden erwartet.
Dieser Lysimachia punctata wurde einst gepflanzt. Er wird nur etwa halb so hoch wie L. vulgaris und ist nicht so konkurrenzstark. Er stammt aus der Türkei und dem südlichen Europa. Erhältlich im Gartencenter meines Vertrauens beim Hardtwald. Bemerkenswert ist der kleine Hornissen Lockkasten auf dem Dach der Wildbienen Nisthilfe. Bisher wird er jedoch ausschließlich von Feldwespen besiedelt.
13.06.2003 – So sah es einst aus. Dennoch erkennt man die Langlebigkeit von Lysimachia. Im Vordergrund erkennt man Frauenmantel, Alchemilla mollis.
Blüten des Goldfelberich – Lysimachia punctata
Blüte des Gewöhnlichen Felberich – Lysimachia vulgaris
04.07.2009 – Auch die Schenkel Bienen sind ein beständige Größe im Garten.
Blutweiderich – Lythrum salicaria

Ralf Schreck – Wildbienen Freund

Baden-Württemberg blüht,

und Eggenstein-Leopoldshafen erst recht …

Wir gehören zu den Gewinnern des landesweiten Wettbewerbes Baden-Württemberg blüht 2019. Von 134 Bewerbungen gab es ursprünglich 10 Sieger. Nachdem es drei weitere vorbildliche Projekte für Natur und Umwelt gab, wurden drei Sonderpreise vergeben. Einen davon haben wir gewonnen und darauf sind wir sehr stolz.

Die Preisverleihung fand am 1. Juli im Kloster Bebenhausen bei Tübingen statt. Aufgrund der Corona Pandemie „durften“ nur zwei Teilnehmer/innen der Würdigung beiwohnen.

Alle Gewinner hatten die Möglichkeit ihre Projekte vorszustellen. Danach erfolgte durch die jeweilige Fachjury die Begründung, weshalb diese Projekte gewählt wurden. Minister Hauk würdigte die Auserwählten mit der Preisübergabe.

Es war ein schöner Tag. Alle Siegerinnen und Sieger hatten eines gemeinsam. Zur Verwirklichung ihrer Ideen und Visionen wurden Gemeinsamkeiten aller an den Projekten Beteiligten gesucht und gefunden. Überall gab es Initiatoren, Vormacher, und Menschen, die begeistern. Die andere mit ins gemeinsame Boot holten. So unterschiedlich die einzelnen Projekte und deren Betreuer auch waren, alle haben neue Wege beschritten, haben verbunden und Menschlichkeit bewiesen. Pia hat eine schöne Zusammenfassung erstellt.

Und wir? Dass wir überzeugen werden war mir von vorneherein klar. Ich hatte nie einen Zweifel, dass wir nicht gewinnen werden. Dafür kenne ich unsere Gruppe zu gut. Wir sind geprägt von Fachwissen, Leidenschaft, Beharrlichkeit, Vehemenz und sind gut vernetzt. Wir polemisieren nicht, wir hören zu, wir diskutieren, wir zeigen neue Wege, die viele gehen können. Wir wollen teilhaben am Leben, wollen unsere Heimat so gestalten, dass unsere Kinder und Enkel Biodiversität mit blühenden Landschaften erleben können.

Wir haben gewonnen. Die Teilnehmer des Wettbewerbes sind:

  • Ortsgruppe BUND Hardt, 
  • Agenda Gruppe Umwelt, 
  • Förster Booms,
  • Leobande des Kulturvereins, 
  • SoLaWi-Egg-Leo e.V., Florian Böhm,
  • die Lindenschule, 
  • die Gemeinschaftsschule, 
  • Jochen Bolz Landwirtschaft,  
  • Erdbeer- und Spargelhof Markus Leicht, 
  • die Jagdpächter sowie 
  • die Gemeindeverwaltung Eggenstein-Leopoldshafen

Und weil die Beteiligten ein Abbild unserer Gesellschaft sind und sich in vorbildlicher Weise für Werte und für andere einsetzen, ist es nicht nur unser Preis, sondern ein Preis für Eggenstein-Leopoldshafen.

Ankunft im Kloster Bebenhausen
Pia stellt die Projekte vor.
Wir bedanken uns bei Minister Hauk und der Fachjury.
Verleihung des Sonderpreises Baden-Württemberg blüht 2019.
Die Fachjury hat entschieden.
Urkunde
Anerkennende Worte.
So sehen Sieger aus. Ein Teil unserer Gruppe beim Arbeitseinsatz im Orchideen Biotop am 27.06.2020.
Eggenstein-Leopoldshafen blüht. Hier sehen wir das Wiesen Projekt der AG Umwelt.
Johanniskraut
Blühwiese der Gemeinde im Bürgerpark.
Noch eine.
Pflanzflächen Viermorgen.
Blühstreifen in der Lenaustraße.
Blühender Garten in Eggenstein. Was will man mehr?

Umweltschutz lebt vom Vormachen und vom Nachmachen.

Danke an alle Unterstützer.

Ralf Schreck

Baden Württemberg blüht

Was ist eigentlich aus dem Wettbewerb „Baden-Württemberg blüht“ geworden? Wir erinnern uns. 2019 hatten wir – Gemeinde Egg-Leo, AG Umwelt, BUND Hardt, Lindenschule, Gemeinschaftsschule, SoLaWi, Forst, Landwirtschaft, Leobande, und andere am Wettbewerb teilgenommen. Es ging darum Umweltprojekte zu verwirklichen, die nachhaltig und für unser aller Gemeinwohl von Bedeutung sind.

Projekt 1 befasst sich mit der Pflege eines Orchideen Biotops. Hier hat sich Holger maßgeblich eingebracht. Sein Wissen um Vorkommen der einzelnen Pflanzen zielt auf eine Pflege, die diesen wertvollen Arten gerecht wird. In den vergangenen Wochen hat er in mühevoller Arbeit die Orchideen kartiert.
Seitdem die abgesprochenen Auslichtungsarbeiten begonnen wurden, stellten sich bereits erste Erfolge ein. Hier sind es Purpur Knabenkräuter.
Und hier ist es eine Waldhyazinthe.
Auf den sogenannten Kiesbrennen wachsen die schönsten Orchideen. Die Bienen Ragwurz ist nur eine davon. Ich kenne dort eine Schneise, wo vor Jahren 100e Weiße Waldvögelein wuchsen. Dieser Bestand ist mittlerweile durch aufkommendes Buschwerk unterdrückt. Sukzession nennt man das. Wird dort fachgerecht eingegriffen, kann man die Orchideen fördern, ohne dem Wald zu nahe zu treten. Es gibt viel zu tun, um die Vielfalt zu schützen.
Der Auenwald dort unten ist nicht nur eine botanische Fundgrube. Jetzt im Mai und Juni sind die Hirschkäfer aktiv. Diese stattlichen Männchen wurden vom Schwarzspecht „bearbeitet“.
Auch die Hirschkäfer Frau musste ihr Leben lassen. Vielleicht konnte sie zuvor ihre Eier an einer alten Eiche oder einen Obstbaum legen. Man beachte die großen Grabeschaufeln an den Vorderbeinen. Deren Larven brauchen für ihre Entwicklung im Holz und Mulm bis zu fünf Jahre, die Adulten leben nur 4-6 Wochen.
Der wars. Allerdings hat er kein schlechtes Gewissen, denn mit der fetten Beute füttert er seine eigene Brut.
Projekt 2 sollte die Anlage zweier Blühstreifen in der Lindenschule sein. Das Material hierzu wurde vom Gartencenter Heckert gesponsert und liegt bereit. Hier sind es die Blumensamen, die auch für weitere Projekte vorgesehen sind.
Und hier ist es die Blumenerde. Corona hat einige Projekte im Ablauf gestoppt, jedoch nicht verhindert. Vieles ist im Hintergrund weiter gelaufen oder hat neue Formen angenommen. Zeit und Geduld haben in den vergangenen Wochen eine neue Bedeutung bekommen.
Im Bürgerpark sind bereits im vergangenen Jahr vier Blühwiesen entstanden. Diese ist bei der Haltestelle Viermorgen und sollte eigentlich in Kürze bewässert werden, damit der publikumswirksame Blüheffekt noch eine Weile anhält.
Natternkopf, Witwenblumen und anderes aus der Veitshöchheimer Mischung sind am Blühen. Sichtbare Zeichen für das Beschreiten neuer Wege.
Projekt 4 beschreibt eine schrittweise Umstellung in Teilbereichen der Grünpflege von intensiv auf extensiv. Hier sehen wir eine Fläche in der Pforzheimer Straße.
Beim alten Rathaus in Leo gibt es eine weitere Ökowiese. Heimische Flora ist für heimische Insekten die bessere Wahl, als eine Blühmischung deren Zusammensetzung man nicht kennt.
Projekt 5 ist die Anlage weiterer Blüstreifen im Ort mit definiertem, also heimischen Saatgut. Der von der AG Umwelt empfohlene Botaniker wurde zu Rate gezogen. Auch bei der beschlossenen Umgestaltung des Kreisels in der Leopoldstraße war dessen Meinung gefragt. Die Abbildung zeigt die Situation in der Lenaustraße am 08.04.2020.
Das ist der Stand am 29.05.2020. Freuen wir uns auf die ersten Blüten.
Projekt 6 beschreibt den Schutz und Förderung von Wildbienen an den Hangflächen an der Unterführung Leopoldstraße. Wie man hier schön sehen kann, wird die Pflege der Flächen bereits abgestimmt. Der linke Bereich wurde gemäht, rechts nicht. Somit stehen weiterhin Nahrungspflanzen für die dort vorkommende Insektenwelt zur Verfügung.
Alle Projektflächen bedürfen Begang mit Beobachtungen. Nur mit einem aktuellen Wissenstand sind wir in der Lage auf Veränderungen zu reagieren. Die Grabwespen sind derzeit aktiv.
Projekt 7 befasst sich mit der ökologischen Wiesenpflege beim Rheinniederungskanal Leo. Auch hier greifen bereits die begonnenen Maßnahmen. Das betrifft sowohl die Wiesen- als auch die Baumpflege. Ein Teil der abgängigen Obstbäume wurde grodet, andere wurden „abgeklotzt“ und als Totholzgerüste für Baum- und Höhlenbewohner belassen. Die Neupflanzung der Hochstamm Obstbäume in regionalen Sorten wurde von Edeka Südwest gesponsert.
Wiese mit Orchidee. Das Mähen mit anschließender Heugewinnung, also Abtrag der Biomasse fördert den Artenreichtum.
Der Kuckuck lässt sich mit meiner Handpfeife anlocken. Heute kamen gleich drei dieser Brutparasiten vorbei. Welch ein eindrucksvolles Schauspiel.
Für mich persönlich ist dieser Projektbereich der schönste und interessanteste in Leo. Die Artenvielfalt ist beeindruckend. Wir haben auf einer relativ kleinen Fläche im Wörth inmitten einer Kulturlandschaft vielfältige Lebensräume mit einer noch großen Biodiversität.
Während die Dachse noch üben, gibt es schon junge Füchse am Wechsel.
Auch junge Rehböcke lassen sich blicken.
Weibchen der Plattbauch Libelle.
Projekt 8 betreut die Solidarische Landwirtschaft Egg mit dem Bau einer Totholzhecke auf ihrem Acker nähe Haltestelle Egg Süd. Die Materialien liegen bereit, der Bau wird gestartet, wenn man sich wieder regulär treffen darf.
Die SoLaWi macht Boden schonende Bearbeitung mit Pferd. Ein Aktionstag, um altes landwirtschaftliches Wissen zu vermitteln. Eine sehr gelungene Aktion.
Nur eines von insgesamt 11 Projekten des Wettbewerbes. Wir sehen, vieles läuft still im Hintergrund ab. Der Wettbewerb war der Anlass Dinge und Projekte neu anzupacken. In Richtung einer nachhaltigen Betrachtungs- und Vorgehensweise. Wie der Wettbewerb letzt endlich für uns ausgehen wird ist offen.
Projekt 9 ist die Anlage von Lerchenfenstern. Hier sieht man eine solches im Getreidefeld im Tiefgestade von Egg. Wir beschreiben und betreiben kleine und kleinste Projekte, die jedoch in ihrer Gesamtheit als Mosaik oder Puzzleteile ein Ganzes ergeben. Was alleine nicht erreicht werden kann, ist in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter möglich.
Projekt 10 ist die Fortsetzung der Vogelwohnraumaktionen der Gemeinschaftsschule, die wir seit 2015 betreuen.
Man erkennt belegte Kästen, auch sind schon weitere Bruten zu beobachten.
Projekt 11 ist die Weiterführung und der Ausbau der Umweltpädogik. Maßgeblich beteiligt sind die Aktiven der Leobande. In der Zwischenzeit haben sich daraus die Gruppe Europa Minigärtner gebildet. Auch hier hat Corona die Pläne durcheinander geworfen, jedoch sind bereits neue Projekte vorgesehen. Wir sehen hier das Kennenlerntreffen vom 07.03.2020.
Der Kuckucksrufer

Zurück zur Frage. Was ist aus dem Wettbewerb BaWü blüht geworden?

Fassen wir zusammen. Wir betreuen und bearbeiten 11 Projekte. Projekte, die vielfältig und richtungsweisend sind. Die Betreuer sind alle samt außergewöhnliche und von Leidenschaft geleitete Menschen, die sich in einer Gemeinschaft gefunden haben. Es gab unerwartete Begegnungen, aus denen sich neue Beziehungen entwickelten. Auch wenn Gemeinde, Forst, Landwirtschaft, AG Umwelt, BUND Hardt und die anderen Beteiligten unterschiedlich, bzw. mit anderen Schwerpunkten die Umweltthemen angehen, so ist es immer möglich gewesen einen Weg zu bestreiten, wenn alle versucht haben Gemeinsamkeiten zu finden und diese aufzugreifen. Daraus entstand eine Dynamik, die viele mitgerissen hat. Ein Ergebnis war die Vorbereitung für unseren Umwelttag, der dann wegen Corona nicht hat statt finden können. Das bisher erreichte ist in meinen Augen ein Preis, den man mit Geld nicht aufwiegen kann. Es ist ein ideeller Preis, welcher die Wertschätzung der Menschen für ihren Einsatzt der einzelnen Projekte würdigt.

Wie sich das Land Baden Württemberg entscheidet wissen wir nicht, aber wir werden berichten, wenn es soweit ist.

Ralf Schreck – der sich für Umwelt aktiv einsetzt, kurz Umwelt Aktivist

Weltbienentag

Neues von der Zaunrüben Sandbiene

Der Weltbienentag wird seit dem Jahr 2018 am 20. Mai gefeiert. An diesem Tag wurde 1734 der Pionier der modernen Imkerei, Anton Janscha geboren. Damit soll an die ökologische Bedeutung der Bienen für Mensch und Umwelt erinnert werden. Habt ihr das gewußt?

Was das für mich bedeutet möchte ich euch am „Zaunrüben Sandbienen Update“ erklären.

Das ist die Zaunrübe am Zaun des Pfarrgartens Boch in Leopoldshafen. Die Standorte in Leo sind mir bekannt. In der Blütezeit besuche ich diese Stellen, um festzustellen, ob Andrena florea bereits aktiv ist. Sie ist eine hoch spezialisierte Wildbienenart, die für die Verproviantierung ihrer unterirdischen Brutzellen auf Nektar und Pollen der Bryonia angewiesen ist.
05.05.2019 – Es ist eine männliche Pflanze, die Pollen und Nektar liefert.
19.10.2019 – Arbeitseinsatz im Pfarrgarten Boch. Der Garten hat in einem Wettbewerb des NABU einen Förderpreis erhalten, weil er ökologisch aufgewertet wird. Beim Arbeitseinsatz wurden unter anderem die kaputten Thujen gerodet und statt dessen eine Wildgehölzhecke gepflanzt. Dabei wurde ein Teil der bereits in Winterruhe befindlichen Zaunrübe freigelgt. Ein Stück davon habe ich mitgenommen, in einen Topf gepflanzt und auf dem Balkon überwintert.
28.03.2020 – Im rechten Topf sieht man, dass Bryonia dioica bereits ausgetrieben hat. Zeit sie in ein größeres Gefäß umzusetzen. Das große Graue gibt das neue Domizil.
Kaufen kann man die Zaunrübe nicht. Sie ist auch nicht die „Top“ Zierpflanze, aber heimisch und wild, das macht sie so unentbehrlich für die Andrena florea.

Wie eine Schlange kriecht der Trieb nach oben. Hat er eine Stütze erreicht, schlingen sich die Ranken durch diesen Berührungsreiz drum herum. Von wegen bewegungslose Pflanze! Der Zeitraffer macht es sichtbar.

Jetzt hat die Rote Zaunrübe ihren Platz erobert und die Andrena florea angelockt. Am 20.05 2020 herrscht reges Treiben und Schwirren.
Hier ist es ein Männchen, erkennbar an der weißen Kopfbürste. Die Art an sich erkennt man an den roten Hinterleibsringen.
Und hier ist es ein Weibchen, mit prall gefüllten Sammelbürsten an den Hinterbeinen.
Auch andere Wilbienen profitieren von der Zaunrübe.
Am getopften Schnittlauch findet die Hummel ihre Labung.
Wildbienen brauchen blühende Pflanzen während der gesamten Vegetationsperiode. Hier bei der Wiese beim ehemaligen Bahnhof Leopoldshafen lohnt es sich einmal etwas genauer umzusehen. Dort finden wir zahlreiche Insekten und können nebenbei das Farbenspiel der Blüten genießen.
Sieht aus wie ein Monet, ist aber ein Schreck.

Wir sehen, dass man mit wenigen Pflanzen auf wenigen Quadratmetern den bedrohten Wildbienen und anderen Insekten einen Nahrungsraum bieten kann. Im Garten kann man zudem in einer nicht intensiv bearbeiteten Fläche auch Nistraum bieten. Fördern wir heimische Pflanzen, fördern wir heimische Insekten. Betrachten wir die scheinbar wenig attraktiven Zaunrüben als Unkraut, bringen wir die Zaunrüben Sandbiene in Bedrängnis oder gar zum Aussterben.

Kleine bunte und unversiegelte Flächen hier und da, auf Balkonen, Gärten, Pflanzinseln, usw. bilden ein Mosaik, sind Schrittsteine zu vielen erreichbaren Nahrungs- und Nisträumen unserer bedrohten heimischen Fauna und Flora.

Belassen wir es nicht mit stummen Aufschreien, sondern handeln wir jetzt und heute!

Nehmen wir uns ein Beispiel am Kirchgartenteam der evangelischen Kirche Leopoldshafen. Die haben dort wertvolle Arbeit zur Bewahrung der Schöpfung geleistet. Beim nächsten Gang zum Friedhof nehmt ihr den seitlichen Ausgang beim Pfarrhaus und werft einen neugierigen Blick in den Garten. Die ersten Früchte dieser Tätigkeiten kann man erkennen. Wer genau beobachtet, findet im Bereich der Hecke auch die Zaunrübe.

Ralf Schreck – Wildbienen Freund

Umwelt Nachrichten 05.05.2020

Maispaziergang in Leopoldshafen

Das Wandgemälde in der Pforzheimer Straße ist komplett. Die Lesende ist jetzt grün gebettet. Sie liest im Buch der Natur.
Wenn die Kastanien blühen hat der phänologische Sommer begonnen. Im Friedhof Leopoldshafen ist es schon soweit. Das Buch der Natur hat unendlich viele Seiten.
Pulsatilla vulgaris. Die Küchenschelle ist bereits verblüht und ziert mit filigranen Fruchtständen. Ihren deutschen Namen hat sie bekommen, weil die glockenartigen Blüten an die Schellen einer Kuh erinnern. „Küh-chen Schelle“ ist gemeint. Und nicht Küche.
Unterhalb des Friedhofs fallen die versponnenen Sträucher auf. Christo hätte es nicht besser gekonnt. Es ist das Werk von Yponomeuta plumbella, der Pfaffenhütchen Gespinstmotte. Ein unscheinbarer Nachtschmetterling, dessen Raupen ein umso auffälligeres Werk hinterlassen.
Die Raupen produzieren in dem gemeinschaftlich gesponnenen Netz Kahlfrass an den Blättern, ja der komplette Strauch kann blattlos gefressen werden und das übrige Zweiggerippe ist wie mit einem Leichentuch überzogen.
Danach seilen sich die Burschen ab, wandern zum nächsten Strauch, spinnen ein neues Seidennetz, fressen weiter, bis sie sich verpuppen und zum Schmetterling wandeln. Die Zweige rechts im Bild sind von einem Liguster, der von diesen Raupen nicht behelligt wird.

Da diese Raupen zahlreiche Fressfeinde, wie Insekten und Vögel haben, ist das Gespinst von Vorteil.
Nachdem die Fressorgien beendet sind, treiben am Euonymus europaeus aus „schlafenden Augen“ (Knospen) neue Blätter. Aus den befruchteten Blüten entstehen im Herbst die pinkfarbenen Früchte, die aufgrund ihrer Form als Pfaffenhütchen bezeichnet werden. In der Natur ist alles ein Geben und Nehmen und niemals ein Zerstören oder Vernichten.

Vorbei geht es am flächenhaften Naturdenkmal, der Sanddüne an der Landstraße beim Pfinzkanal. Die Vegetation an diesem Trockenstandort ist so einzigartig, dass dieses Naturdenkmal am 22. März 1938 als erstes im Landkreis Karlsruhe unter Schutz gestellt wurde.
Am Hochgestade angekommen erblicken wir die jugendliche Kastanie – Es ist ein Projekt des (ausgefallenen) Umwelttages 2020 – und erkennen, dass es eine rotblühende Kastanie ist.
In der näheren Umgebung, auch am Bürgerpark, gibt es weitere rotleuchtende Aesculus x carnea `Brioti´.
Sie ist eine Hybride aus Gewöhnlicher Rosskastanie und der nordamerikanischen Roten Kastanie
Im Bürgerpark stören eigentlich nur die Kabel der Stromleitungen das Bild. An diesem 1. Mai gab es schöne Licht und Wolkenstimmungen.
Stimmungsvolles Grün.
Die Lindenallee hat eine Vorgeschichte. Für die Fortführung sollte ein großes Heckenbiotop gerodet werden. Der Beschluß wurde nicht vollzogen.
2012 war noch nicht zu erahnen, wie schön sich die viel diskutierte Allee entwickelt.
Die ökologische Vielfalt ist im Heckenbiotop um ein mehrfaches höher, als in einer Allee. Allerdings sollte diese „Brennpunkthecke“ einer Pflege unterzogen werden.
Beim Rückweg kommen wir am Kreisel Leopoldstraße vorbei. Auch dieser liefert genügend Diskussionsstoff.
Die Kreisfläche soll in eine optisch (für den Menschen) ansprechende und Insekten freundliche Bepflanzung umgewandelt werden. Das heißt, dass eine bereits vorhandene und funktionierende Insekten freundliche Bepflanzung, wegen mangelnder Ästhetik (für den Menschen), gegen eine andere, mitsamt dem darin enthaltenen Leben geopfert wird. Das wurde so beschlossen. Verstehen muss ich das nicht. Würden mehr Menschen im Buch der Natur lesen, gäbe es solche Entscheidungen nicht. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in den vergangenen Wochen habe ich auf unser Leben eine intensivere Blickrichtung entwickelt und Sorgen und Nöte gesehen. Das Geld für diese „Luxusbaustelle“ hätte ich hier im Ort an Notwendiges gegeben.
Mir persönlich hat die ursprüngliche Kreiselvariante am Besten gefallen. Der Planer hat in diesem hervorragenden Projekt lokale Geschichte und heimische Natur durch die Gestaltung sehr schön vereint. Darüber werde ich gesondert berichten.
Zum Schluss noch ein letzter Herbstgruß. Die Lampionblumen leuchten immer noch um die Wette. Als Trockenstrauß halten sie Monate lang. Sind zwar nicht heimisch, aber gut fürs Herz und Seele. Mit einem Wort, sie sind System relevant.
Als Zugabe noch einen Blick auf den Dachsbau. Es hat sich ein Pärchen eingefunden. Auf den Videos ist zu sehen, dass trockenes Laub in den Bau geschafft wird. Wohl geruht kann ich da nur sagen.

Ralf Schreck – der im Buch der Natur liest

Spaziergänge in der Natur

Heute nehme ich euch mit und zeige die Lieblingsplätze, die mich finden, wenn ich draußen bin. Ab 5.00 Uhr in der Frühe erwarten mich die schönsten Vogelkonzerte. Seit heute hören wir auch den Pirol. Er singt jetzt zusammen mit dem Kuckuck, der seit etwa 10 Tagen hier ist.

In der Frühe ist es frisch, der Himmel ist wolkenlos und die Sonnenaufgänge sind deshalb nicht so dramatisch.
Mit dem passenden Vordergrund erzielt man jedoch eine schöne Träumerei. Wir sind am Baggersee Leopoldshafen.
Die Wasserbirke erinnert mich an eine Szene im Algonquin National Park in Kanada. Es fehlen nur die Prachttaucher und die Biber.
Die Insel im See ist den Wasservögeln vorbehalten. Im Hintergrund sehen wir den Turm der evangelischen Kirche.
Treibholz oder Phantasieholz? Wo beginnt die Träumerei?
Blättervorhang im Gegenlicht
Schöne Grüße von der Linde!
Silber- oder Goldrute?
Beim Rheinniederungskanal blühen die Bäume.
Blick von der Roten Brücke in die Morgenstimmung.
Friedlich schlummert das Schmugglermeer.
Die Idylle wird durch die Hinterlassenschaften der Zivilisation nachhaltig gestört. Nach mir die Sintflut? Im selben kanadischen Nationalpark fand ich einst ein Schild mit der Inschrift „Take nothing but pictures, leave nothing but footprints“.
Beim atmenden Fluss ist Natur unter sich. Graureiher zanken sich um die besten Jagdgründe.
Wer nur ein bißchen Sinn für Natur empfindet, der ist in diesen stillen Momenten einfach nur sprachlos und vergisst alle Sorgen und Bedenken. Wie lange werden wir von Corona noch in ein Korsett gezwängt? Jetzt haben wir eingesehen, dass wir mit dem Verändern unseres Verhaltens einen Einklang mit der Natur erreichen. Vergessen wir das, wenn wir wieder eine Art von Normalität erreicht haben? Hatten wir nicht noch andere Probleme?
Nur der Wechsel ist im Auenwald beständig.
Familie Graugans übt sich im Flöhe hüten. Wieviele von den zehn Küken werden wohl überleben?
Fernsehen im Live Modus. Heute im Programm: „Fauna und Flora der Kiesbrennen“.
Die Kastanie ist gut vernetzt.
Ein Weibchen der Frühen Heidelibelle sonnt sich auf einem Zweig.
Das Weibchen des Blaupfeiles tut es ihr gleich.
Unscheinbares Blattwerk auf dem Boden wird nur vom Fachmann als botanisches Juwel erkannt. Eine Rote Liste Art im heimischen Wald. Wer hätte das gedacht? Dazu ist es auch noch ein Farngewächs.
Die Gewöhnliche Natternzunge lebt mykotroph, das bedeutet, dass sie in Symbiose mit Pilzen lebt.
Das Purpurknabenkraut wird vom Wollschweber besucht. Er selbst ernährt sich von Nektar, seine Larven parasitieren Erdbienen. Wer den Wollschweber entdeckt, weiß, dass es in der Nähe Wildbienen gibt.
Die Schönheit des Purpur Knabenkrautes zeigt sich im Detail.
Wie kleine Püppchen mit Haube sehen die Einzelblüten aus. So schön, dass die Standorte geheim gehalten werden. Filigrane und zerbrechliche Natur.
Die Rotbuche lässt sich Zeit mit dem Laubaustrieb. Sobald die Blätter ganz entfaltet sind kommen Raupen, Läuse und die Maikäfer. Doch noch haben wir April …
Natur kennt kein Gut oder Böse, Natur kennt Spieler und Gegenspieler.
Am Boden huscht der Feld Sandlaufkäfer hin und her. Er ist auf der Suche nach Beute. Die hellen Beißwerkzeuge sehen auch sehr wirksam aus.
Schont taucht die nächste Orchidee auf. Ein Helm Knabenkraut.
Die eigentliche Schönheit offenbahrt sich auch hier im Detail. Im verschwommenen Hintergrund erkennt man eine Ameise, die von den Ausscheidungen der Blüte profitiert. Betrachten wir die „Blumen“ nicht nur als „Blumen“, sondern als einen Bestandteil eines Ganzen. Die Gesamtheit aller Bestandteile, Pflanzen, Tiere, Natternzunge, Purpur Knabenkraut, Blaupfeil und alle anderen, als Geschöpfe mit Funktionen, die im Zusammenspiel miteinander ein Gleichgewicht schaffen, welches die Natur am Leben erhält. Vergessen wir dabei nicht, dass auch wir darin einen Bestandteil bilden.
Die Zecken gehören ebenfalls in dieses System, auch wenn es uns nicht gefällt. Wie lange leben wir schon mit Zecken? Beherzigen wir die Empfehlungen mit deren Umgang, dann ist dieses „Problem“ keines mehr, bzw. beherrschbar. Wir lernen gerade, wie wir mit Corona umgehen können. danach lernen wir, wie wir mit der Klimakrise und dem Biodiversitätsverlust umgehen.
Wir sind schon fast am Ende unserer Tour und es geht allmählich nach Hause. Das Morgenlicht erstrahlt den Hammenweg.
Auf einer der Wörth Wiesen treffe ich alte Bekannte wieder.
In der Pforzheimerstraße entdecke ich die „Lesende“. Das ist mein Bild des Tages. Es ist noch nicht vollendet, der Künstler ist aktuell mit den Details noch zugange. Die Botschaft spricht mich an. In der Ruhe liegt die Kraft. Betrachten wir die Dinge wie sie sind und mit Abstand. Dieses Bild wurde durch die Schmierereien des Sprayes erst ermöglicht. Müssen wir ihm deshalb dankbar sein? Das Leben ist oft widersprüchlich.

Ralf Schreck – Naturfreund

Ostern 2020

In diesem Frühling ist alles anders. Dieses Ostern ist anders. Leiden, Sterben und Auferstehung erleben wir an diesem Festwochenende bewußter als in den vergangenen Jahren.

Das Tränende Herz bei der Rheinhalle hat in diesem Jahr eine besondere Bedeutung.
In diesem Frühling gibt es besonders viele tränende Herzen.

Draußen tobt der Frühling. Die Natur explodiert. So intensiv habe ich das noch nie erlebt. Werden wir achtsamer?

Ludwig Uhland hat das schön beschrieben.

Die linden Lüfte sind erwacht,
sie säuseln und weben Tag und Nacht,
sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herz, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch kommen mag.
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal.
Nun, armes Herz, vergiß die Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Welch herrlich bunte Farbenpracht!

Ja, was wir jetzt dringend benötigen ist Hoffnung, Zuversicht und der Glaube daran, dass es „morgen“ wieder einmal normal wird. Symbole und Zeichen dafür können wir überall erkennen.

Pflanze einen Baum! Bernhard und Thomas haben in der Zwischenzeit beim Andi Bräu die Kastanie gepflanzt und die Fläche hergerichtet. Projekt 18 des ausgefallenen Umwelttages. Ja, wir müssen vorwärts blicken. Danke!
Im Bürgerpark leuchten die Zieräpfel um die Wette.
In Eggenstein, bei der Lindenschule habe ich ein Hotel gefunden, welches noch Zimmer für Gäste anbieten darf.
Die Rote Mauerbiene bei der Zimmersuche.
Der Grillplatz am Hardtwald lädt zum Verweilen. Wenn wir das wieder dürfen.
In Leopoldshafen leuchten die Flächen des öffentlichen Grüns um die Wette. Kleine, aber wichtige symbolhafte Zeichen, die die Welt für einen Moment besser aussehen lassen.
Beim Rathaus strahlt es ebenfalls in bunten Farben. Habt ihr schon bemerkt, dass die bunte Uhr abhanden gekommen ist? Hat wohl die Zeitumstellung nicht vertragen?
Symbole entdecken wir auch im privaten Bereich. Stimmt das nicht zuversichtlich?
Auch in Leo denkt man an Ostern.
Betrachte dir Blumen und das Herz geht auf. Hier auf dem Friedhof in Leo.
Und hier im Friedhof Eggenstein
Derzeit erleben wir eine Welle der Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit. Ureigenste menschliche Eigenschaften.
Welch unglaubliche Kräfte in uns schlummern.
Das ist mein Lieblingsbild der Woche. Zu sehen bei der Kita Regenbogenexpress. Wir sind eine Familie und passen auf uns auf.
Im Garten schmettert der Zaunkönig sein Lied. Minuten lang ertönt sein hoher Gesang. Im Krautland gegenüber hört man in den Pausen den Rivalen antworten.
Der stengellose Enzian glüht im schönsten Blau.
Am Blauregen schwirren die Blauen Holzbienen und nehmen Nektar auf.
Der alte Eidechsenmann schaut vorbei und aalt sich in der Sonne.
Auf dem Heimweg entdecke ich die Feldrehe im Tiefgestade zwischen Erdbeerhof und Pfinzkanal.
Bald haben sie das restliche Winterfell verloren und sind dann wieder im sommerlichen rotbraun zu sehen.
Beobachtungen auf Balkonien. Unser Briefbeschwererwürfel, der einige Zeit auf dem Balkon stand wurd kurzerhand von einer Mauerbiene als Nistquartier erkoren. Mittlerweile ist sie am Befüllen der letzen Röhre. Alle sechse kann man da nur sagen.
Auch den Supermond konnten wir vom Balkon erwischen. Zuhause muss nicht unbedingt langweilig sein.

Zum Schluss noch einige Gedanken zu Ostern von Philipp.

… Dem jungen Frühling aber macht die „Corona“ keine Beschwerden, er ist frei, er gehört zur ewigen Natur, bestimmt dazu den Menschen Freuden zu bringen auf Erden. Er kommt und geht mal früher, mal später, immer aber wie gezogen an einer unsichtbaren Schnur.

Menschliches Wohl, menschliches Leid, ist der Menschen Sache allein. So war es immer. Auch in der Osterzeit. Und so wird es immer auch sein

Und mir selbst machen die „Corona“ Viren noch nichts aus. Kommen sie durchs Fenster, werfe ich sie postwendend wieder hinaus. Mit meiner Frau lebe ich in Quarantäne schon lange. Wir sind das Alleinsein inzwischen gewohnt; Einsamkeit macht uns daher nicht mehr Bange.

Auch wir ziehen an einem Strange …

Philipp und Gertrud. Für sie bleiben wir zuhause.

Allen meinen Leserinnen und Lesern, Abonenntinnen und Abonennten, wünsche ich Frohe Ostern mit Hoffnung, Zuversicht, Glück und Gesundheit.

Ralf Schreck – Frühlingsfreund

Umweltnachrichten 29.03.2020

Frühling 2020

Draußen ist Frühling. Wir sehnen uns nach den wärmenden Strahlen und beobachten wie die Pflanzen in bunten Farben erstrahlen. Man muss nicht lange warten bis die ersten Insekten erscheinen und ihrem Tagewerk nachgehen. Anhand der Beobachtungen wird klar wie wichtig die Frühblüher sind. An den Traubenhyazinthen laben sich Wollschweber, am kaskadenartig wachsenden Blaukissen finden sich Honigbienen ein. Wenn auch die Mandelblüte dem Frost dieser Woche zum Opfer gefallen ist, konnten die Bienen doch noch Nahrung darin finden. Es ist fein abgestimmt. Zur Blüte erscheinen die Insekten. Die Mandeln sind nicht heimisch und deshalb an unsere Fröste in der Blütezeit nicht angepasst.

Traubenhyazinthe und Wollschweber. Macht eure Gärten bunt.
Blaukissen und Honigbiene
Mandelblüte in voller Pracht, wertvolle Insektennahrung.
Mandelblüte und Honigbiene
Königin der Deutschen Wespe an einer Magnolie. Ab jetzt beginnt die Nestsuche, ab jetzt werden die Rolladenkästen besiedelt.

Bei einer Versorgungsfahrt für meine betagten Eltern entdecke ich im Vorbeifahren die neu gestalteten Pflanzflächen entlang der Straßen. Es sind sowohl reine Bodendeckerflächen, als auch bunte Staudenbeete. Zwei solcher „Hingucker“ gibt es vor dem Kindergarten in Eggenstein, in den ich selbst als Kind einmal ging. Vorbildliche Flächen, sowohl in Sachen Ästhetik, als auch für den Insektenschutz. Kann man gut „abgucken“, falls man sich dazu entschließt seinen Kiesgarten wieder lebendig zu gestalten. Danke an unsere Gemeinde Gärtner für die weitblickende Gestaltung.

Eingang zum Kindergarten, in den ich einst ging. Damals gab es rechter Hand des Zugangs einen Garten mit Hühnern und einem Truthahn. Heute gibt es zwei schöne Pflanzflächen.
Öffentliches Staudenbeet. Bitte nicht als Hundeklo missbrauchen.
Garten des Grauens der Woche.
Wer glaubt die Kiesgärten sind der Gipfel der Leblosigkeit, der geht ein paar Schritte weiter und staunt über den Kunstrasenvorgarten, den man nur noch saugen muss.

Meine Aufenthalte draußen beschränken sich auf das Nötigste. So war ich kurz bei der Wildkamera und einmal im Garten. Alleine. Die anderen Fotos entstanden bei kurzen Stopps auf dem Heimweg. Zum Glück dürfen wir an die frische Luft zum „Auftanken“. Das ist gut für Seele und Laune. Gut, dass unser Gartencenter offen ist. Dort hole ich mir Beschäftigung für Balkonien. Meine Leidenschaft sind Steingartenpflanzen. Sie sind schön und bei richtiger Behandlung langlebig und pflegeleicht. Und das Tolle daran ist, dass sie sehr einfach zu vermehren sind. Das können auch Kinder.

Man sucht sich im Gartencenter seines Vertrauens Dachwurze aus, deren Kindel (Rosetten) bereits über den Topfrand quellen. Diese lassen sich einfach entfernen und können in Töpfe gesetzt werden. Als Erde verwenden wir am besten ein extensives Dachgartensubstrat, da diese Pflanzen gerne einen durchlässigen und mageren Untergrund mögen. Da es dieses Spezialsubstrat dort nicht gibt, mischen wir es uns selbst aus Spielsand, Lavagranulat und Blumenerde. Das gibt es dort. So hat man für den Sonntagnachmittag Beschäftigung und kommt nicht auf dumme Gedanken. In wenigen Wochen blüht es schön und zahlreiche Insekten kommen zu Besuch. Hinterm Heimatmuseum Leopoldshafen gibt es ein sehr schönes Arrangement mit Dachwurz.

Wir mischen uns das Steingarten Substrat aus Sand, Lava und Blumenerde.
Gut mischen.
Danach die Kästen befüllen und ab nach Balkonien.
Alles ist vorbereitet. Die Zaunrübe rechts erhält eine eigene Geschichte.
Spinnweben Dachwurz, Sempervivum arachnoideum, verliert ihre Randrosetten.
Fertig. Links ist ein Sedum floriferum `Weihenstaphaner Gold´. Lässt sich ebenfalls durch Teilung leicht vermehren. Wässern nicht vergessen, aber sparsam.
Das habe ich mir „abgeguckt“. Zu sehen hinterm Heimatmuseum Leo.
Das ist noch schöner als meine Kastenbepflanzung.

Nach einer Woche Abstinenz kam auch wieder der Fuchs zum Kamerastandort. Bei der Grabestelle des Daches hat er seine Markierung hinterlassen. Auch der Marder macht das. So kommunizieren Wildtiere. Beim Rheinniederungskanal entdeckte ich an den Buschwindröschen die Triungulinen. Dazu später mehr.

Wildwechsel im Rheinwald.
Diese Pelzbiene hat mich auf Balkonien besucht.
Zauberhafte Blumenwelt
Blick übern Gartenzaun beim Lindenschulgarten.
Wildtulpe in meinem Garten.
Unser schönes Leopoldshafen, unser schöner Bürgerpark.
Die Erklärung fürs Klopapier Hamstern.

Es gab diese Woche ein paar schöne Tage. Täglich gibt es mehr Infizierte und mehr Tote. Die Frühlingssonne wärmt, doch innerlich ist mir kalt. Die Leichtigkeit des Seins ist mir abhanden gekommen.

Ralf Schreck – Umweltaktivist

Umweltnachrichten 22.03.2020

Corona hat uns im Griff, dazu später mehr.

Auf dem Friedhof Eggenstein werden die Gräber, bei denen die Ruhefrist beendet ist und die abgeräumt sind, mit Rasen eingesät. Zusätzlich erhielten sie eine Zwiebelblumenbepflanzung. Das ist uns aufgefallen. Sieht schön aus und nützt den bedrohten Insekten. Dabei ist es nicht so eintönig narzissengelb wie im Ostring oder der Leopoldstrasse, sondern es wurden Krokusse in Sorten, Tulpen und andere verwendet. Buntes, welches zeitversetzt blüht. Danke für diese Aufmerksamkeit. Schrittsteine in die richtige Richtung.

Wenig Aufwand, tolle Idee. Da lacht das Gärtnerherz!

Die Corona Krise spitzt sich weiter zu. Kann ich morgen noch zur Arbeit? Fahren die Bahnen noch? Auf eine weitere Monatskarte habe ich verzichtet, und mir stattdessen ein „Fastenticket“ für 7 Tage gekauft. Das läuft am Sonntag ab und Montag fahre ich mit dem Auto zur Arbeit. Fasten habe ich mir eigentlich anders vorgestellt. Haben wir eigentlich genug Klopapier?

Wer in seinem Leben Bescheidenheit erlebt hat, kommt mit Krisen klar.

Im Bürgerpark wurden die Weiden geschnitten. Fachlich richtig. Nur zum falschen Zeitpunkt. Weiden sind Frühblüher und die erste Nahrung für die aus der Überwinterung gekommenen Insekten – Bienenweide eben. Jetzt ist diese Nahrungsquelle dahin. Der richtige Zeitpunkt wäre nach der Blüte gewesen, ca. Mitte April. Da diese Weidenart kleinwüchsig ist und an einem stark frequentierten Ort steht, brüten darin keine Vögel. Falls sich jemand auf das Schnittverbot wegen Vogelschutz beruft.

Die Weiden im Bürgerpark wurden geschnitten.
Bild vom 26.10.2014. An den Trieben sind die Blüten fürs Frühjahr bereits angelegt. Bitte vergesst in der aktuellen Krise die Ökologie nicht.

„Meine Friedhofsgärtner“ ordern Bodendecker für die Bepflanzung der Gräber. Noch ist das möglich. Beim Kommissionieren kullern Kindel vom Dachwurz auf den Boden. Gezielt sammle ich diese auf und mit einer Hand voll Sedumsprossen steige ich zuhause in die Pflanzenvermehrung ein. Als Zusatzprojekt für den ausgefallenen Umwelttag für die Lindenschule. Klaus wollte eigentlich den prämierten Vorgarten als Ersatzmaßnahme mit Schülern pflegen, schneiden, usw. Das hat er jetzt im Schnelldurchgang alleine gemacht. Den Rest werden wir nachholen.

Links sind die Rosetten vom Dachwurz (Sempervivum Hybriden), sogenannte Kindel, rechts Sprossen der Fetten Henne (Sedum album `Coral Carpet´). Die legt man auf mageres Substrat, drückt leicht an, wartet und beobachtet.
Blumenerde mit Sand gemischt, es geht auch Gartenerde. Wässern nicht vergessen, aber nicht zuviel, da diese Pflanzen Trockenheit ertragen. Die Pflanzen wissen, was zu tun ist und nach 14 Tagen haben sich die Würzelchen gebildet. Kann man gut mit KIndern machen.

Corona bestimmt immer mehr unser Leben. Um mich zu informieren gehe ich auf die Seite der Gemeinde – www.egg-leo.de – . Dort gibt es umfassende Hinweise. Und täglich wird aktualisiert. Beim Lesen dieser ernsten Botschaften spüre ich, dass im Rathaus alles unternommen wird, um das gemeindliche Leben aufrecht zu erhalten. Uns Bürgerinnen und Bürger mit Informationen zu versorgen und Hilfestellungen anzubieten. Deshalb ist es an der Zeit dem kompletten Rathausteam „Danke“ zu sagen, für ihren Einsatz für unser aller Wohl. Dasselbe gilt unseren Gemeinderätinnen und Räten. Die öffentlichen Sitzungen besuche ich derzeit nicht mehr. Infos bekomme ich auch aus anderen Quellen und Unterstützung kann ich aktuell durch bewusste Abwesenheit besser leisten.

Gemeinsam meistern wir Corona. Hören wir auf die Botschaften von Gemeinde, Land und Bund. Hungern wir das Virus aus und bleiben daheim!
Foto vom 04.07.2017 – Gruppenfoto der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen.
Danke für Euren derzeit schwierigen Einsatz und bleibt gesund!
Foto vom 02.07.2019 – unser neuer Gemeinderat. Es fehlt nur der Arnold, aber das hat nichts mit dem Kreisel zu tun.
Danke auch Euch für Eure Arbeit, bleibt gesund, wir denken an Euch!
Wohlfühlen in Vielfalt geht jetzt am besten, wenn alle das machen „Was gsagt wird“!

Im Kreisel beim Ostring, dort wo das „Heckert-Schild“ steht, gibt es eine kleine Kolonie Frühlingsseidenbienen. Die Männchen schwärmen seit einer Woche, die Weibchen sind gerade dabei neue Nistgänge im Boden anzulegen. Am Freitagnachmittag bei noch schönem Wetter konnte ich das Treiben beobachten. Sollten dort Pflanzarbeiten erfolgen würde man das Zerstören der Erdnester in Kauf nehmen. Wie verfahren wird, wird mit dem Kreisökologen besprochen.

Sieht nicht wirklich schön aus, aber dort gibt es eine Kolonie Frühlingsseidenbienen (Colletes cunicularius).
Loch an Loch reihen sich die Eingänge der Erdnester. Auch in der mit Gras bewachsenen Fläche. Die Weibchen sind gerade dabei dort neue Nester für den Nachwuchs 2021 anzulegen. Worauf legen wir mehr Wert? Optik oder Insektenschutz?
Erdhöhle vom Weibchen gegraben. Im Bild oben sind die Löcher der geschlüpften Bienen.

Beim Dachsbau geht das Leben weiter. Die vorbeiziehenden Rehböcke haben ihr Gehörn noch im Bast. Der Fuchs kam diese Woche nicht vorbei, aber der Dachs scheint einen neuen Bau graben zu wollen. Angefangen hat er. Auch der alte Fasanengockel erscheint vor der Kamera und zeigt seine Revierrufe, während er dabei flattert. Das waren vorerst meine letzten Freilandexkursionen, denn seit Samstag herrscht das Betretungsverbot.

Der Dachs beim begonnenen Bau. Auf den Videos ist es besser zu erkennen. Die Akkus halten 10 Tage. Wir werden sehen …
Der Fasanen Gockel streift in seinem Revier umher.

Ralf Schreck – Umweltaktivist