Leben

Was ist das Leben? Besinnliche Geschichten aus der Heimat. Erlebtes und erfahrenes unterlegt mit Bildern.

Jakob Loewenberg – 1856-1929 hat es so beschrieben.

Leben

Ein Tropfen gleitet am Baum herab,
erst langsam, zitternd, sachte, sacht.
dann immer tiefer, schneller, schnell
bis in der Erde dunkle Nacht.

Wo war er nur? Was blieb von ihm?
Ein Hauch, der spurlos sich verliert.
Ob nicht der Baum im tiefsten Mark
Den kleinen Tropfen doch gespürt?

Noch sind die Tropfen im Spinnennetz gefangen. Gelangen sie noch ins Mark, oder steigen sie mit der Sonne, die hinter den Wolken steht wieder in den Himmel? Schicksal, wie ist deine Bestimmung?

Ferdinand Raimund -1790-1836 sieht das Leben so.

Das Hobellied

Da streiten sich die Leut herum
Oft um den Wert des Glücks;
Der eine heißt den andern dumm,
Am End’ weiß keiner nix.
Da ist der allerärmste Mann
Dem Andern viel zu reich,
Das Schicksal setzt den Hobel an
Und hobelt’s beide gleich.

Die Jugend will halt stets mit G’walt
In allem glücklich sein;
Doch wird man nur ein bissel alt,
Dann gibt man sich schon drein.
Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nicht in Wut,
Da klopf ich meinen Hobel aus
Und denk du brummst mir gut.

Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
Und zupft mich: Brüderl, kumm,
Da stell ich mich in Anfang taub
Und schau mich gar nicht um.
Doch sagt er: Lieber Valentin,
Mach keine Umständ’, geh!,
Da leg ich meinen Hobel hin
Und sag der Welt Ade.

Das blühende Leben und der Tod. Die Mamas/Omas sind voraus gegangen. Vergessen sind sie nicht.

In meinen Augen hat Rainer Maria Rilke zum Leben die schönsten Worte gefunden. Den Gewittersturm beobachten wir beim Ausblick auf die Heidelberger Straße. Auch die ziehenden Wolken in allen Farben und Schattierungen sehen wir vom Wohnungsfenster. Den Falken sehen wir in fast jedem Kirchturm. Den großen Gesang verdanken wir Lisa Heger und ihrer einzigartigen feinen Stimme. Dieses Lied habe ich in der evangelischen Kirche Leopoldshafen aufgenommen, anläßlich der Aufzeichnung eines Gottesdienstes während der Corona Pandemie. Das sind Geschichten, die das Leben schreibt.

Leben ist überall. Dabei haben Kirchen eine besondere Bedeutung. Viele Menschen werden darin getauft, begehen das Fest der Ehe und werden mit dem Tod darin verabschiedet. Und es gibt noch das „drum herum“. Der Kirchplatz der evangelischen Kirche in Eggenstein gehört dazu. Unzählige Feste und Feiern wurden dort begangen. Dieser Platz gehört zu unseren schönsten Begegnungsstätten. In einer lauen Sommernacht 2018 hatten wir dort eine Begegnung der besonderen Art. Es gelang uns den ersten Ausflug der Schleiereulen zu beobachten.

Das Titelbild des Videos zeigt den Kirchplatz mit dem Handwerker und Gewerbebaum. In den einzelnen Wappen spiegelt sich die Vielfalt des dörflichen Lebens wider. Die alten Bäume umrahmen diesen schönen Platz. Die aufgestellten Bänke laden ein zum Verweilen.

Die Katholische Kirche in Leopoldshafen und die anliegenden Flächen laden ebenfalls zum Verweilen. Auf dem Foto von Karl Ueberle aus dem Jahre 1974 sehen wir „nur“ die Kirche und einen funktionalen Platz. Heute, 2021 sehen wir, wie unsere Gemeinschaft größer geworden ist. Sie ist gewachsen, so wie diese Kastanie größer geworden ist. Wir sind mündiger geworden, wir möchten mitreden. Wir haben Probleme erkannt, die wir lösen möchten. Wir haben dank unseres Seniorenbeirats eine Mitfahrbank, einen öffentlichen Bücherschrank und dank unserer Agenda Gruppe Umwelt eine ebenfalls öffentlich nutzbare Kräuterspirale.

Drei Themen an einem Platz. Haben wir ein Luxus Problem? Nein, haben wir nicht. Das sind genau die Dinge, die unser Leben schöner machen. Sie fördern unsere Gemeinschaft. Es ist eine kleine Vielfalt. Und wer hatte die Ideen dazu? Genau, wir. Menschen wie du und ich. Menschen, die sich in kleinen Gemeinschaften zusammen finden und versuchen ihre Ideen mit ihrer Gemeinde zu verwirklichen. In diesem Fall sind auch die Kirche und die Sponsoren beteiligt. Sind alle von deren Argumenten überzeugt, bringt jeder seinen Teil ein und es entsteht ein Ganzes. Und das steht allen von uns zur Verfügung. Ist das nicht ein Grund dankbar zu sein? Nehmen wir nicht alles als selbstverständlich an, sondern zeigen auch die angemessene Wertschätzung gegenüber allen Beteiligten.

Die Antwort hierfür finden wir im Bücherschrank.

Teilnahme am Leben und die Möglichkeiten zu haben seine Ideen und Gestaltungsvorschläge umsetzen zu können ist eine großartige Sache. Das ist sinnhaft, bringt Freude und schafft neue Vorbilder, auf die wir hinauf sehen können.

Eine Gesellschaft wird auch daran bewertet, wie sie mit ihren Toten umgeht. Die Kriegsgräber auf unseren Friedhöfen erzählen mahnende Geschichten vom Leben und Sterben zu Kriegszeiten. Legen wir für unsere Nachfahren eine bessere Saat, damit eine gute Frucht daraus wird?

Der Wunsch nach Teilhabe am Leben hört auch im Alter nicht auf. Oft sind es die kleinen und vertrauten Dinge, die den Seelenschmerz vertreiben. Ich bin dankbar, dass wir einen solch schönen Bürgerpark vor unserer Haustüre haben. Es ist ein echter Generationenpark. Hier tummeln sich Alt und Jung. Jede und jeder kommt dort auf ihre und seine Kosten! Nicht nur Menschen, deren Lebensradius eingeschränkt ist, können dort den Wandel durch die Jahreszeiten hautnah erleben.

Sieht aus wie ein Urwaldfluß, ist aber „nur“ der Pfinzkanal bei Eggenstein am Hardtwald. Im letzten Bild sieht man den schlammigen Zustand nach einem Monsunregen. Mit Phantasie natürlich. Die habt ihr doch? Oder?

Die Lindenallee. Sie hat sich prächtig entwickelt und steht sozusagen „gut im Futter“. Umstritten und beliebt. Je nach Standpunkt. Förster und Landschaftsplaner haben eines gemeinsam. Sie können in die Zukunft sehen. Das heißt sie haben eine konkrete Vorstellung davon, wie eine Planung im fertigen Zustand aussieht. Es sind Menschen mit Visionen, die allzu oft überhört werden, weil Kurzsichtigkeit bei manchen Zeitgenossen eine höhere Priorität haben.

Lindenallee die Zweite. Jetzt zur Vollblüte, am 20. Juni. Welch ein Duft. Welch ein Gesumme von tausenden von Bienen. Dabei musste ich an Bernhard denken und wollte ihm ein Dankesbild senden. Jetzt ist mir der Bericht im aktuellen Amtsblatt zuvor gekommen. Auch gut. Wohin wird uns dieser Alleenweg führen? Ins Glück? Oder ins Ungewisse? Die Antwort überlasse ich euch.

Ralf Schreck – der gerne einen Sinn im Leben sieht.

Ein Kessel Buntes

Wer Lust auf „Bunt“ hat, der spaziert beim Andi Bräu ins Tiefgestade hinunter. Zunächst blicken wir beim Absturzbauwerk hinab in die Landschaft, dann erkennen wir sofort, was uns erwartet. Das aktuelle Wetter zaubert herrliche Wolkenspielereien. Mal kommt die Sonne durch, mal nicht. Licht und Schatten bilden ein Katz und Maus Spiel. Da der April zu kalt war ist unser Frühling anders, als in den vergangenen Jahren. Es blüht überall länger und scheinbar bunter.

Diesen Weg und diese Strecke sind wir schon oft geradelt. Das spannende dabei ist, dass es jedes Jahr anders ist. Künstlerin Natur eben.

Ist das nicht wie eine Offenbarung?

Offenbarung

Natur spricht laut in Wort und Schrift
Du mußt nur Windeswehen
Und Duft und Klang und Wald und Trift
Und Fels und Meer verstehen!

Ein jeder Baum, der braust in Wettern,
Und jede Blume auf der Flur,
Und jeder Zweig ist voll von Blättern
Der Offenbarung der Natur.

Auf jedem Blatt steht licht und offen:
„O glaub‘ an helle Frühlingsluft!“
Auf jedem Blatt steht grünes Hoffen,
Still flüsternd um die Blumenbrust.

Auf jedem Blatt steht groß geschrieben:
„Der Geist der Lieb‘ durchweht die Flur!“
Auf jedem Blatt steht: „Lieben! lieben!“
Als Offenbarung der Natur.

Hermann Rollett – (1819 – 1904), österreichischer Dichter

Der Regen war wichtig. Die Vegetation hat hat es mit den vielen Blüten gedankt. Unsere Dämme sind bunter denn je. Oder sehen wir es deshalb nur so, weil unsere Sehnsucht nach Normalität so hoch ist? Wer beim Anblick dieser Blumenmeere nicht ins Träumen kommt, der hat das Leben nicht verstanden. Jetzt sollte man heiraten, eine schönere Kulisse finden wir nicht. Dürfte ich mir einen Platz zum Sterben wünschen, dann wäre es im Mai, dort unten bei den Blumen, den bunten.

Ralf Schreck – Naturfreund

Frühling in der Heimat

Wenn der Frühling ins Land zieht, wäre es eine Beleidigung der Natur, nicht einzustimmen in ihr Jauchzen. – John Milton

Blick auf Eggenstein vom Pfinzkanal beim Absturzbauwerk.

Winters Flucht – August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Dem Winter wird der Tag zu lang, ihn schreckt der Vögel Lustgesang; Er horcht, und hört’s mit Gram und Neid, Und was er sieht, das tut ihm leid; Er flieht der Sonne milden Schein, sein eigner Schatten macht ihm Pein; Er wandelt über grüne Saat und Gras und Keime früh und spat: Wo ist mein silberweißes Kleid? Mein Hut, mit Demantstaub beschneit? Er schämt sich wie ein Bettelmann, und läuft, was er nur laufen kann. Und hinterdrein scherzt Jung und Alt in Luft und Wasser, Feld und Wald; Der Kiebitz schreit, die Biene summt, der Kuckuck ruft, der Käfer brummt; Doch weil’s noch fehlt an Spott und Hohn, so quakt der Frosch vor Ostern schon.

Mein Garten von Matthias Claudius

Jeden Morgen in meinem Garten öffnen neue Blüten sich dem Tag. Überall ein heimliches Erwarten, das nun länger nicht mehr zögern mag. Die Lenzgestalt der Natur ist doch wunderschön, wenn der Dornbusch blüht und die Erde mit Gras und Blumen prangert.

Die schönste Zeit von Annette von Droste Hülshoff

Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein? Da grünt und blüht es weit und breit im goldenen Sonnenschein. Am Berghang schmilzt der letzte Schnee, das Bächlein rauscht zu Tal. Es grünt die Saat, es blinkt der See im Frühlingssonnenstrahl. Die Lerchen singen überall, die Amsel schlägt im Wald! Nun kommt die liebe Nachtigall und auch der Kuckuck bald. Nun jauchzet alles weit und breit, da stimmen froh wir ein: Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein?

Winter Ade! August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

So hört doch, was die Lerche singt! Hört, wie sie frohe Botschaft bringt! Es kommt auf goldnem Sonnenstrahl Der Frühling heim in unser Tal, Er streuet bunte Blumen aus und bringet Freud‘ in jedes Haus.         Winter, ade!         Frühling, juchhe! Was uns die liebe Lerche singt, in unsern Herzen wiederklingt. Der Winter sagt: ade! ade! Und hin ist Kälte, Reif und Schnee Und Nebel hin und Dunkelheit – Willkommen, süße Frühlingszeit!         Winter, ade!         Frühling, juchhe!

Im Herbst sammelte ich alle meine Sorgen und vergrub sie in meinem Garten. Als der Frühling wiederkehrte – im April – um die Erde zu heiraten da wuchsen in meinem Garten schöne Blumen.    Khalil Gibran

Ich werde nie zum Frühling sagen: Verzeihen Sie, Sie haben dort ein welkes Blatt! Oder zum Herbst: Nehmen Sie es ja nicht übel aber dieser Apfel ist nur zur Hälfte rot.    Friedrich Hebbel

Wolkenleuchten am Abend. Sonnig der Tag, kühl die Nacht. Haben wir heute alles vollbracht? Wie ist es wohl morgen? Wieder voll Sorgen? Sieh die Wolken, die immerzu ziehn, denen ist es egal, wohin wir fliehn. Betrachtest du das Licht, erkennst du dahinter die Zuversicht.

Annette von Droste Hülshoff beschreibt den Gsang der Lerche und für von Fallersleben ist das quiekende Schreien der Kibitze ein Frühlinszeichen. Wer kennt diese Gesänge heute noch? Wann haben wir diese Vogelarten bei uns zum letzten Male gehört oder gar gesehen? Ist es nicht beschämend für uns, dass man den Kiebitz nur noch in vor Menschen abgezäunten Gebieten, wie dem Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag bei Spöck, erleben kann?

Heimatliebe Kitsch und Gefühlsduselei? Heimat ist der Ort, an welchem wir leben und uns wohlfühlen, wo wir lieben und streiten. Wo wir Familie, Freunde und unseren Auslauf haben. Wo wir uns verwirklichen und einbringen können. Im folgenden Bild möchte ich euch beschreiben, was Heimat für mich bedeutet.

Bildbeschreibung. Als Schüler hatte ich im Deutschunterricht etliche Bildbeschreibungen anzufertigen und wusste eigentlich so gar nicht, was ich schreiben sollte. Das ist heute anders und deshalb bin ich froh, dass der gute Herr Glutsch nicht locker ließ. Was sehen wir? Wir sind in Leopoldshafen, beim Platz der katholischen Kirche. Die Felsenbirnen bei der Kirche blühen und verströmen den Duft von Frühling. Bienen fliegen emsig in den Kronen und sammeln Pollen und Nektar. Die Kirche als Herberge für die Gläubigen lädt ein zum Gottesdienst. Bald kommen die ersten Besucher, es ist Sonntag. Es findet sich eine Gemeinschaft. Spuren einer anderen Gemeinschaft entdecken wir am linken Bildrand in der Mitte. Es ist eine vom Seniorenbeirat initiierte Haltestelle mit einer Mitfahrbank. Das sind Menschen, die sich kümmern, sich für andere einsetzen. Im Vordergrund sehen wir die von der AG Umwelt errichtete Kräuterspirale, die jedermann beernten kann. Jedes Mal, wenn ich davor stehe, denke ich an Barbara, die in der Nähe wohnt und sich um die Pflege kümmert. Wir sehen das Hinweisschild zur Spirale, welches die Gemeinde Egg-Leo finanziert und gestellt hat. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs sind involviert und schauen nach, ob bewässert werden muss. Obwohl der Himmel grau ist und ein kühler Wind weht, friert mich nicht. Es ist ein Ort mit Zeichen und Symbolen von Menschen, die sich für andere einsetzen. Es ist ein Ort für Menschen. Wir haben viele solcher Plätze in unseren Orten. Das ist für mich Heimat. Und das gibt es überall. Heimat bedeutet angekommen zu sein und aufgenommen zu werden.

Ralf Schreck – Frühlingsfreund

Nachtrag

Diese Heimatgeschichte ist noch nicht zu Ende. Schaut mal, was mir Florian als Kommentar zu meinem Blogbeitrag geschickt hat. Ist das nicht ein sehr schönes Bekenntnis zum Thema? Das macht Mut. Eben komme ich vom Gottesdienst aus der evangelischen Kirche zurück. Gerhard und ich haben wieder einmal die Zeremonie filmisch festgehalten. Er ist jetzt gerade dabei mit den Schneidearbeiten und ab 15.00 Uhr wird es auf dem youtube Kanal der Kirche freigeschaltet. Jeder Gottesdienst ist besonders. Heute wurde der Opfer der Corona Pandemie gedacht. Pfarrer Boch findet jedes Mal dir richtigen Worte. Voller Trost, Zuspruch und Hoffnung. Und den Gerhard habe ich gestern bei meinem 5. Corona Test getroffen. Ich habe ihn kaum erkannt, so vermummt war er. Er hatte sich als freiwilliger Helfer beim Testen gemeldet. Auf meine Frage, wie er zu diesem Job gekommen sei, meinte er nur, Regine von der Gemeinde hätte gefragt wer helfen könnte. Ja, Regine vom Rathaus hat dort das größte Herz. Genau, das sind wir. Wir können nicht nur gut feiern, wir stehen auch parat, wenn es darauf ankommt. Wir haben viele solcher Menschen. Matthias, Florian, Gerhard, Regine, Mario und viele, viele andere, die aus demselben Holz geschnitzt sind. Und wir haben einen Wolfgang, aber das ist eine andere Geschichte.

Erst ein Vogel seiner klänge,
dann ein Rauschen der brandenden See.
Leichte Röte „sieh“ dort vorne,
am Horizonte sich erhebt.

Auch das Grüne in der Ferne
sich ins süße Lichte reckt.
Wo sich noch vor kurzer Weile
die Dunkelheit erstreckt.

Vorbei die dumpfe Kälte
denn der Goldmond wird nun wach.
Mit ihm Farbe spriesen, treiben
in jener weiten Pracht.

Frühjahrs Horizont
Florian Böhm

Pflanzen für Menschen und Insekten

Lust auf ein Umwelt Projekt? Dann seid ihr hier richtig.

Nachstehend möchte ich euch einige Pflanzen vorstellen, die sowohl Menschen, als auch Insekten erfreuen.

Lavendel

Der Lavendel – Lavandula angustifolia war in der Zeit meiner Baumschulgärtner Lehre eine Modepflanze. Eine Symbolpflanze für den Mittelmeerraum. Erinnerte er uns doch an die Urlaube in Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland. Sobald man ein kleines Blättchen von ihm zerrieb stieg einem der typische Lavendel Duft in die Nase und die Erinnerung an die schönsten Tage im Jahr waren wieder präsent. Setzen wir Pflanzen für die Sinne, freuen sich nicht nur die Wildbienen. Die schmal lanzettlichen Blätter sind grau filzig behaart. Dadurch sind sie an trocken heiße Standorte angepasst, weil die Verdunstungsrate reduziert ist. Die lila Blüten erscheinen im Juni bis Juli in endständigen Büscheln. Wer im Thai Restaurant beim Sportplatz des FC Alemannia im Juni im Biergarten saß, konnte einen Hummelschwarm beim Lavendel tanken beobachten. Lavendel können wir mit einem fachgerechten Schnitt für viele Jahre auf eine Höhe von 50 Zentimeter erziehen, bei einem Durchmesser von etwa einem Meter. Ohne Schnitt verholzt er, schiebt sich in die Höhe und fällt wegen Kopflastigkeit irgendwann um. Man findet dann recht skurrile Gestalten, die dadurch ihre Daseinsberichtigung begründen. Schmetterlinge, Schwebfliegen und zahlreiche Wildbienen treffen sich am Lavendel.

Katzenpfötchen

Das Rote Katzenpfötchen – Antennaria dioica `Rubra´ ist eine Polsterstaude, die ca. 10 cm hoch wird. Die rötlichen Blütenköpfchen erscheinen im Mai in katzenpfotenartigen Trugdolden, daher der Name. Diese mehrjährige Staude gedeiht am besten an sonnigen, trockenen und nährstoffarmen Standorten. Sandige Gartenerde oder ein extensives Dachgartensubstrat sind ideal. Dieses Antennaria ist eine gärtnerische Auslese der Wildart, die von Europa bis Asien vorkommt. Gartenpflanzen, die züchterisch noch wenig bearbeitet sind, werden von vielen heimischen Insekten als Nahrungsquelle für Nektar und Pollen geschätzt. Honig- und Wildbienen lassen sich dort sehr gut beobachten. Katzenpfötchen sind typische Steingartenpflanzen, die an solchen Standorten konkurrenzstark und deshalb sehr pflegeleicht sind.

Dachwurz

Die Hauswurz – Sempervivum ist eine sehr alte und beliebte Gartenpflanze. Die derben und immergrünen Rosetten sind eine wahre Augenweide. Es sind Hungerkünstler für trockene und heiße Standorte. Fugen, Schotter und Geröllflächen sind ihre Lieblingsplätze. Deshalb fühlen sie sich in Trögen, Schalen und Steingärten sehr wohl. Die Blüten erscheinen im Juni an ca. 10 cm hohen Stängeln, wo sie u.a. auch von Wildbienen besucht wird. Wer die filigranen Blüten betrachtet entdeckt, dass sich dort Wildbienen einfinden, die kaum einen halben Zentimeter groß sind. Mit der Dach- oder Hauswurz schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Die makellosen Rosetten schmeicheln unserem Auge und die Blüten sind eine wertvolle Labung für unsere heimischen Wildbienen.

Die beschrieben Pflanzen sind schön. Damit können wir eine kleine Fläche an einem heißen und trockenen Standort gestalten. Das ist wichtig, denn ein schattiger und feuchter Ort sagt ihnen nicht zu, das ist nicht das, wofür sie geschaffen sind. Das würde ihre Lebensdauer arg verkürzen. Für solche Standorte gibt es andere schöne Pflanzen, die ich später vorstellen möchte.

Wir nehmen die Leitpflanze (Lavendel) und gruppieren die Polsterstauden um ihn herum. In unserem Falle nehmen wir zwei Polsterstauden in je zwei Arten. Das Ergebnis ist eine kleine und feine Pflanzengemeinschaft, die aus fünf Pflanzen besteht. Das ist der Plan. Und weil das ein sehr schöner Plan ist, wollen wir ihn mit euch teilen. Die Idee hierzu ist zwei Sortimente mit je fünf Stauden zusammenzustellen, die interessant für Mensch und Wildbiene sind. Das eine Sortiment habe ich bereits vorgestellt, das andere ist in Vorbereitung. Es soll eine Aktion werden, bei der die beiden Sortimente an Interessenten verkauft werden. In der Öffentlichkeit wird diese Aktion beworben, wer Interesse hat, meldet sich verbindlich und an einem Aktionstag, wie z.B. dem Bauernmarkt oder an einem Umwelttag, erfolgt die Ausgabe. Vorausgesetzt Corona lässt das zu. Zur ersten Aktion stehen je 48 Sortimente zur Verfügung, also 96 Interessenten könnten zu Wildbienen Freunden werden. Sollte diese Aktion erfolgreich sein, könnte man weitere ins Leben rufen.

Niemand kauft „die Katze im Sack“, denn die vorgeschlagenen Pflanzen sind auf „Insektentauglichkeit“ getestet. Das zeigen auch meine Bilder.

Na, Lust bekommen etwas für die Biodiversität zu tun? Sollte diese Aktion zustande kommen, wird im Amtsblatt darüber berichtet.

Ralf Schreck – Aktivist für sinnvolle Umweltprojekte

Morgenspaziergang

… das gestern vor Augen, das morgen scheuend …

Manche Bilder ruhen solange, bis sie durch einen Gedanken wieder zum Leben erweckt werden. Deshalb gibt es heute einen Morgenspaziergang zur Obstanlage im Metzgerwörth in Eggenstein. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2011, 2014, 2015 und 2016. Auch wenn das Video zusammen geschnitten ist, so ist die enthaltene Romantik dort unten absolut zeitlos. Dasselbe gilt für die Gedichte von Olaf Lorch, welche im Band „Gedankengedichte“ aus dem Jahr 1984 enthalten sind. Auch wenn manches, was er schreibt, nicht „schön“ ist, so hat vieles an Aktualität nichts verloren.

Der Frühaufsteher wird in der Phase des Sonnenaufgangs mit wunderschönen Eindrücken belohnt. Klar, es kostet schon eine gewisse Überwindung am Wochenende früh aufzustehen. Aber einmal draußen, stelle ich mir jedes Mal die Frage, weshalb ich nicht schon letztes Wochenende hier war.

Dabei muss man gar nicht weit laufen. Es reicht sich mit einem Outdoor Stühlchen an einen Rand mit Aussicht zu setzen und dann einfach nur „Fern sehen“. Der Morgennebel mit dem diffusen Licht verwandelt und verzaubert die Landschaft. Jeden Moment sieht es anders aus. Die Bäume recken die Arme nach oben, strecken sich, machen sich lang und begrüßen den Morgen. Das Kronendach entlässt die ersten Strahlen. Vögel sind längst schon beim Morgenkonzert. Ein solches Erlebnis „macht etwas“ mit mir. Dies zu beschreiben ist schwer, man muss es selbst einmal erfahren.

Ein ganz besonderer Morgenspaziergang im Tiefgestade von Eggenstein.

… das gestern vor Augen, das morgen scheuend … Die Unbeschwertheit ist nicht mehr so grenzenlos wie vor Corona. Was wird morgen oder übermorgen sein? Was kommt denn noch alles auf uns zu? Gab es da nicht noch den Klimawandel und ein Artensterben?

Die leben da. Viele Blumen, Gänseblümchen, Wiesen Primel, Ziest und viele andere Pflanzen. Auch ein Imker hat dort seine Bienenstöcke aufgestellt. In der Dämmerung streichen Rehe umher.

So kennen wir diese Obstanlage. Die Metzgerwörthhütte sehen wir beim Vorbeifahren. Ebenso die große Kastanie, die in der Vollblüte am schönsten ist. Wenn man diese Streuobstwiese erkunden möchte, sollte man auf den Wegen bleiben. Alleine schon wegen der Zecken.

Ja, es gibt viel zu entdecken bei uns. Es bedarf meist nur etwas Phantasie und ein frühes Aufstehen.

Ralf Schreck – der_mit_der_Natur_spricht

Neues vom Baumsäger

oder küssen unter Misteln

Wir sind in Leopoldshafen unterhalb des Ortsrandes in der Obstallee beim Hammenweg. Es ist eine schöne Anlage. Die alten Bäume verleihen diesem Ort einen besonderen Charme. Betrachten wir diesen Lebensraum doch einmal genauer und unter verschiedenen Gesichtspunkten.

Der Spaziergänger sagt: „Hier kann ich schön wandern und die Jahreszeiten erleben.“ Die Hundefreundin sagt: „Hier kann ich mit meinem Hund spielen und ihn frei laufen lassen.“ Der Vogelfreund sagt: „Hier kann ich wunderbar Specht, Star, Meisen und Co. beobachten.“ Die Obstfreundin sagt: „Hier kann ich im Herbst die Erlaubnis einholen das Obst zu ernten, um Saft zu pressen.“ Die Jägerin sagt: „Es ist ein schönes Gelände hier und die malerische Obstbaumallee, welche an das Weidengebüsch grenzt ist Lebensraum für viele Tiere. Das Dickicht der Weiden ist eine wertvolle Kinderstube für Reh, Fasan und Co.“ Der Landwirt sagt: „Das war früher eine schöne Anlage. Jetzt gibt es so viele Misteln in den Kronen, die die Bäume schwächen. Das war früher anders. Da war im Herbst großes Interesse am Obst und es gab die beliebten Versteigerungen. Dann schwand die Wertschätzung am heimischen Streuobst, es gab weniger Fürsorge in der Pflege und weniger Druck von außen sich darum zu kümmern.“ Das Rathaus sagt; „Die Landschaft unten im Hammenweg prägt das Bild unserer Gemeinde. Durch Neupflanzungen und Pflegegänge sind wir bestrebt dieses Ambiente zu erhalten.“ Der mit der Natur spricht sagt: „Bringen wir doch alle Interessen unter einen Nenner. Denn wir alle sind am nachhaltigen Erhalt dieser Obstanlage interessiert.“

Wenn wir in dieser Obstallee lustwandeln fällt uns auf, dass es Bäume in den unterschiedlichsten Jahrgängen gibt. Frisch gepflanzte, junge aufstrebende, mittelalte, ganz alte, ehrwürdige, absterbende und tote Bäume. Diese Zusammensetzung ist gar nicht schlecht, es gibt einen Umlauf, es ist eine Nachhaltigkeit zu erkennen. Allerdings nützt es nichts jährlich neue Bäume zu pflanzen, wenn die Pflege, die Nachsorge für den Altbestand zu kurz kommt. Auffällig ist, dass es in vielen Kronen einen starken Befall mit Misteln gibt. Was sind eigentlich Misteln?

Die weißbeerige Mistel – Viscum album – ist ein immergrüner Ektoparasit auf den oberirdischen Teilen von Gehölzen. Misteln sind zweihäusig, es gibt rein weibliche und rein männliche Pflanzen. Die Bestäubung erfolgt durch Fliegen, die Ausbreitung durch Vögel. Das übernehmen bei uns hauptsächlich Häher, Spechte, Misteldrosseln, Mönchsgrasmücken und die selten bei uns durchziehenden Seidenschwänze. Dabei werden die klebrigen Samen mit Schnabel am Holz abgestreift oder sie werden unverdaut mit dem klebrigen Schleim ausgeschieden.

Der Keimling bildet eine Haftscheibe aus, von der ein sogenanntes Haustorium in das Holz eindringt und sich mit den Leitungsbahnen verbindet. Dem Baum werden Wasser und Nährsalze entzogen. Bei starkem Mistelbefall werden die Bäume geschwächt, manchmal auch zum Absterben gebracht. Unten im Hammenweg ist der Befallsdruck so groß, dass bereits junge Bäume befallen sind.

Misteln wachsen sehr langsam. Der Zuwachs beträgt nur ein Sprossglied im Jahr. Zweige mit einer Länge von 50 cm können 30 Jahre alt sein. Und solch große Exemplare gibt es dort zuhauf. Noch.

Nach und nach verschwinden die Misteln. Nicht überall und nicht alle, aber die meisten.

Der Baumsäger in Aktion …

Jammern war gestern. Ab sofort wird angepackt. Man sieht auch einzelne Jäger, die die Initiative ergriffen haben, und die Misteln entfernen. Es geht um den Erhalt des Kulturgutes Streuobstwiese. Dabei steht nicht nur die Obsternte im Vordergrund, sondern es geht um ein Ganzes, so wie zu Beginn beschrieben. Die Bäume in ihrer unterschiedlichen Altersstruktur sind Lebensraum zahlreicher Tiere. Auch die toten Bäume spielen dabei eine wichtige Rolle. Dass sie stehen bleiben dürfen ist ein Verdienst der AG Umwelt. Und dann gibt es noch die Initiative von Manfred, der mit seinen Löwen in Teilbereichen das Obst erntet, versaftet und den Erlös spendet. Alleine das ist schon ein Grund sich für nachhaltige Projekte einzusetzen.

Ralf Schreck – Baumsäger aus Leidenschaft

Heute schon gezählt?

Stunde der Wintervögel 2021

Vom 8. bis 10. Januar 2021 findet zum elften Mal die bundesweite „Stunde der Wintervögel“ statt: Der NABU und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) rufen Naturfreund*innen auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen.

Und dass die aktive Teilnahme an dieser Aktion grandiosen Spass macht, möchte ich euch nachfolgend zeigen. Ich zähle nicht nur zu den gewünschten Zählstunden, ich bin ständig am Zählen. Und für die kommende Aktion habe ich zählen lassen. Genau, denn meine Wildkamera zeichnet seit einigen Wochen das Treiben der Vögel am Futterhaus auf.

Das Zählen der Vögel ist eins, das Beobachten und Erforschen des Verhaltens der Gefiederten ist jedoch viel schöner. Denn nur wenn wir wissen wie die Vögel „ticken“, sind wir in der Lage sie zu fördern und zu schützen. Dieses Wissen ist natürlich auch von Vorteil, um die entsprechenden Aufnahmen zu machen. Denn ein Kernbeißer oder ein Eichelhäher wird sich nicht zeigen, wenn man sich zu offensichtlich im Garten aufhält. Doch hierzu später.

Nachstehend stelle ich euch die aktuellen Gartennutzer in Bildern und Videos vor. Im Bild erkennen wir die Einzigartigkeit und Schönheit unserer Singvögel, im Video erfahren wir etwas über ihre Lebensweise – wenn auch nur im Kleinen. Aber das weckt Neugierde und Liebe auf Natur und das ist die beste Voraussetzung sich dafür einzusetzen.

BLAUMEISE

Blaumeise – Cyanistes caeruleus
Gefiederte Gartenbewohner

KOHLMEISE

Kohlmeise – Parus major. Zu besseren Darstellung der Vögel werden auch Fotos aus früheren Jahren gezeigt.

Abenteuer im Kleingarten.

ROTKEHLCHEN

Rotkehlchen – Erithacus rubecula

Rotkehlchen auf dem Zweige hupft,
wipp, wipp,
hat sich ein Beerlein abgezupft,
knipp, knipp,
läßt sich zum klaren Bach hernieder,
tunkt’s Schnäblein ein und hebt es wieder,
stipp, stipp, stipp, stipp,
und schwingt sich wieder in den Flieder.

Es singt und piepst
ganz allerliebst,
zipp,zipp, zipp, zipp, tirili,
sich seine Abendmelodie,
steckt’s Köpfchen dann ins Federkleid
und schlummert bis zur Morgenzeit.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Auch Wilhelm Busch war ein guter Naturbeobachter.

EICHELHÄHER

Eichelhäher – Garrulus glandarius
Spannende Beobachtungen in unserem Kleingarten

HECKENBRAUNELLE

Heckenbraunelle – Prunella modularis
Heimlicher Gartenbewohner – die Heckenbraunelle

STAR

Mein Lieblingsvogel ist der Kernbeißer, auch wenn er sich dieses Jahr noch nicht gezeigt hat.

Lebensraum Kleingarten

Nun folgen weitere Vögel, die aktuell im Garten ein und ausfliegen. Die entsprechenden Videos werden nach und nach eingestellt.

WEITERE BEOBACHTUNGEN

Der Zaunkönig kommt nicht ans Futterhaus. Er findet seine Nahrung im Unterholz, am Teich oder am Ufer des Bachkanals.

Naturbeobachtungen im Garten. In den vergangenen Jahren beobachteten wir Grünfinken, Erlenzeisige, Feldsperlinge, Bergfinken, Bunt- und Mittelspecht, Kleiber, Kernbeißer, Elster, Krähe. Wer weiß was wir in den kommenden Wochen noch entdecken? Ab Mitte März wird es spannend, denn dann kommen die ersten Zugvögel zurück.

Abenteuer Natur im Garten. Na, Lust bekommen mitzumachen? Dann am Wochenende raus, zählen und dem Nabu melden.

Diese Serie wird fortgesetzt.

Ralf Schreck – der mit der Natur spricht

Neues vom Dachsbau

2019 gab es am Dachsbau interessante Beobachtungen. Etwas abseits vom Dauerbeobachtungsplatz entdeckte ich einen befahrenen Dachsbau. Dort wurde die Wildkamera montiert. In der folgenden Zusammenstellung erfahren wir einiges über das Leben der Dachse. Die Kamera erfasst einen Zeitraum vom 14. – 26. April. Danach war das Pärchen für die Kamera nicht mehr sichtbar. Die Geschichte geht jedoch weiter. Wie, das sehen wir im zweiten Video.

Aus dem Leben der Dachse.

Am 29. Mai tauchte ein junger Fuchs am Bau auf. Wie sich später herausstellte war es ein Wurf von vier Jungen. Offensichtlich hatten sie die weiter entfernt liegende Wurfhöhle verlassen und tummelten sich nun am aktuellen Beobachtungsplatz. In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai filmte die Kamera ein dramatisches Ereignis. Von Neugier getrieben erkundete ein Jungtier den Bau und wurde möglicherweise von einem Dachs angegriffen. Später kam die Fähe hinzu und zerrte ihren toten Schützling wieder ins Freie. Die Dachse wurden von der Kamera nicht mehr eingefangen. Allerdings sind die Bauanlagen in diesem Bereich sehr weitläufig und in diesem Labyrinth mit zahlreichen Ein- und Ausgängen versehen.

Was den meisten Menschen verschlossen bleibt, filmt die Kamera und das meist in der Nacht. Einzelne Fotos dokumentieren nur die Anwesenheit der dort lebenden Tiere. Erst die Zusammenstellung der Videos zeigt Ausschnitte des wahren Lebens der Schröcker Fauna.

Die Versorgungen der Füchse mit Nahrung erfolgte an anderer Stelle. Hier war nur ein temporärer Aufenthaltsort.

Am 30. Juni, frühs um 6.30 Uhr beobachtete ich die Fähe mit einem Jungtier auf der Streuobstwiese am Rheinniederungskanal. In ihrem Blick konnte ich sehen, dass sie mich erkannte.

Die Beobachtungen durch die stationäre Kamera sind eines. Das andere sind die Erlebnisse draußen in Echtzeit. Das Unerwartete, das Finden ohne zu suchen. Dieses Erleben eines Glücksgefühles hat Herbert Grönemeyer treffend beschrieben.

Der Tag ist alles außer gewöhnlich
Und leider gibt’s auch kein Problem
Ich sehe mir heute verdammt ähnlich
Und irgendwie finde ich das auch schön

Es hat genau die richtige Kühle
Aus einem Guss und bewundernswert
Es ist die Stille der Gefühle
Ein lauer Sommer, der durch mich fährt
Ein lauer Sommer, der durch mich fährt

Und du denkst, dein Herz schwappt dir über
Fühlst dich vom Sentiment überschwemmt
Es sind die einzigartigen tausendstel Momente
Das ist, was man Sekundenglück nennt …

Brennende Himmel, aufsteigende Nebel, stürzende Wolkengipfel, glühendes Morgenrot, explodierende Megawolken. Ist das die Reise in die Ewigkeit?

Das „sich hingezogen fühlen“ an bestimmte Orte führt zur Erkenntnis, wie verletzlich und angreifbar alles ist, wenn wir nur ausbeuten und zuwenig zurück geben. Mit der Schönheit unserer Landschaften können wir Menschen Natur nahe bringen. Natur Erlebnisse sind allgegenwärtig. Zu allen Jahreszeiten. Alleine das ist es wert, dass wir uns um unsere Natur kümmern.

Ralf Schreck – Natur Freund

Baden Württemberg blüht

Was ist eigentlich aus dem Wettbewerb „Baden-Württemberg blüht“ geworden? Wir erinnern uns. 2019 hatten wir – Gemeinde Egg-Leo, AG Umwelt, BUND Hardt, Lindenschule, Gemeinschaftsschule, SoLaWi, Forst, Landwirtschaft, Leobande, und andere am Wettbewerb teilgenommen. Es ging darum Umweltprojekte zu verwirklichen, die nachhaltig und für unser aller Gemeinwohl von Bedeutung sind.

Projekt 1 befasst sich mit der Pflege eines Orchideen Biotops. Hier hat sich Holger maßgeblich eingebracht. Sein Wissen um Vorkommen der einzelnen Pflanzen zielt auf eine Pflege, die diesen wertvollen Arten gerecht wird. In den vergangenen Wochen hat er in mühevoller Arbeit die Orchideen kartiert.
Seitdem die abgesprochenen Auslichtungsarbeiten begonnen wurden, stellten sich bereits erste Erfolge ein. Hier sind es Purpur Knabenkräuter.
Und hier ist es eine Waldhyazinthe.
Auf den sogenannten Kiesbrennen wachsen die schönsten Orchideen. Die Bienen Ragwurz ist nur eine davon. Ich kenne dort eine Schneise, wo vor Jahren 100e Weiße Waldvögelein wuchsen. Dieser Bestand ist mittlerweile durch aufkommendes Buschwerk unterdrückt. Sukzession nennt man das. Wird dort fachgerecht eingegriffen, kann man die Orchideen fördern, ohne dem Wald zu nahe zu treten. Es gibt viel zu tun, um die Vielfalt zu schützen.
Der Auenwald dort unten ist nicht nur eine botanische Fundgrube. Jetzt im Mai und Juni sind die Hirschkäfer aktiv. Diese stattlichen Männchen wurden vom Schwarzspecht „bearbeitet“.
Auch die Hirschkäfer Frau musste ihr Leben lassen. Vielleicht konnte sie zuvor ihre Eier an einer alten Eiche oder einen Obstbaum legen. Man beachte die großen Grabeschaufeln an den Vorderbeinen. Deren Larven brauchen für ihre Entwicklung im Holz und Mulm bis zu fünf Jahre, die Adulten leben nur 4-6 Wochen.
Der wars. Allerdings hat er kein schlechtes Gewissen, denn mit der fetten Beute füttert er seine eigene Brut.
Projekt 2 sollte die Anlage zweier Blühstreifen in der Lindenschule sein. Das Material hierzu wurde vom Gartencenter Heckert gesponsert und liegt bereit. Hier sind es die Blumensamen, die auch für weitere Projekte vorgesehen sind.
Und hier ist es die Blumenerde. Corona hat einige Projekte im Ablauf gestoppt, jedoch nicht verhindert. Vieles ist im Hintergrund weiter gelaufen oder hat neue Formen angenommen. Zeit und Geduld haben in den vergangenen Wochen eine neue Bedeutung bekommen.
Im Bürgerpark sind bereits im vergangenen Jahr vier Blühwiesen entstanden. Diese ist bei der Haltestelle Viermorgen und sollte eigentlich in Kürze bewässert werden, damit der publikumswirksame Blüheffekt noch eine Weile anhält.
Natternkopf, Witwenblumen und anderes aus der Veitshöchheimer Mischung sind am Blühen. Sichtbare Zeichen für das Beschreiten neuer Wege.
Projekt 4 beschreibt eine schrittweise Umstellung in Teilbereichen der Grünpflege von intensiv auf extensiv. Hier sehen wir eine Fläche in der Pforzheimer Straße.
Beim alten Rathaus in Leo gibt es eine weitere Ökowiese. Heimische Flora ist für heimische Insekten die bessere Wahl, als eine Blühmischung deren Zusammensetzung man nicht kennt.
Projekt 5 ist die Anlage weiterer Blüstreifen im Ort mit definiertem, also heimischen Saatgut. Der von der AG Umwelt empfohlene Botaniker wurde zu Rate gezogen. Auch bei der beschlossenen Umgestaltung des Kreisels in der Leopoldstraße war dessen Meinung gefragt. Die Abbildung zeigt die Situation in der Lenaustraße am 08.04.2020.
Das ist der Stand am 29.05.2020. Freuen wir uns auf die ersten Blüten.
Projekt 6 beschreibt den Schutz und Förderung von Wildbienen an den Hangflächen an der Unterführung Leopoldstraße. Wie man hier schön sehen kann, wird die Pflege der Flächen bereits abgestimmt. Der linke Bereich wurde gemäht, rechts nicht. Somit stehen weiterhin Nahrungspflanzen für die dort vorkommende Insektenwelt zur Verfügung.
Alle Projektflächen bedürfen Begang mit Beobachtungen. Nur mit einem aktuellen Wissenstand sind wir in der Lage auf Veränderungen zu reagieren. Die Grabwespen sind derzeit aktiv.
Projekt 7 befasst sich mit der ökologischen Wiesenpflege beim Rheinniederungskanal Leo. Auch hier greifen bereits die begonnenen Maßnahmen. Das betrifft sowohl die Wiesen- als auch die Baumpflege. Ein Teil der abgängigen Obstbäume wurde grodet, andere wurden „abgeklotzt“ und als Totholzgerüste für Baum- und Höhlenbewohner belassen. Die Neupflanzung der Hochstamm Obstbäume in regionalen Sorten wurde von Edeka Südwest gesponsert.
Wiese mit Orchidee. Das Mähen mit anschließender Heugewinnung, also Abtrag der Biomasse fördert den Artenreichtum.
Der Kuckuck lässt sich mit meiner Handpfeife anlocken. Heute kamen gleich drei dieser Brutparasiten vorbei. Welch ein eindrucksvolles Schauspiel.
Für mich persönlich ist dieser Projektbereich der schönste und interessanteste in Leo. Die Artenvielfalt ist beeindruckend. Wir haben auf einer relativ kleinen Fläche im Wörth inmitten einer Kulturlandschaft vielfältige Lebensräume mit einer noch großen Biodiversität.
Während die Dachse noch üben, gibt es schon junge Füchse am Wechsel.
Auch junge Rehböcke lassen sich blicken.
Weibchen der Plattbauch Libelle.
Projekt 8 betreut die Solidarische Landwirtschaft Egg mit dem Bau einer Totholzhecke auf ihrem Acker nähe Haltestelle Egg Süd. Die Materialien liegen bereit, der Bau wird gestartet, wenn man sich wieder regulär treffen darf.
Die SoLaWi macht Boden schonende Bearbeitung mit Pferd. Ein Aktionstag, um altes landwirtschaftliches Wissen zu vermitteln. Eine sehr gelungene Aktion.
Nur eines von insgesamt 11 Projekten des Wettbewerbes. Wir sehen, vieles läuft still im Hintergrund ab. Der Wettbewerb war der Anlass Dinge und Projekte neu anzupacken. In Richtung einer nachhaltigen Betrachtungs- und Vorgehensweise. Wie der Wettbewerb letzt endlich für uns ausgehen wird ist offen.
Projekt 9 ist die Anlage von Lerchenfenstern. Hier sieht man eine solches im Getreidefeld im Tiefgestade von Egg. Wir beschreiben und betreiben kleine und kleinste Projekte, die jedoch in ihrer Gesamtheit als Mosaik oder Puzzleteile ein Ganzes ergeben. Was alleine nicht erreicht werden kann, ist in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter möglich.
Projekt 10 ist die Fortsetzung der Vogelwohnraumaktionen der Gemeinschaftsschule, die wir seit 2015 betreuen.
Man erkennt belegte Kästen, auch sind schon weitere Bruten zu beobachten.
Projekt 11 ist die Weiterführung und der Ausbau der Umweltpädogik. Maßgeblich beteiligt sind die Aktiven der Leobande. In der Zwischenzeit haben sich daraus die Gruppe Europa Minigärtner gebildet. Auch hier hat Corona die Pläne durcheinander geworfen, jedoch sind bereits neue Projekte vorgesehen. Wir sehen hier das Kennenlerntreffen vom 07.03.2020.
Der Kuckucksrufer

Zurück zur Frage. Was ist aus dem Wettbewerb BaWü blüht geworden?

Fassen wir zusammen. Wir betreuen und bearbeiten 11 Projekte. Projekte, die vielfältig und richtungsweisend sind. Die Betreuer sind alle samt außergewöhnliche und von Leidenschaft geleitete Menschen, die sich in einer Gemeinschaft gefunden haben. Es gab unerwartete Begegnungen, aus denen sich neue Beziehungen entwickelten. Auch wenn Gemeinde, Forst, Landwirtschaft, AG Umwelt, BUND Hardt und die anderen Beteiligten unterschiedlich, bzw. mit anderen Schwerpunkten die Umweltthemen angehen, so ist es immer möglich gewesen einen Weg zu bestreiten, wenn alle versucht haben Gemeinsamkeiten zu finden und diese aufzugreifen. Daraus entstand eine Dynamik, die viele mitgerissen hat. Ein Ergebnis war die Vorbereitung für unseren Umwelttag, der dann wegen Corona nicht hat statt finden können. Das bisher erreichte ist in meinen Augen ein Preis, den man mit Geld nicht aufwiegen kann. Es ist ein ideeller Preis, welcher die Wertschätzung der Menschen für ihren Einsatzt der einzelnen Projekte würdigt.

Wie sich das Land Baden Württemberg entscheidet wissen wir nicht, aber wir werden berichten, wenn es soweit ist.

Ralf Schreck – der sich für Umwelt aktiv einsetzt, kurz Umwelt Aktivist

Weltbienentag

Neues von der Zaunrüben Sandbiene

Der Weltbienentag wird seit dem Jahr 2018 am 20. Mai gefeiert. An diesem Tag wurde 1734 der Pionier der modernen Imkerei, Anton Janscha geboren. Damit soll an die ökologische Bedeutung der Bienen für Mensch und Umwelt erinnert werden. Habt ihr das gewußt?

Was das für mich bedeutet möchte ich euch am „Zaunrüben Sandbienen Update“ erklären.

Das ist die Zaunrübe am Zaun des Pfarrgartens Boch in Leopoldshafen. Die Standorte in Leo sind mir bekannt. In der Blütezeit besuche ich diese Stellen, um festzustellen, ob Andrena florea bereits aktiv ist. Sie ist eine hoch spezialisierte Wildbienenart, die für die Verproviantierung ihrer unterirdischen Brutzellen auf Nektar und Pollen der Bryonia angewiesen ist.
05.05.2019 – Es ist eine männliche Pflanze, die Pollen und Nektar liefert.
19.10.2019 – Arbeitseinsatz im Pfarrgarten Boch. Der Garten hat in einem Wettbewerb des NABU einen Förderpreis erhalten, weil er ökologisch aufgewertet wird. Beim Arbeitseinsatz wurden unter anderem die kaputten Thujen gerodet und statt dessen eine Wildgehölzhecke gepflanzt. Dabei wurde ein Teil der bereits in Winterruhe befindlichen Zaunrübe freigelgt. Ein Stück davon habe ich mitgenommen, in einen Topf gepflanzt und auf dem Balkon überwintert.
28.03.2020 – Im rechten Topf sieht man, dass Bryonia dioica bereits ausgetrieben hat. Zeit sie in ein größeres Gefäß umzusetzen. Das große Graue gibt das neue Domizil.
Kaufen kann man die Zaunrübe nicht. Sie ist auch nicht die „Top“ Zierpflanze, aber heimisch und wild, das macht sie so unentbehrlich für die Andrena florea.

Wie eine Schlange kriecht der Trieb nach oben. Hat er eine Stütze erreicht, schlingen sich die Ranken durch diesen Berührungsreiz drum herum. Von wegen bewegungslose Pflanze! Der Zeitraffer macht es sichtbar.

Jetzt hat die Rote Zaunrübe ihren Platz erobert und die Andrena florea angelockt. Am 20.05 2020 herrscht reges Treiben und Schwirren.
Hier ist es ein Männchen, erkennbar an der weißen Kopfbürste. Die Art an sich erkennt man an den roten Hinterleibsringen.
Und hier ist es ein Weibchen, mit prall gefüllten Sammelbürsten an den Hinterbeinen.
Auch andere Wilbienen profitieren von der Zaunrübe.
Am getopften Schnittlauch findet die Hummel ihre Labung.
Wildbienen brauchen blühende Pflanzen während der gesamten Vegetationsperiode. Hier bei der Wiese beim ehemaligen Bahnhof Leopoldshafen lohnt es sich einmal etwas genauer umzusehen. Dort finden wir zahlreiche Insekten und können nebenbei das Farbenspiel der Blüten genießen.
Sieht aus wie ein Monet, ist aber ein Schreck.

Wir sehen, dass man mit wenigen Pflanzen auf wenigen Quadratmetern den bedrohten Wildbienen und anderen Insekten einen Nahrungsraum bieten kann. Im Garten kann man zudem in einer nicht intensiv bearbeiteten Fläche auch Nistraum bieten. Fördern wir heimische Pflanzen, fördern wir heimische Insekten. Betrachten wir die scheinbar wenig attraktiven Zaunrüben als Unkraut, bringen wir die Zaunrüben Sandbiene in Bedrängnis oder gar zum Aussterben.

Kleine bunte und unversiegelte Flächen hier und da, auf Balkonen, Gärten, Pflanzinseln, usw. bilden ein Mosaik, sind Schrittsteine zu vielen erreichbaren Nahrungs- und Nisträumen unserer bedrohten heimischen Fauna und Flora.

Belassen wir es nicht mit stummen Aufschreien, sondern handeln wir jetzt und heute!

Nehmen wir uns ein Beispiel am Kirchgartenteam der evangelischen Kirche Leopoldshafen. Die haben dort wertvolle Arbeit zur Bewahrung der Schöpfung geleistet. Beim nächsten Gang zum Friedhof nehmt ihr den seitlichen Ausgang beim Pfarrhaus und werft einen neugierigen Blick in den Garten. Die ersten Früchte dieser Tätigkeiten kann man erkennen. Wer genau beobachtet, findet im Bereich der Hecke auch die Zaunrübe.

Ralf Schreck – Wildbienen Freund