Bewahrung der Schöpfung

Für Dagmar

Bewahrung der Schöpfung

Umweltthemen wie Klimaveränderung und Biodiversitätsverlust prägen unseren Alltag. Wir haben nur eine Erde. Dieser einen Erde sind wir ausgeliefert. Das ist unser Schicksal. Wir können ihr nicht entfliehen, wenn wir unsere Lebensgrundlagen und die unserer Mitgeschöpfe zerstören. Ergibt sich aus der Tatsache, dass unsere Erde ein Geschenk ist für alle nicht eine Verpflichtung, diese für die Zukunft zu erhalten? Beispiele für diese Verantwortung gibt es in unserer Gemeinde zuhauf. Denken wir an das Kirchgartenteam, welches den Garten der evangelischen Kirche pflegt. Oder die Umweltgruppe, die die Kräuterspirale bei der katholischen Kirche errichtet hat. Beides sind Gärten des Lebens von allen für alle! Beim Umwelttag der Gemeinde am 21. März finden sich weitere Gruppen, die an verschiedenen Stationen diesen Gedanken weitertragen. Gewiss, manches benötigt einen kleinen Schubser, aber bisher haben sich immer Vorbilder gefunden.

In der biblischen Schöpfungsgeschichte können wir lesen, dass Gott dem Menschen, als dem Ebenbild Gottes den Auftrag gibt, – wie Luther übersetzt – „sich die Erde untertan zu machen und über die Tiere zu herrschen.“ Zu verstehen ist dieser Satz nicht wörtlich, sondern in der Weise, dass der Mensch sich seinen Lebensraum mit den Geschöpfen teilen, schützen und fürsorglich umgehen soll. In unserer Gemeinde gibt es viele, die das nicht nur genauso sehen, sondern sich auch dafür einbringen.

Da ist an erster Stelle Pia, die auch noch ganz andere Sachen für andere macht.

Da ist an erster Stelle Holger, der für andere seine Überzeugung kundtut.

Da ist an erster Stelle Friedhelm, der unendliche Ideen für andere hat.

Da ist an erster Stelle Gila, die Natur verteidigt und sich nebenbei für soziale Projekten einbringt.

Da ist an erster Stelle Edwin, der nie nein sagt, wenn man ihn um etwas bittet.

Da ist an erster Stelle Regine, die alle Fäden bündelt und zu einem großen Ganzen vereint.

Da ist an erster Stelle Barbara, die neben Familie food sharing und das Reparaturcafé betreibt.

Da ist an erster Stelle Tatjana, die mit der Leobande und ihren Ideen unsere Natur- Kulturlandschaft bereichert.

Da ist an erster Stelle Rolf, der seine Visionen für eine bessere und blumigere Welt verwirklicht.

Da ist an erster Stelle Florian, der mit seiner Vicky trotz vieler Widerstände die SoLaWi zum Leben erweckt hat.

Da ist an erster Stelle Manfred, der mit seiner Überzeugungskraft die Menschen erreicht.

Da ist an erster Stelle Robert, der nie müde wird mir seine Ideen zu nennen.

Da ist an erster Stelle Katja, die die erforderlichen Wege bereitet.

Da ist an erster Stelle Angela, die mir regelmäßig Schubser gibt.

Da ist an erster Stelle Klaus, der nicht müde wird seine Schüler zu begeistern.

Da ist an erster Stelle Kristina, die das ganz genauso macht.

Da ist an erster Stelle Uwe, der mir in der Straba mit Rat zur Seite steht.

Da ist an erster Stelle Doris, die meine Enttäuschungen teilt und mir Halt gibt.

Da ist an erster Stelle Uwe, der meinem Rat vertaut und mir neue Horizonte öffnet.

Das sind noch längst nicht alle. Das sind alles Wegbereiter und Wegbegleiter. Das alles sind Bewahrer der Schöpfung. Wie vielfältig sie alle sind!

Ralf Schreck – Naturfreund

Der Baum der Weisen

Der Baum der Weisen

Eigentlich heißt er Ortskartell- und Handwerker- und Gewerbeverein Baum. Klingt vollständig aber auch umständlich. Seit Dezember 2019 steht er wieder am angestammten Platz bei der evangelischen Kirche in Eggenstein. Es ist bereits der Zweite, denn der Ursprüngliche aus Douglasienholz musste aus Sicherheitsgründen ersetzt werden. Der Neue ist aus Metall und für eine kleine Ewigkeit gedacht.

Ein buntes Schmuckstück beim einladenden Vorplatz der Kirche an der Hauptstraße. Beim Aufstellen des ersten Baumes am 13.06.2015 war ich dabei. Beim Aufstellen des metallenen Baumes jedoch nicht. Bedeutungsvoll ist seine Anwesenheit. Weshalb? Der genaue Beobachter erkennt beim Lesen der Wappen die Symbolik dieses Baumes. An den 12 Seitenästen befinden sich insgesamt 88 Wappenschilder. Es sind die traditionellen Handwerker und Gewerbesymbole, die Logos unserer Vereine, sowie auch die anderer Organisationen. Manches erschließt sich nicht auf Anhieb. Aber diese Flaggen stehen für alles, was unsere Dorfgemeinschaft ausmacht. Vieles wird verständlich, wenn man die Menschen kennt, die hinter jedem einzelnen Wappen stehen.

Ziemlich weit oben wird ein Wappen von einer roten Blume geziert. Es ist das Schild der Gesangesgruppe Belcanto. Eine schöne Blume steht für schönen Gesang. Beim Adventssingen eben an diesem Ort konnte man sich davon überzeugen. Eine dieser Sängerinnen ist Pia. Nebenbei ist Pia Gemeinderätin und Bürgermeisterstellvertreterin. In diesem Ehrenamt leitet sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Geschicke unserer Gemeinde. Kultur und Lokalpolitik.

Plötzlich werde ich angesprochen. Ich bemerke es nicht gleich, weil ich beim Fokussieren des nächsten Details bin. Es ist Shorty. Er kommt gerade von der Lindenschule, weil er dort für die kommende Übung noch seine Ortskenntnisse vertiefen wollte. Ja, auch unsere Feuerwehr hat eine Stelle am Baum. Mehr als 150 Jahre ist sie in unseren Orten schon aktiv. Im Einsatz für uns. Auch die Feuerwehr betätigt sich kulturell, hat sie doch im Landkreis den größten und aktivsten Spielmannszug. Seit vergangenem Jahr ist auch Doris dabei und bringt sich für eine schöne Sache ein.

Es lohnt sich die Dinge zu erforschen und zu hinterfragen. Dabei kommen spannende Geschichten zutage und wir lernen interessante Menschen kennen, die Verantwortung übernehmen und sich in vorbildlicher Weise für unser aller Gemeinwohl einsetzen. Sei es in Kultur, Sport, Politik oder sonst wo. Hinter jedem Symbol an diesem Baum stehen Menschen, die zusammen genommen in ihrer großen Vielfalt wertvolles für die Dorfgemeinschaft leisten.

„Um Sitte und Brauchtum zu erhalten, hat man mich hier hergestellt. Zur Freude der Jungen und der Alten, zur Besinnlichkeit mahnend auf der Welt.“ So ist es auf der goldenen Tafel am Stamm zu lesen. Betrachten wir unser Leben tatsächlich mit mehr Besinnlichkeit, hätten wir bessere Lösungsansätze für viele unserer Probleme und es gebe weniger Fake News.

Ralf Schreck – Freund des schönen Gesanges

Dezembergrau

Im Nebel des Lebens

Im Nebel sieht man oft mehr, als man zu erkennen glaubt. Noch war es hell, doch ich ahnte, dass sich bald die richtige Atmosphäre einstellen würde. Zu erwarten war es nicht, denn von der Eiszeit dröhnte Discomusik und der besorgte Mann am Mikro erinnerte ständig daran, dass die ausgeliehenen Eisbären nach 90 Minuten abzugeben sind. Die größere Hektik spielte sich auf der Kaiserstraße ab und im benachbarten Weihnachtsmarkt. Dem Gedränge der Menschen, dem Duft von Bratwurst, Pommes und Co. blieb ich fern und begab mich zum Schlossplatz.

Sobald ich den fast menschenleeren Platz betrat zogen mich die kahlen Bäume in ihren Bann. Das trübselige Dezembergrau verwandelte sich mit zunehmender Dämmerung in eine Zauberlandschaft. Mit fortschreitender Dunkelheit erstrahlte ein warmes Licht die graue Nebellandschaft. Die illuminierten Linden verliehen diesem Anbild eine feierliche Note. Urplötzlich begann die Last des Alltags, die erlebten Enttäuschungen, die nicht bewältigten Erlebnisse und Sorgen, der vergangenen Wochen und Monate von mir abzufallen. Die Bedrücktheit und Sorgen, die wie Ketten schnüren, waren für kurze Zeit vergessen. Dabei fiel mir das Gedicht des deutschen Lyrikers Cäsar Fleischlen ein.

Graue Tage

Es ist mitunter,
als wären alle Fäden abgeschnitten…
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum,

und du dir selbst ein fremder Traum…

…als käme nie die Sonne wieder,
als klänge nie ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf…

und plötzlich flimmert’s durch die Wolken
und plötzlich trifft ein Klang ans Ohr
und leise fliegt auf goldenem Flügel
ein Schmetterling am Weg empor!

Den Schmetterling hatte ich am Nachmittag tatsächlich gesehen. Es war ein Admiral, der vom milden Wetter aus seiner bereits begonnenen Winterruhe hervorkam.

Allen meinen Freunden, Lesern, Followern, Kritikern, ob Frau oder Mann, wünsche ich Frohe Weihnachten und alles Gute fürs Neue Jahr 2020. Mit zunehmendem Alter rückt Gesundheit in den Vordergrund, deshalb wünsche ich euch das auch. Mit Kraft, Freude und Leidenschaft lassen sich die meisten Projekte angehen. Es bleibt auch die Erkenntnis, dass es nicht für alles eine Lösung gibt und unser Leben endlich ist.

Aufgeben ist keine Option, es gibt aber auch einen Zeitpunkt, an dem man loslassen muss …

Ralf Schreck – Freund der Vielfalt

Im Wörth 2

Im Wörth 2

Meine Touren an den Wochenenden sind auch geprägt von Gegensätzen. Es ist nicht nur das Erleben und Entdecken der Natur, es ist auch das Entdecken des Lebens mit all seinen Facetten.

Da stehe ich sprachlos am alten Obstbaum, der in der Nacht zuvor die Hälfte seiner Krone verloren hat. Das Geäst ist wie ein Flussdelta, wie ein Adernnetz, welches bald versiegen wird. Darunter sehe ich aus wie ein kleines Würstchen. Selbst der sterbende Baum fasziniert, weil er eine gewisse Würde ausstrahlt.

Hundert Meter weiter bleibe ich erneut stehen, als ich die Container Anlage „Im Wörth 2“ erreiche. Auch hier spüre ich eine Ausstrahlung, die mich einige Zeit verweilen lässt.

Ja, unsere Gemeinde kümmert sich. Kümmert sich, damit niemand obdachlos sein muss.

Auf der Homepage unserer Gemeinde ist folgendes zu lesen: „Obdachlos gewordene Personen haben das Recht sich bei der Gemeinde obdachlos zu melden und eine Unterbringung zu beantragen. Nicht immer steht der Gemeinde sofort geeigneter Wohnraum zur Verfügung, der auf Dauer überlassen werden kann. So kann es notwendig werden obdachlos gewordene Personen in eine Obdachlosenunterkunft einzuweisen.

Bei der Obdachlosenunterbringung handelt es sich um eine zeitlich begrenzte Notunterbringung. In diesem Zeitraum hat die obdachlos gewordene Person die Verpflichtung sich eine neue Wohnung zu suchen.

Da es sich bei der Obdachlosenunterbringung nicht um eine Wohnraumüberlassung im eigentlichen Sinne handelt, also kein Mietvertrag zustande kommt, tritt kein Mietrecht ein. Die Kosten der Unterbringung werden von der untergebrachten Person als Nutzungsentschädigung erhoben.“

Nein, dort ist es nicht wie Camping.

Ja, dort wird gewohnt. Ja, dort gibt es auch Spielsachen.

Dort unten im Wörth herrscht eine eigenartige Ordnung. Die Wohncontainer stehen akkurat nebeneinander, genauso wie die landwirtschaftlichen Anhänger, die Altglasbehälter oder die Touristenbusse. Die Bewohner müssen ihre eigene Ordnung finden, damit ihr Aufenthalt dort unten ein temporärer ist. In der Ferne fällt der Blick auf die Hochhäuser der Mannheimer Straße. Dort oben, wie hier unten leben Menschen. Menschen mit persönlichen Schicksalen. Mit unterschiedlichen Schicksalen. Und doch gehören alle zu uns.

Ja, die Gemeinde kümmert sich. Eine von zahlreichen Aufgaben, der sich unsere Gemeinde widmet. Wichtige Aufgaben, deren Erfüllung unseren Respekt verdienen.

Ralf Schreck – der auch in einer Unordnung eine Ordnung sieht

 

Der kleine Zaunkönig

Der kleine Zaunkönig

Bevor die Fahrt begann, besuchte ich noch einmal unseren Kleingarten in Eggenstein, um Kraft zu tanken. Für zehn Minuten das Gartengrün und die Andersartigkeit des kleinen Paradiesgärtleins dort unten zu erleben. Fasziniert hielt ich inne, als plötzlich die jungen Zaunkönige aufflogen. Ein Küken landete verdutzt auf meinem Arm, um sich nach wenigen Momenten auf Nachbars Kirschenbaum in Sicherheit zu bringen. Junges Leben wurde in die Welt entlassen.

Es war eine lange Fahrt und wir redeten nicht viel. Es war eine bedrückende Stille. Innerlich angespannt, weil wir nicht wussten was uns erwartete. Nach einigen Stunden erreichten wir Ostfriesland und unser erstes Ziel war Martha. Als ich die Kirche betrat und sie von der Ferne sah, fiel eine Last von mir. Sie sah aus als würde sie schlafen. Ihr Gesicht entspannt und wie sie so da lag strahlte sie eine würdevolle Ruhe aus. Wir sahen, sie hatte es gut. Unsere Ängste waren unbegründet. Martha ist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Wir konnten Abschied nehmen und uns unserer Trauer hingeben. Ein altes Leben hat die Welt verlassen.

Es gab zwei Trauerfeiern für Martha. Eine in Ostfriesland und die Bestattungsfeier in Leopoldshafen, die Dr. Kendel begleitete. Daran nahmen auch unsere Söhne teil. Beide Feiern waren stimmig und wichtig für den Abschied. Abschied nehmen können ist eine Gnade. Und jedes Mal, wenn ich einen Zaunkönig sehe, denke ich an Martha.

Ralf Schreck

 

Schönes Eggenstein-Leopoldshafen

Wohlfühlen in Vielfalt

Wer meint unsere Doppelgemeinde zu kennen, der schaut sich mal die folgenden Bilder an. Schönheit und Vielfalt an allen Ecken. Schönes, beschauliches aber auch nachdenkliches ist zu entdecken. Fast wie im richtigen Leben. Es sind kurze Ausschnitte der vergangenen beiden Monate. Und es lässt sich ständig neues entdecken.

Ralf Schreck – Entdecker

Glück

Den Einfachen

Das Glück verschließt sich den Planern und Rechnern, den Strategen und Dauerkämpfern. Es schenkt sich den Einfachen, den Bescheidenen, den Selbstgenügsamen, deren Seele kein Parcours des Ehrgeizes, sondern eine Blumenwiese ist, die ihren Sinn und Zweck in sich selbst hat.

So schreibt Hans Kruppa. Und recht hat er. Solche Gedanken kommen mir in den Sinn, wenn ich draußen bin, nach nichts suche und alles finde. Und ich muss gar nicht weit gehen, um alles zu finden. Hinterm Friedhofsmäuerchen beginnt das Gedankenglück. Auch hinterm Penny, im Wörth ist es sichtbar. Glaubt ihr nicht? Dinge einfach einmal von einer anderen Seite, von einem anderen Standpunkt betrachten und sich dann einfach treiben lassen.

Ralf Schreck – Glücksfinder

Hasen Klage

Hasenklage

Der Landwirt sagt: Es ist ein kaltes Frühjahr. Ich nehme mehr Folie, um die Böden zu erwärmen. Dann kann ich den Spargel früher ernten und erziele höhere Preise. Durch den Einsatz von Vliesen und Folien habe ich Einfluss auf den Ernteverlauf und die Preise. Das gibt Sicherheit. Ich biete Arbeit für zahlreiche Landarbeiter. Ich schone Ressourcen, ich erzeuge regional. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Im Dorfladen kann ich vieles anbieten. Die Menschen haben kurze Wege. Auch die alten.

Der Hase sagt: Wo soll ich wohnen?

Der Landwirt sagt: Geht in die Fläche gegenüber des Spöcker Weges. Dort gibt es Wiesen und den Waldrand. Oder geht in die Wiese beim Sportplatzweg.

Der Hase sagt: Die Fläche gegenüber des Spöcker Weges gibt Bauland, die Wiese beim Sportplatzweg ist Hundeklo. Früher gab es kein Plastik auf den Feldern. Es gab mehr Hecken, Wiesen und Knicks. Dann kamen die Betriebswirtschaftler und haben die Flurbereinigung erfunden. Und unser Lebensraum wurde immer kleiner. In der aktuellen Hasen BNN steht, dass die Landwirte jetzt Geld erhalten, wenn sie wieder Ackerrandstreifen für Rebhuhn und Co. anlegen, die sie seiner Zeit entfernt haben. Logisch?

Der Gemeinderat sagt: Wir müssen Bauland ausweisen, damit unsere Kinder und Enkel auch die Möglichkeit haben lebenswerten Wohnraum zu erhalten. Als Ausgleichsmaßnahme bauen wir eine Wildbrücke, damit die Hasen darüber entkommen können. Oder wir machen im Bürgerpark eine Hasenauffangstation, falls die Strommasten nicht wegkommen.

Der Spaziergänger sagt: Schaut mal, dort liegt noch Schnee. Aber nein, es ist doch Frühling, das kann nicht sein? Plastik bis zum Horizont? Wollten wir nicht Plastik fasten? Wir müssen heute noch Oma besuchen. Sie wohnt schon so lange alleine in ihrem großen Haus.

Der Hase sagt zur Häsin: Komm, wir gehen ins Wirtshaus und lassen uns auf die Speisekarte setzen. Unsere Kinder geben wir ins Museum.

Die Oma sagt: Schön, dass ihr mich besucht. Es ist Frühling und ich würde so gerne wieder einmal heimischen Spargel essen. Vorher schauen wir uns das Neubaugebiet an. Ach, wenn es dort ein Mehrgenerationenhaus gebe, bezahlbare Wohnungen für meine Freundinnen, die nicht so viel Rente haben. Dann noch ein kleines Café. Dann könnte ich vom Wohnzimmer die Hasen am Waldrand beobachten.

Der Sohn des Bewohners im fertig gestellten Neubaugebiet sagt: Papa, was ist ein Hase? Ich soll bis Mittwoch in der Schule eine Beschreibung abgeben.

Papa sagt: Komm wir gehen ins Museum. Dort gibt es ausgestopfte. Also fuhren Sie ins Museum. Natürlich mit dem Elektroauto. Einem 600 PS Porsche.

Oma sagt: Schaut mal, auf der Speisekarte gibt es regionalen Hasenbraten.

Der Sohn sagt: Ich wusste gar nicht, dass es hier noch Hasen gibt?

Ziemlich überspitzt? Diese Geschichte ist nur fast erfunden. „Den Schuldigen“ kann ich nicht bestimmen. Bieten wir unseren Landwirten faire Bedingungen? Bieten wir den Neubürgern faire Baugebiete? Bieten wir der Natur einen fairen Ausgleich?  Müssen wir alles mittragen? Müssen wir alles in Geld bewerten? Ethik, Moral, Verantwortung. Nur Fremdworte? Es gibt höhere Ziele.

Geben wir uns mit diesen Umständen zufrieden? Wenn wir nicht beginnen unser Verhalten und unsere Vorgehensweisen zu ändern, werden nicht nur die Hasen verschwinden.

Ralf Schreck – hat für vieles eine Erklärung aber Lösungen können wir nur alle gemeinsam finden.

 

 

 

 

 

Bewahrung der Schöpfung

Werner

Kennen gelernt haben wir uns am 26. Januar 2013 in Forst beim Naturdenkmal Schelmenlache. Das war mein erster Einsatz bei der Pflege eines Naturgebietes. Neugierig war ich, weil ich wissen wollte wie „die“ das machen. Es war ein kalter Tag aber gefroren hat keiner. Wir haben ausgeholzt und das Kleinbiotop wiederhergerichtet. Die Gruppe war eingespielt, ich war neu. Sofort war ich integriert. Schon beim ersten Mal erlebte ich eine Gemeinschaft, wie ich sie sonst nur bei unserer Feuerwehr kenne.

Werner hat ein Talent auf Menschen zuzugehen und sie für eine Sache zu begeistern. Es ist ja schließlich unser aller Natur. Der BUND Bruhrain arbeitet mit Menschen der Lebenshilfe Bruchsal zusammen. Später beim Einsatz im Kohlplattenschlag haben die Lebenshilfler mich eingelernt. Es sind feine Menschen. Die packen an ohne zu murren. Von denen habe ich mir einiges abgeschaut. Werner hat die BUND Gruppe als großes Vorbild gestaltet. Das hat mich besonders beeindruckt. Zahlreiche Naturgebiete im Bruhrain werden seit vielen Jahren in tollen Arbeitseinsätzen gepflegt. 2013 bis 2015 war ich bei etlichen Pflegegängen dabei. Dann kamen die Einsätze für die Film AG in Eggenstein-Leopoldshafen und ich hatte weniger Zeit. Durch den abonnierten Newsletter habe ich immer mitbekommen, was gerade aktuell war. Neidisch war ich, weil „die“ das hinkriegen und wir in unserer Gemeinde nicht. Naturschutz ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. (Oder doch?). Nein, es gibt ihn überall. Dort eben ein bisschen mehr und hier eben ein bisschen weniger.

Es fiel mir leicht mich für Werners Ideale zu begeistern und mich selbst einzubringen. So luden wir die BUND Jugend 2015 zu einer Naturführung nach Eggenstein und hielt in Werners Garage für die Kids einen Vortrag. Auch beim JUNA Camp im Sommer 2014 hat es großen Spaß gemacht dabei zu sein.

Werner ist gestorben.

Am 21. Dezember 2017 ist er Heim gegangen. Das hat mich getroffen. Werner war für mich Vorbild und ein wichtiger Weggefährte. Die Art und Weise, wie er sich für seine Ideale einsetzte, die letztendlich uns alle angehen, war mehr als hervorragend. Das ist prägend und bestärkt mich meinen eigenen Weg weiter zu bestreiten.

Nachvollziehen kann man das nur, wenn man selbst einmal bei den BUND Menschen in einem Arbeitseinsatz dabei war. Ich besitze den Luxus über freie Zeit zu verfügen. Ein kostbares Gut. Und dieses werde ich auch weiterhin für Sinnvolles einsetzen. Während andere in der Flüchtlingskrise noch diskutiert haben, hatte Werner bereits Pläne diese Menschen für unsere Natur einzusetzen. Und er tat es. Soziales Engagement und Naturschutz, Wertschätzung unserer Schöpfung. Das macht gute Menschen aus.

2014 hat Werner mit seinem BUND den Kreisumweltschutzpreis gewonnen. Wir hatten ihn 2008 erhalten. Naturschutz verbindet. Naturschützer sind besondere Menschen.

Danke Werner

 

Kunst im Dorf

Kunst im Dorf

So nah war ich den hölzernen Skulpturen von Angela noch nie. Derzeit lagern sie im Betriebshof des heimischen Landschaftsgärtners. So wie sie jetzt da liegen strahlen sie Würde aus. Im Gegenlicht glaubt man schlafende Personen zu erkennen. Es ist eine vorüber gehende Zwischenstation, bis der oder die endgültigen Standorte gefunden sind. Eigentlich war es beschlossene Sache, dass diese Skulpturen auf dem Leopoldshafener Friedhof kommen. Eine Unterschriftensammlung gegen diese Aufstellung hat den Gemeinderat in seiner letzten Sitzung veranlasst den seiner Zeit gefassten Beschluss auszusetzen. Jetzt wird erneut diskutiert mit dem Ziel umsetzbare andere Standorte zu realisieren.

Weshalb soll Kunst nicht auf einen Friedhof passen? Die Motivation der Gegner muss sich mir nicht erschließen. Einen Bezug der Skulpturen zum Friedhof kann ich jedoch erkennen. Einstmals lebendige Stämme wurden künstlerisch bearbeitet und auf diese Weise wieder zum Leben erweckt. Jeder Stamm ist individuell, ein Unikat, wie ein jedes Leben. Die großen Bäume auf unserem Friedhof beschirmen die Friedhofsgänger, die ihre Verstorbenen besuchen. Jedes Grab hat einen Stein mit dem die Gegangenen gewürdigt werden. Ein Denkmal. Einige davon sind ebenfalls künstlerisch bearbeitet und mit Symbolen behaftet.

Was bedeutet uns Kunst? Was ist sie uns wert? Damit meine ich nicht den monetären Wert. Wollen wir Kunst? Kunst ist spannend. Kunst gefällt oder gefällt nicht. Künstler sind spannend. Sie sehen die Welt mit anderen Augen. Sie blicken in die Illusion, in die Vergangenheit, in die Zukunft. Künstler schaffen unbeschreibliches indem sie ihre Fantasien ausleben. Das ist eine Kultur, das ist eine Chance.

Auf jeden Fall ist jetzt eine Diskussion entstanden. Wir sollen uns damit beschäftigen und realisierbare Standorte empfehlen. Warum erstellen wir nicht ein Konzept, in welchem viele heimische Künstler eingebunden sind? Warum gibt es bei uns keinen Kunstweg? Verbinden wir doch die bereits vorhandenen Kunstwerke und Kulturdenkmale im Ort mit neuen Werken an neuen Standorten? Berichten wir darüber und bieten wir Kunstführungen an, dann werten wir dieses Thema auf. Information schafft Vertrauen und Zustimmung. Entsprechende Standorte können gefunden werden, wenn diese vorbereitet werden. Unser Bürgerpark ist derzeit zu anonym, fast nur noch eine Hundewiese und vom Vandalismus bedroht. Nur das bemalte ENBW Haus ist seit Jahren unversehrt. Das Flusspferd beim vernachlässigten Teich wird nicht mehr wahr genommen. Eine Belebung des Parks gab es bei den großartigen Kinderfesten. Machen wir mehr daraus? Unsere Senioren wünschen sich einen „Mehrgenerationen Fitnessparcour“. Den könnte man dort errichten?

Eine Stunde bin ich durch Leo geradelt und habe nach weiteren Standorten für Kunst und Kultur gesucht. Bin ich fündig geworden? Geht doch mal zum Einkaufszentrum und seht die Pflanzfläche in der Mitte an. Dort könnte man eine Skulptur oder gar eine Nisthilfe für Wildbienen (die in einem Projekt mit Kindern entstehen könnte) aufstellen? Oder weiter hinten am Platz des Narrenbrunnens? Beide Orte sind von wachsamen Nachbarn umgeben. Was ist mit der Fläche am ehemaligen Bahnhof Leopoldshafen? Oder beim evangelischen Gemeindehaus? Dort gibt es eine umzäunte Rasenfläche. Die evangelische Kirche ist Kunst erprobt, gibt es doch den bemalten Stromkasten und die ebenfalls in einem Konfirmandenprojekt künstlerisch gestalteten Stühle bei der Kirche. Die katholische Kirche muss nicht zurück stehen, denn dort gibt es auch Möglichkeiten. Und in dezenter Form könnte man dann auch den Friedhof nutzen? Das sind nur einige Beispiele. Wir können nach Sinn suchen oder wir geben den Sinn! Nein sagen wäre zu einfach. Lösungen sind gefragt. Wer macht mit? Vielleicht findet sich ja auch ein privater Vorgarten?

Ein spannendes Thema. Beeindruckend war auch, dass der Gemeinderat die Unterschriftenaktion, bzw. den Bürgerwillen ernst nimmt und diese Diskussion angeregt hat. Es wird dann neu beraten und es wird einen Beschluss geben.  Machen wir was daraus?

Ralf Schreck – lösungsorientiert und offen für vieles