Grenzenlos

30 Jahre Wiedervereinigung

Das Bewusstsein für Geschichte entstand während der Zeit als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr. Die Schule konnte mir das nicht vermitteln. Erst ein Besuch im November 1979 im Rahmen des politischen Unterrichtes der Bundeswehr zur Grenzanlage der DDR nahe Hünfeld beeinflusste mein Denken.

Zehn Jahre später, im November 1989 fiel die Berliner Mauer und die Wiedervereinigung bahnte sich an. Jetzt im August 2019 machen wir Urlaub in der Rhön und besuchen das Deutsch-deutsche Freilandmuseum Behrungen und stehen plötzlich inmitten des ehemaligen Todesstreifens und den Relikten der Grenzbefestigungen der damaligen DDR. Beim Betrachten des Geländes verlieren wir nicht viele Worte. Der Wachturm, der Zaun, die Panzersperren, das geräumte Minenfeld, alles spricht für sich. Ein Menschen verachtendes Bollwerk. Es hat ausgedient.

Aus Geschichte müssen wir lernen und ein solches Mahnmal darf nicht vergessen werden. 2019 jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal und darüber wird berichtet werden. Außer uns waren an diesem Tag nur zwei weitere Besucher da. Ein Reporter von Bayern 1 Radio war mit einem Zeitzeugen vor Ort, um Material zu sammeln für seine Wanderung entlang des Grünen Bandes. Wir kamen ins Gespräch und waren uns einig über unsere Betroffenheit. Der Zeitzeuge aus dem Osten und der Zeitzeuge aus dem Westen redeten grenzenlos über die Vergangenheit. Bereits 1979 war mir klar, dass „die da drüben“ nicht meine Feinde sind.

Es war ein erlebnisreicher Ausflug und Radio Bayern 1 Studio Unterfranken wird darüber berichten.

Ralf Schreck – der aus Geschichte lernt und sich für Geschichte einsetzt

Erlebte Ortsgeschichte

Erfolgreiche Ortsgeschichte

 

Die Agenda Gruppe Ortsgeschichte blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Zahlreiche Veranstaltungen bereicherten unser Dorfleben. So gab es im Januar in der Rheinhalle die Veranstaltung zum 200-jährigen Rheindurchstich von Tulla, im Mai gab es beim Pamina Tag die beliebten Führungen mit der Fähre Sophie und per Rad in die Umgebung. Im evangelischen Gemeindesaal war Filmvorführung mit Michael Martin und Spiel und Spass mit der Leobande. Im Juli wurde beim Museumsfest der renovierte Dr. Esser Brunnen eingeweiht, beim Schröcker Dorffeschd war die AG Ortsgeschichte einbezogen, im Herbst folgten die sehenswerten Filmvorführungen und der Abschluss im Dezember fand beim Nikolausfest im und am Schröcker Heimatmuseum statt. Unser Bautrupp half bei der Renovierung des Waghäuschens, ein historisches Plumpsklo entstand, der Maulbeerbaum im Bürgerpark wurde im heißen Sommer gegossen und, und, und. Diese Aktionen waren nur möglich durch Unterstützung unserer Gemeinde, den Sponsoren und den zahlreichen Helferinnen und Helfer, die sich freiwillig in vielfältiger Art und Weise eingebracht haben. Auffällig war, dass die einzelnen Aktionen erfolgreicher waren, wenn auch andere Gruppen außerhalb der Ortsgeschichte beteiligt waren. Zu nennen sind unter anderem die Alden Bumbln, die Vogelfreunde, die Grabbeschnawwel, die Leobande, die Agenda Gruppe Umwelt, die Freiwillige Feuerwehr. Innerhalb dieser Gruppen gibt es zahlreiche Berührungspunkte, die man erkennen und zusammenführen kann. Ist das nicht eine herrliche Vielfalt, sozusagen unser gelebtes Gemeinde Motto, Wohlfühlen in Vielfalt? Dafür sagen wir Danke! Danke sagen wir der interessierten Bevölkerung, die mit dem Besuchen unserer Veranstaltungen und unserer Museen ebenfalls zum Erfolg beigetragen haben. Danke auch Frau Karb, die uns einen Tropfenfänger für die neue Kaffee-Kultur Ausstellung im Heimatmuseum geschenkt hat. Wir wünschen allen eine Frohe Weihnacht und alles Gute fürs Neue Jahr 2019. Mit dem gleichen Schwung beginnen wir bereits am 3. Januar 2019 die erste Veranstaltung aus unserer Filmreihe „Zurück gespult“ und zeigen den Film zum Jubiläumsumzug zur 1250 Jahrfeier von Michael Martin.

 

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Ortsgeschichte

 

Vieles spielt sich im Hintergrund ab. Am Samstag abend, auf dem Weg zu Bruno haben wir Wolfgang gesehen, wie er gerade die Museumstüre abgeschlossen hat. Vorletzte Arbeiten an der neuen Sonderausstellung? Der Museumsbautrupp hat fast unbemerkt das Waghäusel renoviert. Aber nur fast, denn man konnte es im Amtsblatt lesen. Genau, über solche Aktionen müssen wir berichten, zeigen sie doch, wie wertvoll sie sind für ein aktives Gemeinschaftsleben. Für mich sind das die Helden des Alltags. Nebend der Ortsgeschichte gibt es die Umweltgruppe, den Seniorenbeirat und viele andere Gruppen, die sich ebenfalls aktiv fürs Gemeinwohl einsetzen. Es geht uns gut. Wir leiden keine Not, leben seit vielen Jahren in einer Demokratie. Demokratie ist verletzlich und keine Selbstverständlichkeit. Wir sehen und lesen das tagtäglich in den Medien. Mit dem Einsatz der Menschen in den einzelnen Gruppen und Vereinen leisten wir einen wichtigen Beitrag für ein faires, lebens und liebenswertes Miteinander. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

Allen meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine Frohe Weihnacht und alles Gute fürs Neue Jahr 2019.

 

Ehrenamt

Internationaler Tag des Ehrenamtes

Der Internationale Tag des Ehrenamtes ist ein jährlich am 5. Dezember abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements. Er wurde 1985 von der UN beschlossen. Dies ist die Definition. Was wäre eine Gesellschaft ohne Uneigennutz, ohne Altruismus, ohne Ehrenamt? Das gewisse Etwas mehr zu tun als gefordert, das I-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen. Zwei sehr schöne Beispiele ehrenamtliches Engagement bei uns zu erleben sind das Adventssingen in Eggenstein am kommenden Sonntag, dem 2. Advent und der Nikolaustag in Leopoldshafen, der bereits samstags startet und ebenfalls am Sonntag besucht werden kann. Adventssingen organisiert unser tatkräftiges Ortskartell, der Nikolaustag wird von der AG Ortsgeschichte verantwortet. Unsere Schröcker Feuerwehr wird sich dieses Jahr verstärkt beim Nikolaustag einbringen und neben Mistel und Plätzchenverkauf durch die Jugendfeuerwehr auch Speisen und Getränke anbieten. Das kleine Nebengebäude beim Heimatmuseum war früher das Feuerwehrgerätehaus. Wenn das nicht passt! Genießen wir die gemütliche und familiäre Atmosphäre beider Veranstaltungen und lassen uns auf die Weihnacht einstimmen. Singen wir mit oder hören einfach nur zu. Treffen wir neue und alte Bekannte. Auch die Mitstreiter der AG Umwelt werden am Samstag wieder vor Ort sein und über vergangene und neue Projekte reden. Wäre es nicht nett sich beim Besuch beider Veranstaltungen bei all den Freiwilligen und Ehrenamtlichen für deren Einsatz und Tun zu bedanken? Das Schöne am Ehrenamt ist, dass es jeder kann. Man muss es nicht lernen, man kann einfach mitmachen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Es beginnt mit Zustimmung, mit Wertschätzung. Der Rest kommt von allein. Und man bekommt unendlich viel zurück.

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Ortsgeschichte

 

Volkstrauertag

Auf Spurensuche 100 Jahre Erster Weltkrieg in Eggenstein und Leopoldshafen

RhMF22 – 1917 – Dusseldorf, das sind Gravierungen am Boden einer metallenen Blumenvase. Braun metallisch, etwa 22 cm hoch und 8 cm im Durchmesser. Die Oberfläche ist bearbeitet und der Künstler hat eine stilisierte Eiche mit Laub und Eicheln heraus gepunzt. Das passt zu einer Vase. Beim näheren Betrachten erkennt man weitere Verzierungen. 1914 – Romagne – 1918 ist zu lesen. Ein Souvenir als Andenken an Romagne in Frankreich aus dem Ersten Weltkrieg. RhMF steht für Rheinische Munitionsfabrik Düsseldorf und diese Vase ist die Hülse einer abgefeuerten Artillerie Granate, die Menschen zerfetzte. Produziert 1917. Der Künstler war mein Opa Franz Wöppel. Als Bauschlosser fiel es ihm leicht eine solche „Grabenkunst“ zu schaffen. Es gibt eine zweite Vase und einen Aschenbecher für seine Zigarren. Zum Glück gibt es mehr, denn Franz hat den Ersten Weltkrieg überlebt. Er war Sanitätssoldat, wurde mit der Bayerischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, weil er seinen verletzten Unteroffizier aus dem Schlachtfeld barg. Obwohl er verwundet wurde, kam er vom Krieg nach Hause. Nie habe ich ihn über die Erlebnisse aus dieser grausamen Zeit reden hören. Diese Zeit hat ihn gezeichnet, ebenso die in der Heimat verbliebenen Familien, deren Väter und Großväter auf den Schlachtfeldern blieben. Eine solche Spurensuche ist auch Thema am Volkstrauertag, am Sonntag 18.11.2018, welches in einer Gedenkfeier in der Friedhofskapelle Leopoldshafen gewürdigt wird. Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag und gehört zu den sogenannten stillen Tagen. Er wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen. Nehmen wir uns deshalb die Zeit, besuchen wir diese Gedenkveranstaltung, denn Gewalt, Krieg, Vertreibung, Hass, Fake News, Egoismus, sind ganz aktuelle Themen, denen wir uns annehmen müssen.

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Ortsgeschichte

Franz hat seine Kriegserlebnisse mit ins Grab genommen. Was blieb sind seine Sanitätsschürze, ein Mehrweg Spritzenset, seine Auszeichnungen, der Entlassungsschein, sowie die umgearbeiteten Granatenhülsen. Dieser Krieg hat ihn gezeichnet, dass er Lehren daraus gezogen hat, erkennt man daran, was er aus seinem Leben gemacht hat. Darüber werde ich an anderer Stelle berichten.

Herbstlicher Spaziergang

Herbstliche Fotoausstellung

Glücklich können sich die „Draußen Menschen“ schätzen, denn die erleben gerade einen farbenprächtigen Herbst. Es könnte genauso auch grau, trüb, nass, kalt und trist sein. Noch ist es einfach wunderschön. Dann ist Herbst wie Frühling. Jeden Tag gibt es Veränderungen, jeden Tag entdecken wir neue Farben und Formen. Bei wolkenlosem blauem Himmel leuchten die Farben der Blätter und Blüten besonders schön. Die knallig roten Roten Ahorne im Bürgerpark leuchten mit den gelben Pappeln am Schröcker Baggersee um die Wette. Bunte Früchte an den Wildsträuchern, ruhiges braun in der Gründung Wiese und beim abgeernteten Maisfeld. Selbst im Friedhof erleben wir prächtige Lichtspiele. Man muss gar nicht alles beschreiben, man muss nur raus gehen und sich treiben lassen. Schnell verfliegen alle Ängste und Sorgen und die Seele lebt auf. Vieles gibt es zu entdecken. Ja, man kann sowohl im Ort, als auch im nahen Umland eine Vielfalt an schönen Szenen erleben. Das müsste man eigentlich mit anderen teilen. Machen wir auch. Die Agenda Gruppe Ortsgeschichte organisierte am vergangenen Sonntag eine geführte Radtour zur sehenswerten Orten der Geschichte, Kultur und Natur. Dabei konnte man allerlei erleben. Nicht nur interessant für Geschichts- und Naturfreunde. Das wäre auch etwas für Fotofreunde.

Ralf Schreck – Herbst Freund

 

Die Eggensteiner Schleiereulen

In deinem Haus bin ich gern

Die Schleiereulen im Turm der Evangelischen Kirche von Eggenstein.

Der Turm der Evangelischen Kirche in Eggenstein ist schon eine imposante Erscheinung. Die erste Nachricht einer Kirche stammt aus einem Schriftstück des Bischofs von Speyer aus dem Jahr 1160. Zwischen 1460 und 1480 wurde diese erste Kirche baufällig und man entschloss sich für einen Neubau. Ein großer Teil der Grundmauern wurde mitverwendet. Im Laufe der Jahrhunderte gab es mehrere An- und Umbauten, bis zum heutigen Zustand der Kirche.

Im Inneren gibt es unter anderem verschiedene eingemauerte Grabplatten zum Gedenken früherer Pfarrer. Die älteste stammt aus dem Jahr 1538 und erinnert an Bruder Johannes Wester. Beachtenswert ist, dass diese Grabplatte noch erhalten ist und man sie bei Einführung der Reformation nicht zerstört hat.

Kommen wir zurück zum Turm. Der NABU Deutschland bemüht sich seit Jahren in unseren Dörfern Nistplätze für Schleiereulen einzurichten. Hier arbeiten die Kirchen Hand in Hand mit dem Naturschutz. Es benötigt eine Kombination aus eulenfreundlichem Gebäude und einer zur Mäusejagd tauglichen Landschaft, die mit wenigen Schwingen Schlägen erreichbar ist. Beides haben wir und das ergibt spannende Beobachtungen.

Wir bekamen den Hinweis, dass die diesjährige Brut erfolgreich war. Aus ursprünglich fünf Eiern entwickelten sich vier Schleiereulen und der erste Ausflug stand kurz bevor. Am 8. August um 22.00 Uhr nahmen wir unseren Beobachtungsstand am Kirchplatz ein. Bald vernahmen wir das typische Zischen der Eulen, dann kam ein Altvogel lautlos heran geflogen mit einer erbeuteten Maus. Sofort erschienen die Jungen, versammelten sich auf den Lamellen des Kirchenfensters und eines übernahm die Beute. Welch ein Anblick! Eine halbe Stunde später startete eine Jungeule zu ihrem ersten Flug, landete kurz auf dem Dach des Kirchenschiffes, hob wieder ab und machte es sich auf dem Ziffernblatt der Turmuhr gemütlich.

Die Anwesenheit von Eulen war uns bereits bekannt. Im Januar 2009 entdeckten wir in unserem Kleingarten unterhalb der Kirche Speiballen einer Eule. Das sind die unverdaulichen Reste, wie Haare, Federn, Knochen, Teile von Insekten, usw. Wenn man ein solches Gewölle mit einer Pinzette auseinander macht, kommen diese Teile zum Vorschein. Wir fanden kleine Knochen und Schädelteile von Spitz- und Feldmaus. Das waren sichere Hinweise auf Eulen, denn die Gewölle von Bussard und Falke enthalten aufgrund stärkerer Magensäure kaum Knochen, sondern überwiegend Haare von Mäusefellen und Federn von Vögeln.

In deinem Haus bin ich gern. Ein schönes Beispiel zur Bewahrung der Schöpfung.

 

Ralf Schreck – Eulen Freund

Fotos: RMS – Ralf Schreck – KUe – Karl Ueberle

 

 

Leopoldshafen

Leopoldshafen

Unser Dorf liegt auf einer zum Rhein vorgeschobenen Landzunge des Hochgestades, gegenüber dem ähnlich gelegenen pfälzischen Dorfe Leimersheim, 12 Kilometer nordwestlich von der badischen Landeshauptstadt Karlsruhe entfernt. Die südliche Nachbargemeinde ist Eggenstein, während Linkenheim gegen Norden an die Dorfgemarkung angrenzt. Im Osten hält der dunkle Hardtwald die Nachbarschaft. Dem Beschauer bietet sich vom Dorfe aus nicht nur ein herrlicher Fernblick auf den Wasgenwald und das Hardtgebirge jenseits des Rheins, sondern auch die diesseitigen lauen Schwarzwaldberge bei Ettlingen und Baden-Baden. Das Dorf selbst und seine weite Gemarkung schenkt jedem Besucher, der Freude an der Natur und am dörflichen Leben hat, eine Menge bleibender Eindrücke. Die schmucken und sauberen Häuser der Dorfstraßen, die biederen Menschen in ungezwungener Natürlichkeit und Freundlichkeit, die idyllischen Altwasser, die lichtgrünen Rheinwaldungen mit schattigen Wegen und verschlungenen Pfaden, der still ruhende Rheinhafen mit seinem klaren, fischreichen Wassern, der ewig schaffende, rastlose, in wuchtigen Dämmen gehaltene Rhein, die Fähre mit schaukelnden Nachen – dies alles, umschlossen vom Himmel und den Wäldern der Hardt, bildet wahrlich eine einzigartige reiche Welt! Diese kostbare Perle im Kranze der badischen Hardt- und Rheinorte ist mein Heimatort, mein Leopoldshafen! Du Heimat! Dein Name ist mir ein Zauberwort. Der Kindheitstage entstehen wieder, wenn ich dich sehe und deinen Namen vernehme! Ich erblicke in der Ferne dein Bild und grüße dich mit beschwingten Worten:

O, wie ist so lieb mein Dörfchen,

So ganz anders als die Stadt!

Klein und einfach sind die Häuschen

Hier, im Schmuck von Baum und Blatt.

 

Mit dem Pfluge, mit der Hacke

Schafft der Bauer auf dem Land:

Rüben, Tabak, Frucht, Kartoffeln

Pflanzt er gern mit fleiß`ger Hand.

 

Hühner picken, Tauben girren,

Pferde wiehern laut im Stall,

Und des Morgens in der Frühe

Hört man schon den Peitschenknall!

 

Pferd` und Kühe ziehn die Straßen`

Mit dem Wagen da entlang –

Doch des Tages Last und Mühe

Wird umrahmt von Sang und Klang.

 

Wie ich dich doch innig liebe,

Kleine Welt am großen Rhein,

Immer zieht aus weiter Ferne

Meine Seele bei dir ein!

 

Nein, das stammt nicht aus meiner Feder. Das sind die Worte unseres Ehrenbürgers Stephan Karl Vomberg (03.11.1877 – 03.05.1947). Zur Jahrhundertfeier der Namensgebung Leopoldshafen 1933 wurde von ihm das Buch „Leopoldshafen am Rhein – Heimatbuch in Wort und Bild“ verfasst, herausgegeben und finanziert. Stephan Karl Vomberg hat sich um die Gemeinde Leopoldshafen verdient gemacht.

Das schöne an diesen Worten ist, dass man sie, wenn man „Freude an der Natur und am dörflichen Leben hat“, heute immer noch nachvollziehen kann! Diese Beschreibungen und Erlebnisse findet man auch in den Bildern, Gemälden und Fotografien der Herren Bayer, Dürr, Stern, Ueberle. Wenn wir respektvoll und mit Verantwortung mit unserer Heimat umgehen, können wir solche Erlebnisse auch unseren Enkeln erfahrbar machen. Manche Dinge und Geschichten, die das Leben schreibt scheinen zeitlos zu sein? Ist das nicht schön?

Die neueren Fotos stammen von Lukas und mir.

Ralf Schreck – Schröck Freund

Als die Straßenbahn nach Leopoldshafen kam

Tillmann, sein Bruder, Papa und ich

Der 13. Dezember 1986 war ein denkwürdiger Tag. Es war ein Samstag, ein kalter Tag. Es war der Tag, als die Straßenbahn nach Leopoldshafen kam. Endlich bekamen wir Anschluss an den Rest der Welt. Viele Menschen säumten die Haltestelle Leopoldstraße.

Als erstes füllen sich die Plätze am Fenster in Fahrtrichtung. Danach die gegenüberliegenden nicht am Fenster und nicht in Fahrtrichtung liegenden. Das ändert sich jedoch von Haltestelle zu Haltestelle. Irgendwann sind dann alle Sitze besetzt. Man möchte für sich sein. Man blickt sich nicht an. Viele sind noch verschlafen und übermüdet (bis auf einen!), die meisten mümmeln still vor sich hin, viele holen ihre Kopfhörer heraus, deren Kabel zunächst entwurstelt und dann in die Audiobuchse gesteckt werden. Viele hören Musik und oder tüpfeln mit ihren Freunden im world wide Web und tauschen mehr oder wenig wichtige News aus. Ganz wenige telefonieren richtig. Spannend wird es, wenn in Hörstärke gesprochen wird, dann kommt etwas Leben in die Bahn. Wir sind im Januar 2018.

Die erste Bahn 1986 hatte ein schönes Blumengebinde am Bug. Feierlich wurde sie begrüßt. Es gab ein kleines Zelt, in welchem es Getränke gab. Vermutlich Glühwein, denn es war kalt. Es war wie auf einem Volksfest.

Ich sitze in Fahrtrichtung am Fenster. Eine junge Schülerin kommt und setzt sich mir schräg gegenüber entgegen der Fahrtrichtung. Nach einer Weile kramt sie aus ihrem Rucksack ihre Vesperbox hervor. Beim Öffnen sehe ich, dass das „Hauptvesper“ nicht ganz verdrückt wurde. Ich denke, dass ist mir auch schon passiert. Da war ein Geburtstag im Büro mit viel Kuchen. Der hatte dann eben die höhere Priorität. Sie holte einen verpackten Minikeks heraus, entfernte das Papier, hielt den Keks mit ihren beiden kleinen Händen mir entgegen und fragte mich, ob ich die eine Hälfte haben wollte, weil ich sie so angeschaut habe. Da war ich beeindruckt sprachlos und stammelte, dass ich kurz vor dem Abendessen nicht mehr naschen dürfe. Aber sie solle ihn ruhig essen, denn es ist ja nur ein kleiner Keks.

Auf den Fotos von Karl Ueberle spiegelt sich die Volksfest Atmosphäre wider. Ein großes Vorhaben nahm einen weiteren Schritt. Noch endete die Bahn in Schröck. Die Linkenheimer mussten noch einige Zeit auf den Anschluss warten.

Der alte Herr ist bereits vor mir da. Würdevoll bescheiden sitzt er auf der kalten Bank und wartet auf die Bahn. Ab dem zweiten Tag begrüße ich ihn und er grüßt zurück. Er ist einer der wenigen, den ich gelegentlich auf dem Rückweg abends in der Bahn sehe.

Ein Geschwisterpärchen setzt sich mir gegenüber. Beide löffeln genüsslich ein Eis, welches sie aus einer amerikanischen fast Food Kette in der Nähe der Bahn gekauft haben. Die kleine Schwester meinte, Mensch ist das lecker mit dem Schokoüberzug. Sie war schneller fertig als ihre große Schwester und wollte aufstehen, um den Becher im Bahn Abfallbehälter zu entsorgen. Doch die große meinte, sie solle noch warten, bis ihr Becher ebenfalls leer ist, dann könnte sie den auch gleich mitnehmen. Gesagt getan. Als sie wieder am Platz war kramte sie in ihrem Rucksack, bis die große fragte, was suchst du eigentlich? Meine Handschuhe! Sie fror. Man zieht doch drinnen keine Handschuhe an, die sind für draußen! Es gab auch keine Handschuhe im Rucksack. So nahm sie fröstelnd wieder Platz. Ich sah sie an und sagte sie hätte doch ein heißes Eis kaufen können. Da lachte die große Schwester und meinte, es gab auch warme Apfeltaschen. Beim Klinikum meinte die kleine, ob sie nicht aussteigen und die Oma besuchen sollen. Die große meinte, wir fragen Mama wann es gut sei Oma zu besuchen, denn wir kennen die Krankenstation nicht.

Ich schaue aus dem Fenster und betrachte die vorbeiziehende Landschaft. Die Scheibe ist zerkratzt. Wer macht denn so etwas? Was ist das für eine Wertschätzung? Die Gegenbahn nähert sich. Die Fahrer grüßen sich. Mit Handzeichen oder dem Blinker. Das gefällt mir. Die Fahrer nimmt man gar nicht wahr, lediglich bei der Einfahrt zur Haltestelle sind sie sichtbar. Dabei sind sie doch die wichtigsten Hauptdarsteller. Abgeschottet in ihren Kabinchen sorgen sie für gute Fahrt tagein, tagaus.

Ab Haus Betlehem kommt Leben in die Bahn. Tillmann, sein Bruder und Papa steigen ein. Nicht immer ab fast täglich. Tillmann ist der lebendigste aller Fahrgäste. Er ist in dem Alter, in dem man gerade den ersten Zahnwechsel durchmacht. Seine hohe und feine Stimme erfüllt die Bahn mit seinen Geschichten bis in den hintersten Winkel. Herrenstraße, da dürfen nur Herren einsteigen. Alle hören das aber niemand ermahnt ihn. Er wird beobachtet, manche schmunzeln, obwohl er die Etikette in der Bahn verletzt. Seine Spontanität ist faszinierend und ich frage mich, weshalb diese Eigenschaft bei vielen Menschen irgendwann aufhört. Papa begleitet seine Söhne zur Schule. Er nimmt es gelassen, auch wenn es wie Flöhe hüten aussieht.

Die ältere Dame mit Rollator bereitet sich bereits eine Haltestelle vor ihrer Endstation aufs Aussteigen vor. Sie weiß, dass sie langsam ist und ihren Ausstieg nicht verpassen möchte. Ich habe die Situation erkannt und möchte ihr helfen. Da kommt mir das junge Mädchen, das ihr gegenüber sitzt zuvor und bietet ihre Hilfe an. Es folgen schöne Gesten der Hilfsbereitschaft und die junge Dame geleitet die ältere sicher nach draußen. An einem anderen Tag beobachte ich, wie ein junger Mann einem älteren seinen Platz anbietet. Dann kommen beide ins Gespräch und die gegenseitige Wertschätzung flutet das Abteil.

Wer täglich zur selben Zeit fährt lernt die Stammgäste kennen und man kann anhand der einsteigenden Passagiere die erreichte Haltestelle erkennen. Am Spöcker Weg ist es der, den ich vom Sehen kenne, am Bahnhof Eggenstein sind es die Studenten, die in der City aussteigen, einen Kaffee trinken und später zum KIT weiterfahren. In Eggenstein Süd ist es die Frau, die jeden Morgen verschlafen ist. Beim Adolf Ehrmann Bad in Neureut ist es das Bad Girl. Das steht auf ihrer Mütze drauf. Sie schaut aber auch immer sehr cool aus und macht der Mütze alle Ehre. Nach 14 Tagen hatte sie eine neue. Mit Herzchen drauf. Da war ich kurz irritiert. Es gibt auch einen Fläzer, der sichtlich unzufrieden mit der Bahn fährt. Er kommt jeden Morgen zu spät, springt in die Bahn und fläzt sich auf zwei Sitze, sodass niemand mehr neben ihm sitzen kann. Es ist eine interessante Welt in der Straßenbahn. Kurzweilige Erlebnisse aber ich bin täglich zwei Stunden unterwegs. Bahn fahren ist eine Alternative, wenn auch eine Zeit aufwändige. Zwei Tage, nachdem meine Monatskarte beendet war stand das neue Auto vor der Türe. Der Weg zur Arbeit war zeitlich wieder kürzer, es blieb mehr Zeit für anderes übrig. Auch fürs Ehrenamt.

Es war eine interessante und erlebnisreiche Zeit und ich habe gar nicht alle Ereignisse erzählt. Doch ich war froh, dass die Straßenbahn seit 1986 Leopoldshafen erreicht.

Fotos der ersten Straßenbahn von Karl Ueberle, Rest von RMS.

Ralf Schreck – der mit der Bahn tanzt

 

 

Denkmale unserer Heimat

Denkmale unserer Heimat

Auf dieser Seite möchte ich einige unserer steinernen Zeitzeugen der Geschichte vorstellen. Grenzsteine, Hochwassermarken, Denkmale, Brunnen, Waschplätze und andere. Mein digitales Archiv gibt es seit 2003 und konnte etliche Beiträge für die Zusammenstellung liefern. Es ist schon erstaunlich was sich in unserer Gemeinde entdecken lässt. Nicht alle Denkmale erklären sich von selbst. Jedes einzelne hat seine Geschichte, die wenigsten davon sind mir bekannt. Dennoch besuche ich diese Kleinode immer wieder bei meinen Rundgängen im Ort und in Wald und Flur. Es gibt bestimmt noch mehr, die irgendwo versteckt an unseren Gemarkungsgrenzen im Wald stehen. 2003 hatten wir bei einer Radtour im Rheinwald Leopoldshafen einen Sandstein fotografiert, den ich seitdem nicht mehr gefunden habe. Nachdem ich Friedhelm um Auskunft bat, fand ich diesen Stein im Hardtwald von Linkenheim bei der heutigen Tour wieder. Dennoch gibt es noch versteckte Steine im Wald. Unsere Jäger könnten doch noch einige Tipps geben? Vielleicht hat jemand auch noch alte Fotografien von früheren Standorten?

Ralf Schreck – Heimat Freund

 

Tabak

Tabak

Wir alle wissen, Rauchen ist schädlich. Mein Opa Franz hat Zigarren geraucht. Immer. Und wenn er einmal nicht rauchte, war er krank. Wenn dann meine Oma Otti sagte, er hat sich gerade eine Zigarre angezündet, dann wussten alle, dass er wieder gesund war. So war das. An den Zigarrenduft kann ich mich erinnern. Irgendwie fein und süßlich, gar nicht unangenehm. Franz war auch kein exzessiver Raucher. Seine Pfeife hat er sich selbst gebaut. Er hatte bestimmt mehrere aber die eine ist erhalten geblieben. Auch den Aschenbecher hat er sich selbst geschlossert. Er hat drei Ablagen für die Stumpen und einen Aufnehmer für eine Schachtel Streichhölzer. Erst später habe ich erfahren, dass er den Ascher aus einer leeren Granatenhülse gebaut hat. Franz war Sanitätssoldat im 1. Weltkrieg und kam einigermaßen unbeschadet wieder nach Hause. Es gibt auch noch zwei Blumenvasen mit Verzierungen, die ebenfalls aus Granatenhülsen gebastelt sind. Man nennt das Grabenkunst. Damit haben sich die Soldaten zwischen Leben und Sterben die Zeit vertrieben. In unserem Heimatmuseum kann man solche Exponate auch sehen. Ebenfalls gibt es dort Tabakspfeifen in verschiedenen Ausführungen. Auch schöne aus Porzellan. Im Speicher sind diverse Tabakverarbeitungsgeräte zu sehen.

Tabak war früher eine wichtige landwirtschaftliche Kultur. Früher haben auch alle Männer geraucht. Die Schädlichkeit des Rauchens gehörte damals zum Lebensschicksal und wurde dort schon nicht abgestritten. An die Tabakfelder in der Hardt kann ich mich noch erinnern. Bis in die 70er Jahre gab es noch Tabakanbau in der Umgebung. Wir Buben haben uns allerdings keine Zigaretten gekauft, nein, wir sind in den Rheinwald geradelt und haben uns von den Waldreben zigarettengroße Lianenstücke geschnitten und haben dann diese geraucht. Anschließend war uns schlecht und dann sind wieder nach Hause.

Auch Leopoldshafen hatte Tabakanbau. Auf einem alten Foto blickt man in einen Hof und erkennt, wie der Landwirt gerade dabei ist, einen gebündelten Strang Tabak auf zu hängen. Ein anderes Bild zeigt einen Tabakschuppen, der unterhalb des Friedhofes und gegenüber dem heutigen Feuerwehrgerätehause stand.

Mein Opa Franz blickt stolz in die Kamera meines Vaters. Hat er doch seine beiden Enkel bei sich sitzen. Er hat nie vom Krieg gesprochen. Er hat überhaupt nie viel gesprochen. Aber auf diesem Bild sieht er zufrieden aus. Auf dem Tischchen sieht man die Rauchutensilien meines Vaters. Das kupferne Tablett gibt es noch, die Zigarettenbox, Streichholzhalter und das andere sind verschollen. Das brauchen wir auch nicht mehr. Mein Vater war starker Raucher, bis es ihm schlecht ging und sein Arzt meinte er solle damit aufhören. Dann hat er es von jetzt auf nachher bleiben lassen und das ist schon über 40 Jahre her!

Warum ich das schreibe? Solche Geschichten fallen mir ein, wenn ich eines unserer Museen besuche und dann bei einer Vitrine nachdenklich stehen bleibe. Dinge werden dann plötzlich lebendig, Geschichte wird dann wieder lebendig. Ist es nicht toll, dass wir gleich zwei reichlich ausgestatte Museen haben?

Ralf Schreck – der nie wirklich richtig geraucht hat

Fotos aus drei Generationen

PS = Philipp Schreck – RMS = Ralf Schreck – LRS = Lukas Schreck – GÜ = Gerhard Überle

 

Opa Franz mit Zigarre
War nur eine Eintagsfliege