Ostern 2020

In diesem Frühling ist alles anders. Dieses Ostern ist anders. Leiden, Sterben und Auferstehung erleben wir an diesem Festwochenende bewußter als in den vergangenen Jahren.

Das Tränende Herz bei der Rheinhalle hat in diesem Jahr eine besondere Bedeutung.
In diesem Frühling gibt es besonders viele tränende Herzen.

Draußen tobt der Frühling. Die Natur explodiert. So intensiv habe ich das noch nie erlebt. Werden wir achtsamer?

Ludwig Uhland hat das schön beschrieben.

Die linden Lüfte sind erwacht,
sie säuseln und weben Tag und Nacht,
sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herz, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch kommen mag.
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal.
Nun, armes Herz, vergiß die Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Welch herrlich bunte Farbenpracht!

Ja, was wir jetzt dringend benötigen ist Hoffnung, Zuversicht und der Glaube daran, dass es „morgen“ wieder einmal normal wird. Symbole und Zeichen dafür können wir überall erkennen.

Pflanze einen Baum! Bernhard und Thomas haben in der Zwischenzeit beim Andi Bräu die Kastanie gepflanzt und die Fläche hergerichtet. Projekt 18 des ausgefallenen Umwelttages. Ja, wir müssen vorwärts blicken. Danke!
Im Bürgerpark leuchten die Zieräpfel um die Wette.
In Eggenstein, bei der Lindenschule habe ich ein Hotel gefunden, welches noch Zimmer für Gäste anbieten darf.
Die Rote Mauerbiene bei der Zimmersuche.
Der Grillplatz am Hardtwald lädt zum Verweilen. Wenn wir das wieder dürfen.
In Leopoldshafen leuchten die Flächen des öffentlichen Grüns um die Wette. Kleine, aber wichtige symbolhafte Zeichen, die die Welt für einen Moment besser aussehen lassen.
Beim Rathaus strahlt es ebenfalls in bunten Farben. Habt ihr schon bemerkt, dass die bunte Uhr abhanden gekommen ist? Hat wohl die Zeitumstellung nicht vertragen?
Symbole entdecken wir auch im privaten Bereich. Stimmt das nicht zuversichtlich?
Auch in Leo denkt man an Ostern.
Betrachte dir Blumen und das Herz geht auf. Hier auf dem Friedhof in Leo.
Und hier im Friedhof Eggenstein
Derzeit erleben wir eine Welle der Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit. Ureigenste menschliche Eigenschaften.
Welch unglaubliche Kräfte in uns schlummern.
Das ist mein Lieblingsbild der Woche. Zu sehen bei der Kita Regenbogenexpress. Wir sind eine Familie und passen auf uns auf.
Im Garten schmettert der Zaunkönig sein Lied. Minuten lang ertönt sein hoher Gesang. Im Krautland gegenüber hört man in den Pausen den Rivalen antworten.
Der stengellose Enzian glüht im schönsten Blau.
Am Blauregen schwirren die Blauen Holzbienen und nehmen Nektar auf.
Der alte Eidechsenmann schaut vorbei und aalt sich in der Sonne.
Auf dem Heimweg entdecke ich die Feldrehe im Tiefgestade zwischen Erdbeerhof und Pfinzkanal.
Bald haben sie das restliche Winterfell verloren und sind dann wieder im sommerlichen rotbraun zu sehen.
Beobachtungen auf Balkonien. Unser Briefbeschwererwürfel, der einige Zeit auf dem Balkon stand wurd kurzerhand von einer Mauerbiene als Nistquartier erkoren. Mittlerweile ist sie am Befüllen der letzen Röhre. Alle sechse kann man da nur sagen.
Auch den Supermond konnten wir vom Balkon erwischen. Zuhause muss nicht unbedingt langweilig sein.

Zum Schluss noch einige Gedanken zu Ostern von Philipp.

… Dem jungen Frühling aber macht die „Corona“ keine Beschwerden, er ist frei, er gehört zur ewigen Natur, bestimmt dazu den Menschen Freuden zu bringen auf Erden. Er kommt und geht mal früher, mal später, immer aber wie gezogen an einer unsichtbaren Schnur.

Menschliches Wohl, menschliches Leid, ist der Menschen Sache allein. So war es immer. Auch in der Osterzeit. Und so wird es immer auch sein

Und mir selbst machen die „Corona“ Viren noch nichts aus. Kommen sie durchs Fenster, werfe ich sie postwendend wieder hinaus. Mit meiner Frau lebe ich in Quarantäne schon lange. Wir sind das Alleinsein inzwischen gewohnt; Einsamkeit macht uns daher nicht mehr Bange.

Auch wir ziehen an einem Strange …

Philipp und Gertrud. Für sie bleiben wir zuhause.

Allen meinen Leserinnen und Lesern, Abonenntinnen und Abonennten, wünsche ich Frohe Ostern mit Hoffnung, Zuversicht, Glück und Gesundheit.

Ralf Schreck – Frühlingsfreund

Mein kleiner Vorgarten als Insektenparadies

Mein kleiner Vorgarten als Insektenparadies

Über das Insektensterben und was man dagegen tun kann, wird allerorts berichtet. Ein Beispiel dafür ist das erfolgreiche Anlegen einer Blumenwiese im Bürgerpark von Leopoldshafen durch die Agenda Gruppe Umwelt. Eine andere Möglichkeit zur Anlegung eines naturnahen Gartens besteht darin, auf die Spontanansiedlung von heimischen Pflanzen zu warten. Dieses Vorgehen dauert natürlich etwas länger und man weiß nicht im Voraus, was dabei herauskommt. Ich habe es mit meinem kleinen Vorgarten gewagt und möchte kurz darüber berichten. Um erfolgreich zu sein, darf man natürlich keine Pflanzenschutzmittel und Insektizide verwenden und sollte möglichst wenig mähen. Im Laufe der letzten Jahre haben sich viele Wildblumen angesiedelt. Malven, Storchenschnabel, Fingerkraut, Hornklee und Johanniskraut sorgen neben vielen anderen Arten für ein reichhaltiges Nahrungsangebot für Insekten vom zeitigen Frühling bis in den späten Herbst. Ergänzt wird dies noch durch ein Kräuterbeet mit zahlreichen Lippenblütengewächsen sowie einem Strauch Sommerflieder für Schmetterlinge. Belohnt wird man durch eine reichhaltige Insektenfauna. Besucher dieses Kleinbiotops sind neben vielen Bienen-, Hummel- und Wespenarten eine Artenvielfalt an Schmetterlingen, Käfern, Wanzen, Fliegen, Libellen und weiteren Kleintieren. Highlights in diesem Jahr waren der Nashornkäfer, der Kleine Perlmuttfalter und der Stahlblaue Grillenjäger, eine aus Mittel- und Nordamerika eingewanderte Grabwespenart, die ich hier mit eigenen Fotos vorstellen möchte. Erwähnen möchte ich noch, dass noch eine Familie Zauneidechsen seit Jahren meinen Vorgarten besiedelt. Ihr Lieblingsplatz ist in etwa einem Meter Höhe auf einem Rosmarinstrauch. Wie wäre es, wenn auch Sie ein Stückchen Ihres Gartens insektenfreundlich gestalten würden?

Holger Selisky für die AG Umwelt

 

Im Bestreben sich für Natur und Umwelt einzusetzen, bzw. beim Versuch Natur eine Stimme zu geben, trifft man interessante Menschen und Wegbegleiter. Holger ist so einer. Beobachten, forschen, bestimmen, ausprobieren ist eine Seite. Die andere Seite mit den gesammelten Erfahrungen und Erkenntnissen in die Öffentlichkeit zu gehen ist die logische Konsequenz. Denn nur was wir kennen, schützen wir auch. Naturfreunde finden sich.

 

Ferienspaß beim Kleingartenverein Allmend Eggenstein-Leopoldshafen

Ferienspaß beim Kleingartenverein Allmend Eggenstein-Leopoldshafen

Gehst du mit mir noch einmal zur Kräuterschnecke und schaust mit mir nach, ob wir noch eine Raupe finden, fragte der kleine Timo. Natürlich wurde dieser Wunsch erfüllt und wir fanden eine weitere Raupe und einen Regenwurm. Die Kräuterschnecke des Kleingartengartenvereins war etwas in die Jahre gekommen und sollte nun im Rahmen der beliebten und traditionellen Ferienspaßaktion wieder auf Vordermann gebracht werden. Fünfzehn junge Gärtnerinnen und Gärtner fanden sich ein, um dieses schöne Projekt zu verwirklichen. Zunächst wurden die einzelnen Kräuter vorgestellt, es wurde geschnüffelt, getestet. Das kenne ich, meinte Hannah, das ist Basilikum, das essen wir mit Tomaten. Oh, schmeckt der Schnittlauch gut, sagte Denis, den haben wir auch zuhause. Nach diesem Erlebnis der Sinne wurden die Etiketten für die Kräuter gebastelt und bemalt. Kleine hölzerne Schmetterlinge bekamen einen bunten Anstrich, den Namen des Gärtners und natürlich die Bezeichnung des jeweiligen Kräutleins. Danach wurde es spannend. Bewaffnet mit Hacken, Rechen, Schaufeln und den Kräutern ging es zur Kräuterschnecke. Womit beginnen wir, wurde in die Runde gefragt. Wir müssen den Boden glatt machen, tönte es im Chor. Im Nu waren alle Werkzeuge in Kinderhand und es wurde geebnet, geschuffelt, planiert. Du musst noch den dicken Erdbollen klein machen, wurde gerufen. Was essen denn die Pflanzen, wurde gefragt. Die brauchen Wasser, kam als Antwort. Aber auch Dünger, sagte Nico. Also wurde die Pflanzfläche mit einem organischen Dünger bestreut. Oh, das stinkt aber, dieses Pulver. Das ist aber wichtig für die Pflanzen. Jede Gärtnerin und jeder Gärtner pflanzten dann die ausgestellten Kräuter und im Fluge war alles fertig. Im Anschluss gab es frische Waffeln und Getränke. Natürlich wurden auch die die Kräuter gegossen. Wissbegierig und voller Eifer und Leidenschaft waren alle Kinder. Kein Wunder, denn das klasse Betreuerteam aus Jennifer, Wiebke mit ihrer Mutter Marlene, Margitta mit Ehemann, sowie Doris und Ralf hatten diese Aktion bestens geplant. Wie kann sich ein Kleingartenverein besser präsentieren, als Kindern in einem solch nachhaltigen Projekt den Umgang mit Pflanzen zu zeigen? Riechen, schmecken, Boden vorbereiten, pflanzen, wässern, Etiketten basteln, eine Kräuterfibel bemalen und beschriften. Und wie jedes Jahr wurden auch die beliebten Grasköpfe gebastelt. Es war ein kurzweiliger Nachmittag und alle Eltern durften bei Abholung der Kinder die neue Bepflanzung bewundern. Alle am Projekt beteiligten Kinder dürfen mit ihren Eltern und Großeltern an der Kräuterschnecke vorbeikommen und nach Bedarf ernten. Das nennt man Neudeutsch urban gardening. Und siehe da, wieder ist aus einem kleinen Projekt eine nachhaltige Geschichte geworden. Wertvoll für Menschen, Pflanzen und Tiere. Ein weiteres kleines Räupchen hat sich in einen bunten Schmetterling verwandelt.

Ralf Schreck Kräuterfreund

 

Das Neureut Projekt

Das Neureut Projekt

Wildbienen

Biologie – bios logos – die Lehre vom Leben. Unten, in der ersten Reihe, ganz rechts, da sitzt er, der Heinrich. Er war der wichtigste Lehrer seiner Zeit. Er hat uns Biologie beigebracht und bei mir ist davon eine Menge hängen geblieben. Es ist an der Zeit von diesem Wissen wieder etwas zurück zu geben. Einen Schulgarten hatten wir nicht, wir waren ja Aufbaugymnasium. In der fünften begannen wir mit drei Klassen in Kirchfeld in der Waldschule, weil das Gymnasium in Neureut erst gebaut werden musste. Schon damals hat man mit den Schülern Experimente gemacht, denn die B war eine reine Jungen Klasse. Die waren etwas ungehobelter aber aus denen ist auch was geworden. Ich gehöre zu den Schulveteranen, denn wir waren die ersten die 1978 Abi gemacht haben und damals sind alle durchgekommen.

Zwischen den Jahren habe ich dort immer mal wieder vorbeigeschaut, um zu sehen was es Neues gab. 2011 habe ich den Wildbienenstand im Schulgarten entdeckt und war enttäuscht über die nicht funktionierende Inneneinrichtung dieser Wildbienennisthilfe. Eigentlich eine gute Idee, jedoch nicht richtig umgesetzt. Die vorbereiteten Nisträume sind ungeeignet, weil die Durchmesser zu groß sind. Man hat die Löcher in die Stirnseiten der Hölzer gebohrt. Dort reißt das Holz auf und die Brut verdirbt. Es wurden die falschen Steine verwendet. Auf den Fotos von 2011 bis 2018 kann man die leeren, bzw. unbesiedelten Kompartimente erkennen.

Es gibt ein Schulprojekt, die diesen Wildbienenstand wieder lebenswert machen möchte. Das ist eine sehr schöne Idee, denn die Kinder von heute sind die Gestalter von morgen. Anpacken für die Natur, fürs Leben. Was gibt es schöneres? Wir hören täglich vom Insektensterben, was unternehmen wir eigentlich dagegen? Diese Projektschüler machen es uns vor. Das müssen wir unbedingt unterstützen. Ein solcher Wildbienenstand dient der Beobachtung, der Wahrnehmung, der Demonstration. Er kann niemals Ersatz für verlorenen Lebensraum sein. Lebensraum? Habt ihr im aktuellen Amtsblatt über die Entsiegelungs- und Baumpflanzaktion der Neureuter Schüler gelesen? Die haben neuen Lebensraum geschaffen! Die frisch gepflanzten Bäume habe ich gesehen. Stimmt uns das nicht hoffnungsfroh? Es sind kleine Teile, hier ein Wildbienenhotel, dort eine Entsiegelungsaktion, hier ein Rasen voller Gänseblümchen, der wegen der Bienen bewusst später gemäht wird, dort werden Schwalben Nisthilfen angebracht, usw. Es sind kleine Mosaiksteine, die zusammen genommen ein schönes Bild ergeben. Das Bild des Lebens – Biologie eben.

Ralf Schreck – Abi 78 Veteran

Ich danke jetzt schon den Schülerinnen und Schülern die mitmachen, der Projektleiterin Frau Hoffeld und natürlich Tatjana für ihre Idee den Garten wieder lebhafter zu machen.

Naturschützer, denen dieser Bericht gefallen hat und die selbst aktiv werden wollen erhalten auf Anfrage Unterstützung.

 

Klettertrompete und Feldwespe

Beobachtungen an Feldwespen

Seit vielen Jahren haben wir eine Campsis in unserem Garten. Es ist eine laubabwerfende verholzende Kletterpflanze, die Haftwurzeln ausbildet. Wir erkennen sie im Spätsommer an ihren großen und auffälligen Blütenbüscheln. Die bis zu zehn Zentimeter großen trompetenförmigen Blüten bringen noch einmal richtig Farbe in den Garten. Nicht nur Herz und Seele freuen sich darüber.

Wir haben unserer Campsis als Stamm erzogen und in Gemeinschaft mit einer Clematis x jouiniana `Praecox´ gepflanzt. Das ist eine nichtkletternde Waldrebe. Wir haben sie bei uns jedoch zum Klettern erzogen, weil wir sie als Hintergrund zur Gartengrenze wollten. Ja, Pflanzen kann man regelrecht erziehen, wenn man weiß wie es geht. Man benötigt dann nur ein paar Pfosten und Seile. Die Campsis wächst dann eher unauffällig vor sich hin, bis sie sich dann Ende Juli, Anfang August mit ihrem Blütenreigen meldet. Sie blüht an den einjährigen Trieben und diese Zweige kann man schön zu einem Schirm aufbinden oder man belässt sie als Kaskade. Blüte am einjährigen Holz, also an den Trieben, die seit dem Frühling gewachsen sind, bedeutet starken Schnitt der letztjährigen Triebe auf zwei oder drei Knospen im Spätwinter. Also, alles was von Frühling bis Herbst gewachsen ist, wird Ende Februar stark zurückgeschnitten. Das ist gar nicht so schwer. Das verstehen auch unerfahrene aber wissbegierige Naturfreunde.

Die schier unaussprechliche nichtkletternde aber wohl erzogene Waldrebe blüht fast zwei Monate lang und bildet einen schönen Hintergrund für die später kommende Campsis. Es gibt dort auch noch einen Holunder, der noch früher blüht und ebenfalls wohl erzogen ist.

Jetzt kommen die Polistes, die Feldwespen ins Spiel. Sobald die Klettertrompete an den Enden ihrer Triebe die Blütenbüschel bildet kommen die Feldwespen. Dabei wird jedes Büschel von einer Wespe besetzt und verteidigt. Offensichtlich geben die Blüten zuckerhaltige Flüssigkeit ab, die die langbeinigen Wespen anlocken. Selbst in geschlossenem Zustand der Blüten kann man sie dort sitzen sehen. Theoretisch könnte man dort dann eine Feldwespen Volkszählung vornehmen.

Was lernen wir daraus? Wespenfreunde gehen umgehend in die Gärtnerei ihres Vertrauens und kaufen sich für ihren Garten eine Klettertrompete. Campsis und Polistes finden zusammen. Das wäre doch eine kleine aber feine Maßnahme gegen das Insektensterben vorzugehen? Oder?

Ralf Schreck – Klettertrompeten Freund

 

Mein schöner Garten

Mein schöner Garten

Ihr seid steinreich. Ihr seid egoistisch. Ihr seid unwissend. Ihr seid ignorant. Ihr seid bequem. Ihr habt ein Insektensterben und es geht euch nichts an. Ihr habt euch von eurer Natur so weit entfernt, dass ihr euch von falschen Landschaftsgärtnern grau kalte Steingärten aufschwatzen lasst. Es ist nicht nur eine fatale Mode, es ist auch eine Sackgasse.

Genau, schuld ist ja die Landwirtschaft mit der Vermaisung und dem Glühphosphat. Die anderen sind es mal wieder. Wie wollt ihr denn euren Kindern zuhause Natur erklären?  – Interview mit einer Biene am 13.01.2018.

Dabei könnte jeder Gartenbesitzer sein Scherflein für eine funktionierende Biodiversität beitragen. Wie das geht? Im „Grüner Anzeiger“, Ausgabe 6/2017, gibt es ab Seite 27 einen interessanten Bericht zu diesem Thema. Die Garten- und Landschaftsplanerin Paula P. schreibt in verständlicher Sprache über „Naturgärten als Trittsteine für Tiere“. Das funktioniert genau umgekehrt wie meine Fotodokumentation über die Steingärten in Eggenstein-Leopoldshafen. Hier wird gerodet, gefällt, verkiest, versiegelt, verimmergrünt, entfernt, steril gemacht, dort wird überlegt, geplant, gepflanzt, gelebt, gefreut, Vielfalt geschaffen. Der echte, handwerkliche Landschaftsgärtner ist in der Lage einen solch vielfältigen Garten pflegeleicht zu gestalten.

Ich kenne noch Zeiten in denen man Blumen und Pflanzen über den Gartenzaun gereicht hat und bekam vom Nachbarn etwas anderes zurück. Nebenbei tauschte man Anbau- und Pflanzenwissen aus. Früher gab es andere Steingärten. Echte Steingärten, also besondere Lebensgemeinschaften verschiedener Pflanzen, die an Steine gebunden sind. Ein Alpinum funktioniert eben nur mit entsprechender Bodenvorbereitung und den richtigen Steinen. Richtig vorbereitet und angelegt fällt ein Minimum an Pflege an. Kann man haben, wenn man will.

Ralf Schreck – Freund des echten Steingartens

Die Fotos der Kiesgärten stammen aus beiden Ortsteilen. Tendenz steigend. Auf unseren Friedhöfen ist dieses Phänomen ebenfalls festzustellen. Die abgebildeten Insekten wurden in unserem Garten entdeckt.

 

Öffentliches Grün

Ideen für das Grünpflege Leitbild

Es gibt einen schönen Grüngürtel in Leopoldshafen zwischen Evangelischem Kindergarten in der Schwarzwaldstraße und der Hermann Übelhör Sporthalle. Ein Abenteuerspielplatz mit Klettermöglichkeit ist vorhanden, eine Tischtennisplatte, Bänke zum Verweilen, weiter vorne ein umzäunter Kleinkinder Spielplatz und vieles mehr. Ein rund um gut geplanter und durchdachter Platz. Wesentliche Bestandteile der Planung einer solchen öffentlichen Anlage ist die Gestaltung und Verwendung von Gehölzen. Von Bäumen und Sträuchern. Der Architekt hat bereits bei der Planung das fertige Bild vor Augen. Was würde er wohl denken, würde er jetzt durch die Anlage spazieren? Beim Betrachten der abrasierten Sträucher würde ihm bestimmt das Herz bluten. Es gibt dort Flieder, Eibisch, Schneebälle, Felsenmispel und andere Sträucher. Jeder hat seinen eigenen Habitus, sein artspezifisches äußeres Erscheinungsbild, welches durch Schnitt berücksichtigt werden sollte. Jetzt ist der Habitus dahin, alles wurde uniform abrasiert. Der Baumschulgärtner würde sagen, Thema verfehlt, Prüfung nicht bestanden.

Wieso fällt eigentlich nur mir sowas auf? Sind ja nur Sträucher, die eh keiner kennt. Es blickt ja auch keiner mehr auf, weil das Auge aufs Smartphone gerichtet ist. Wo ist der Sinn für Ästhetik? Schneiden ist ein gärtnerisches Handwerk, das man können muss. Oder wurden diese Maßnahmen angeordnet? Wer ist hierfür verantwortlich? Kurz muss ich an den Kirschendamm denken.

Wir haben viele gute Ansätze was öffentliches Grün betrifft. Bestes Beispiel ist die Pflanzaktion des Maulbeerbaumes im Bürgerpark. In einer kleinen aber feinen Aktion wurde die Pflanzung mit Bürgermeister, Vertretern der Agenda Gruppe Ortsgeschichte und unserem heimischen Landschaftsgärtner, welcher den Baum spendete, vollzogen. Ein schönes Beispiel für die Würdigung von Grün im Dorf. Jedoch, das war nur ein erster Schritt. Jetzt folgen Nachsorge und Pflege, die man auch überwachen muss, ob die fachgerecht ausgeführt wird. Es muss ein durchdachtes und überwachtes Konzept entwickelt werden, damit solche Fehlentwicklungen nicht mehr vorkommen. Ein roter Faden muss her. Eine Identifikation für unsere Vielfalt.

Vielleicht wird dies ja im neuen Grünpflege Leitbild aufgenommen? Alle Beteiligten in Sachen Grün sollten involviert sein, damit eine gemeinsame Sprache gesprochen werden kann. Wirklich alle. Alle müssen Bescheid wissen, nicht nur die Planer, auch die Ausführenden. Und wenn sich der letzte in der Kette für einen falschen Weg entschieden hat, müssen das auch alle besprechen, damit Folgefehler vermieden werden. Egal, ob das ein Gemeindegärtner oder ein beauftragter ist.

Es ist ein schöner Platz in Leo. Man hält sich dort gerne auf. Im Dezember 2015 traf ich dort auf die Linkenheimer Mopedfreunde. Als ich sie fragte, weshalb sie sich hier treffen, sagten sie, „weil es hier so schön ist“.

Ralf Schreck- Pflanzen Freund

 

 

Clematis im Naturgarten

Clematis im Naturgarten? – Für die Gärtnerin

Geht das überhaupt? Denn die meisten Waldreben sind empfindliche Pfleglinge. Unser Garten ist ein echter „Faulenzergarten“, d.h. er erfährt heute eine Minimalpflege. Früher war das anders, früher hatten wir auch auf unseren 300 Quadratmetern Kleingarten 80 verschiedene Clematis in Arten und Sorten. Um dieses umfangreiche Sortiment aufrecht zu erhalten waren intensive gartenbauliche Maßnahmen wie regelmäßiges Wässern, Einsatz von Pflanzenschutz, Verabreichung von Düngemitteln und regelmäßige Kontrollgänge erforderlich. Dies wollte ich einiges Tages nicht mehr hinnehmen und seit vielen Jahren bewirtschaften wir den Garten nur noch naturnah, also im Einklang mit der Natur. Und das hatte natürlich Einfluss auf den Verbleib unserer Clematis.

Eigentlich wollte ich dies der Gärtnerin schon seit langem mitteilen aber es kamen immer andere Dinge dazwischen. Es war schon eine schöne Zeit mit dem Besuch vieler botanischer Gärten, der Jagd nach neuen Arten und Sorten, dem Austausch mit anderen Clematis Liebhabern. Für einige Jahre war ich auch einmal Vice President der International Clematis Society, bis ich das Gefühl bekam unser Gartentun befindet sich in einer Sackgasse und es ist Zeit für Veränderung.

Natur habe ich schon immer gerne beobachtet. Und je genauer man hinsieht, desto besser erkennt man die natürlichen Zusammenhänge. Desto besser versteht man das Leben. Dann kann man seine Pflanzen, bzw. die einzelnen Bereiche im Garten ohne großen Aufwand leiten und erhält ein Maximum an Freude und Genugtuung. Schon Friedrich von Schiller sagte „Der gebildete Mensch macht sich die Natur zu seinem Freund“. Es gibt mehr als Pflanzen in unserem Garten. Da sind die Igel, die unter der Eibe wohnen, die Eidechsen, die unser Sandbiotop angenommen haben, die Hirschkäfer, die jedes Jahr dem Totholz entschlüpfen. Die Schmetterlinge, die wir mit dem Tagfalter Monitoring erfassen. Die vielen Vögel, die in unserem Dickicht ihre Jungen aufziehen. Und und und. Der Garten als Inspiration, als Raum zur persönlichen Weiterentwicklung.

Und die Clematis? Es gibt noch welche. Survival of the fittest war angesagt. Der Garten als Freilandlabor. Die besten sind Cl. `Paul Farges´, ein unermüdlicher weißer Dauerblüher. Schon der „Clematis Klaus“ aus Veitshöchheim beschreibt `Paul Farges´ „als wahren Büffel“. Und recht hat er, stark wüchsig, erklimmt jedes Jahr ihr „Spinnenspalier“. Cl. recta (aufrechte Waldrebe) ist ein weiterer Favorit. Halbstrauchig und nicht kletternd. Fühlt sich bei uns so wohl, dass sie sich im Garten aussät. Clematis x jouiniana `Praecox´ ist ebenfalls unverwüstlich. Trotz regelmäßigen Schneckenbefalls setzt sie sich erfolgreich durch. Cl. `Perle d`Azur´ schiebt sich fast jedes Jahr aus dem Dickicht und erklimmt ihr zugeteiltes Gastgehölz, einen Hibiscus syriacus. Von den vielen großblumigen Hybriden sind viele verschwunden, alle paar Jahre taucht dann Mal wieder eine aus der Versenkung auf, zeigt dann drei, vier Blüten, um danach dann wieder zu verschwinden. Cl. `Orange Peel´ (oder ist es eine `Sheriffii´?), auch eine kräftig wachsende und sehr reich blühende gelbe, dick blütige und noch wilde Clematis. Dieses Jahr habe ich sie allerdings noch nicht bemerkt. Und natürlich die Viticellas! Die vermehren sich ebenfalls selbständig im Garten und sind jedes Jahr eine Pracht. Cl. `Etoile Violette´ ist ebenfalls nicht zickig und dieses Jahr konnte ich unsere vergessene Cl. `Little Nell´ wieder begrüßen. Was ich am meisten beeindruckt, ist, dass uns eine Texensis Hybride, nämlich Cl. `Duchess of Albany´ schon seit vielen Jahrzehnten mit ihren roten Blüten erfreut. Vor vier Wochen bekam der Haupttrieb die Welke, ein anderer Zweig hat sich jedoch tapfer gehalten und zeigt seine tollen Blüten. Cl. intricata, eine unscheinbare gelbliche und kleinblütige Waldrebe ist ebenfalls ein Renner. Cl. Integrifolia (Ganzblättrige Clematis), halbstrauchig wachsend hält sich ebenfalls tapfer. Auch eine Cl. `New Love´, wieder eine strauchige und nicht kletternde Clematis kommt mit unserer „Minimalpflege“ gut klar. Diese besteht lediglich aus Schnittmaßnahmen. Sonst nichts. Kein Düngen, kein Wässern, kein Schneckenkorn, kein Schnecken ablesen, kein sonst nichts.

Wer sich ein bisschen mit Gartenbau auskennt, der kann die folgenden Bilder interpretieren. Der erkennt welche Leidenschaften in die Clematis geflossen sind. Alle Bilder stammen aus unserem Garten. Wer viele Clematis sehen will, der sollte unbedingt nach Veitshöchheim gehen und dort die wohl größte und schönste Clematis Sammlung Deutschlands besuchen. Dort trifft man dann auch den „Clematis Klaus“. Und wer den „Grünen Anzeiger“ abonniert, der erfährt informative Themen über Pflanzen, Gartenbau und wichtige Termine für Garten Freunde.

Unser Garten ist ebenfalls zu besichtigen. Wir stehen sogar im Garten Reiseführer von Ronald Clark. Aber es kam noch niemand …

Ralf Schreck – Clematis Freund

 

 

 

Kleingartenverein Allmend Eggenstein

Kleingartenverein Allmend Eggenstein

Was wäre wenn …

Wohl ein Drittel meines Lebens habe ich im Garten verbracht. Seit dem 01.01.1985 sind wir Mitglied im Verein. So steht es Mitgliedsbuch Nr. 39 des Landesverbandes der Gartenfreunde Baden-Württemberg e.V. Zunächst mit meinem Vater Philipp, später dann mit mir. Meine Familie hat ebenfalls eine lange Zeit mitgewirkt, meine Kinder sind darin aufgewachsen. Kleingärten haben eine große soziale Funktion. Nicht nur für die Pächter, auch für die vielen Spaziergänger, den Hunde Freunden und Reitern, die das Gelände umrunden und den Besuchern des Gemeinschaftsplatzes an der Vereinshütte.

Was wäre wenn …

Auf den alten Fotos kann man sehen, wie das Gelände allmählich bewirtschaftet wurde. Nach und nach wurden die Gärten angelegt, die Vereinshütte gebaut und später die Erweiterungsfläche gestaltet. Es ist schon erstaunlich was ein Verein alles leisten kann. Das jährliche Gartenfest unter den großen Bäumen ist sehr beliebt und  fester Bestandteil im Jahreskalender unserer Gemeinde. Das Gelände selbst liegt im Tiefgestade von Eggenstein, unterhalb des Friedhofs. Es gab auch viele bewirtschaftete Krautländer außerhalb des Vereinsgeländes. Im Rahmen des Hochwasserschutzes sollte ein Wassersammelbecken in diesem Bereich entstehen und den Krautländern wurde gekündigt. Dann hatte man sich jedoch für einen Stauraumkanal an anderer Stelle entschieden. Jetzt liegen dort viele Parzellen brach und man kann beobachten, wie sich die Natur diese Flächen zurück holt.

Was wäre wenn …

Im Internet kann man lesen, welche Bedeutung Kleingärten haben. Man liest von besserer Lebensqualität, preiswertem Züchten und Anbauen von gesundem Obst und Gemüse, Freizeitgestaltung und vielem mehr. Ja, man kann sich sogar ökologisch betätigen, auch wenn viele noch der Meinung sind, dass das weh tut. Man liest auch, dass Immigranten in Kleingärten eine Möglichkeit finden sich im Aufnahmeland besser zu integrieren. In Deutschland haben 7,5% der Kleingärtner einen Migrationshintergrund. Sind das tatsächlich nur so wenige? Ich meine, dass es mehr sein müssen. Vielleicht sind es bei uns mehr. Auf jeden Fall sind es bei den Arbeitseinsätzen (zur Ableistung der Pflichtarbeitsstunden), bei denen ich beteiligt bin, mehr heimische Ausländer als heimische Inländer.

Das gab mir zu denken und plötzlich hatte ich eine Vision:

Was wäre wenn …

wir in unserer Kleingartenanlage eine Parzelle in einen interkulturellen Garten wandeln und diesen den Asylsuchenden mit Bleiberecht zur Verfügung stellen? Ein solches Projekt könnte man mittelfristig realisieren und müsste betreut werden. Unterstützung bekäme man bestimmt vom Bezirksverband, unserer Gemeinde und von unserer im Ort erfolgreich tätigen Flüchtlingshilfe, die mit den Kirchen zusammen arbeitet. Wer sich fürs Dorfleben interessiert erkennt, dass unsere Gemeinde in Sachen Flüchtlingen immer einen Schritt voraus ist. Man kümmert sich bereits im Vorfeld, damit man die Ereignisse in geordnete Bahnen leiten kann. Es geht uns gut, wir können etwas abgeben. Die Gemeinde unterstützt viele Vereine, da könnte man auch wieder etwas zurück geben. Wenn man will. Ich wäre dabei.

Die alten Bilder wurden vom Kirchturm aus von Gerhard Ueberle gemacht.

Ralf Schreck – Kleingarten Freund

Frühling im Garten

Natur ist.

Jetzt im Frühling, wo es an allen Ecken und Enden zu blühen beginnt, fällt es uns auf. Die milden Temperaturen, der sonnige Himmel lässt uns ins Freie strömen. Der bewusste Beobachter entdeckt am Wegesrand selbst die kleinen Blumen. Da finden wir den rosafarbenen Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava) in kleinen Trupps, das gelbe Scharbockskraut in größeren Gruppen (Ranunculus ficaria), während das Märzenveilchen (Viola odorata) vereinzelt auftritt. Wer seinen Garten nicht zur Gänze ausgeräumt hat, kann diese Pflanzen jetzt auch dort bewundern. Bei uns haben sie sich selbst angesiedelt, oft an den unmöglichsten Stellen. Wo sie nicht stören, dürfen sie bleiben. Das einjährige Silberblatt wächst in diesem Jahr in Plattenfugen (Lunaria annua) und im nächsten vielleicht bei unserer Strauchrose. Die hellblauen Blüten des Vergissmeinnicht (Brunnera) sind besonders apart.

Diese Blumen haben sich jedoch nicht erfunden, um uns Menschen zu gefallen. Sie sind Bestandteil eines großartigen Ganzen, das aufeinander abgestimmt ist. Es ist veränderlich, anpassungsfähig und bestrebt ein Gleichgewicht zu erstellen. Das wissen viele Menschen nicht, deshalb wird aus Unkenntnis vieles unterlassen oder gar zerstört. Jede Pflanze hat ihre Nutzer, Schädiger und Besucher. Es ist ein Geben und Nehmen. Wer einmal beobachtet hat, dass beim Blühen des Lerchensporns die Blaue Holzbiene erscheint oder sich die Mauerbienchen am Nektar von Traubenhyazinthe, Scharbockskraut und Immergrün laben, muss wissen, dass beim Jäten dieser Pflanzen den Besuchern ihre Nahrungsgrundlage entzogen wird.

Also Blumenfreunde: Nicht nur pflücken und staunen, auch beobachten und nachdenken ist angesagt. Wer genau hinsieht, findet gelegentlich auch einige besondere Besucher. Auch wir sind Bestandteil dieses Ganzen. Das sollte uns zu denken geben. Wir sollten nicht nur nehmen. Wer das nicht versteht ist nicht!

Natur ist.

Fast hätte ich es vergessen, die erste Eidechse ist aus dem Winterschlaf gekommen. Der Winter ist Schnee von gestern.

Ralf Schreck – Blumenfreund