Belle – die Schöne

Fritz Köhler, einer von uns. Wer seine (unsere) Geschichte kennt erhält einen Bezug zur Heimat. Fritz würde sich freuen wenn er wüßte, wie schön es heute noch an der Belle ist.

Friedrich Köhler im Alter von 75 Jahren. Gestorben ist er am 1. Januar 1949 im Alter von 79 Jahren.
In seinem Gesicht kann man lesen, dass sein Leben kein einfaches war. Er lebte in Eggenstein und war ein allseits beliebter Landwirt und Dorfpoet. Während seines an Arbeit reichen Lebens hat er sich von den steten Sorgen und Nöten nie bezwingen lassen und sich in jeder Lage mit seinen Gedichten im Gleichgewicht gehalten. Eines seiner bekanntesten und schönsten Gedichte ist „Die Belle am Rhein“. Im unten eingefügten Video habe ich es in einer verkürzten Version eingebaut. Den Originaltext kann man in der Chronik von „Eggenstein im Wandel der Zeit“ von 1965 auf Seite 188 lesen.
Den Platz an der Belle finden wir heute noch. Und den Geist vom Fritz Köhler können wir dort nachempfinden. „Belle“ ist die Bezeichnung für Pappel. Und die von ihm beschriebene Schwarzpappel – Populus nigra – war ein bemerkenswerter Baum, 30 Meter hoch und mit einem Stammumfang von 576 cm. Beschrieben ist dieser „Recke“ im Buch „Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden“ aus dem Jahre 1907.
Große und alte Bäume haben uns Menschen schon immer fasziniert.
… hat der Baum eine ganze Anzahl starker Äste verloren. Bei einem späteren Sturm ist er schließlich gefallen.
Auch wenn diese Belle längst Geschichte ist, so ist der Platz dort unten am Rhein immer noch ein beliebter Ausflugsort.
Der schönste Ort am Rhein ist an der Belle bei Eggenstein
Lebenselixier Wasser. Hingehen, rasten und sich fließen lassen. Wasser im Strom, ein ewiger Kreislauf. So wie unser Blut im Körper ewig fließt, so fließt der Rhein den Strom hinab, bis Zuflüsse und Regen das ewige Nass wieder bringen. Beim Schließen der Augen fließe ich mit. Blut und Wasser werden eins. Hier unten an der Belle wird Ewigkeit erlebbar. Fritz Köhler hat dies bestimmt genauso empfunden.
Manchmal ist das Wasser auch gefangen. Aber dort unten spielt Zeit keine Rolle.

Ralf Schreck – Belle Freund

4 Gedanken zu “Belle – die Schöne

  1. Es ist schön einen Bericht und einen Auszug aus dem Leben meines Urgroßvaters Friedrich “ Fritz Köhler “ hier zu sehen.
    Bin eher durch Zufall auf diese Seite gestoßen. Obwohl ich Ihn nicht persönlich kennen lernen durfte – ich wurde 1964 – geboren, so hat er mir etwas Poesieblut weiter vererbt. Danke, dass es diese Seite gibt.
    Guido Köhler
    Urenkel

    1. Lieber Guido Köhler,
      unten an der Belle kann man den Geist vom Fritz am besten erfahren. Was er damals bei seinen Besuchen dort empfand können wir ebenfalls nachvollziehen. Das ist ein Grund dafür, weshalb ich versuche Geschichte erlebbar zu machen. Danke und Gruß, Ralf Schreck.

  2. betr. Poesie: Ich bin Liedermacher, Schwerpunkt Pfälzer Mundart und habe ein Lied geschrieben mit dem Titel: „Horch, wie die Belle pischpern im Wind“. Beim Recherchieren über die „Belle“ bin ich auch diese Seite gestoßen. Ich bin tief beeindruckt und voller Ehrfurcht vor dem „Zauberort“und dem Baum an sich, sowie der berührenden Poesie von Fritz Köhler. Welch wundersame Assoziationen!
    Hier der Text meines Liedes:

    Horch wie die Belle pischpern im Wind
    un tuschlen vun Liebe un Lääd
    es zaudert un waad noch de Sturmwind, mei Kind,
    im silwerne Blätterklääd

    Guck wie die Welle sich wiegen im Wind
    sie traachen uns mit unserm Boot
    ans Ufer wo Feier zu Eis gerinnt
    wo Weißes umarmt sich mit Rot

    Liebe un Lääd, sie harren, mei Kind,
    am Ufer aus Feier un Eis
    doch horch wie die Belle pischpern im Wind
    un die Welle wiegen sich leis

    pesch neu okt20

    1. Lieber Peter Schraß,
      danke für den schönen Kommentar. Kultur, bzw. Poesie und Musik verbinden. Das ist genau das, was uns jetzt so sehr fehlt. Wenn ich bei meinen Führungen für die AG Ortsgeschichte unten an der Belle vorbei komme, erzähle ich vom Fritz Köhler und trage seine Worte vor. Das berührt die Menschen und sie nehmen diesen Platz mit anderen Augen wahr. Das gilt es zu bewahren. Wie wäre es, wenn Sie uns bei einem unserer Feste der Ortsgeschichte besuchen und die Menschen an der Belle mit dem Lied beglücken? Das hätte dem Fritz Köhler bestimmt ebenfalls gefallen.
      Gruß Ralf Schreck

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