Das Biotop im Bürgerpark

Das Biotop im Bürgerpark

War ursprünglich ein Teich mit sichtbarer Wasserfläche. Wenn ich mich daran erinnere wurde die Teichwanne mit Lehmziegeln angelegt. Die ältesten Fotos zu diesem Biotop aus meinem Archiv stammen aus 1992 und 93. Damals stand allerdings die Familie im Vordergrund und den Teich kann man im Hintergrund sehen. Die nächsten Bilder stammen erst aus dem Jahr 2011. Darauf kann man erkennen, dass dieses Biotop bereits vollständig von Sträuchern umwachsen war. Die Wasserfläche war nicht mehr sichtbar. Neben den Gehölzen hatte sich Bambusgruppe stark ausgebreitet.

Im Laufe der Jahre hat sich dieses Biotop „verselbständigt“ und wurde mehr oder weniger sich selbst überlassen. Für die Natur ist dieser Zustand ideal, spielen sich doch die ökologischen Beziehungen im Verborgenen und vor unseren Augen geschützt ab. Ungestörte Tier- und Pflanzenwelt konnte sich entwickeln. Aber wir sind im Bürgerpark und der gehört uns Bürgern und dieses Biotop soll erlebbar sein und bleiben. Für diesen Wunsch hat sich jetzt eine Option ergeben, denn die Strom Firma, die vor etwa zwei Wochen beim Pflegeschnitt (zur Freihaltung des Bereiches unterhalb der Stromleitungen) zu viel des Guten tat, hat nach der Bitte um Stellungnahme einen Ausgleich angeboten.

Fast alle Sträucher wurden auf Stock gesetzt und geben jetzt den Blick auf den fast verlandeten Teich frei. Das Flusspferd vom Benno ist zwar schön zu sehen, liegt aber seit vielen Jahren auf dem Trockenen. Jetzt, was tun? Jetzt sind Ideen gefragt. Man könnte den Teich „entschilfen“ und einen Teil des Schlammes entfernen. Neue Wasserpflanzen einsetzen und eventuell den Uferbereich in Teilflächen mit Stauden bepflanzen? Ist der Teich denn dicht? Stehen Folgearbeiten an? Reicht der angebotene Ausgleich aus? Ist dieses Projekt finanziell zu stemmen? Im Schlamm befinden sich Larven von Libellen, Stein- und Schlammfliegen, Gelbrandkäfern und anderen. Vielleicht sogar Frösche, Kröten und Molche? Werden diese mit dem Schilf entsorgt oder wird man versuchen einen Teil davon zu retten?

Nutzen wir die zu planende Aktion als Chance unseren Bürgerpark ein weiteres Stück aufzuwerten. Denken wir an die schöne Nussbaum Allee entlang des Pfinzkanals, die anderen interessanten Baumarten, den Maulbeerbaum des Manfreds, die Knobloch Ulmen und die vom Seniorenbeirat initiierten Sportgeräte. Auch unsere Blumenwiese gehört dazu. Und der Boule Platz, ebenso die Tischtennisplatte, das Schach und alles andere. Der Bürgerpark, grüne Lunge Eggenstein-Leopoldshafens. Verbindung zwischen Hardtwald, Dorfgemeinschaft im Hochgestade und Feldern, Wiesen und Rheinwald im Tiefgestade.

Eine weitere spannende Geschichte unserer Heimat, die bestimmt eine schöne Fortsetzung findet. Lassen wir uns überraschen.

Ralf Schreck – Biotop Freund

2 thoughts on “Das Biotop im Bürgerpark

  1. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein gut gemeintes Vorhaben „den Bach heruntergeht“ und man nicht die zukünftige Entwicklung im Auge behält. Mit einem Bürgerpark hat dieser Teich nichts mehr zu tun. Eine naturnahe Pflege wäre notwendig gewesen. Dazu hätte es aber engagierte Personen mit der notwendigen finanziellen Ausstattung in der Gemeindeverwaltung geben müssen. Dies scheint so, wie es aussieht, nicht der Fall gewesen zu sein. Es geht nicht an, wenn sich die Gemeinde aus der Verantwortung stiehlt und sich in vielen Fällen auf die Initiative von Privatpersonen verlässt, wie es z.B. bei der Blumenwiese im Bürgerpark geschehen ist. Diese können nur Tropfen auf den heißen Stein sein. Ralf Schreck hat in seinem Blog schon des öfteren ähnliche Vorhaben angesprochen

    Mir fehlt weiter ein Konzept der Gemeinde, wie sie sich die zukünftige Entwicklung des Natur-, Biotop-, Arten-, Landschaftschutz usw auf der Gemarkung der Gemeinde vorstellt. Dazu gehört auch, die Diskussion mit den ansässigen Landwirten, was gegen die ausufernde Abdeckung der landwirtschaftlichen Flächen mit Folien getan werden kann (Sichworte: Mikroplastik in der Umwelt und lebensfeindliche Felder für Vögel und Insekten).

    Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, dass „Wir die Erde nicht von unseren Eltern geerbt –
    sondern von unseren Kindern geliehen haben“ (indianische Weisheit). Seitdem ich selbst einen Enkel habe, wird mir das immer klarer. Oder wollen Sie, dass unsere Kinder und Kindeskinder irgendwann nicht mehr wissen, wie eine Blumenwiese mit Schmetterlingen oder ein Libellenteich aussieht?

    1. Lieber Holger,
      Umweltschutz beginnt mit Interesse und dem Willen des Verstehen wollens. Ahnungslosigkeit ist niemals ein Fehler, wenn Bereitschaft besteht zuzuhören. Der nächste Schritt ist die Problematik zu verstehen und die Chancen zu nutzen, die ganz einfach zu verwirklichen wären. Wenn ich an die „Eh da – Flächen“ denke, die man kostenneutral als wertvolle Insektenstandorte nutzen und öffentlichkeitswirksam vermarkten könnte, wäre das ein erster Schritt. Das wäre ein Vorbild für Privatleute. Momentan besuche ich die öffentlichen Sitzungen unserer Fraktionen – es ist ja Wahlkampf – und erkundige mich nach deren Konzepten gegen das Insektensterben. Was soll ich dazu sagen? Greta Thunberg aus Schweden ist es leid auf die Entscheidungen der Politiker zu warten und ergreift selbst Initiative. Müssen wir uns deshalb nicht schämen? Wir müssen die Menschen abholen, mitnehmen und aufklären. Sachlich und ohne zu polemisieren. Wer genau beobachtet und mit den Verantwortlichen fair diskutiert erkennt, dass Verständis und Interesse vorhanden sind. Aber es ist auch so wie du schreibst, dass die Anstösse und Ideen von außen und nicht von innen kommen. Man kann das aber auch als aktive Bürgerbeteiligung bewerten, denn niemand ist Fachmann/frau für alles. Der Vorteil der Leidenschaftlichen ist der, dass sie ein enormes Fachwissen besitzen in ihrem jeweiligen Bereich. Deshalb werden sie auch gefragt. Wir brauchen mehr Mitstreiter, auch wenn es viel Zeit benötigt. Würde man Naturprojekte genauso zukunftsweisend betrachten wie z.B. Strassen- und Kanalbau, also Sanierung und Unterhalt nach x-Jahren, dann hätten wir funktionierende Ökoflächen, die vernetzt tolle Schrittsteine und Lebensräume für eine große Artenvielfalt wären. Der Unterschied zwischen Infrastruktur und Natur ist der, dass erste statisch und letztere lebendig ist. Strassen sind einfacher zu pflegen als Natur. Und wenn öffentliches Grün unter dem Gesichtspunkt von Pflegeleichtigkeit und Kostenersparnis betrachtet wird, sieht man, in welche Richtung es geht. Was aber ist wichtiger als das Leben? Wie ist die Wertigkeit?
      Gruß Ralf

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