Der Baum der Weisen

Der Baum der Weisen

Eigentlich heißt er Ortskartell- und Handwerker- und Gewerbeverein Baum. Klingt vollständig aber auch umständlich. Seit Dezember 2019 steht er wieder am angestammten Platz bei der evangelischen Kirche in Eggenstein. Es ist bereits der Zweite, denn der Ursprüngliche aus Douglasienholz musste aus Sicherheitsgründen ersetzt werden. Der Neue ist aus Metall und für eine kleine Ewigkeit gedacht.

Ein buntes Schmuckstück beim einladenden Vorplatz der Kirche an der Hauptstraße. Beim Aufstellen des ersten Baumes am 13.06.2015 war ich dabei. Beim Aufstellen des metallenen Baumes jedoch nicht. Bedeutungsvoll ist seine Anwesenheit. Weshalb? Der genaue Beobachter erkennt beim Lesen der Wappen die Symbolik dieses Baumes. An den 12 Seitenästen befinden sich insgesamt 88 Wappenschilder. Es sind die traditionellen Handwerker und Gewerbesymbole, die Logos unserer Vereine, sowie auch die anderer Organisationen. Manches erschließt sich nicht auf Anhieb. Aber diese Flaggen stehen für alles, was unsere Dorfgemeinschaft ausmacht. Vieles wird verständlich, wenn man die Menschen kennt, die hinter jedem einzelnen Wappen stehen.

Ziemlich weit oben wird ein Wappen von einer roten Blume geziert. Es ist das Schild der Gesangesgruppe Belcanto. Eine schöne Blume steht für schönen Gesang. Beim Adventssingen eben an diesem Ort konnte man sich davon überzeugen. Eine dieser Sängerinnen ist Pia. Nebenbei ist Pia Gemeinderätin und Bürgermeisterstellvertreterin. In diesem Ehrenamt leitet sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Geschicke unserer Gemeinde. Kultur und Lokalpolitik.

Plötzlich werde ich angesprochen. Ich bemerke es nicht gleich, weil ich beim Fokussieren des nächsten Details bin. Es ist Shorty. Er kommt gerade von der Lindenschule, weil er dort für die kommende Übung noch seine Ortskenntnisse vertiefen wollte. Ja, auch unsere Feuerwehr hat eine Stelle am Baum. Mehr als 150 Jahre ist sie in unseren Orten schon aktiv. Im Einsatz für uns. Auch die Feuerwehr betätigt sich kulturell, hat sie doch im Landkreis den größten und aktivsten Spielmannszug. Seit vergangenem Jahr ist auch Doris dabei und bringt sich für eine schöne Sache ein.

Es lohnt sich die Dinge zu erforschen und zu hinterfragen. Dabei kommen spannende Geschichten zutage und wir lernen interessante Menschen kennen, die Verantwortung übernehmen und sich in vorbildlicher Weise für unser aller Gemeinwohl einsetzen. Sei es in Kultur, Sport, Politik oder sonst wo. Hinter jedem Symbol an diesem Baum stehen Menschen, die zusammen genommen in ihrer großen Vielfalt wertvolles für die Dorfgemeinschaft leisten.

„Um Sitte und Brauchtum zu erhalten, hat man mich hier hergestellt. Zur Freude der Jungen und der Alten, zur Besinnlichkeit mahnend auf der Welt.“ So ist es auf der goldenen Tafel am Stamm zu lesen. Betrachten wir unser Leben tatsächlich mit mehr Besinnlichkeit, hätten wir bessere Lösungsansätze für viele unserer Probleme und es gebe weniger Fake News.

Ralf Schreck – Freund des schönen Gesanges

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