Osterspaziergang

Natur im und am Rande des Dorfes

Man weiß nie was man erleben wird, also zog ich recht früh los und begab mich auf Entdeckungstour. Stille Erwartungen hatte ich schon, denn ich kenne mein Revier und weiß wer wo zu finden ist. Die beiden braunen Steine auf dem Gründungfeld hinter der Hecke bei der ehemaligen Bahnlinie waren natürlich Feldhasen. Vermutet hatte ich sie auf Linkenheimer Gemarkung. Und es war auch noch ein Dritter dabei. Zwei Fasanengockel in respektvoller Entfernung zueinander hatten jeweils ein paar Hennen im Schlepptau. Ein kleiner Trupp Stare fiel ein und mischte sich dazwischen. Kurz nach sechs Uhr waren auch schon zwei Jogger unterwegs, die heimische Tierwelt ließ sich dadurch jedoch nicht stören. Beim vermeintlichen Hasenfeld in Linkenheim querte plötzlich ein Rehbock meinen Weg. Die Tautropfen glitzerten festlich in der Morgensonne, auch ein Löwenzahn präsentierte sich im frühen Gegenlicht.

Beim Bienen Vater Denkmal überquerte ich die Landstrasse und radelte ins Linkenheimer Tiefgestade. Auch dort unten im Erlenbruchwald ist jetzt der Frühling eingezogen. Man wird von einem überwältigenden Vogelkonzert empfangen. Buchfinken, Rotkehlchen, Grasmücken, auch die kleinen Zaunkönige zwitschern um die Wette. Von der Ferne hört man den Kuckuck. Unser Umland im Rheinwald ist ein kleines Paradies. Auch beim alten Dachsbau schaut für einen kurzen Moment der erste Jungdachs aus dem Bau, um dann wieder in der dunklen Höhle zu verschwinden. Am benachbarten Getreidefeld watschelt eine Gruppe Graugänse. Der nasse schwere Lehm haftet an den Schwimmfüßen und einige Gänse haben Mühe die Lehmbrocken wieder loszuwerden. Auf den Wörth Wiesen kann man in der Frühe äsendes Rehwild beobachten. Es war ein erlebnisreicher Morgen an einem schönen Ostersonntag. Die Auferstehung, die Wiedergeburt, die Erneuerung lassen sich sehr schön auch in der Natur erleben.

Beim Rückweg in den Ort erfreue ich mich am Schattenspiel der Gehölze bei der Grundschule Leopoldshafen. Auch die alten ehrwürdigen Bäume im dortigen Umfeld lassen im Frühlingslicht die Blätter schön erstrahlen. Bei der Unterführung zur Haltestelle Leopoldstrasse erwacht die Kolonie Frühlingsseidenbienen in der Hangfläche. Die ersten Frühaufsteherinnen sind noch klamm von der Nachtkälte und lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen, bis sie schließlich ihr Tageswerk beginnen.

Zweieinhalb Stunden Erlebnistour in die nähere Umgebung. Ein Morgen voller Überraschungen und Erkenntnisse. Erlebbare Vielfalt, die wir unbedingt zeigen und achten müssen. Allen meinen Lesern und Followern wünsche ich Frohe Ostern und ebenfalls erkenntnisreiche Erlebnisse in unserer Heimat.

Ralf Schreck – Frühlingsfreund

 

 

 

 

Eine Wiese ist eine Wiese, ist eine Wiese

Neues von der Wiese beim alten Rathaus Leopoldshafen

Jetzt im April ist die Hauptfarbe gelb. Unzählige Blüten des Frühlingsfingerkrautes locken kleine und große Wildbienen. Ebenso die viel größeren Blumen des Löwenzahnes. Dazwischen entdeckt man die kleinen blauweißen Blüten des flachen Ehrenpreises und die rosa farbenen des Storchschnabels. Am Hahnenfuß sitzt ein zottiger Bienenkäfer. Wo man ihn sieht, sind auch Wildbienen in der Nähe, denn er parasitiert diese. Und tatsächlich, am Rande der Wiese, beim Übergang zur Gehölzgruppe entdeckt man die Röhren der Frühlingsseidenbienen. Im Freiland lassen sich nur sehr wenige Wildbienenarten eindeutig bestimmen. Bei fast 600 verschiedenen in Deutschland vorkommenden Wildbienen ist das auch nicht verwunderlich. Aber man findet in dieser Wiese zahlreiche und verschiedene Bienen. Kleine, große, dicke, dünne, pelzige, mehrfarbige. Eine Wespenkönigin patrouilliert unstet über die Blüten, bis sich auf eine kleine Raupe stürzt und diese in ihr Nest trägt. Plötzlich erscheint ein Schwalbenschwanz und beginnt mit der Eiablage an einer wilden Möhre. Nachdem wir wieder am Rand der Wiese stehen fliegt eine Elster ein und fängt sich eine Wildbiene, um diese zu verspeisen. Auch die kleine Bachstelze geht dort erfolgreich auf Beutefang. Bestimmt hat sie bereits Küken im Nest, die jetzt eiweißreiche Nahrung benötigen.

Das waren kurze Beobachtungen an drei Tagen im April. Man kann erkennen, dass es eine „funktionierende“ Wiese ist. Blüten bieten Nahrung für verschiedene Insekten und deren Entwicklungsstadien wie Eier und Raupen entwickeln sich am Blattwerk. Die Raupen wiederum oder wenigstens ein Teil davon dient der Aufzucht unserer Gartenvögel. Lebensraum Wiese mitten im Dorf. Es ist ein ausgeglichenes Beziehungsgeflecht. Es ist ein Geben und Nehmen.

Um eine solche Wiese zu erhalten bedarf es einer Mahd im Spätsommer mit anschließendem Abräumen des Mähgutes. Dadurch verhindert man einen Nährstoffeintrag, denn die Artenvielfalt ist umso höher, je magerer der Untergrund ist. Einen Umbruch der bestehenden Wiese, um dort eine Blühmischung anzulegen, würde das bereits bestehende Gefüge nachhaltig zerstören.

Insektenschutz im Dorf. Nutzen wir bestehende Strukturen. Kostenneutral zudem. Und natürlich bedarf es entsprechender Öffentlichkeitsarbeit.

Ralf Schreck – Insektenfreund

Frühling 2019

Das faszinierendste am Frühling ist, dass man das Erwachen der Natur hautnah erleben kann. Täglich blühen neue Stauden, Sträucher und Bäume auf. Der Spitzahorn an der Grundschule Leo lockt mit seinen grünlichen Blüten die Frühlingsseiden Bienen, die gerade in der benachbarten Bodendecker Fläche aus dem Erdquartier entsteigen. Im Friedhof Eggenstein erblühen die großblumigen Magnolien und es sieht so aus, als ob sie dieses Jahr nicht vom Frost dahingerafft werden. Und im Friedhof Leo leuchten die kleinen Krokusbeete um die Wette. Und am seitlichen Eingang des Friedhofs gibt es ein neues buntes Kiesbeet. Natürlich mit dem obligatorischen Vlies darunter.

Besonders schön sind die Kinderzeichnungen an der Straße oberhalb des historischen Waschplatzes, welcher sich ebenfalls frühlingshaft zeigt. Noch kennen unsere Kinder Käfer, Eule und Blume. Die Trauerweiden am Rande des Kleingartengeländes Leo leuchten um die Wette. Alles sieht so frisch und erneuert aus. Unter der Bank beim Spielplatz in der Max-Planck-Straße lugt ein Löwenzahn aus der steinernen Ritze. Eine kleine wilde Schönheit innerhalb unseres Leitbildes Grünpflege.

Im Rahmen dieses Leitbildes wird gerade an den Pflanzflächen im Bereich der Haltestelle Viermorgen (wer aussteigen will, muss Bedarf anmelden) die bodenbedeckende Bepflanzung entfernt und gegen Rasen ausgetauscht. Wer diese Flächen beobachtet bemerkt, dass just zu diesem Zeitpunkt zigtausende Frühlingsseidenbienen dort schwärmen und ihren Nistraum verlieren, bzw. dieser gravierend gestört wird. Laut Bundesnaturschutzgesetz stehen Wildbienen unter besonderem Schutz und dürfen nicht behelligt werden.

Zeitgleich stellen die Ehrenamtlichen der Agenda Gruppe Umwelt ein symbolisches Bienenwohnhäuschen in der Blumenwiese im Bürgerpark auf. Wie passt das zusammen? Es fehlt an Informationen und dem Willen einem Grünpflegekonzept den nötigen ökologischen Kick zu geben. In meiner Freizeit besuche ich mit meinen Insektenbildern die öffentlichen Sitzungen unserer Fraktionen und muss feststellen, dass es ein grundsätzliches Interesse gibt aber keine eigenen Konzepte gegen das Insektensterben. Ausgenommen davon ist unsere Umweltpartei, die als einzige in ihrer Haushaltsrede (veröffentlicht im letzten Amtsblatt) ausführlich auf Umweltthemen einging.

Der Wunsch einer anderen Fraktion nach einem Waldkindergarten geht in die richtige Richtung, denn diese Kinder erleben Natur von Anbeginn und werden später an ihren Eigenheimen mit Sicherheit keine Steinwüsten in ihren Gärten haben. Stimmt es uns nicht nachdenklich, dass freitags unsere Schüler für Klimaschutz demonstrieren? Wann reagieren wir Erwachsenen endlich? Wir brauchen Entscheider, die Straßenbahn und Rad fahren. Nicht im Urlaub, sondern tagtäglich für die Fahrt ins Büro und zum Einkauf. Wer diese Mühen und Strapazen erlebt, kennt die Problematik. Wer mit vollgepackten Satteltaschen bei Regen die Einkäufe erledigt und auf zugeparkten oder fehlenden Radwegen fährt oder an der Haltestelle vergeblich auf die Bahn wartet, weil es nur krankes Personal gibt, der sieht die Welt mit anderen Augen.

Was ist eigentlich ein Leitbild? Laut Wörterbuch ist es ein dem Menschen in seinem Empfinden und Handeln als Vorbild dienendes Ideal. Wenn das Leitbild Grünpflege nur darin besteht Arbeitsaufwand und Kosten zu sparen, dann ist das Thema verfehlt. Es gibt in unserer Gemeinde genügend Flächen, die aus botanischer und faunistischer Sicht hoch interessant sind. Jedoch finden diese Flächen noch viel zu wenig Beachtung.

Unsere Agenda Gruppe Umwelt und die seit kurzem neuformierte Ortsgruppe des BUND Hardt stehen parat und sind willig sich mit Ideen einzubringen. Die wollen aber auch Gehör finden. Das Rüstzeug ist da, wo ist der Acker?

Nachtrag: Unter anderem wurde auch unser Landschaftsgärtner Thomas über die Situation der Wildbienen bei der Haltestelle Viermorgen informiert. Das Schwärmen hatte er bereits bemerkt und bewusst einen seiner umsichtigsten Mitarbeiter dort eingesetzt. Wenn die Arbeiten bald erledigt sind, ist vielleicht doch noch nichts verloren.

Ralf Schreck – der an Viermorgen Bedarf zum Aussteigen anmeldet.

Frühling im Friedhof

Frühling im Friedhof

Zwanzig Grad Wärme Ende Februar ist schon außergewöhnlich. Die Natur erwacht mit einem Paukenschlag. Ja, jetzt ist es schön draußen zu sein. Um die ersten Frühlingsinsekten zu beobachten gehe ich gerne auf unsere Friedhöfe. Fündig wird man an den sogenannten Vorfrühlingsblühern wie Heidekraut, Christrosen, Krokussen, Hyazinthen, Narzissen, Primeln, sofern sie es denn noch gibt. Die Verwüstung unserer Vorgärten hat längst die Friedhofsmauern überschwemmt. Dieser Umstand kann als große Schande bewertet werden.

Aus beruflichen Gründen begehe ich seit über zwanzig Jahren zahlreiche Friedhöfe in unserer Region und muss zur Kenntnis nehmen, dass in vielen Orten diese Verwüstung immer weiter voranschreitet. Dies ist auch ein Versagen von Städten und Gemeinden, die ihren Pflichten gegenüber dem Artenschutz und der Biodiversität nicht nachkommen.  Jede Kommune erstellt für ihre Friedhöfe eine Satzung. Diese ist ein Regelwerk im Sinne des Allgemeinwohls. Dass man solche Ausartungen auf den Friedhöfen zulässt, ist nicht akzeptabel. Friedhöfe sind nicht nur Orte der Erinnerung und Begegnung, sie sind auch unsere grünen Lungen. Oftmals mit wertvollen Strauch-, Hecken- und Baumbeständen.

Dieser Umstand kann als große Chance im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes gesehen werden, wenn man das erkennen, verstehen und dann nutzen möchte. Es braucht Kümmerer und Befürworter von verantwortlicher Seite, nicht nur von außen, von Einzelinitiativen.  Auch wenn es auf unseren beiden heimischen Friedhöfen noch „pflanzlich“ zugeht, sind auch bei uns erste Tendenzen festzustellen.

Zurück zu den Insekten. Diverse Hummelköniginnen sind aus ihrem Überwinterungsquartier gekommen und laben sich am Erika, dem echten Heidekraut. An jedem dieser Zwergsträucher kann man Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und auch die ersten Falter beobachten. Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, C-Falter, sogar ein erstes Taubenschwänzchen, ein tagaktiver Nachtfalter, labt sich am süßen Nektar. Es finden sich äußerst interessante Sträucher in unseren Friedhöfen, die durch ihre frühe Blüte einen wertvollen Nahrungsquell darstellen. Selbst nicht heimische Exoten wie Zaubernuss (Hamamelis mollis), Scheinhasel (Corylopsis pauciflora), Wohlriechende Heckenkirsche (Lonicera fragrantissima) und Duftschneeball (Vibrnum fragrans) sind wertvolle Insektenpflanzen. Durch ihre frühe Blüte und reiche Verfügbarkeit an Pollen und Nektar sind sie Magneten für Blaue Holzbiene, Rote Mauerbiene und viele mehr.

Das schönste Erlebnis in dieser Woche war jedoch ein Trupp Kraniche am Himmel über Wöschbach, die mit ihrem unverkennbaren Rufen den Frühling einleiteten. Erlebbare Natur in unserer Heimat für alle. Kann man haben, wenn man will. Einfach mal raus gehen, beobachten, alles auf sich wirken und sich mitreißen lassen.

Ralf Schreck – Naturfreund

Zirkus Lindenschule

Zirkus Lindenschule

Lieber Herr Ullrich, liebe Lehrer/innen, liebe Eltern, liebe Kinder,

diese Vorstellung war nicht zirkusreif, nein sie war Oscar reif! Ein Höhepunkt jagte den anderen, ich war froh, dass es die Pause gab, bei der man etwas durchatmen konnte. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ein solch kurzweiliges Spektakel habe ich selten erlebt. Die Sporthalle bebte fast pausenlos. Begeisterungsstürme führten am Ende zu Standing Ovations. Viele waren einfach nur sprachlos und glücklich dabei gewesen zu sein. Was, eine Woche Vorbereitungszeit und dann eine solch perfekte Inszenierung? Akrobatik, Slapstick, Clownereien, Ball Spiele, Hulla hup, Springseil Aktionen, Leiter Akrobatik, Zauber Einlagen, Hochseil Artistik, Showeinlagen mit Leuchteffekten, Tellerkreisen, Bandolino Vorführungen und am Ende die grandioseste Feuershow aller Zeiten! Das gibt es nicht, war mein erster Gedanke. Unsere Feuerwehr positionierte sich mit je einem Kameraden rechts und links mit Handschuhen und Feuerlöscher für den Fall der Fälle. Und dann stieben auch schon die ersten Flammen durch die Manege. Ein Raunen ging durch die Zuschauer, was aber absolut unnötig war, denn die kleinen Profis hatten alles im Griff und für ein nicht ausgehend wollendes Feuer gab es stets einen Notfallplan, es wurde einfach ausgepustet. Auch die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes stand parat. Unvergesslich bleibt auch die Vorführung der Fakire, die sich auf Glasscherben und das Nagelbrett legten! Ein rundum perfekter Zirkustag, der nur einen Wunsch offenließ. Wann ist die nächste Vorstellung?

Der Erfolg an diesem großartigen Tag liegt am hinterlegten Konzept und den vielen Beteiligten, die dieses gemeinsam umgesetzt haben. Wir stärken unsere Kinder, indem wir sie ermutigen auf ein schönes Ziel hinzuarbeiten. Dadurch werden Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft gefördert. Man lernt die vermeintlich eigenen Grenzen kennen, diese zu überwinden und großartiges zu erreichen. Vertrauen und Mut arbeiten Hand in Hand. Fürsorgliches Führen, Vertrauen und Zuversicht vermitteln, dann wachsen alle aus sich heraus.

Alles sah so einfach und spielerisch aus, selbst die Pausen Ankündigung wurde inszeniert. Eine tolle Moderation und schöne Zirkusmusik mit orientalischem Touch sorgten für ein stimmiges Ambiente. Die Augen der Künstlerinnen und Künstler sprachen Bände.

Das habt ihr alle sehr, sehr gut gemacht.

Ralf Schreck – Zirkusfreund

 

Die Lindenschule war auch „meine“ Schule. Deshalb stelle ich ihr auch meine Fotos zur Verfügung. Viele haben einen Wiedererkennungswert. Wer Interesse hat meldet sich bei der Lindenschule und wem sie gefallen gibt vielleicht auch eine kleine Spende für den Förderverein?

 

Das Biotop im Bürgerpark

Das Biotop im Bürgerpark

War ursprünglich ein Teich mit sichtbarer Wasserfläche. Wenn ich mich daran erinnere wurde die Teichwanne mit Lehmziegeln angelegt. Die ältesten Fotos zu diesem Biotop aus meinem Archiv stammen aus 1992 und 93. Damals stand allerdings die Familie im Vordergrund und den Teich kann man im Hintergrund sehen. Die nächsten Bilder stammen erst aus dem Jahr 2011. Darauf kann man erkennen, dass dieses Biotop bereits vollständig von Sträuchern umwachsen war. Die Wasserfläche war nicht mehr sichtbar. Neben den Gehölzen hatte sich Bambusgruppe stark ausgebreitet.

Im Laufe der Jahre hat sich dieses Biotop „verselbständigt“ und wurde mehr oder weniger sich selbst überlassen. Für die Natur ist dieser Zustand ideal, spielen sich doch die ökologischen Beziehungen im Verborgenen und vor unseren Augen geschützt ab. Ungestörte Tier- und Pflanzenwelt konnte sich entwickeln. Aber wir sind im Bürgerpark und der gehört uns Bürgern und dieses Biotop soll erlebbar sein und bleiben. Für diesen Wunsch hat sich jetzt eine Option ergeben, denn die Strom Firma, die vor etwa zwei Wochen beim Pflegeschnitt (zur Freihaltung des Bereiches unterhalb der Stromleitungen) zu viel des Guten tat, hat nach der Bitte um Stellungnahme einen Ausgleich angeboten.

Fast alle Sträucher wurden auf Stock gesetzt und geben jetzt den Blick auf den fast verlandeten Teich frei. Das Flusspferd vom Benno ist zwar schön zu sehen, liegt aber seit vielen Jahren auf dem Trockenen. Jetzt, was tun? Jetzt sind Ideen gefragt. Man könnte den Teich „entschilfen“ und einen Teil des Schlammes entfernen. Neue Wasserpflanzen einsetzen und eventuell den Uferbereich in Teilflächen mit Stauden bepflanzen? Ist der Teich denn dicht? Stehen Folgearbeiten an? Reicht der angebotene Ausgleich aus? Ist dieses Projekt finanziell zu stemmen? Im Schlamm befinden sich Larven von Libellen, Stein- und Schlammfliegen, Gelbrandkäfern und anderen. Vielleicht sogar Frösche, Kröten und Molche? Werden diese mit dem Schilf entsorgt oder wird man versuchen einen Teil davon zu retten?

Nutzen wir die zu planende Aktion als Chance unseren Bürgerpark ein weiteres Stück aufzuwerten. Denken wir an die schöne Nussbaum Allee entlang des Pfinzkanals, die anderen interessanten Baumarten, den Maulbeerbaum des Manfreds, die Knobloch Ulmen und die vom Seniorenbeirat initiierten Sportgeräte. Auch unsere Blumenwiese gehört dazu. Und der Boule Platz, ebenso die Tischtennisplatte, das Schach und alles andere. Der Bürgerpark, grüne Lunge Eggenstein-Leopoldshafens. Verbindung zwischen Hardtwald, Dorfgemeinschaft im Hochgestade und Feldern, Wiesen und Rheinwald im Tiefgestade.

Eine weitere spannende Geschichte unserer Heimat, die bestimmt eine schöne Fortsetzung findet. Lassen wir uns überraschen.

Ralf Schreck – Biotop Freund

Der kleine Zaunkönig

Der kleine Zaunkönig

Bevor die Fahrt begann, besuchte ich noch einmal unseren Kleingarten in Eggenstein, um Kraft zu tanken. Für zehn Minuten das Gartengrün und die Andersartigkeit des kleinen Paradiesgärtleins dort unten zu erleben. Fasziniert hielt ich inne, als plötzlich die jungen Zaunkönige aufflogen. Ein Küken landete verdutzt auf meinem Arm, um sich nach wenigen Momenten auf Nachbars Kirschenbaum in Sicherheit zu bringen. Junges Leben wurde in die Welt entlassen.

Es war eine lange Fahrt und wir redeten nicht viel. Es war eine bedrückende Stille. Innerlich angespannt, weil wir nicht wussten was uns erwartete. Nach einigen Stunden erreichten wir Ostfriesland und unser erstes Ziel war Martha. Als ich die Kirche betrat und sie von der Ferne sah, fiel eine Last von mir. Sie sah aus als würde sie schlafen. Ihr Gesicht entspannt und wie sie so da lag strahlte sie eine würdevolle Ruhe aus. Wir sahen, sie hatte es gut. Unsere Ängste waren unbegründet. Martha ist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Wir konnten Abschied nehmen und uns unserer Trauer hingeben. Ein altes Leben hat die Welt verlassen.

Es gab zwei Trauerfeiern für Martha. Eine in Ostfriesland und die Bestattungsfeier in Leopoldshafen, die Dr. Kendel begleitete. Daran nahmen auch unsere Söhne teil. Beide Feiern waren stimmig und wichtig für den Abschied. Abschied nehmen können ist eine Gnade. Und jedes Mal, wenn ich einen Zaunkönig sehe, denke ich an Martha.

Ralf Schreck

 

Das Gartenprojekt der Lindenschule Eggenstein

Das Gartenprojekt der Lindenschule Eggenstein

Es ist einfach nur faszinierend zuzusehen, was Kinder tun, wenn man ihnen eine Aufgabe gibt. In kürzester Zeit entwickelt sich dabei eine Eigendynamik, die man schier nicht mehr beeinflussen kann. Man kann dann nur noch regelnd eingreifen. Jede und Jeder möchte dann jäten, säen und pflanzen. Im Nu stehen viele Kinder im kleinen Schulgarten und werkeln, wuseln und schaffen. Diese Begeisterung macht die Erwachsenen drum herum sprachlos und ist einfach nur vorbildlich. Rolf hatte es als erster formuliert. Und dieser Tatendrang ist ansteckend. Selbst bei der Blumenzwiebelpflanzung im Dauerregen Anfang Dezember konnte man das erleben.

Das Blumenwiesenprojekt im Bürgerpark brachte der Agenda Gruppe Umwelt viel Aufmerksamkeit. Eine Folge davon war, dass wir vom Rektor der Lindenschule angesprochen wurden, ob wir beim bereits begonnenen Lindenschulgarten mit Rat und Tat behilflich sein könnten. Klare Sache, Schule, Kinder, Garten, Umwelt und Natur, da waren wir sofort dabei. Beim ersten Termin im Juni wurde das Vorgehen geplant und beschlossen. So gab es zwei Arbeitseinsätze, jeweils samstags. Beim ersten Ende Juni wurde gejätet, gehäckelt und Blumensamen gesät. Beim zweiten Einsatz im Dezember schließlich wurden nach erneutem Jäten die Zwiebelblumen gesetzt.

Der Erfolg des Unterhaltes und der Pflege dieses Gärtchens ließ nicht lange auf sich warten. Sobald blühende Pflanzen erschienen, folgten gleich die Insekten. Schmetterlinge, Honigbienen und andere fanden sich ein. Beim Hotel Fleur konnte man Ende Oktober die Blauen Holzbienen beobachten. Wer den Schulhof betritt entdeckt die bepflanzten Plastikflaschen bei der Fluchttreppe und die aus Abfallmaterialen gestalteten Pflanzen und Tiere an der seitlichen Mauer. Kunstwerke in unserer Lindenschule. Ein durchdachtes Projekt mit einer Vision. Und damit bewarb sich Rektor Ullrich für den Kreisumweltschutzpreis des Landkreises Karlsruhe!

Da war ich zuerst skeptisch, ob eine solch kleine Aktion Gehör finden würde. Beim Betrachten der erforderlichen Kriterien wie Nachhaltigkeit, Vorbildfunktion, Einbeziehung von Eltern und anderer Gruppen, ehrenamtliches Engagement von Schülerinnen und Schülern, Öffentlichkeitsarbeit, war eigentlich klar, dass alles erfüllt wurde. So kam es wie es kommen musste! Das Lindenschul-Gartenprojekt erzielte den 2. Platz beim Kreisumweltschutzpreis und bekam in einer würdigen Aktion im Landratsamt von unserem Landrat Dr. Christoph Schnaudigel eine Urkunde und ein schönes Preisgeld überreicht.

Um ein solches Ziel zu erreichen bedarf es Menschen mit Ideen und Visionen, wie Rektor Klaus Ullrich einer ist. Trotz fehlender Schulstunden für solche Umweltprojekte hat er mit Erfolg versucht sein Vorhaben zu verwirklichen. Dass dabei die Agenda Gruppe Umwelt beteiligt war erfüllt mich mit besonderer Freude. Sehr gefreut hat mich auch, dass unser Bürgermeister Bernd Stober bei der Preisverleihung zugegen war. Zeigt er doch dadurch sein Interesse und die Bedeutung für solch vorbildliche Aktionen.

Jetzt wollen wir uns aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen, denn es sind bereits weitere Aktionen geplant. Bis Mitte März wollen wir das „Hotel Fleur“ renovieren, damit das Insekt des Jahres 2019, die Rostrote Mauerbiene dort einziehen kann. Dort weiter zu machen ist für mich Ehrensache, schließlich ist die Lindenschule auch „meine Schule“, denn ich war früher dort selbst Schüler. Ist es nicht schön von dem dort gelernten wieder etwas zurück zu geben?

Ralf Schreck – Freund der Lindenschule

 

 

Waidgerecht … schämt euch

Beobachtungen und Erlebnisse während der Drückjagd in Leopoldshafen

Am Nachmittag nahm ich bereits den zweiten Beobachtungsstand auf einer Kanzel im Schröcker Rheinwald ein. Genauer gesagt wurde ich abgesetzt wie die teilnehmenden Jäger mit dem Hinweis seinen zugewiesenen Platz nicht vorzeitig zu verlassen. Wie jedes Jahr war alles für und um die Jagd organisiert, geregelt und besprochen. Nun saß ich da und überblickte das Waldgelände vor mir. Im Vergleich zum Vorjahr war es sehr zerzaust und sah aus, als hätte dort ein Sturm gewütet. Die Forstwirtschaft hatte die vom Eschentriebsterben betroffenen Eschen entnommen, ebenso einige Erlen, die man Wegesrand liegen sah. Auch wenn es dort jetzt chaotisch aussieht, es wird dort wieder nachgepflanzt, denn unser Forst wird nachhaltig betrieben.

Dann kam das Reh. Auch der Jäger rechts von mir war aufmerksam. Ob Beobachter oder Jäger, oft erkennt man die Bewegung, die plötzliche Veränderung im Gelände und sieht eine Chance. Auch das Reh hatte seine Chance und lief zunächst in Richtung Schilfgürtel mit guter Deckung, verharrte kurz davor, um sich dann zu drehen und wieder zurück ins ausgeholzte Gelände zu laufen. Der Jäger war hoch konzentriert, legte an, zielte. Als es kurz stehen blieb war es tot, bevor der Hall des Schusses verklungen war. Diese Szene des Sterbens eines Wirbeltieres konnte ich genau beobachten und in Teilen mit der Kamera dokumentieren.

Was habe ich dabei empfunden? Ein schneller Tod ohne Leiden. Die Jägerschaft erfüllt in einer solchen Drückjagd ihren Auftrag zum Schutz von Wald und Landwirtschaft, denn die Gegenspieler wie Wolf, Luchs oder Bär gibt es bei uns nicht. In meinen Augen ging es gerecht zu. Die Jäger nennen das waidgerecht. Als das Reh zu Boden ging fielen mir die Szenen der auf Spaltböden gehaltenen und in Massen gepferchten Hausschweine ein, die man gelegentlich im Fernsehen sieht. Schweine mit hoch ausgebildetem Riechvermögen müssen lebenslang ihre eigenen Fäkalien riechen und später im Schlachthaus das Blut und den Tod der eigenen Artgenossen. Männliche Ferkel werden ohne Betäubung kastriert. Ist das waidgerecht? Dann will man uns weismachen, dass das vom Verbraucher so gewünscht wird, weil er erwartet billiges Fleisch zu bekommen. Ich bin Verbraucher aber ich wünsche das nicht!

Die Jagd wurde im Vorfeld sabotiert. Die Jägerhalle wurde auf der Rückseite zwei Mal mit dem Schriftzug „Waidgerecht? Schämt euch“ beschrieben. Eine feige Tat, die als Sachbeschädigung zu bewerten ist. Kritik sollte offen formuliert werden. Das warum und weshalb lässt sich im direkten Gespräch immer am besten erläutern. Ich kenne keinen Jäger dieser Jagd, der nicht bereit gewesen wäre Rede und Antwort zu stehen. Feige im Untergrund zu agieren ohne Alternativen zu bieten kann niemals konstruktiv sein.

Eine halbe Stunde später kam ein weiteres Reh, derselbe Jäger legte erneut an. Auch ich hatte es vor der Linse und wartete auf den nächsten Schuss. Er ließ es ziehen und es verschmolz schließlich in seinem winterlichen Kleid mit den Farben der grauen Stämme und dem Grau dieses kalten Wintertages. Diese Jagd war Stress fürs Wild, ohne Zweifel Und doch habe ich auch dieses Mal Rehe und Füchse gesehen, die sich von den Treibern überlaufen ließen und dem Geschehen dadurch entkamen. Was ist fürs Wild mehr Stress, eine definierte Drückjagd an einem Tag im Jahr oder die Sylvesterböllerei mit Krach, Raketenblitzen und Tonnen von Feinstaub?

Ralf Schreck

 

Die beigefügten Bilder zeigen Szenen einer Jagd wie sie am 29.12.2018 abgelaufen ist.

 

Erlebte Ortsgeschichte

Erfolgreiche Ortsgeschichte

 

Die Agenda Gruppe Ortsgeschichte blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Zahlreiche Veranstaltungen bereicherten unser Dorfleben. So gab es im Januar in der Rheinhalle die Veranstaltung zum 200-jährigen Rheindurchstich von Tulla, im Mai gab es beim Pamina Tag die beliebten Führungen mit der Fähre Sophie und per Rad in die Umgebung. Im evangelischen Gemeindesaal war Filmvorführung mit Michael Martin und Spiel und Spass mit der Leobande. Im Juli wurde beim Museumsfest der renovierte Dr. Esser Brunnen eingeweiht, beim Schröcker Dorffeschd war die AG Ortsgeschichte einbezogen, im Herbst folgten die sehenswerten Filmvorführungen und der Abschluss im Dezember fand beim Nikolausfest im und am Schröcker Heimatmuseum statt. Unser Bautrupp half bei der Renovierung des Waghäuschens, ein historisches Plumpsklo entstand, der Maulbeerbaum im Bürgerpark wurde im heißen Sommer gegossen und, und, und. Diese Aktionen waren nur möglich durch Unterstützung unserer Gemeinde, den Sponsoren und den zahlreichen Helferinnen und Helfer, die sich freiwillig in vielfältiger Art und Weise eingebracht haben. Auffällig war, dass die einzelnen Aktionen erfolgreicher waren, wenn auch andere Gruppen außerhalb der Ortsgeschichte beteiligt waren. Zu nennen sind unter anderem die Alden Bumbln, die Vogelfreunde, die Grabbeschnawwel, die Leobande, die Agenda Gruppe Umwelt, die Freiwillige Feuerwehr. Innerhalb dieser Gruppen gibt es zahlreiche Berührungspunkte, die man erkennen und zusammenführen kann. Ist das nicht eine herrliche Vielfalt, sozusagen unser gelebtes Gemeinde Motto, Wohlfühlen in Vielfalt? Dafür sagen wir Danke! Danke sagen wir der interessierten Bevölkerung, die mit dem Besuchen unserer Veranstaltungen und unserer Museen ebenfalls zum Erfolg beigetragen haben. Danke auch Frau Karb, die uns einen Tropfenfänger für die neue Kaffee-Kultur Ausstellung im Heimatmuseum geschenkt hat. Wir wünschen allen eine Frohe Weihnacht und alles Gute fürs Neue Jahr 2019. Mit dem gleichen Schwung beginnen wir bereits am 3. Januar 2019 die erste Veranstaltung aus unserer Filmreihe „Zurück gespult“ und zeigen den Film zum Jubiläumsumzug zur 1250 Jahrfeier von Michael Martin.

 

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Ortsgeschichte

 

Vieles spielt sich im Hintergrund ab. Am Samstag abend, auf dem Weg zu Bruno haben wir Wolfgang gesehen, wie er gerade die Museumstüre abgeschlossen hat. Vorletzte Arbeiten an der neuen Sonderausstellung? Der Museumsbautrupp hat fast unbemerkt das Waghäusel renoviert. Aber nur fast, denn man konnte es im Amtsblatt lesen. Genau, über solche Aktionen müssen wir berichten, zeigen sie doch, wie wertvoll sie sind für ein aktives Gemeinschaftsleben. Für mich sind das die Helden des Alltags. Nebend der Ortsgeschichte gibt es die Umweltgruppe, den Seniorenbeirat und viele andere Gruppen, die sich ebenfalls aktiv fürs Gemeinwohl einsetzen. Es geht uns gut. Wir leiden keine Not, leben seit vielen Jahren in einer Demokratie. Demokratie ist verletzlich und keine Selbstverständlichkeit. Wir sehen und lesen das tagtäglich in den Medien. Mit dem Einsatz der Menschen in den einzelnen Gruppen und Vereinen leisten wir einen wichtigen Beitrag für ein faires, lebens und liebenswertes Miteinander. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

Allen meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine Frohe Weihnacht und alles Gute fürs Neue Jahr 2019.