In der Nachbarschaft

Am Freitag war ich beruflich unterwegs in der näheren Nachbarschaft. Erstes Ziel war der Friedhof Hochstetten. Kaum angekommen wird man von den schönen Bildern der Kita Kindern begrüßt. Da geht man doch gerne wieder hin. Es war ein kalter und grauer Morgen. Und die Stiefmütterchen im neu angelegten Prachtbeet lagen förmlich am Boden. Das ist aber nichts ungewöhnliches, denn die stehen mit den ersten Sonnenstrahlen wieder auf. Im Frühling wird dieser schöne Platz ein „echter Hingucker“.

Friedhof Hochstetten

Weiter ging es nach Liedolsheim. Auch die ist eine schöne Gemeinde. Unterhalb des Friedhofes steht ein schmuckes Fachwerkhaus. Ich nehme die Treppe hinauf, gehe durch den Torbogen und entdecke sofort die nächste Begrüßungsüberraschung. Die bemalten Dachziegel sind inspirierend. Die alten Bäume dort sind Raum bestimmend. Ich erlebe dort eine schöne Stimmung.


Friedhof Liedolsheim

In Rußheim kommt für wenige Minuten die Sonne raus und lässt die Beeren der Feuerdorn Sträucher leuchten. Das sind echte Blickfänge. Auch hier prägen die großen und alten Kastanien den Bereich um das Gärtner gepflegte Grabfeld. Dann entdecke ich die metallene Jesus Figur, die fragend die Hände gen Himmel streckt. Es ist eine schöne Figur, auf dem Eggensteiner Friedhof steht eine ähnliche. Einerseits verkörpert sie den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen, andererseits vermitteln die fragenden Hände auch Hoffnung auf Vergebung, auf Wiedergeburt, auf Erneuerung.


Friedhof Rußheim

Danach bin ich in Neudorf und erfreue mich über die Infotafel an der Kirche, welche der Heimat- und Mesumsverein Graben-Neudorf erstellt hat. Ortsgeschichtler sind in vielen Gemeinden ehrenamtlich tätig und das ist schön so. Friedhöfe als Orte der Erinnerung. An einigen Gräbern finden sich schöne Schrifttafeln, die die Verstorbenen würdigen. Außerhalb des Friedhofs befindet sich eine Marien Grotte. Beim Betrachten dieser Anlage fielen mir unmittelbar die Worte meines Deutschlehres ein. Er meinte damals, ein solcher Ort verliert seinen Kitsch, sobald sich ein Mensch davor kniet und betet. Diese Worte verstand ich als Kind schon.


Friedhof Neudorf

Auf dem Grabener Friedhof fallen die floristischen Werkstücke auf. Hier sprechen die Blumen. Das Grabfeld ist eines der schönsten in der Umgebung. Ein Bestandteil davon ist die Fläche mit dem Sprudelstein. Die Quelle als Symbol für Neuerung und Leben. Tod und Leben, Leben und Tod. Das eine gibt es nicht ohne das andere.

In Neuthard sticht die Stechpalme ins Auge. Rote Beeren zieren die grün-weißen Blätter. Traditioneller Weihnachtsschmuck, den man sich jetzt ins Haus holen kann. Die Aussegnungshalle besticht durch ihre Schlichtheit und die alten Bäume betonen auch hier diesen Ruheort.

Die Aussegnungshalle in Karlsdorf wirkt auf den ersten Blick „altbacken“. Allerdings lockt die Fassade zum näher Treten. Auch ein Blick ins Innere wird belohnt. Das bunte Glasfenster leuchtet einem entgegen und die weißen Fassadensteine geben dem Ganzen einen ruhigen Rahmen.

Spaziergänge in der Nachbarschaft. Vieles ist wie zu Hause. Manches auch anders. Aber überall findet man Gestaltung, Erneuerung und Bewahrung. Diese Orte mit ihren Friedhöfen besuche ich schon mehr als zwanzig Jahre. Die roten Fäden sind überall erkennbar. Das gibt mir zu Denken und erfüllt mich zugleich mit Dankbarkeit an einem Ort, in einem Land zu leben, in welchem vieles funktioniert und uns dabei so selbstverständlich erscheint.

Ralf Schreck – Heimatkundler

Zuversicht

Einsichten zu Ansichten

Ordnung – Manche Motive ziehen mich an. Wie im Reflex zücke ich dann die Kamera und mache ein Bild. Beim Betrachten im Nachhinein versuche ich zu ergründen, was mein Interesse erweckte. Bei den Bildern unten ist es die mir vermittelte Ordnung. Wir sind an der Gemeinschaftsschule und am Kirchplatz in Eggenstein. Der schlichte Betonbau strahlt Ruhe aus, die durch die Bäume betont wird. Beim Kirchplatz ist es der Bücherschrank, der von unserem Seniorenbeirat initiiert wurde. Es ist ein durchdachter Bücherschrank, von außen bedienbar und keine upcycelte Telefonzelle. Seitlich gibt es einen Infobereich. Innen gefüllt mit lesbarer Kultur. Gewerbebaum linker Hand, Weihnachtsbaum rechter. Mittig steht das I-Tüpfelchen, der Bücherschrank. – Wie gesagt, diese Ordnung spricht mich an, auch dieser Ort, ist er doch sehr Symbol behaftet. Das entspricht meiner Wertevorstellung.

Wenn Licht in der Seele ist,
ist Schönheit im Menschen.
Wenn Schönheit im Menschen ist,
ist Harmonie im Haus.
Wenn Harmonie im Haus ist,
ist Ordnung in der Nation.
Wenn Ordnung in der Nation ist,
ist Frieden in der Welt.

aus China

Das ist am Kleinen Bodensee bei Eggenstein. Wer hier eine Ordnung erkennt, der hat das Leben verstanden.

Weitsicht – Vom Balkon blicke ich aufs Hotel Leo und die Mannheimer Straße. Natürlich fallen mir die Sonnenuntergänge auf. Manchmal überwältigend, manchmal nicht sichtbar, weil der Himmel zu grau, aber es ist jeden Tag anders. Das Bild mit dem schöneren Vordergrund hat mir Wilfried geschickt. Das hat er ebenfalls vom Balkon aus gemacht. Er hat an mich gedacht und es mir geschickt. Welch eine Freude! Erlebnisse teilen. Suchen wir nach Gemeinsamkeiten, finden wir sie auch. Eine solche Verbindung führt zur Freundschaft.

Habt Mut zu träumen, und ihr werdet in der Ferne ein Licht leuchten sehen, das schon die Spitzen der Gebirge vergoldet. Es wird über eine Welt flammen, aus der sowohl die lügenhafte Dämmerung der falschen Romantik wie die künstliche und vergiftete Überhelligkeit einer bis zur Tobsucht entfesselten Technik gewichen sein werden.

(Jakob Wassermann, 1873-1934)

Hoffnung – Wir sind unten beim FVL Leopoldshafen und erblicken die graue Wolkenwand. Im benachbarten Wörth ist sie bereits schwarz. Sehen wir das Unheil und die Furcht oder freuen wir uns auf die Erneuerung nach dem Regen? Auf die aufsteigenden Nebel unter den Apfelbäumen der Obstanlage Metzgerwört in Eggenstein? Auf die hoffnungsfrohe Stimmung im diffusen Gegenlicht? Der Himmel über Leopoldshafen ist bereits azurblau und die weißen Wolken sind die Sahnehäubchen dazu. Die goldnen Sterne finden wir am Firmament des alten Hafens. Wer Sternschnuppen sieht darf sich was wünschen. Und wünschen ist jetzt in der Vorweihnachtszeit angesagt. Deshalb wünsche ich mir Corona weg. Der Baum mit dem Zauberlicht steht im Bereich zwischen Leo und dem Hardtwald.

Schwarze Wolken, graue Wolken

Schwarze Wolken, graue Wolken,
Grau der Kummer, schwarz der Kampf,
Sieh’, dort unter grünen Bäumen
Steigt herauf ein weißer Dampf.

Blauer Himmel, goldne Sterne,
Güt’ger Allmacht Zauberlicht,
Strahlend, wachend in der Ferne,
Herr und Gott verlaß mich nicht!

Friederike Kempner

Welchen Weg wollen wir beschreiten? Den der Erneuerung oder den des Vergehens? Ist das nicht einerlei? Denn beides gehört doch zusammen. Es gibt nicht den einen ohne den anderen. Es ist ein ewiger Kreislauf.

Hier wandern wir Richtung Leopoldshafen unweit der alten Bahnlinie. Es war ein kalter, grauer und nasser Sonntag Morgen und doch war er Bild gewaltig. Rechts ist der braune und vertrocknete abgestorbene Wiesenstreifen, links das frische Gelb der Gründung Wiese. Größer könnte der Gegensatz nicht sein. Aber Gegensätze ziehen sich bekanntlich ja an.

Die Welt will sich erneuern. Es riecht nach Tod. Nichts Neues kommt ohne Tod.
Hermann Hesse

Das war ein klein wenig Heimatkunde.

RM Schreck im Dezember 2020

Hoffnung

Ein kleiner besinnlicher Spaziergang an einem kalten November Sonntag in der Frühe. Die übliche Tour. Und doch ist es jedes Mal besonders.

Als ich diese Blumen entdeckte, musste ich spontan an Angela denken und grüße sie damit.

Beurteile einen Tag nicht nach den Früchten, die du geerntet hast, sondern an den Samen, die du gesät hast.
(Robert Louis Stevenson)

Einer meiner Traumplätze.

“Das Bewusstsein eines erfüllten Lebens und die Erinnerung an viele gute Stunden sind das größte Glück auf Erden.“
(Cicero)

Die blaue Stunde ist für Fotografen sehr begehrt.

Wer einmal sich selbst gefunden, kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.
(Stefan Zweig)

“Der Tod ist das Tor zum Licht
Am Ende eines mühsam gewordenen Weges.“
(Franz von Assisi)

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Grenzgänger zwischen Leopoldshafen und Linkenheim.

Das, worauf es im Leben ankommt, können wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Am Baggersee Leopoldshafen.

“Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser, Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Die geheimnisvolle Insel im Baggersee.

“Die Erinnerung ist das einzige Paradies,
Aus dem wir nicht vertrieben werden können.“
(Jean Paul)

Der Morgen war kalt. Die Empfindungen waren es nicht.

Alles, was ich über das Leben gelernt habe, kann ich in drei Worten zusammenfassen: Es geht weiter.
(Robert Frost)

Zauberhafte Wasserwelten

Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest.
(Mahatma Gandhi)

Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern sie alle siegreich und glorreich zu überwinden.
(Carl Hilty)

Hinterm Schilf geht es weiter

“Verstehen kann man das Leben nur rückwärts,
Leben muss man es vorwärts.“
(Sören Kierkegaard)

Sieht aus wie in Kanada, ist aber in Schröck

Leben: Das ist das, was passiert, während du fleißig andere Pläne machst.
(Allen Saunders)

Herrliche Herbststimmung

“Den Tod fürchten die am wenigsten,
Deren Leben den meisten Wert hat“
(Immanuel Kant)

Heimat

“Der Tod ist gewissermaßen eine Unmöglichkeit,
Die plötzlich zur Wirklichkeit wird.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Der Titel dieses Bildes heißt Hoffnung und Zuversicht. Durch die kalte Laubdecke sprießt neues Grün. Mehr muss man dazu nicht sagen.

“Sie ist nun frei
Und unsere Tränen
Wünschen ihr Glück.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Meine Art der Trauerbewältigung.

Blühe dort wo du wurzeln hast

Für die aufrichtigen und sehr berührenden Worte zum Tode von Gertrud sind wir sehr dankbar. Was ich mir bei meinen öffentlichen Auftritten und Äußerungen an Gemeinschaft immer wünsche, ja auch ersehne, das wird nun unserer Familie zuteil. Die uns und vor allem Gertrud entgegen gebrachte Würdigung und Wertschätzung ist für uns alle ein wichtiger Trost und hilft uns den Schmerz in diesen Tagen erträglicher zu machen.

Es sind schöne Karten.

Es sind die schönen Handschriften.

Es sind besonders schöne Worte.

Es sind die einfachen und ehrlichen Gesten.

Es sind die mitfühlenden Blicke.

Am Ende des Weges.

Wir waren früher oft spazieren im Hardtwald. Der erste Weg, den wir sehen ist der „Romantische Weg“. Damals war es ein einfacher Waldweg ohne Beschilderung. Aber romantisch war er zu dieser Zeit schon. Wir alle wußten das und mussten nicht darauf hingewiesen werden. Der letzte Weg mit dem Radler ist ein Teilstück der Grabener Allee, ebenfalls im Hardtwald bei Eggenstein. Dazwischen hören wir die Glocken der Kirche von Dittigheim, dem Geburtsort von Gertrud. Es sind schöne Klänge, es sind schöne Waldwege.

Brücken bauen für die Erinnerung

Vom Romantischen Weg zur Grabener Allee überqueren wir die Brücke über den Pfinzentlastungskanal beim Absturzbauwerk, wo wir früher so oft waren. Die Glocken von Dittigheim klingen genauso schön wie die von Eggenstein. Wie schnell haben wir da die Verbindung zur Erinnerung und zu unseren Liebsten gefunden?

Blühe dort, wo du Wurzeln hast.

Wenn dir das gelingt findest du überall eine Heimat mit Familie, Freunden und Gemeinschaften.

Gedicht von Theodor Storm.

In „Diddiche“ (Dittigheim) einen Überblick zu bekommen ist einfacher als in Eggenstein. „Eggschdoi“ ist eben, der Unterschied zwischen Hoch- und Tiefgestade ist nur gering, um eine schöne Übersicht zu bekommen. Aber wie es so oft im Leben ist, das Schöne liegt oft im Hintergrund, im Verborgenen. In Dittigheim wandert man einfach auf den Höhberg und hat von dort einen schönen Blick.

Bis dass der Tod uns scheidet.

Hier wohnt jetzt Philipp. Im Heim am Hardtwald.

Heute – 08.11.2020 – habe ich ihn besucht und habe ihm die Kondolenzbriefe und Karten vorgelesen. Ein Taschentuch hat nicht gereicht. Und doch war es für uns beide wichtig das zu tun. Es war wie ein Lebenslauf, ein Abriss der Lebensgeschichte von Gertrud und Philipp. Am Ende hatten wir rot verweinte Augen. Und, obwohl wir es nicht aussprachen, fühlten wir Dankbarkeit und Respekt vor den Anteilnahmen.

Danke

… an die Nachbarn und Schulfreunde in Dittigheim …

… an die Nachbarn und Freunde in Eggenstein …

… an die Wanderfreunde …

… an die Reisebegleiter …

… an die Schwimmbadfreunde …

… an die Weggefährten …

… an Bernd Stober und seine Gemeindeverwaltung …

… an unsere Lieben und Verwandten …

Tränen, die von Herzen kommen.

Philipp ist durch seinen Sturz nicht in der Lage sein Leben eigenständig zu führen. Deshalb schreibe ich für ihn. Am 13. November wurde er 88 Jahre alt und wünschte sich, dass wir Gertud heim bringen, auch wenn er selbst nicht dabei sein kann. Das wollen wir respektieren.

Die Urnentrauerfeier mit Bestattung wird am Freitag, 27. November 2020 um 14.00 Uhr auf dem Friedhof in Leopoldshafen sein. Das Grab haben wir bereits vorbereitet und mit schönen Blumen geschmückt. Wir betten sie zu Martha, der Mama von Doris. Die beiden verstanden sich. Alle drei verstanden sich.

Heute – 19.11.2020 hat uns Philipp zum ersten Mal angerufen und Wünsche geäußert. Das klingt banal, ist es aber nicht. Es ist für ihn eine enorme Kraftanstrengung. Und durch die Beschränkungen, die uns durch die Corona Pandemie auferlegt wurden, ist es noch schwieriger geworden. Nein, es sind nicht das Maske tragen, oder Abstand halten. Es sind die Besuchsverbote und Besuchsbeschränkungen. Es ist die erzwungene Isolation. Die Ungewissheit über Befindlichkeiten. Die Alten und Gebrechlichen bleiben dabei auf der Strecke. Ohne Smartphone oder Tablet ist man abgehängt. Damit muss man erst einmal klar kommen. Wer Wünsche äußert hat Ziele. Stimmt das nicht hoffnungsfroh?

Ralf Schreck – der Geschichten über das Leben schreibt.

Am Ende des Weges

für Gertrud

Das ist die Heimat von Gertrud, Dittigheim im Taubertal. Hier wurde sie am 30. Dezember 1930 geboren.

Das ist ihre Familie. Familie Wöppel. Ottilie und Franz ihre Eltern und die Geschwister Elfriede, Gertud und Maria.

Sind das nicht drei fesche Mädels? Gertrud, Maria und Elfriede.

Gertrud als Blumenkind und Ziegen Hirte.

Gertrud und Philipp, ein Paar fürs Leben. Die eiserne Hochzeit stand kurz bevor.

Ein unzertrennliches Paar.

Die neue Heimat. Seit 1956 in Eggenstein, zunächst in der Luisenstrasse, später in der Moltkestrasse 49 und mehr als ein halbes Jahrhundert in der Moltkestrasse 26.

Mama mit Christiane, Thomas und mir.

Ihr letzter Lebensabschnitt war geprägt von Dunkelheit, aber nicht von Kälte. Was sie in ihrem langen Leben an Güte und Herzlichkeit ihren Lieben gab, wurde nun ihr zuteil. Sie haderte, weil die Blindheit sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkte. Sie war immerzu emsig, eine wahre Schafferin und konnte am Ende nicht mehr wahrhaben, dass sie zur Tatenlosigkeit verdammt war. In fürsorglichen Gesprächen brachten wir sie wieder auf gute Gedanken und einmal sagte ich ihr, dass sie so viele Jahre für andere da war und es jetzt an der Zeit sei, dass sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen könne. Da schwieg sie einen Moment, lächelte milde und meinte, da hast du Recht, so könnte man das auch sehen.

In der Dunkelheit war sie nicht alleine.

Erschöpft lege ich mich aufs Sofa zum Schlafen und kann doch nicht. Ich möchte ihr Rufen nicht verpassen, wenn sie Hilfe braucht. Dann nicke ich ein und erschrecke, weil ich das Klopfen höre. Ich richte sie auf und sie nimmt meine Unterstützung selbstverständlich und dankbar an. Wir beide fühlen keine Scham, es ist vielmehr eine innige Vertrautheit. Bald lege ich mich wieder zur Ruhe. Zwei Mal noch verlangt sie nach Hilfe. Thomas hat dasselbe erlebt, als er die erste Schicht übernahm. Lukas hat die letzte Tagschicht übernommen und sie aus der Wohnung verabschiedet.

Philipp übernahm die größte Verantwortung und opferte sich regelrecht auf. Dann ist er gestürzt und alles brach auf uns ein. Philipp kam in die Klinik und Gertrud in die Pflege, nachdem der Corona Test negativ ausfiel. Nach einer Woche Quarantäne und dem zweiten negativen Corona Test durften wir sie endlich besuchen. Wir ließen alles stehen und liegen und eilten zu ihr. Der Raum war warm. Wir berührten sie. Wir redeten mit ihr. Sie nahm uns wahr und nickte zustimmend, als wir die Namen von allen Familienmitgliedern nannten. Sie war konzentriert und hörte aufmerksam zu. Bei jedem Namen richtete sich ihr Kopf kurz auf und nickte. Das hat sie verstanden, sie fühlte die letzte Wärme. Am nächsten Abend ist sie eingeschlafen, so wie sie es sich wünschte.

Am Ende ihres Weges war sie nicht alleine.

Gütige Hände, ein Leben lang.

Nach dem Schmerz bleibt die Trauer. Nach der Trauer bleibt die Erinnerung.

So werden wir sie in Erinnerung behalten.

Jetzt gilt unsere gesamte Aufmerksamkeit Philipp, damit er wieder gesund wird.

Ich danke Doris, meinem Bruder Thomas, meinen Söhnen David und Lukas sowie Becci für ihre Wärme und Liebe in diesen schweren Tagen. Abschied nehmen zu dürfen ist eine Gnade.

Was ist im Leben wichtiger als Familie?

30. Dezember 1930 – 16. Oktober 2020

Spaziergang zur Roten Brücke

Erst hören oder lesen, dann zum Video unten …

Beim Andi Bräu überquere ich die Landstraße und blicke beim Absturzbauwerk ins Tiefgestade. Ewald meinte ich solle mir doch den roten Mohn anschauen, der wäre jetzt so schön. Und schon geht es hinab auf einem der Dämme. Ein Meer roter Blüten lädt meine Augen zum Tanzen ein. Es ist unmöglich diese Tupfer nicht zu beachten.

Nach wenigen Metern geht der Blick dann nach rechts auf die Silhouette von Leopoldshafen. Wie in einem ewigen Kreislauf ziehen die Wolken vorüber. Dabei spielt die Jahreszeit überhaupt keine Rolle. Im Sommer ist es ein bisschen grüner und bunter und im Winter eben grauer. Wenn die Kamine rauchen sitzen die Menschen gemütlich beisammen. Jetzt, wo wir die Bewohner in guten Händen wissen, laufen wir weiter zur Roten Brücke.

Wie die Wolken ziehen, so fließt das Wasser immerzu in Richtung Meer. Die frühen Nebelschwaden steigen auf und verbinden sich mit den Wolken im Himmel. Am schönsten ist der Zeitpunkt, wenn sich der Morgen allmählich vor die Nacht schiebt. Für einige Momente leuchtet das Morgenrot und verleiht dieser Szene eine besonders edle Note. Wer bei einem solchen Schauspiel mitträumt wird eins mit der Umgebung, wird eins mit der Natur. Plötzlich stehe ich in den Nebelschwaden, die langsam meine Wangen berühren. Der wolkenlose Morgen ist kühl, doch bald durchfluten die ersten Sonnenstrahlen die klammen Glieder.

Weiter oben bei der Zugbrücke findet man vergleichbare Eindrücke und Erlebnisse. Es herrscht eine unbeschreiblich schöne Stimmung. Wo die Worte fehlen kommen die Gefühle ins Spiel. Schauen und erleben. Allmählich weicht die Kühle und mit den ersten Sonnenstrahlen durchflutet eine wohlige Wärme meinen Körper.

Beim Rückweg schaue ich immer auf den Alten Hafen und erblicke Sophie. Manchmal wünsche ich mir einzusteigen und mit ihr den Strom hinab Richtung Meer zu fahren. Alle Ängste und Sorgen über Bord werfen und in eine bessere Welt entfliehen. Aber nein, das geht nicht. Sophie hängt an einer Kette. So gehe ich träumend wieder heim.

Kann man nicht schön träumen in Leopoldshafen?

Es sind Zeitrafferaufnahmen, die 2019 und 2020 zu unterschiedlichen Jahreszeiten entstanden. Das bedeutet natürlich, dass es in Schröck zeitlos schön ist.

Die dem Video hinterlegte Musik heißt „Meditation“ und entstammt dem Nachvertonungsarchiv 8 von Magix Video und Fotoshow.

Ralf Schreck – träumender Foto- und Videofreund …

Neues vom Dachsbau

2019 gab es am Dachsbau interessante Beobachtungen. Etwas abseits vom Dauerbeobachtungsplatz entdeckte ich einen befahrenen Dachsbau. Dort wurde die Wildkamera montiert. In der folgenden Zusammenstellung erfahren wir einiges über das Leben der Dachse. Die Kamera erfasst einen Zeitraum vom 14. – 26. April. Danach war das Pärchen für die Kamera nicht mehr sichtbar. Die Geschichte geht jedoch weiter. Wie, das sehen wir im zweiten Video.

Aus dem Leben der Dachse.

Am 29. Mai tauchte ein junger Fuchs am Bau auf. Wie sich später herausstellte war es ein Wurf von vier Jungen. Offensichtlich hatten sie die weiter entfernt liegende Wurfhöhle verlassen und tummelten sich nun am aktuellen Beobachtungsplatz. In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai filmte die Kamera ein dramatisches Ereignis. Von Neugier getrieben erkundete ein Jungtier den Bau und wurde möglicherweise von einem Dachs angegriffen. Später kam die Fähe hinzu und zerrte ihren toten Schützling wieder ins Freie. Die Dachse wurden von der Kamera nicht mehr eingefangen. Allerdings sind die Bauanlagen in diesem Bereich sehr weitläufig und in diesem Labyrinth mit zahlreichen Ein- und Ausgängen versehen.

Was den meisten Menschen verschlossen bleibt, filmt die Kamera und das meist in der Nacht. Einzelne Fotos dokumentieren nur die Anwesenheit der dort lebenden Tiere. Erst die Zusammenstellung der Videos zeigt Ausschnitte des wahren Lebens der Schröcker Fauna.

Die Versorgungen der Füchse mit Nahrung erfolgte an anderer Stelle. Hier war nur ein temporärer Aufenthaltsort.

Am 30. Juni, frühs um 6.30 Uhr beobachtete ich die Fähe mit einem Jungtier auf der Streuobstwiese am Rheinniederungskanal. In ihrem Blick konnte ich sehen, dass sie mich erkannte.

Die Beobachtungen durch die stationäre Kamera sind eines. Das andere sind die Erlebnisse draußen in Echtzeit. Das Unerwartete, das Finden ohne zu suchen. Dieses Erleben eines Glücksgefühles hat Herbert Grönemeyer treffend beschrieben.

Der Tag ist alles außer gewöhnlich
Und leider gibt’s auch kein Problem
Ich sehe mir heute verdammt ähnlich
Und irgendwie finde ich das auch schön

Es hat genau die richtige Kühle
Aus einem Guss und bewundernswert
Es ist die Stille der Gefühle
Ein lauer Sommer, der durch mich fährt
Ein lauer Sommer, der durch mich fährt

Und du denkst, dein Herz schwappt dir über
Fühlst dich vom Sentiment überschwemmt
Es sind die einzigartigen tausendstel Momente
Das ist, was man Sekundenglück nennt …

Brennende Himmel, aufsteigende Nebel, stürzende Wolkengipfel, glühendes Morgenrot, explodierende Megawolken. Ist das die Reise in die Ewigkeit?

Das „sich hingezogen fühlen“ an bestimmte Orte führt zur Erkenntnis, wie verletzlich und angreifbar alles ist, wenn wir nur ausbeuten und zuwenig zurück geben. Mit der Schönheit unserer Landschaften können wir Menschen Natur nahe bringen. Natur Erlebnisse sind allgegenwärtig. Zu allen Jahreszeiten. Alleine das ist es wert, dass wir uns um unsere Natur kümmern.

Ralf Schreck – Natur Freund

Belle – die Schöne

Fritz Köhler, einer von uns. Wer seine (unsere) Geschichte kennt erhält einen Bezug zur Heimat. Fritz würde sich freuen wenn er wüßte, wie schön es heute noch an der Belle ist.

Friedrich Köhler im Alter von 75 Jahren. Gestorben ist er am 1. Januar 1949 im Alter von 79 Jahren.
In seinem Gesicht kann man lesen, dass sein Leben kein einfaches war. Er lebte in Eggenstein und war ein allseits beliebter Landwirt und Dorfpoet. Während seines an Arbeit reichen Lebens hat er sich von den steten Sorgen und Nöten nie bezwingen lassen und sich in jeder Lage mit seinen Gedichten im Gleichgewicht gehalten. Eines seiner bekanntesten und schönsten Gedichte ist „Die Belle am Rhein“. Im unten eingefügten Video habe ich es in einer verkürzten Version eingebaut. Den Originaltext kann man in der Chronik von „Eggenstein im Wandel der Zeit“ von 1965 auf Seite 188 lesen.
Den Platz an der Belle finden wir heute noch. Und den Geist vom Fritz Köhler können wir dort nachempfinden. „Belle“ ist die Bezeichnung für Pappel. Und die von ihm beschriebene Schwarzpappel – Populus nigra – war ein bemerkenswerter Baum, 30 Meter hoch und mit einem Stammumfang von 576 cm. Beschrieben ist dieser „Recke“ im Buch „Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden“ aus dem Jahre 1907.
Große und alte Bäume haben uns Menschen schon immer fasziniert.
… hat der Baum eine ganze Anzahl starker Äste verloren. Bei einem späteren Sturm ist er schließlich gefallen.
Auch wenn diese Belle längst Geschichte ist, so ist der Platz dort unten am Rhein immer noch ein beliebter Ausflugsort.
Der schönste Ort am Rhein ist an der Belle bei Eggenstein
Lebenselixier Wasser. Hingehen, rasten und sich fließen lassen. Wasser im Strom, ein ewiger Kreislauf. So wie unser Blut im Körper ewig fließt, so fließt der Rhein den Strom hinab, bis Zuflüsse und Regen das ewige Nass wieder bringen. Beim Schließen der Augen fließe ich mit. Blut und Wasser werden eins. Hier unten an der Belle wird Ewigkeit erlebbar. Fritz Köhler hat dies bestimmt genauso empfunden.
Manchmal ist das Wasser auch gefangen. Aber dort unten spielt Zeit keine Rolle.

Ralf Schreck – Belle Freund

Umwelt Nachrichten

Bemerkenswertes zu Umwelt, Natur und Nachhaltigkeit aus Egg-Leo




Der Taschen Ascher
Barbara hat gerufen und der harte Kern ist gekommen. Im Rahmen der Aktion „RhineCleanUp“ trafen sich am vergangenen Mittwoch, 19.08.2020 Freiwillige, um am Alten Hafen und am Rheinufer Leopoldshafen Abfall, vorrangig Zigaretten Kippen zu sammeln. Mit Abstand. Zigarettenkippen sind weltweit das am häufigsten weggeworfene Abfallprodukt. Vor allem an Stränden und Küsten werden sie achtlos weggeschnippt. Die Filter bestehen aus dem Kunststoff Celluloseacetat und es kann je nach äußerem Umfeld bis zu 15 Jahre dauern, bis sie sich zersetzen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschmutzen pro Jahr zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm weggeworfene Zigarettenkippen unseren Planeten. Am Alten Hafen fanden sich erstaunlich viele Kippen im Bereich von Sitzbänken und Anglerplätzen. Passt das ins Bild von Tourismus und Angelsport? Dass Rauchen für die Gesundheit abträglich ist, ist eine Binsenweisheit. Aber Kippen gehören in den Restmüll. Nehmen wir uns ein Beispiel an unserem Bürgermeister, denn er benutzt einen Taschenascher! Bemerkenswert war auch, dass unsere Gemeinde bei diesem kleinen Umweltprojekt die Abfallzangen zur Verfügung gestellt hat. Danke an alle für diesen Einsatz.
Zwei Stunden Kippen sammeln für eine gute Sache. Teilhabe an unserer Heimat.
Eigentlich überflüssig

Das ist der Vorgarten der Woche. Liegt etwas versteckt im schönen Schröck, aber die Bienen finden die bunten Blumen. Ist das nicht ein tolles Summer feeling? Wer würde da nicht gerne gießen?

Seit vielen Jahren pflegt Baumpate Karl-Heinz, mein Schul Kamerad aus Volksschulzeiten, den Ahorn vor seinem Grundstück. Am vergangenen Freitag entdeckte er dort eine Mantis religiosa, eine Gottesanbeterin. Sie profitiert vom Klimawandel, von unseren heißen Sommern. Die Aufnahmen dieses streng geschützten Insekts stammen von ihm. – Karl-Heinz Schäffner. Die Wespe oberhalb muss sich in Acht nehmen, denn sie ist Beute.

Am vergangenen Samstag gab es die nächste Aktion der Europa Mini Gärtner. Es wurden die Kartoffeln geerntet. Teamleiter Rolf, wie immer souverän, gelang es diesen Vormittag zum Erfolg zu führen. In den BNN gab es hierzu einen schönen Bericht. Die SoLaWi – solidarische Landwirtschaft – ist mehr als nur eine Form des Gemüse- und Ackerbaus. Sie steht für Offenheit, Nachhaltigkeit und ist Vorbild für eine Lebensweise, die im Einklang mit der Natur steht. Die Kinder beim Ernten zu erleben, die Freude, die allen ins Gesicht geschrieben war, war die schönste Bestätigung für dieses Projekt.

Neues vom Orchideen Biotop. Regelmäßig meldet sich Holger und berichtet über die aktuellen Zustände in dieser Region. Ein Ansporn für mich selbst die Lage zu erkunden. Aber aufgepasst! Wenn man das Gelände betritt sieht man – nichts! Es ist ein einziger „Grünbrei“ aus unterschiedlichen Pflanzen. Bei 30 Grad im Schatten und mehr muss man schon mutig sein dieses von Zecken verseuchte Gebiet zu betreten. Das geübte Auge erkennt allerdings schnell die Besonderheiten. Die reichhaltige Pflanzenwelt hat eine Unmenge von Insekten im Gefolge. Schmetterlinge, Wildbienen, Schwebfliegen, Käfer, Wanzen, Ameisen und Heuschrecken. Wo es Beute gibt, gibt es auch Beutegreifer. Zwei konnten wir entdecken. Eine braune Variante der Gottesanbeterin und die schwarz-gelb gestreifte Wespenspinne. Beide profitieren vom Klimawandel und mögen Sommerhitze. Was den Insekten gefällt ist dem Wald dort unten abträglich. Zahlreiche Bäume sterben ab. Viele andere haben schon ihr Laub verloren. Des einen Leid, des anderen Freud. Es war eine ereignisreiche Woche.

Ralf Schreck – Naturfreund

Neulich im Vogelpark

für Angela

„Es ist nicht die Aufgabe der Kunst die Natur zu kopieren, sondern sie auszudrücken!“ Honoré de Balsac
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
„Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativität einen Künstler ausmacht, folgt: nur wer Künstler ist, ist Mensch. Jeder Mensch ist ein Künstler.“
Joseph Beuys
Natur und Kunstwerke lernt man nicht kennen, wenn sie fertig sind. Man muss sie im Entstehen aufhaschen, um sie einigermaßen zu begreifen.
Johann Wolfgang von Goethe
„Kunst ist die rechte Hand der Natur. Diese hat nur Geschöpfe, jene hat Menschen gemacht.“ Friedrich von Schiller
„Des Künstlers Gefühl ist sein Gesetz.“
Caspar David Friedrich
„Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens – des Künstlers Beruf!“
Robert Schumann
„Das Geheimnis der Kunst liegt nicht darin, dass man sucht, sondern dass man findet.“
Pablo Picasso
„Bewahre deine Liebe zur Natur, denn das ist der richtige Weg zu immer besserem Kunstverständnis“.
Vincent van Gogh
Unser Vogelpark ist ein Kleinod im schönen Schröck. Die vielfältige Vogelwelt, der alte Baumbestand und das gesamte Ambiente ist ein Ergebnis der aktiven Vogelfreunde. Eine beliebte Gemeinschaft, die sich seit 50 Jahren um den Erhalt kümmert. Ein schöner Park, den man nur verstehen kann, wenn man ihn besucht. Dann ist er auch eine Quelle der Inspiration. Wer dieser Tage „ums Haus rum geht“, kann Angela entdecken, wie sie an ihrer aktuellen Skulptur arbeitet.

Ralf Schreck – Vogelpark Freund