Mein kleiner Vorgarten als Insektenparadies

Mein kleiner Vorgarten als Insektenparadies

Über das Insektensterben und was man dagegen tun kann, wird allerorts berichtet. Ein Beispiel dafür ist das erfolgreiche Anlegen einer Blumenwiese im Bürgerpark von Leopoldshafen durch die Agenda Gruppe Umwelt. Eine andere Möglichkeit zur Anlegung eines naturnahen Gartens besteht darin, auf die Spontanansiedlung von heimischen Pflanzen zu warten. Dieses Vorgehen dauert natürlich etwas länger und man weiß nicht im Voraus, was dabei herauskommt. Ich habe es mit meinem kleinen Vorgarten gewagt und möchte kurz darüber berichten. Um erfolgreich zu sein, darf man natürlich keine Pflanzenschutzmittel und Insektizide verwenden und sollte möglichst wenig mähen. Im Laufe der letzten Jahre haben sich viele Wildblumen angesiedelt. Malven, Storchenschnabel, Fingerkraut, Hornklee und Johanniskraut sorgen neben vielen anderen Arten für ein reichhaltiges Nahrungsangebot für Insekten vom zeitigen Frühling bis in den späten Herbst. Ergänzt wird dies noch durch ein Kräuterbeet mit zahlreichen Lippenblütengewächsen sowie einem Strauch Sommerflieder für Schmetterlinge. Belohnt wird man durch eine reichhaltige Insektenfauna. Besucher dieses Kleinbiotops sind neben vielen Bienen-, Hummel- und Wespenarten eine Artenvielfalt an Schmetterlingen, Käfern, Wanzen, Fliegen, Libellen und weiteren Kleintieren. Highlights in diesem Jahr waren der Nashornkäfer, der Kleine Perlmuttfalter und der Stahlblaue Grillenjäger, eine aus Mittel- und Nordamerika eingewanderte Grabwespenart, die ich hier mit eigenen Fotos vorstellen möchte. Erwähnen möchte ich noch, dass noch eine Familie Zauneidechsen seit Jahren meinen Vorgarten besiedelt. Ihr Lieblingsplatz ist in etwa einem Meter Höhe auf einem Rosmarinstrauch. Wie wäre es, wenn auch Sie ein Stückchen Ihres Gartens insektenfreundlich gestalten würden?

Holger Selisky für die AG Umwelt

 

Im Bestreben sich für Natur und Umwelt einzusetzen, bzw. beim Versuch Natur eine Stimme zu geben, trifft man interessante Menschen und Wegbegleiter. Holger ist so einer. Beobachten, forschen, bestimmen, ausprobieren ist eine Seite. Die andere Seite mit den gesammelten Erfahrungen und Erkenntnissen in die Öffentlichkeit zu gehen ist die logische Konsequenz. Denn nur was wir kennen, schützen wir auch. Naturfreunde finden sich.

 

Ferienspaß beim Kleingartenverein Allmend Eggenstein-Leopoldshafen

Ferienspaß beim Kleingartenverein Allmend Eggenstein-Leopoldshafen

Gehst du mit mir noch einmal zur Kräuterschnecke und schaust mit mir nach, ob wir noch eine Raupe finden, fragte der kleine Timo. Natürlich wurde dieser Wunsch erfüllt und wir fanden eine weitere Raupe und einen Regenwurm. Die Kräuterschnecke des Kleingartengartenvereins war etwas in die Jahre gekommen und sollte nun im Rahmen der beliebten und traditionellen Ferienspaßaktion wieder auf Vordermann gebracht werden. Fünfzehn junge Gärtnerinnen und Gärtner fanden sich ein, um dieses schöne Projekt zu verwirklichen. Zunächst wurden die einzelnen Kräuter vorgestellt, es wurde geschnüffelt, getestet. Das kenne ich, meinte Hannah, das ist Basilikum, das essen wir mit Tomaten. Oh, schmeckt der Schnittlauch gut, sagte Denis, den haben wir auch zuhause. Nach diesem Erlebnis der Sinne wurden die Etiketten für die Kräuter gebastelt und bemalt. Kleine hölzerne Schmetterlinge bekamen einen bunten Anstrich, den Namen des Gärtners und natürlich die Bezeichnung des jeweiligen Kräutleins. Danach wurde es spannend. Bewaffnet mit Hacken, Rechen, Schaufeln und den Kräutern ging es zur Kräuterschnecke. Womit beginnen wir, wurde in die Runde gefragt. Wir müssen den Boden glatt machen, tönte es im Chor. Im Nu waren alle Werkzeuge in Kinderhand und es wurde geebnet, geschuffelt, planiert. Du musst noch den dicken Erdbollen klein machen, wurde gerufen. Was essen denn die Pflanzen, wurde gefragt. Die brauchen Wasser, kam als Antwort. Aber auch Dünger, sagte Nico. Also wurde die Pflanzfläche mit einem organischen Dünger bestreut. Oh, das stinkt aber, dieses Pulver. Das ist aber wichtig für die Pflanzen. Jede Gärtnerin und jeder Gärtner pflanzten dann die ausgestellten Kräuter und im Fluge war alles fertig. Im Anschluss gab es frische Waffeln und Getränke. Natürlich wurden auch die die Kräuter gegossen. Wissbegierig und voller Eifer und Leidenschaft waren alle Kinder. Kein Wunder, denn das klasse Betreuerteam aus Jennifer, Wiebke mit ihrer Mutter Marlene, Margitta mit Ehemann, sowie Doris und Ralf hatten diese Aktion bestens geplant. Wie kann sich ein Kleingartenverein besser präsentieren, als Kindern in einem solch nachhaltigen Projekt den Umgang mit Pflanzen zu zeigen? Riechen, schmecken, Boden vorbereiten, pflanzen, wässern, Etiketten basteln, eine Kräuterfibel bemalen und beschriften. Und wie jedes Jahr wurden auch die beliebten Grasköpfe gebastelt. Es war ein kurzweiliger Nachmittag und alle Eltern durften bei Abholung der Kinder die neue Bepflanzung bewundern. Alle am Projekt beteiligten Kinder dürfen mit ihren Eltern und Großeltern an der Kräuterschnecke vorbeikommen und nach Bedarf ernten. Das nennt man Neudeutsch urban gardening. Und siehe da, wieder ist aus einem kleinen Projekt eine nachhaltige Geschichte geworden. Wertvoll für Menschen, Pflanzen und Tiere. Ein weiteres kleines Räupchen hat sich in einen bunten Schmetterling verwandelt.

Ralf Schreck Kräuterfreund

 

Die Streuobstwiese beim Rheinniederungskanal Leopoldshafen

Die Streuobstwiese beim Rheinniederungskanal Leopoldshafen

Der gewählte Beobachtungsplatz beim Hornissenbaum war nicht ideal. Nachdem ich von der dritten Wächterin beflogen wurde, wechselte ich einen Meter nach links. Dann war gut. Obwohl ich recht nah am Nest war hagelte es keine Stiche. Es ist eine schöne Ecke dort unten im Wörth. Von Karl Ueberle gibt es ein Bild von 1981, darauf sieht man diese Obstallee in Vollblüte. Alle Bäume in makelloser Vitalität. Heute jedoch sind zahlreiche Bäume abgestorben und haben sich in lebendiges Totholz gewandelt. Nachdem die Wiese vor 14 Tagen gemulcht wurde, kann man dort wieder am Rheinniederungskanal entlanglaufen. Die Bäume sind Gemeinde eigen und tragen Nummern. Früher gab es Obstversteigerungen, heute darf man ernten, wenn man sich im Rathaus dafür anmeldet.

Viel Obst hängt in den Kronen und viel Obst liegt bereits auf dem Boden. Ich beobachte eine Hornissenarbeiterin patrouillierend über dem Fallobst, bis sie sich zielstrebig auf einen angefressenen Apfel stürzt, die darin naschende Wespe erbeutet und mit ihr in die nächste Krone fliegt. Schnell folge ich diesem Schauspiel und beobachte, wie sie in wenigen Momenten den Flugmuskel herauslöst und damit in ihr Nest fliegt. Vorbei an den ersten blühenden Herbstzeitlosen entdecke ich etwa 100 Meter weiter den Hornissenbaum. Reges Treiben herrscht dort. Mit Beute beladene Hornissen fliegen ein, andere fliegen aus, um auf Beutezug zu gehen. Die Larven wollen gefüttert werden. Andere Arbeiterinnen sitzen am Nesteingang und belüften das Nest indem sie mit den Flügeln schlagen. Wiederum andere tragen Abfall aus dem Nest. Eine Arbeiterin zerrt an einer abgestorbenen Larve und wirft diese aus der Baumhöhle. Es ist ein Kommen und Gehen. Eine Drohne ist ebenfalls schon anwesend in Erwartung der ersten Jungköniginnen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sich dieses Volk bereits in der Absterbe Phase befindet.

Lebendiges Totholz. Was geschieht nun mit den vielen abgestorbenen Bäumen? Opfert man sie der Verkehrssicherungspflicht? Man sollte einige dieser Stämme erhalten. Die Kronen könnte man ja so beschneiden, dass es keinen Astbruch gibt. In diesem Gelände gibt es Wendehals, Buntspecht, Hirschkäfer und Co. Die würden sich freuen. Das wäre eine Erhaltung von wertvollem Lebensraum. Die noch lebenden Obstbäume sollten geschnitten werden. Auch die vielen Misteln in den Kronen sollte man entfernen. Ich beobachte diese Anlage seit vielen Jahren. Ein Pflegekonzept ist jedoch nicht zu erkennen. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Bäume abgestorben. Der Natur ist das egal. Sie stellt sich auf viele Bedingungen ein. Auch die toten Bäume haben ihren Wert. Schade ist es um das viele Obst, welches niemand erntet. Das meiste verfault am Boden, zerfällt und gibt seine Elemente und Stoffe an den ewigen Kreislauf des Lebens zurück.

Ralf Schreck – Hornissenfreund

 

Die Eggensteiner Schleiereulen

In deinem Haus bin ich gern

Die Schleiereulen im Turm der Evangelischen Kirche von Eggenstein.

Der Turm der Evangelischen Kirche in Eggenstein ist schon eine imposante Erscheinung. Die erste Nachricht einer Kirche stammt aus einem Schriftstück des Bischofs von Speyer aus dem Jahr 1160. Zwischen 1460 und 1480 wurde diese erste Kirche baufällig und man entschloss sich für einen Neubau. Ein großer Teil der Grundmauern wurde mitverwendet. Im Laufe der Jahrhunderte gab es mehrere An- und Umbauten, bis zum heutigen Zustand der Kirche.

Im Inneren gibt es unter anderem verschiedene eingemauerte Grabplatten zum Gedenken früherer Pfarrer. Die älteste stammt aus dem Jahr 1538 und erinnert an Bruder Johannes Wester. Beachtenswert ist, dass diese Grabplatte noch erhalten ist und man sie bei Einführung der Reformation nicht zerstört hat.

Kommen wir zurück zum Turm. Der NABU Deutschland bemüht sich seit Jahren in unseren Dörfern Nistplätze für Schleiereulen einzurichten. Hier arbeiten die Kirchen Hand in Hand mit dem Naturschutz. Es benötigt eine Kombination aus eulenfreundlichem Gebäude und einer zur Mäusejagd tauglichen Landschaft, die mit wenigen Schwingen Schlägen erreichbar ist. Beides haben wir und das ergibt spannende Beobachtungen.

Wir bekamen den Hinweis, dass die diesjährige Brut erfolgreich war. Aus ursprünglich fünf Eiern entwickelten sich vier Schleiereulen und der erste Ausflug stand kurz bevor. Am 8. August um 22.00 Uhr nahmen wir unseren Beobachtungsstand am Kirchplatz ein. Bald vernahmen wir das typische Zischen der Eulen, dann kam ein Altvogel lautlos heran geflogen mit einer erbeuteten Maus. Sofort erschienen die Jungen, versammelten sich auf den Lamellen des Kirchenfensters und eines übernahm die Beute. Welch ein Anblick! Eine halbe Stunde später startete eine Jungeule zu ihrem ersten Flug, landete kurz auf dem Dach des Kirchenschiffes, hob wieder ab und machte es sich auf dem Ziffernblatt der Turmuhr gemütlich.

Die Anwesenheit von Eulen war uns bereits bekannt. Im Januar 2009 entdeckten wir in unserem Kleingarten unterhalb der Kirche Speiballen einer Eule. Das sind die unverdaulichen Reste, wie Haare, Federn, Knochen, Teile von Insekten, usw. Wenn man ein solches Gewölle mit einer Pinzette auseinander macht, kommen diese Teile zum Vorschein. Wir fanden kleine Knochen und Schädelteile von Spitz- und Feldmaus. Das waren sichere Hinweise auf Eulen, denn die Gewölle von Bussard und Falke enthalten aufgrund stärkerer Magensäure kaum Knochen, sondern überwiegend Haare von Mäusefellen und Federn von Vögeln.

In deinem Haus bin ich gern. Ein schönes Beispiel zur Bewahrung der Schöpfung.

 

Ralf Schreck – Eulen Freund

Fotos: RMS – Ralf Schreck – KUe – Karl Ueberle

 

 

Entdeckungen

Urlaub zu Hause

Sommer, Sonne, Sonnenschein, das passt genau für die Ferien. Aber warum so viel? Wer hat das bestellt? Es nützt nichts, wir passen uns an. Die geplanten Tagesausflüge in die benachbarten Städte sind gestrichen, stattdessen gibt es Radtouren in die nähere Umgebung. Spätestens um Sieben sind die Räder gesattelt und es geht los. Zu dieser Zeit ist die Temperatur erträglich und wir können die tägliche Tour genießen. Obwohl diese Touren nur ca. 10 -15 Kilometer lang sind, sind wir erstaunt an wie vielen View Points wir vorbeikommen. Sonnenaufgang am Baggersee Leopoldshafen, träumen am Alten Hafen, kurzer Rundgang in den Vogelpark, Vogelbeobachtungen in den Altrheinarmen. Wir entdecken die gelb blühenden Wasserschläuche, fleischfressende Wasserpflanzen. Ein anderer Ausflug beginnt auf dem Friedhof, dann wieder zum Alten Hafen, wo wir eine Studentengruppe treffen, die sich auf eine Kanutour vorbereitet. Mit Cola als Getränk und ohne Kopfbedeckung wird es wohl ein Erlebnis werden, was lange in Erinnerung bleiben wird. Bei der Roten Brücke ist der Pfinzkanal versiegt. Weiter geht es, vorbei an den Damm Baustellen durch den Rheinwald an die Belle nach Eggenstein. Dort blüht die seltene Schwanenblume, die vom niedrigen Pegelstand profitiert. Ein Schillerfalter trinkt am flachen Ufer. An diesen Tagen haben alle Durst. An der Belle Brücke blicken wir auf die immer flacher werdende Alb und beobachten einen Graureiher beim Speerfischen. Auch beim Jubiläumswald leiden die Bäume unter Wassermangel. Der kleine Teich beim Eidechsenbiotop ist vollkommen ausgetrocknet. Allmählich wird die Hitze unerträglich und wir treten die Heimfahrt an, nicht jedoch bevor wir die heimische Gastronomie besucht haben. Sehenswert ist auch das Sonnenblumenfeld an der Gemarkungsgrenze zu Linkenheim, sowie die lauschigen Plätzchen in unserem Bürgerpark. Auch den Hardtwald gilt es noch zu entdecken. Das ergibt eine andere Geschichte.

Ralf Schreck – auf Entdeckungstour in der Heimat.

 

Die Jäger Wiese in Leopoldshafen

Die Jäger Wiese in Leopoldshafen

Versteckt im Wald, abseits von Wegen liegt sie, die Jäger Wiese. Angelegt von unseren heimischen Jägern. Ist es jetzt ein Wildacker, also eine „temporäre“ Äsungsfläche, auf der in regelmäßigen Abständen der Boden neu bearbeitet wird (Pflug, Egge, Fräse, Grubber) oder ist es eine Daueräsungsfläche in Form einer Wildwiese? Den dort vorkommenden Insekten, Reptilien, Vögeln und anderen Tieren ist das egal. Alle finden sie dort ihre Nische. Seit mehreren Jahren beobachten wir diese Flächen. Dazu gehören auch die angrenzenden Schneisen, die nebenbei noch großartige Orchideen Standorte sind.

Das Anlegen und Pflegen von Wildäckern und Wildwiesen gehört zur jägerlichen Hege. Hege? Klingt doch komisch? Ist aber spannend. Hege kommt von Hag, das bedeutet Umgrenzung der Fluren mit Hecken. Die frühen bäuerlichen Kulturlandschaften waren geprägt von einem Mosaik aus kleinparzelligen Feldern. Dieser Umstand bot eine heute fast unvorstellbare Mannigfaltigkeit an Lebensräumen für Pflanzen und Tiere. Je stärker die Landwirtschaft industrialisiert und in die Hände der Flurbereiniger geriet, je mehr Naturlandschaft zur Kulturlandschaft wurde, desto nötiger wurde die Hege. Die Verordnung zur Umgrenzung der Fluren wurde bereits im 18. Jahrhundert erlassen.

Hege ist Naturschutz, Jäger sind Naturschützer. Oder dachte man damals nur an Lebensraum für die kapitalen Hirsche und Rehböcke mit schönen Trophäen? Jagd gehört zu unserer Kultur ebenso die Landwirtschaft. Beide sind einem stetigen Wandel unterworfen, müssen sich veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Wer bestimmt die Rahmenbedingungen? Wer legt die Richtung fest?

Es kommt mir so vor, als ob die Hege, der Naturschutz immer hinterherhinkt und sich an die Gegebenheiten anpassen muss. Es sind nicht nur die großen und einheitlichen landwirtschaftlichen Flächen, es sind auch Flächenverluste durch die Erschließung neuer Wohngebiete und Erweiterungen von Gewerbeflächen. Natürlich gibt es einen Ausgleich, jedoch nie in der Schaffung neuer Flächen, weil es diese nicht gibt.

Hege ist mehr als Wildäcker und Wildwiesen. Zur Hege gehören auch Waldrandpflege, Heckenpflanzungen, Anbringen von Verbissschutz an jungen Bäumen und vieles mehr. Auf diesen Wiesen und Schneisen, gerade weil sie abgelegen sind, findet das Wild Ruhe. Diese Standorte sind Rückzugsgebiet und Kinderstube für Wildtiere. Durch die Abgelegenheit kommen dort auch keine Hundefreunde hin. Das bedeutet, dass das gewonnene Heu bedenkenlos (Hundehaufen frei) verfüttert werden kann.

Auf den Wiesen und Schneisen blühen viele heimische Kräuter. Auffällig werden diese Flächen, wenn der Echte Dost blüht. Dann kann man zahlreiche Schmetterlinge an den Blüten beobachten. Im Gras hüpfen die unterschiedlichsten Heuschrecken hin und her, die sich in Acht vor Spinnen und Vögeln nehmen müssen. Es ist ein beachtenswerter Lebensraum, der durch ein abgestimmtes Pflegemanagement aufgewertet werden kann. Hingehen und schauen, beurteilen und Zeitpunkt festlegen. Vollblüteflächen aussparen, Rest mähen. Nicht so wie man es am Streifen zwischen unseren beiden historischen Waschplätzen gemacht hat. Auf der gesamten Fläche wurden die in Vollblüte stehenden Wegwarten gemäht. Eigentlich ohne Not, denn dort gibt es keinen Spazierweg. Hätte man auch noch in 14 Tagen erledigen können und die seltenen Hosenbienen hätten dort noch ihr Auskommen.

Grünpflege ist wichtig und erfordert Verantwortung. Man kann immer so oder so entscheiden aber ich würde ökologischen Aspekten doch eine gewisse Bedeutung beimessen. Und das ist doch auch eine Form der Hege? Die Jäger machen es uns seit dem 18. Jahrhundert vor und setzen sich für Biodiversität ein, ohne es an die große Glocke zu hängen.

Ralf Schreck – Hege Freund

 

 

 

Leopoldshafen

Leopoldshafen

Unser Dorf liegt auf einer zum Rhein vorgeschobenen Landzunge des Hochgestades, gegenüber dem ähnlich gelegenen pfälzischen Dorfe Leimersheim, 12 Kilometer nordwestlich von der badischen Landeshauptstadt Karlsruhe entfernt. Die südliche Nachbargemeinde ist Eggenstein, während Linkenheim gegen Norden an die Dorfgemarkung angrenzt. Im Osten hält der dunkle Hardtwald die Nachbarschaft. Dem Beschauer bietet sich vom Dorfe aus nicht nur ein herrlicher Fernblick auf den Wasgenwald und das Hardtgebirge jenseits des Rheins, sondern auch die diesseitigen lauen Schwarzwaldberge bei Ettlingen und Baden-Baden. Das Dorf selbst und seine weite Gemarkung schenkt jedem Besucher, der Freude an der Natur und am dörflichen Leben hat, eine Menge bleibender Eindrücke. Die schmucken und sauberen Häuser der Dorfstraßen, die biederen Menschen in ungezwungener Natürlichkeit und Freundlichkeit, die idyllischen Altwasser, die lichtgrünen Rheinwaldungen mit schattigen Wegen und verschlungenen Pfaden, der still ruhende Rheinhafen mit seinem klaren, fischreichen Wassern, der ewig schaffende, rastlose, in wuchtigen Dämmen gehaltene Rhein, die Fähre mit schaukelnden Nachen – dies alles, umschlossen vom Himmel und den Wäldern der Hardt, bildet wahrlich eine einzigartige reiche Welt! Diese kostbare Perle im Kranze der badischen Hardt- und Rheinorte ist mein Heimatort, mein Leopoldshafen! Du Heimat! Dein Name ist mir ein Zauberwort. Der Kindheitstage entstehen wieder, wenn ich dich sehe und deinen Namen vernehme! Ich erblicke in der Ferne dein Bild und grüße dich mit beschwingten Worten:

O, wie ist so lieb mein Dörfchen,

So ganz anders als die Stadt!

Klein und einfach sind die Häuschen

Hier, im Schmuck von Baum und Blatt.

 

Mit dem Pfluge, mit der Hacke

Schafft der Bauer auf dem Land:

Rüben, Tabak, Frucht, Kartoffeln

Pflanzt er gern mit fleiß`ger Hand.

 

Hühner picken, Tauben girren,

Pferde wiehern laut im Stall,

Und des Morgens in der Frühe

Hört man schon den Peitschenknall!

 

Pferd` und Kühe ziehn die Straßen`

Mit dem Wagen da entlang –

Doch des Tages Last und Mühe

Wird umrahmt von Sang und Klang.

 

Wie ich dich doch innig liebe,

Kleine Welt am großen Rhein,

Immer zieht aus weiter Ferne

Meine Seele bei dir ein!

 

Nein, das stammt nicht aus meiner Feder. Das sind die Worte unseres Ehrenbürgers Stephan Karl Vomberg (03.11.1877 – 03.05.1947). Zur Jahrhundertfeier der Namensgebung Leopoldshafen 1933 wurde von ihm das Buch „Leopoldshafen am Rhein – Heimatbuch in Wort und Bild“ verfasst, herausgegeben und finanziert. Stephan Karl Vomberg hat sich um die Gemeinde Leopoldshafen verdient gemacht.

Das schöne an diesen Worten ist, dass man sie, wenn man „Freude an der Natur und am dörflichen Leben hat“, heute immer noch nachvollziehen kann! Diese Beschreibungen und Erlebnisse findet man auch in den Bildern, Gemälden und Fotografien der Herren Bayer, Dürr, Stern, Ueberle. Wenn wir respektvoll und mit Verantwortung mit unserer Heimat umgehen, können wir solche Erlebnisse auch unseren Enkeln erfahrbar machen. Manche Dinge und Geschichten, die das Leben schreibt scheinen zeitlos zu sein? Ist das nicht schön?

Die neueren Fotos stammen von Lukas und mir.

Ralf Schreck – Schröck Freund

Die Wiese unterhalb des Friedhofes Leopoldshafen

Die Wegwarten Wiese unterhalb des Friedhofs Leopoldshafen

Dasypoda hirtipes liebt Wegwarten. Die Braunbürstige Hosenbiene ist eine Spezialistin in Bezug auf ihr Nistverhalten, als auch in Bezug auf den von ihr bevorzugten Pollen. Für die Aufzucht ihrer Nachkommen benötigt sie Pflanzenarten der Gattung Korbblütler (Asteraceen), sowie einen sandigen Boden zum Anlegen ihrer Nester. Beide Faktoren haben wir in Leo. Die kleine Wiese unterhalb des Friedhofes ist ein schöner Wegwarten Standort. Die nähere Umgebung mit sandigen Hängen bietet ideale Nistmöglichkeiten.

Wildbienen sind für Ungeübte schwer zu bestimmen, die Hosenbienen kann man allerdings an den blühenden Wegwarten gut ansprechen. Wegwarten öffnen ihre Blüten am frühen Morgen und sind am Mittag bereits wieder geschlossen. Auf diese Eigenheit haben sich die Hosenbienen eingestellt, denn sie haben große Beinbürsten, an denen sie den geernteten Pollen transportieren. Das hat den Vorteil, dass sie innerhalb der zur Verfügung stehenden Sammelzeit genügend Pollen und Nektar eintragen und der Energieeinsatz für Transportflüge überschaubar bleibt.

Selten sind diese auffälligen Wildbienen, denn passende Nistplätze und Nahrungsquellen dürfen nicht zu weit auseinander liegen. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir beide Faktoren haben. Auch bei unseren historischen Waschplätzen blühen derzeit die Wegwarten und dort kann man die Bienen ebenfalls beobachten. Um diese Wildbienenart zu fördern dürfen wir diese Bereiche nicht zu früh abmähen. Auch Hundefreunde sollten sich etwas zurücknehmen und die Hinterlassenschaften ihrer Schützlinge in die dafür vorgesehenen Behältnisse zu entsorgen. Für Fotografen ist es eine Herausforderung diese schönen Insekten in Action zu fotografieren. Und es ist schlicht eine Sauerei ständig diesen Haufen ausweichen zu müssen. Auch ist für mich nicht nachvollziehbar, dass man den Bereich direkt am Friedhofszaun als Hundeklo degradiert. Innerhalb stehen Angehörige an den Rasengräbern und gedenken der Verstorbenen, beim Aufblicken schaut man außerhalb in die Exkremente von Hunden schlecht erzogener Hundefreunde.

Bienenschutz durch adäquate Grünpflege. Dazu noch kostenneutral. Das könnte man doch in unser „Grünes Buch“ aufnehmen? Bald blüht bei uns der Rainfarn, Tanacetum vulgare. Dort kann man die seltene Rainfarn Seidenbiene beobachten. Colletes similis ist dann bei uns ebenfalls anzutreffen? Man kann sie mit der Gemeinen Seidenbiene, Colletes daviesanus verwechseln, die man ebenfalls auf Rainfarn antrifft. Wir werden sehen.

Ralf Schreck – Wildbienen Freund

 

Die Blumenwiese am alten Rathaus Leopoldshafen

Die Wiese beim Rathaus Leopoldshafen – die andere Wiese

Der Lebensraum Wiese ist umso artenreicher, je nährstoffärmer der Untergrund ist. Das hat mit dem unterschiedlichen Konkurrenzverhalten der Kräuter zu tun. Ein Spielrasen ist im Grunde genommen ebenfalls eine Wiese, die durch vielmaligen Schnitt und planmäßigen Düngegaben nur Gräser fördert. Was wir im Hausgarten haben wollen ist für unsere Insektenwelt abträglich. Das Geheimnis einer funktionierenden artenreichen Wiese, die attraktiv für Kleintiere ist, ist Nährstoffarmut, weniges Mähen, sowie das Abräumen des Schnittgutes nach dem Aussamen. Einen solchen Lebensraum finden wir auf der zweiten „Wiesen Projektfläche“ der Agenda Gruppe Umwelt beim ehemaligen Rathaus in Leopoldshafen.

Fünffingerkraut (Potentilla), Gänseblümchen (Bellis perennis), Gewöhnlicher Reiherschnabel (Erodium cicutarium), Hahnenfuß (Ranunculus), Horn Sauerklee (Oxalis corniculata), Sauerampfer (Rumex), Spitzwegerich (Plantago), Weicher Storchschnabel (Geranium molle), Weißer Klee (Trifolium repens), Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris), Hopfenklee (Medicago lupulina), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Feinstrahl (Erigeron annuus), Klatschmohn (Papaver rhoeas), Malve (Malva moschata), Schafgarbe (Achillea millefolium), Nachtkerze (Oenothera biennis), Wegwarte (Cichorium intybus), Feldrittersporn (Consolida regalis), Graukresse (Berteroa incana), Zaunwinde (Calystegia sepium), Königskerze (Verbascum densiflorum), Johanniskraut (Hypericum perforatum), Kanadisches Berufkraut (Conyza canadensis). Das sind 24 Pflanzenarten, die wir bisher von Mai bis Ende Juli in dieser Wiese bestimmt haben. Es sind heimische Pflanzen, die nicht nur Nahrung, sondern auch Lebensraum für Kleintiere wie Insekten sind. Die Fluginsekten nähren sich vom Nektar und Blütenstaub, die Larven, Raupen und anderen Insekten Vorstufen vom Laub, Samen, Pflanzensaft, von anderen Insekten, usw. In einer artenreichen Pflanzen- und Tiergesellschaft existiert ein ständiges Geben und Nehmen. Raupen fressen Blätter, Wespen fangen Raupen und füttern damit ihre Brut. Es gibt Spieler und Gegenspieler. In einer solchen Gesellschaft wird sich immer ein Gleichgewicht einstellen, wenn wir das nicht stören. Natur sieht Vielfalt vor. Da können wir von lernen.

Es gibt dort Wildbienen, Hummeln, Fliegen, Wanzen, Libellen, Käfer, Ameisen, Schmetterlinge und andere. Man beobachtet auch Vögel, die sich an den Samen laben. Im Hochsommer könnte man diese Fläche als ungepflegten Unkrauthaufen bezeichnen. Aber das machen nur die, die die Zusammenhänge einer Wiesengesellschaft nicht erkennen. Deshalb ist es erforderlich zu informieren.

Mit einem durchdachten Pflegemanagement können wir Insekten fördern, ohne dass hierfür Kosten entstehen. Wäre das nicht eine vorbildliche Chance, die wir weiter ausbauen sollten? Neugierde ist eine Antriebsfeder der Menschheit. Und ich kann sagen, dass es sehr viel Spaß macht Umwelt und Naturzusammenhänge zu beobachten und zu analysieren. Mit etwas Interesse und Bereitschaft sich auf Unbekanntes einzulassen kommt man letztendlich zum Ergebnis, dass wir etwas gegen das Bienensterben unternehmen sollten. Honig bekommen wir nicht aus dem 3D-Drucker.

Wiese im Bürgerpark, Wiese am alten Rathaus. Buntes Blühen im Bürgerpark, trockenes Gestrüpp beim Rathaus. Die heimischen Rathaus Wiesenpflanzen sind allesamt auch Nahrungspflanzen für Schmetterlinge. Das lange und bunte Blühen im Bürgerpark liefert „nur“ Nahrung für Blütenbesucher. Wofür entscheiden wir uns? Für welche Vielfalt entscheiden wir uns? Es gibt viele Wege, die zum Ziel führen. Können und wollen wir diese Thematik auch akzeptieren?

Ralf Schreck – Freund des „einfach mal wachsen lassens“

 

Die Blumenwiese im Bürgerpark

Die Blumenwiese im Bürgerpark

Ist ein Projekt der Agenda Gruppe Umwelt Eggenstein-Leopoldshafen. Diese Wiese ist eine Wiese der Erkenntnis. Jetzt, am 28. Juli 2018 hat sie ihre Hochblüte erreicht. Sie besteht hauptsächlich aus einjährigen Kräutern wie Steinkraut, Natternkopf, Mohn, Zinnien und anderen. Insekten tauglich ist sie, denn seit den ersten Blüten waren Hummeln und Bienen da. Und das zu allen Tageszeiten. Das war mir neu. Die Wiese blüht durch und durch das Artengemisch kommen ständig neue Blumen hinzu. Angelegt am 26. Mai erschienen am 26. Juni die ersten weißen Blüten der Steinkräuter. Jetzt ist der 28. Juli und die Wiese ist in der Vollblüte und sehr schön anzusehen. Das ist bei der Wiese am ehemaligen Rathaus in Leo anders. Auch diese Wiese ist ein AG Umwelt Projekt. Doch dazu später mehr.

Die Bürgerparkwiese steht unter Aufsicht. Die ersten drei Wochen stand Wässern im Vordergrund, später nur noch nach Bedarf. Am 2. Juli gab es eine Nährstoffversorgung mit einem organischen Dünger, nachdem wir festgestellt hatten, dass die jungen Pflanzen im Wachstum stagnierten. Der weitere Pflegeaufwand beschränkt sich jetzt aufs Beobachten. Diese Wiese ist ein Blickfang. Passanten bleiben stehen und erfreuen sich an der Blütenpracht. Wir bekommen Anfragen, ob es noch Blumensamen gibt und wie man am besten im eigenen Garten Wiesen anlegen kann. Vom Rektor der Lindenschule wurden wir gebeten, ob wir uns nicht beim Schulgarten einbringen möchten. Am 30. Juni überarbeiteten wir zusammen mit Schülern den kleinen aber feinen Garten vor der Schule. Wir berichten im Amtsblatt über diese Aktionen und ermutigen damit interessierte selbiges zu tun. Es ist mit einfachen Mitteln möglich sich aktiv für Umwelt und Natur einzusetzen. Das entsprechende Wissen hierfür stellen wir gerne bereit. Für unsere Ferienspaß Aktion haben wir 32 Anmeldungen! Dies werten wir ebenfalls als Erfolg für unsere Projekte.

Wiesen sind vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Wiesen sind eine Art pflanzliche Übergangsform, denn die Natur sieht als höchste Entwicklung in unseren Breiten den Wald vor. Wiesen wurden durch die Beweidung von Großsäugern, wie Auerochse, Wildpferd, Wisent, Hirsch, und anderen erhalten. Natürliche Wiesen gedeihen auch an Standorten, an denen ein Baumwachstum nicht möglich ist, z.B. in feuchten oder in hohen Lagen. Die heutigen Wiesen werden durch Beweidung mit Vieh oder mit Rasenmähern erhalten. Unsere innerörtlichen Wiesen bieten mit entsprechender Aufmerksamkeit und Pflege wertvollen Lebensraum für unsere bedrohte Insektenwelt. Die Blumenwiese im Bürgerpark ist nur ein Mosaik Stein auf dem Weg in Richtung „Rettet die Bienen“.

Ralf Schreck – Bienen Freund