Ehrenamt

Internationaler Tag des Ehrenamtes

Der Internationale Tag des Ehrenamtes ist ein jährlich am 5. Dezember abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements. Er wurde 1985 von der UN beschlossen. Dies ist die Definition. Was wäre eine Gesellschaft ohne Uneigennutz, ohne Altruismus, ohne Ehrenamt? Das gewisse Etwas mehr zu tun als gefordert, das I-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen. Zwei sehr schöne Beispiele ehrenamtliches Engagement bei uns zu erleben sind das Adventssingen in Eggenstein am kommenden Sonntag, dem 2. Advent und der Nikolaustag in Leopoldshafen, der bereits samstags startet und ebenfalls am Sonntag besucht werden kann. Adventssingen organisiert unser tatkräftiges Ortskartell, der Nikolaustag wird von der AG Ortsgeschichte verantwortet. Unsere Schröcker Feuerwehr wird sich dieses Jahr verstärkt beim Nikolaustag einbringen und neben Mistel und Plätzchenverkauf durch die Jugendfeuerwehr auch Speisen und Getränke anbieten. Das kleine Nebengebäude beim Heimatmuseum war früher das Feuerwehrgerätehaus. Wenn das nicht passt! Genießen wir die gemütliche und familiäre Atmosphäre beider Veranstaltungen und lassen uns auf die Weihnacht einstimmen. Singen wir mit oder hören einfach nur zu. Treffen wir neue und alte Bekannte. Auch die Mitstreiter der AG Umwelt werden am Samstag wieder vor Ort sein und über vergangene und neue Projekte reden. Wäre es nicht nett sich beim Besuch beider Veranstaltungen bei all den Freiwilligen und Ehrenamtlichen für deren Einsatz und Tun zu bedanken? Das Schöne am Ehrenamt ist, dass es jeder kann. Man muss es nicht lernen, man kann einfach mitmachen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Es beginnt mit Zustimmung, mit Wertschätzung. Der Rest kommt von allein. Und man bekommt unendlich viel zurück.

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Ortsgeschichte

 

Der Kirchgarten in Leopoldshafen

Der Kirchgarten in Leopoldshafen

ist ein Insekten Paradies. Es ist ein einladender Ort. Sobald man ihn betritt ist man fasziniert und gefangen von der Symbolik der verschiedenen Pflanzen und der Gestaltung der unbelebten Bereiche. Es gibt zwei Tore, steinerne Sitzbänke, den Findling, der dem Boden entwächst und den Brunnen mit Wasser. Wasser als Ursprung allen Lebens. Beim Verweilen auf einem der Steinquader fällt die Vielfalt der bunten Blumen auf, die von Frühling bis zum Herbst blühen und von zahlreichen Insekten beflogen werden. Es ist ein Garten zum Verweilen, ein Garten der Begegnung. Ein Garten im eigentlichen Sinn, wie es früher viele solcher Gärten gab. Natürlich macht ein Garten auch Arbeit. Man muss sich kümmern, man kann die Verantwortung für einen solchen Garten übernehmen. Belohnt wird man mit dem Erleben von Natur und dem Gefühl, dass man einen wertvollen Beitrag zum Bewahren der Schöpfung leistet. Gärten ohne Pflege gibt es nicht. Es gibt viele ausgeräumte, verkieste und mit Vlies und Folien belegte Gärten, die nur scheinbar pflegearm sind. Der Kirchgarten in Leopoldshafen ist ein Vorbild für ein gelungenes Projekt. Er entstand in einer Gemeinschaft und wird in eben derselben aufrecht erhalten. Vielleicht ändern wir unsere Betrachtungsweisen indem wir aufeinander zugehen und uns gegenseitig helfen? Früher saß man am Feierabend auf dem Bänkchen vorm Haus und hat Nachbarschaft gepflegt. Da wusste jeder über den anderen Bescheid. Neben Klatsch und Tratsch gab es auch eine funktionierende Nachbarschaftshilfe, die ein wesentlicher Bestandteil einer Dorfgemeinschaft darstellt. Ich helfe dir, du hilfst mir. Eine solche Einstellung kann man auf alle Lebensbereiche anwenden. Auch auf unsere Gartenansichten. Der Kirchgarten Leo sucht nicht nur Mitstreiter fürs Pflegen, Wässern, Jäten, sondern auch nur Menschen, die sich auf die Steinquader setzen zum Inne halten oder um mit anderen in Kontakt zu kommen oder zu bleiben. Nebenbei tauscht man Erfahrungen aus, wie man seinen eigenen Garten noch Insekten freundlicher gestalten kann.

An der Gestaltung dieses Gartens war Thomas beteiligt. Genau, derselbe Thomas, der den Maulbeerbaum für den Bürgerpark gespendet hat. Thomas kennt die gärtnerischen Werte. An der Auswahl der Pflanzen im Kirchgärtlein kann man das erkennen. Dabei kennt er nicht nur die Symbolik von Wein, Feige, Lavendel, Thymian und all den anderen, sondern auch die Bedeutung für die Blüten besuchenden Insekten. Gepflegt wird der Garten von einer Gemeinschaft, von der Kirchengemeinde. Das sollte uns Vorbild sein. Bei meinem letzten Besuch dort traf ich eine Hummel Königin, die sich gerade ins Überwinterungsquartier verabschiedete. Sie fragte mich, ob es denn im Frühling noch blühende Vorgärten gibt. Ihr gebt für euer Auto 30.000 € und mehr aus und könnt euch keinen Gärtner für einen vernünftigen Garten leisten? Eure Gesellschaft kennt für alles den Preis, wenn sie jedoch beginnt den Wert nicht mehr zu erkennen, dann gibt sie sich als solche auf.

Was soll ich dazu sagen?

Ich bin oft dort am Kirchgarten. Nur mal eben so. Platz nehmen am Steinquader oder am Rondell bei der Baumhasel. Schauen, Inne halten, Augen schließen. Man erfährt den Sinn des Konfi Projektes 2016/17. Man muss auch kein Kirchgänger sein, um die dort gelebte Gemeinschaft und Solidarität zu erfahren. Es wird Wert gelegt auf nachhaltige Projekte. Wer ratlos ist, setzt sich auf einen der Stühle vor der Kirche (ebenfalls ein Konfi Projekt) und erhält neue Sichtweisen. Wer einen Gottesdienst besucht kommt ebenfalls mit neuen Erkenntnissen zurück. Pfarrer Kendel hat es geschafft mich als Nichtkirchgänger und Katholen in die Kirche zu locken. Und „der Neue“ schafft es bestimmt auch.

Ralf Schreck – Gartenfreund

 

Schönes Eggenstein-Leopoldshafen

Wohlfühlen in Vielfalt

Wer meint unsere Doppelgemeinde zu kennen, der schaut sich mal die folgenden Bilder an. Schönheit und Vielfalt an allen Ecken. Schönes, beschauliches aber auch nachdenkliches ist zu entdecken. Fast wie im richtigen Leben. Es sind kurze Ausschnitte der vergangenen beiden Monate. Und es lässt sich ständig neues entdecken.

Ralf Schreck – Entdecker

Öffentliches Grün und Insektenschutz

Öffentliches Grün und Insektenschutz

Wer kennt die Wildbienen Kolonie in der Pflanzfläche bei der Unterführung Nordring und Leopoldstraße? Es ist eine unscheinbare Rasenfläche mit Ahornbäumen, die wir eigentlich bewusst gar nicht wahrnehmen. Elf Monate im Jahr wohnen dort im sandigen Untergrund die solitär lebenden Frühlingsseidenbienen, Colletes cunicularius. Im März, bei den ersten wärmeren Temperaturen erscheinen die Bienen Männer und schwärmen in diesem Bereich knapp über der Bodenoberfläche. Das sieht dann aus wie ein großer Bienenschwarm. Sie warten auf die Weibchen, die dann einige Tage später erscheinen. Nach der Paarung werden die Drohnen überflüssig und die Weibchen beginnen mit dem Brutgeschäft. Es werden selbst gegrabene Liniennester angelegt, auch die alten Röhren werden wiederhergerichtet. Die Nestwände werden von verschiedenen Sekreten gebildet, die zu einer Cellophan artigen/seidigen Schicht aushärten. Jede Biene erledigt das alleine, deshalb nennt man das solitäre Lebensweise. Blütenstaub und Nektar werden eingetragen. Sobald eine Zelle bevorratet ist, wird ein Ei gelegt, die Zelle verschlossen und eine weitere angelegt, bis die sandige Röhre belegt ist. Aus dem Ei schlüpft die Larve, die sich vom Pollenvorrat ernährt. Es folgt die Verpuppung, aus der die fertige Biene entsteht, die dann zehn Monate im Boden ruht und im nächsten März ausfliegt. Eine unscheinbare Wiese im öffentlichen Grün entpuppt sich als wertvoller Lebensraum für eine bedrohte Wildbienenart.  Einen solchen Standort sollten wir beachten. Schützen können wir diese Bienen, wenn wir diese Fläche nach der Schwärmzeit mähen und dafür sorgen, dass Futterpflanzen der Frühlingsseidenbienen nicht verschwinden. Das sind heimische Weidenarten, die es in der Umgebung noch gibt. Insektenschutz im öffentlichen Grün, wenn wir diese Standorte mit den Augen der Bienen betrachten. Eigentlich ist das ein vorbildlicher Lebensraum im öffentlichen Grün und macht Natur für uns erlebbar. Könnte man nachahmen, denn diese Bienen besiedeln auch unsere Gärten, wenn wir das zulassen.

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Umwelt

 

Colletes cunicularius ist eine der wenigen Wildbienenarten, die wir im Freiland zuverlässig bestimmen können. Sie ist relativ groß und eine der ersten Wildbienen, die im Frühling erscheinen. Damit Wildbienen existieren können bedarf es ein Umfeld, in welchem sie siedeln und in dem sie in ausreichender Entfernung auch ihre Nahrungsquellen finden. Unsere Frühlingsseidenbienen benötigen zum Nisten sandigen Untergrund. Zur Nahrungsgewinnung werden sechs Pflanzenfamilien beflogen, mit einer Bevorzugung von Weiden. Nistplatz und Nahrungsraum, wie Weichholzauen, Weidengebüsche, Ahornalleen und Obstwiesen, können räumlich weit auseinander liegen. All dies gibt es bei uns. Denken wir an die Streuobstbäume am Hammenweg und das dahinter gelegene Weidengebüsch. Fördern können wir diese unter besonderem Schutz stehende Wildbienenart, indem wir deren Nistplätze achten und unseren Streuobstbäumen wenigstens eine Minimalpflege gönnen. Die Unterführung wurde 1974 gebaut zur sicheren Unterquerung der Landstraße. Das Foto stammt von Karl Ueberle. Beiläufig entstand ein Siedlungsraum für die Wildbienen, den wir schätzen sollten.

Landwirtschaft und Insektensterben

Landwirtschaft und Insektensterben

Dem aufmerksamen Beobachter sind bestimmt schon die großen Gründüngungsflächen im Wörth in Leopoldshafen aufgefallen. Nach der Ernte hat der Landwirt diese Flächen mechanisch bearbeitet, reifen Kompost vom Kompostplatz eingebracht und eine artenreiche Gründüngungsmischung ausgesät. Nach wenigen Wochen ist diese Saat aufgelaufen und hat sich zu einer blütenreichen Wiese entwickelt. Einerseits wird dadurch der Boden für die Fruchtfolge im kommenden Jahr vorbereitet, andererseits entwickelt sich ein interessanter Lebensraum, der zahlreiche Insekten und Niederwild wie Fasane anlockt. Solche Gründüngungsflächen gibt es in großen Flächen in beiden Ortsteilen und was dabei auffällt ist, dass man sie zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen und fruchten sieht. Gerade im Hochsommer, wenn das Nahrungsangebot für Insekten allmählich knapp wird, bieten solche Flächen eine wichtige Nahrungsquelle. Nach der Blüte reifen die Samen, die dann viele Vögel anlocken. Dies ist ein wertvoller Beitrag unserer Landwirtschaft, sich am Artenschutz zu beteiligen. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Insekten ganzjährigen Lebensraum benötigen, denn es bedarf nicht nur Nahrung für die fertigen Insekten, sondern auch für deren Entwicklungsstadien wie Larven und Raupen. Die Diskussion, die beim Vortrag zum Insektensterben, den die Freien Wähler organisierten, war sehr aufschlussreich. Am Insektensterben sind wir alle beteiligt und es kann nur Lösungen geben, wenn sich alle Beteiligten für Lösungen bemühen. Die landwirtschaftlichen Gründüngungsflächen sind hierfür ein wertvoller Ansatz. Berichte über Lösungsvorschläge der anderen Beteiligten folgen.

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Umwelt

Diese Flächen im Wörth beobachte ich seit 2016. Bei jedem Gang zur Wildkamera komme ich dort vorbei und entdecke die Veränderungen. 2016 gab es dort Maisanbau und im September trafen wir uns mit den Jagdpächtern, um die Schäden durch die Sauen zu begutachten. Es gab eine Fotoerkundung per Drohne. Dabei wurden sowohl Wild- als auch Trockenschäden sichtbar. Nach der Maisernte wurde der Boden vorbereitet und Getreide gesät. Ende Juli 2017 gab es dann die Getreideernte, danach durfte dieses große Feld mit der Aussaat einer Gründüngungsmischung ruhen. Danach gab es wieder Mais. Das ist die Kurzform der Beschreibung der Fruchtfolgen dort unten im Wörth. Die Geschichten auf den Fotos sprechen für sich.

Landwirtschaft ist nicht gleich Landwirtschaft. Wer glaubt Landwirtschaft sei ein einfaches Geschäft, der irrt. Es gibt Unwägbarkeiten wie Wildschäden, Abhängigkeiten vom Wetter, Abhängigkeiten vom Weltmarkt. Die Maisernte des kommenden Jahres ist bereits jetzt verkauft. Da darf nichts Außergewöhnliches dazwischenkommen. Gewiss, ein Mais oder Getreidefeld ist eine Monokultur und beide werden mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, die fürs Insektensterben verantwortlich sind. Pflanzenschutzmittel sind teuer und werden deshalb zielgerichtet eingesetzt. Dort unten im Tiefgestade sind die Felder von Wald, Hecken, Wiesen und Streuobst umgeben und die Äcker sind in ihrer Fläche überschaubar. Anderswo sind sie Quadratkilometer groß. Wer das Geschehen auf den Feldern beobachtet, erkennt, dass nachhaltig gewirtschaftet wird. Wir leben in einer Kulturlandschaft, die bewirtschaftet wird. Dasselbe gilt für den Wald. Die Balance zu finden zwischen Ökonomie und Ökologie ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

Nicht schimpfen, dass dort alles „vermaist“ ist, oder „alles kaputt gespritzt“ wird. Einfach mal nur beobachten und fragen weshalb man was wie macht, ist der bessere Weg. Dann erfährt man auch, dass unsere Gartenabfälle, die wir brav zum Kompostplatz (und nicht außerhalb) bringen, als fertiger Kompost auf die Felder gebracht werden. Natürlich sind das reine Gartenabfälle, ohne Fremdstoffe, ohne Plastik und ohne Blaukorn Rückstände.

Wenn ich mit Hut und Kamera beobachtend am Feldrand hocke, bleibt der eine oder andere Passant bei mir stehen und erzählt, dass es früher mehr Fasane und Rebhühner in Massen gab. Und Feldhasen sind fast ganz verschwunden. Das sollte uns zu denken geben. Es gibt dort unten noch Tierwelt. Fasane beobachte ich regelmäßig, auch viele Rehe und vor der Wildkamera tauchen Wildschweine, Füchse, Dachse, Marder, Waschbären, Hauskatzen und viele Waldvögel auf. Vor dem Feld gibt es breite Wiesenstreifen, in der Nachbarschaft die für Hunde abgelegenen Grünlandwiesen, am Rheinniederungskanal die Streuobstbäume. Das ist eigentlich eine gute Mischung zwischen Kulturland und Naturbereichen, die wir bewusst betrachten sollten.

Eine verantwortungslose Landwirtschaft kann ich bei uns nicht erkennen. Man kann nicht von heute auf morgen auf Bio umstellen. Wir alle müssen unser Anspruchsdenken und Konsumverhalten überdenken und vor allem miteinander reden. Dann bekommen wir Fürsprecher für weitere Blühstreifen, Totholzhaufen und vieles mehr.

Herzlichen Dank an Jochen, der mir klaglos alle meine Fragen beantwortete.

 

Volkstrauertag

Auf Spurensuche 100 Jahre Erster Weltkrieg in Eggenstein und Leopoldshafen

RhMF22 – 1917 – Dusseldorf, das sind Gravierungen am Boden einer metallenen Blumenvase. Braun metallisch, etwa 22 cm hoch und 8 cm im Durchmesser. Die Oberfläche ist bearbeitet und der Künstler hat eine stilisierte Eiche mit Laub und Eicheln heraus gepunzt. Das passt zu einer Vase. Beim näheren Betrachten erkennt man weitere Verzierungen. 1914 – Romagne – 1918 ist zu lesen. Ein Souvenir als Andenken an Romagne in Frankreich aus dem Ersten Weltkrieg. RhMF steht für Rheinische Munitionsfabrik Düsseldorf und diese Vase ist die Hülse einer abgefeuerten Artillerie Granate, die Menschen zerfetzte. Produziert 1917. Der Künstler war mein Opa Franz Wöppel. Als Bauschlosser fiel es ihm leicht eine solche „Grabenkunst“ zu schaffen. Es gibt eine zweite Vase und einen Aschenbecher für seine Zigarren. Zum Glück gibt es mehr, denn Franz hat den Ersten Weltkrieg überlebt. Er war Sanitätssoldat, wurde mit der Bayerischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, weil er seinen verletzten Unteroffizier aus dem Schlachtfeld barg. Obwohl er verwundet wurde, kam er vom Krieg nach Hause. Nie habe ich ihn über die Erlebnisse aus dieser grausamen Zeit reden hören. Diese Zeit hat ihn gezeichnet, ebenso die in der Heimat verbliebenen Familien, deren Väter und Großväter auf den Schlachtfeldern blieben. Eine solche Spurensuche ist auch Thema am Volkstrauertag, am Sonntag 18.11.2018, welches in einer Gedenkfeier in der Friedhofskapelle Leopoldshafen gewürdigt wird. Der Volkstrauertag ist in Deutschland ein staatlicher Gedenktag und gehört zu den sogenannten stillen Tagen. Er wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen. Nehmen wir uns deshalb die Zeit, besuchen wir diese Gedenkveranstaltung, denn Gewalt, Krieg, Vertreibung, Hass, Fake News, Egoismus, sind ganz aktuelle Themen, denen wir uns annehmen müssen.

Ralf Schreck für die Agenda Gruppe Ortsgeschichte

Franz hat seine Kriegserlebnisse mit ins Grab genommen. Was blieb sind seine Sanitätsschürze, ein Mehrweg Spritzenset, seine Auszeichnungen, der Entlassungsschein, sowie die umgearbeiteten Granatenhülsen. Dieser Krieg hat ihn gezeichnet, dass er Lehren daraus gezogen hat, erkennt man daran, was er aus seinem Leben gemacht hat. Darüber werde ich an anderer Stelle berichten.

Herbstlicher Spaziergang

Herbstliche Fotoausstellung

Glücklich können sich die „Draußen Menschen“ schätzen, denn die erleben gerade einen farbenprächtigen Herbst. Es könnte genauso auch grau, trüb, nass, kalt und trist sein. Noch ist es einfach wunderschön. Dann ist Herbst wie Frühling. Jeden Tag gibt es Veränderungen, jeden Tag entdecken wir neue Farben und Formen. Bei wolkenlosem blauem Himmel leuchten die Farben der Blätter und Blüten besonders schön. Die knallig roten Roten Ahorne im Bürgerpark leuchten mit den gelben Pappeln am Schröcker Baggersee um die Wette. Bunte Früchte an den Wildsträuchern, ruhiges braun in der Gründung Wiese und beim abgeernteten Maisfeld. Selbst im Friedhof erleben wir prächtige Lichtspiele. Man muss gar nicht alles beschreiben, man muss nur raus gehen und sich treiben lassen. Schnell verfliegen alle Ängste und Sorgen und die Seele lebt auf. Vieles gibt es zu entdecken. Ja, man kann sowohl im Ort, als auch im nahen Umland eine Vielfalt an schönen Szenen erleben. Das müsste man eigentlich mit anderen teilen. Machen wir auch. Die Agenda Gruppe Ortsgeschichte organisierte am vergangenen Sonntag eine geführte Radtour zur sehenswerten Orten der Geschichte, Kultur und Natur. Dabei konnte man allerlei erleben. Nicht nur interessant für Geschichts- und Naturfreunde. Das wäre auch etwas für Fotofreunde.

Ralf Schreck – Herbst Freund

 

Herbst

Morgenspaziergang im Wörth bei Leopoldshafen

 

gemäht sind längst die goldnen garben

die ernte ist bereits daheim

natur malt heut in sanften farben

von norden fliegen gänse ein

ihr ruf verhallt schon in der ferne

ich bin mit den gedanken  allein

sanft fließt der nebel um die bäume

und verzaubert feld und flur

noch gibt es zeit für schöne träume

in geheimnisvoller natur

vereinzelt glühen heckenrosen

auch leuchtet jetzt der wilde hopfen

am damm sind es die herbstzeitlosen

das netz der spinne betaut mit tropfen

vom waldrand geht die sonne auf

dann nimmt der alltag seinen Lauf

RMS im Oktober 2018

Die Kräuterspirale der Agenda Gruppe Umwelt in Leopoldshafen

Ein neues Projekt der Agenda Gruppe Umwelt Eggenstein-Leopoldshafen

Eine Idee ist schnell geboren. Die Umsetzung in die Praxis ist jedoch ein steiniger Weg. Eigentlich wollten wir diese Kräuterspirale im Bürgerpark errichten. Der Bürgerpark als Bindestelle und Brücke zwischen Eggenstein und Leopoldshafen, als Ort der Begegnung zwischen Jung und Alt. Im Bereich beim Hardtwald liegt der Radparcours für die Kleinen, beim Biotop treffen sich an den Wochenenden die Jugendlichen, von der Seniorenresidenz kommen die Rüstigen zum Spaziergang in den Park. Und die, die noch mitten im Leben stehen, besuchen unseren Bürgerpark ebenfalls. Irgendwo dazwischen wollten wir an einer Stelle die Kräuterspirale errichten. Als kleiner Treffpunkt für alle Interessierten, zum Staunen, Erleben, Begegnen und selbstverständlich zum Kräuter ernten. Doch der Standort im Bürgerpark war nicht erwünscht.

Unsere Idee aufgeben wollten wir jedoch nicht und fanden schließlich einen schönen Platz in Leopoldshafen im Außengelände der Katholischen Kirche in Leopoldshafen. Mit Genehmigung des Pfarrers und des Kirchengemeinderates entstand dann in nur zwei Samstagen an zwei großartigen Arbeitseinsätzen ein neues bepflanztes Juwel. Obwohl wir im Vergleich zur Bevölkerungszahl von fast 17.000 Einwohnern eine recht bescheidene Gruppe sind, erhalten wir beim Umsetzen unsere Projekte tatkräftige Unterstützung von unseren heimischen Unternehmern. Das Material bekamen wir vom Schröcker Landschaftsgärtner, die Kräuter vom Eggschdoiner Gartencenter, Transport des Materials und Hilfe beim Anlegen der ersten Steinreihe übernahm ein Bauunternehmer, ebenfalls aus Eggenstein. Und große Unterstützung erhielten wir auch von der Schröcker Apothekerin.

Bei der Verwirklichung unserer Ideen geht es um Leben, Umwelt und Natur. Zum Wohlfühlen in Vielfalt gehören auch das bewusste Erleben und Wohlfühlen in der Natur. Dadurch werden die interessierten Menschen für Natur sensibilisiert und das ökologische Bewusstsein wird geschärft. Eine schöne Nebenwirkung dabei ist, dass wir als Freiwillige anderen zeigen, wie man aktiv am Dorfgeschehen teilnehmen kann.

Diese Kräuterspirale ist mehr als nur eine kleine bepflanzte Fläche. Von Menschenhand behauene Steine, aufgeschichtet von Freiwilligen zu einer Spirale, bepflanzt mit essbaren Kräutern, die von jedermann geerntet werden dürfen. Die Blüten locken Insekten, die warmen Steine laden Eidechsen zum Sonnen baden ein. Ein kleines Symbol für unsere funktionierende Kulturlandschaft mitten im Ort, auf dem Gelände der Katholischen Kirche. Die Idee dieser verwirklichten „Aktion der Nächstenliebe“ wurde schnell verstanden und ist dort sehr schön begreifbar.

Der Bürgerpark wurde vor kurzem mit dem Aufstellen der neuen Allwetter Sportgeräte aufgewertet, die unser Seniorenbeirat initiiert hat. Ein weiterer Schritt zum generationenüberschreitenden Aktiv-Park für unsere Einwohner im Herzen unserer schönen Doppelgemeinde. So beschrieben auf der Homepage der Gemeinde Egg-Leo. Was dort jetzt noch fehlt ist ein seniorengerechtes Hochbeet, welches ebenfalls mit erntbaren Kräutern bepflanzt wird. Ein stabil gebautes Hochbeet, welches einigermaßen Vandalismus sicher ist. War das der Ablehnungsgrund für die Spirale oder war es die Befürchtung, dass dieses Projekt mangels Pflege so endet, wie das Teichbiotop mit dem Flusspferd in der Nachbarschaft?

Ralf Schreck – Freund des Wohlfühlens in Vielfalt

Im Kleingedruckten steht geschrieben, dass der Bau, Unterhalt, Pflege, sowie ein eventuelles Enfernen dieser Kräuterspirale alleine in der Hand der AG Umwelt liegt. Das sollte jedoch für uns ein lösbares Unterfangen sein.

 

Bitte klicken, um das Schild zu öffnen.

SchildKraeuterspirale

 

Stand 2

Stand 2

Es ist ein echter Lebensraum dort draußen an der Belle Brücke. Dabei meine ich das etwas abseits gelegene Gelände, in welchem sich die Bienenstöcke befinden. Vom Kopfweg blickt man hinein und sieht die beiden Bienenstände. Wir sind oft dort und schauen einfach mal vorbei. Gelegentlich treffen wir dort den Imker, der uns bereitwillig alles zeigt und erklärt. Dann öffnet er einen Kasten und zeigt uns das emsige Innenleben mit der Königin. Vor den beiden Ständen liegen Folien und alter Teppichboden. Darauf sammeln sich die verstorbenen Bienen. Dadurch bekommt man einen Überblick, ob sich die Mortalität der Honigbienen im Rahmen hält. Teppich und Folien heizen sich tagsüber in der Sonne auf. Diese Eigenschaft nutzen Blindschleichen und Eidechsen, um sich darunter zu erwärmen. Die nachtaktiven Blindschleichen findet man tagsüber darunter, die Eidechsen des nachts.

Mitte September war ich wieder da, um jagende Hornissen zu fotografieren. Kaum war die Kamera mit Blitzgerät auf dem Stativ montiert kamen die ersten Hornissen Arbeiterinnen vorbei und versuchten die ein- und ausfliegenden Bienen zu fangen. Die Kamera auf einen Bienenstock fokussiert, den Drahtauslöser in der Hand, sucht das Auge die Umgebung ab. Sobald eine Jägerin sich nähert rattert der Auslöser. Die Bienen werden im Flug gefangen, überwältigt und in einer Baumkrone zerkaut. Dabei hängt sich die Hornisse mit einem Bein an ein Blatt oder Zweig kopfunter auf und löst den Flugmuskel aus. Mit diesem fliegt sie dann zurück ins Nest und füttert ihre Larven. Die Hornisse selbst nimmt nur Flüssigkeiten, wie Baumsäfte auf.

Am Beobachtungstag kamen ständig Hornissen vorbei und fingen etliche Bienen ab. Alle zwei Minuten wurde eine erbeutet. Manche Bienen können sich losreisen und entkommen. Auch die Hornissen kommen nicht immer ungeschoren davon, denn auf dem „Mortalitätsfeststellungsteppich“ lagen auch zahlreiche tote Wespen und Hornissen. 600 – 800 Fotos in zwei Stunden sind keine Seltenheit. Die Auswertung der Bilder ist äußerst spannend, denn manche Abläufe lassen sich in Echtzeit nicht genau beobachten. Eine Hornisse geriet zu nahe ans Einflugloch, welches von einer Bienen Phalanx bewacht wurde. Zwei Bienen schnappten nach ihr und versuchten sie heranzuziehen, um sie in Gemeinschaft zu umringen und dadurch mit gezielter Überhitzung zu töten. Im letzten Moment konnte sich die Hornisse losreißen und entkommen.

Auf einem Foto kann man am unteren Bildrand erkennen, wie sich zwei Bienen auf eine Wespe stürzen und mit ihr kämpfen. Plötzlich taucht aus der Teppichfalte eine Mauereidechse auf und beobachtet geschwächte Honigbienen, die am Boden herumlaufen. Dann stürzt sie sich auf die flügellahme und vertilgt sie mit drei Bissen, während im Flug Raum oben die nächsten Honigbienen abgefangen werden. Ein Hornissenvolk in einem guten Jahr bringt ca. 400 – 600 Individuen hervor. Oft sind es weniger. Tragen diese Jäger zum Bienensterben bei? Oder sind es gar die aus Frankreich zugewanderten Thailändischen Hornissen, denen man noch viel Übleres nachsagt und deshalb von der EU als zu bekämpfende Neozoen erklärt wurden?

Gerade schießt eine grünliche Großlibelle vorbei und erbeutet ebenfalls eine heimkommende Biene. Zu flink und schnell für die Kamera. Bienensterben? Gibt es das tatsächlich? Wer sich lange Jahre beobachtend in Wald, Feld, Flur und Ort aufhält, hat längst erkannt, dass es immer weniger Insekten gibt. Geht es uns auch etwas an? Die Antwort bekommen wir, wenn wir den Vlies, Kies- und Schotteranteil in unseren Vorgärten betrachten und auch wie unser öffentliches Grün behandelt wird. Wir erinnern uns, „es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit“, die Christrosen waren im Beet vor der Rheinhalle, später im Sommer gab es dort Rittersporn und Fette Henne. Gab es, denn dieses Beet wurde gepflastert. Wer hat das bemerkt, wer hat sich beschwert? Meine Bienen Hotline stand Tage lang nicht mehr still!

Ist es nicht besser alles wieder auf die Landwirtschaft zu schieben? Gerade hat man festgestellt, dass von Bienen aufgenommenes Glyphosat deren Darmflora schädigt und somit negativ ins Immunsystem eingreift. Oder sind es die blütenlosen, weil dauergemähten Wiesen oder die zu schmalen Ackerrandstreifen oder die in Rasen umgewandelten Bodendecker Flächen, die mangels Pflege unästhetisch geworden sind? Oder, oder. Ich höre keine Widersprüche, sagte mir eine Biene. Was soll ich meinen Larven füttern, wenn es keine Insekten mehr gibt, fragte mich eine Hornisse.

Im überdachten Bereich des Bienenstandes gibt es eine größere Kolonie Ameisenlöwen. Das sind zangenbewehrte, räuberische Larven der Ameisenjungfern. Die kleinen Löwen sitzen versteckt in der Mitte des Sandtrichters und warten, bis eine Ameise hineingerät. Der Löwe schleudert dann noch Sandkörnchen Richtung Beute, bis sie schließlich unten in den Zangen endet, in die Tiefe gezogen und verzehrt wird. Es ist ein interessanter Kosmos dort unten beim Bienenstand 2. Eine Welt für sich inmitten von Honigbienen. Deren Bestäubungsleistung und Honigertrag kann nicht genug gewürdigt werden.

Der Imker ist umtriebig, kümmert sich um seine Völker, dokumentiert und schafft nebenbei Lebensraum für viele Tiere. Auch eine kleine Baumschule für Bienengehölze hat er dort unten. Schaut doch einmal vorbei, wenn ihr dort unten seid. Wenn ihr ihn dann trefft, dann fragt ihn doch, ob es das Bienensterben tatsächlich gibt?

Ralf Schreck – Naturbeobachter